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Artikel von August, 2002:
Irland geizt nicht mit seinen Reizen (BauernZeitung, 16. August
Montag, 12. August 2002

Ferien auf dem Bauernhof. In Irland bieten über 400 Bauernbetriebe Übernachtungen als Bed & Breakfast an. Der Standard ist hoch.
Drei Rinder und ein paar Schafe grasen vor dem Bertra House. Der Strand der Clew Bay an der Westküste in Irland liegt nur ein paar hundert Meter vom Haus entfernt, und ist bei Spaziergängern und Vogelliebhabern sehr beliebt. Margaret Gill bereitet gerade die Räume für die nächsten Gäste vor. Das Haus wirbt mit dem Label der Irish Farmhouse Holidays Association, vergleichbar mit dem Verein „Ferien auf dem Bauernhof“ in der Schweiz. Seit 19 Jahren empfängt Margaret Gill auf ihrem kleinen Bauernhof Gäste aus aller Welt. Manche hätten sich in die grünen Hügel und die Spaziergänge am Meer verliebt und kämen immer wieder. Darunter ein Schweizer Ehepaar aus Liestal, das sich mittlerweile in der Gegend ein eigenes Ferienhaus gekauft habe. Die bisherige Saison sei aber enttäuschend verlaufen, berichtet Margaret Gill. Den Grund ortet sie im Wegbleiben der amerikanischen Touristen nach dem Terroranschlag in New York vom letzten Jahr. Zudem habe die Einführung des Euro für eine enorme Verteuerung des Lebens in Irland gesorgt. Laut einer jüngst veröffentlichten Statistik ist Irland in der Euro-Zone das zweitteuerste Land. Die Zeiten, in denen Irland zu den bevorzugten Zielen von Rucksacktouristen zählte, sind vorbei.
Landwirtschaft steht nicht im Zentrum
Die meisten Gäste landen nicht im Bertra House, weil sie Schafe streicheln oder Kuhglocken hören wollen. Die Gelegenheiten dazu wären ohnehin nicht allzu gross, da der Betrieb eigentlich nur noch im Nebenerwerb geführt wird. Viele Touristen fahren zufällig am Haus vorbei und sind auf der Suche nach einer günstigen Unterkunft. Das finden Sie in den Farmhouse Bed & Breakfast, die Betten zu einem für Irland günstigen Preis von zwischen 28 und 35 Euro anbieten. Die Qualität ist in der Regel hoch, da die Bauernhöfe in Konkurrenz zu einer Vielzahl von den in Irland typischen „normalen“ B&Bs“ stehen. Man müsse dauern mitziehen, erklärt Margaret Gill. Ihre Zimmer sind mit WC und TV ausgestattet, trotzdem gab der Inspektor nur drei Sterne, weil eines der Zimmer von der Grösse her nicht ins Schema passte. Sonst hätte sie fünf Sterne erhalten, zeigt sie sich überzeugt. Ihr Haus präsentiert sie mit eigener Website im Internet. „Die Anzahl Buchungen aus dem Cyberspace ist zwar noch gering, doch sie wächst stetig“, zeigt sie sich zuversichtlich.
E-Mail wird täglich gecheckt
Das Internet für sich entdeckt hat auch die 67jährige Brigid O’Connor von der Burren View Farm in Kinvara, die südlich von Galway an der Meeresküste liegt. Seit ihr ein Tourist aus Italien durch die Lappen gegangen ist, checkt sie ihr E-Mail täglich. Man müsse eben mit der Zeit gehen, erklärt sie mit den Schultern zuckend. Mary O’Connor ist die eigentliche Pionierin der Farmhouse B&Bs in der Gegend. Vor 34 Jahren hat sie aus einer Notsituation heraus eine Anzeige in einer grossen Irischen Zeitung geschaltet, worauf zu ihrer Verblüffung gleich sechs Buchungen eingegangen seien. Sie war weit und breit die erste Anbieterin dieser Art. Seither bildet der Tourismus ein wichtiges Standbein, das immerhin für vier Kinder reichen musste. Auf den 57 Hektaren Weiden grasen noch rund 30 Rinder. Mit diesen sind in der gegenwärtigen kritischen Situation, in der sich die irische Landwirtschaft befindet, keine Geschäfte zu machen. Der Sohn, der den Betrieb führt, musste vor ein paar Monaten ausserhalb der Landwirtschaft einen Job suchen. Deshalb wird der Betrieb nur noch als Teilzeitbetrieb bewirtschaftet. Nach Angaben der Irish Farmhouse Holidays Association werden aber rund 60 Prozent der angeschlossenen Bauernhöfe im Vollzeitpensum geführt. Die Burren View Farm in Kinvara zählt mit Sicherheit zu den weniger komfortablen Unterkünften der Irish Farmhouse Holidays Association. Umso beindruckender und authentischer fällt das typische Irish Breakfast mit den unvergesslichen Würstchen in der Stube der Familie aus. Viele Fotos zeugen von einer bewegten Vergangenheit auf dem kargen Land von Irland, das noch vor nicht allzu langer Zeit zu den europäischen Armenhäusern zählte.
Mehr Hotel als Bauernhof
In Irland bieten rund 400 Bauernbetriebe Betten zur Übernachtung an. Für die Mitgliedschaft im Verband und den Eintrag im Katalog müssen 520 Euro jährlich bezahlt werden. Als Mindestgrösse für die Aufnahme gilt eine bewirtschaftete Fläche von 10 Hektaren. Inspektoren überprüfen und beurteilen die Mitglieder regelmässig, um den Standard zu gewährleisten. Wenn Klagen eingehen, werde der Betrieb aber unverzüglich überprüft, versichert Eileen Mc Donogh von den Irish Farmhouse Holidays. Dass irische Farmen nicht mit Schweizerischen verglichen werden können, wird spätestens nach dem ersten Blick in den Katalog offensichtlich. Die darin abgebildeten Häuser gleichen mehr Herrschaftshäusern als Bauernhöfen. In Irland ist das Wohnhaus in der Regel deutlich vom Wirtschaftsgebäude abgetrennt, manche Farmen sind als solche von aussen deshalb kaum zu erkennen. Der Duft nach Mist und Tier dringt oft nicht bis zum Zimmer vor. Diese sind übrigens häufig mit eigener Dusche und TV ausgestattet. Die Bereitstellung von Beschäftigungsprogrammen in der Freizeit scheint in der irischen Version von Ferien auf dem Bauernhof zudem eine grosse Rolle zu spielen. Im Katalog weisen die entsprechenden Symbole auf einen nahegelegenen Golfplatz, Tennisplatz oder Bootsplatz hin. Die Zeichen für „Farmbetrieb, der besichtigt werden kann“ oder „Gäste können mitarbeiten“ sind nur an wenigen Orten aufgeführt.
Sensationelle Lagen in der Natur
Der Reiz an Farmhouse Ferien in Irland liegt in erster Linie in den vorzüglichen Lagen, in denen sich die Gasthäuser in der Regel befinden. Irland geizt nicht mit landschaftlichen Reizen und ist ein Paradies für Leute, die sich nach Ruhe und Natur sehnen. Die Farmhouse B&Bs liegen oft in ruhigen, wenig erschlossenen Gegenden. Der Standard der Häuser variiert allerdings stark. Empfohlen wird deshalb ein prüfender Blick ins Zimmer vor dem Bezug der Betten. Das bevorzugte Reisemittel in Irland ist das Auto, weil es für eine gewisse Unabhängigkeit bürgt, und die spontane Auswahl der Loge ermöglicht. Immer mehr Touristen satteln die Fahrräder, was wegen des noch geringen Verkehrs eine gute Alternative bildet. Wer lieber zum Voraus buchen möchte, der kann das von zu Hause aus über das Internet tun.
Brennerei: Old Midleton Distillery, eine der drei letzten Irish-Whiskey-Brennereien Kommt ohne rauchigen Flavour aus (Schweizer Bauer, 7. August 2002)
Mittwoch, 07. August 2002
Ein Besuch in der Old Midleton Distillery in der Nähe von Cork, eine der drei letzten in ihrer Art, führt durch die Geschichte des irischen Whiskeys. Gleich hinter dem historischen Gelände dampft der Kamin der neuen Anlage.
Dass der irische Whiskey weltweit nur die dritte Geige spielt, hat weniger mit der Qualität, sondern mehr mit seiner schwierigen Geschichte zu tun. Noch streiten sich die Historiker darüber, ob das edle Getränk nicht sogar in Irland selbst erstmals gebrannt wurde. Sicher ist, dass der Begriff Whiskey aus dem Gälischen stammt und übersetzt «Lebenswasser» heisst.
Gegen Ende des 17. Jahrhunderts belieferten noch rund 2000 irische Whiskey-Brennereien die ganze Welt mit dem edlen Tropfen. Anfang des vergangenen Jahrhunderts bedeuteten das Verbot in den USA und der Verlust des britischen Absatzmarktes nach dem Unabhängigkeitskrieg das Ende vieler irischer Brennereien. Übrig geblieben sind bis heute nur gerade drei Stück, die allesamt zum französischen Pernod-Ricard-Konzern gehören. Eine davon ist die Midleton Distillery in der Nähe von Cork. Die alte Brennerei mit ihrem Lernpfad über die Whiskey-Produktion bildet seit 1975 einen Magnet für Whiskey-Liebhaber aus der ganzen Welt. Gleich hinter dem aus industriegeschichtlicher Betrachtungsweise einzigartigen alten Gelände streckt sich der Kamin der neuen Anlage. Dort werden heute jährlich rund 20 Millionen Flaschen Whiskey produziert, darunter der bekannte Jameson Whiskey, und auf dem ganzen Globus verkauft.
Der Unterschied zu den bekannteren schottischen und amerikanischen Sorten liegt nicht nur in der anderen Schreibweise – der irische schreibt sich mit einem «e» vor dem «y».
Dreimal destilliert
Im Gegensatz zum Scotch fehlt dem irischen Whiskey der rauchige Geschmack, da zur Trocknung der Gerste ein rauchloses Verfahren angewendet wird. Wem also der Geschmack nach dem verbrannten Torf nicht liegt, der ist bei der irischen Version eindeutig besser aufgehoben. Vor allem bei jungen Leuten ist der milde Irish Whiskey deshalb beliebt. Die Grundzutaten für den Whiskey sind Gerste, Malz und sauberes Wasser. Dabei ist Malz nichts anderes als während vier Tagen gekeimte Gerste. In Midleton liefert der Dungay River das Wasser. Die Gerste stammt ausschliesslich aus Irland. Im Unterschied zu seinen «Brüdern» aus den USA und Schottland wird der Whiskey in Irland aber dreimal destilliert. In den anderen Ländern werden meistens nur zwei Brennvorgänge, in den USA in der Regel sogar nur einer durchgeführt. Dank der dreifachen Destillation ist die irische Version ausserordentlich «rein» und weist nach dem Brennen einen Alkoholgehalt von 80 Prozent auf. Die Farbe hat er nach dem dreimaligen Verdampfen verloren. Erst das Eichenholz der Fässer, in denen der Whiskey ein paar Jahre reift, gibt ihm die Farbe zurück.
Der Irish Whiskey Trail
Der Whisky wird nach den Jahren in den Fässern schliesslich verdünnt und in Flaschen abgefüllt. Das Prunkstück der Old Distillery ist die Kupfer-Brennblase mit einem Fassungsvermögen von sagenhaften 144 000 Liter aus dem Jahr 1827. Sie ist die grösste ihrer Art weltweit. Am Ende der Führung durch die historische Brennerei wird der heute in der neuen Produktionsanlagen hergestellte Whiskey dem Publikum zur Degustation aufgetischt. Wer dabei den irischen Whiskey vom schottischen Whisky unterscheiden kann, erhält ein Zertifikat.
Die Brennerei in Midleton gehört zum «Irish Whiskey Trail», der im Norden in der Old Bushmills Distillery in Antrim beginnt und über die Old Jameson Distillery in Dublin nach Midleton führt.



