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Journalismus: Publizierte Artikel

Artikel von Januar, 2004:

Biopoulets erobern den EU-Markt (BauernZeitung, 23. Januar 2004)

Freitag, 23. Januar 2004

Bauernzeitung, 23. Januar 2004

Biopoulets erobern den EU-Markt

Im Südwesten Ungarns produziert der Holländer Wil von Eijsden jährlich 240000 Hähnchen für den Export.

Als Wil van Eijsden vor zwei Jahren die Planungen zur Inbetriebnahme der Geflügelfarm „Organic Valley“ im Südwesten Ungarns aufnahm, errechnete er sich mit Hilfe von Zirkel und Länderkarte ein Kundenpotential von 80 Millionen Leuten im Umkreis von einem „LKW-Tag“. Darunter fallen Städte wie Mailand, Wien, Graz oder München. Dass die Kundschaft eher im Westen zu suchen war, lag auf der Hand, denn der Betrieb in Tornyizentmiklós im Dreiländereck Slowenien, Kroatien und Ungarn sollte nach biologischen Kriterien bewirtschaftet werden. Heute exportiert der Betrieb jährlich rund 250’000 gefrorene Biopoulets nach Deutschland, Holland und Italien. Sie laufen dort zum Preis von rund 7 Euro pro Kilogramm über die Ladentische.
Da auf dem von privatrechtlich geregelten Labeln dominierten Schweizer Biomarkt strengere Bestimmungen gelten, als sie die EU-Bioverordnung vorsieht, bleibt ihm dieser Markt verschlossen. Die Schweizer Marktführerin Bio Suisse beschränkt die maximale Herdengrösse in der Hühnerhaltung auf 500 Tiere und fordert ein relativ aufwändiges Weidesystem, das oft mit mobilen Hühnerhäusern betrieben wird. „Es entspricht nicht unserer Philosophie, Poulets aus nicht naturnaher Massenhaltung anzubieten,“ erklärt Susanne Büsser von Bio Suisse auf Anfrage. Mit Herdengrössen von 4800 Poulets erfüllt der Betrieb in Ungarn die gesetzlichen Vorschriften im Rahmen der Bioverordnung, doch diese hat in der Schweiz nur eine theoretische Bedeutung. Obwohl auf dem Betrieb in Ungarn unter dem Strich eine ähnliche Weidebewirtschaftung betrieben wird, wie sie Bio Suisse fordert und die Besatzdichte mit sieben erwachsenen Tieren pro m2 tief angelegt ist, bestehen aber wegen den Herdengrössen zurzeit kaum Export-Chancen in die Schweiz.

Ehemaliger Kollektivbetrieb

Die Fläche und die Ökonomiegebäude des heutigen „Organic Valley“ waren zu kommunistischen Zeiten in den Händen eines damals üblichen staatlichen Kollektivbetriebes, der damals noch eine Vielzahl der heute noch übrig gebliebenen 13 Arbeitsplätze bot. Nach der Wende kaufte sich ein Deutscher das Gut und betrieb eine Springpferdezucht ehe im Jahr 2001 die aus der Schweiz operierende Investmentfirma ASI Global den Betrieb kaufte. Als Geschäftsführer wurde der holländische Agronom Wil van Eijsden (51) eingesetzt, der auf eine langjährige weltweite Erfahrung im biologischen Landbau zurückblickt: „Vom Pfefferminzanbau und der Seidenraupenzucht über den Obstbau und die Eierproduktion habe ich praktisch alles gemacht, was im ökologischen Landbau möglich ist“, sagt er stolz. Der wahrscheinlich erste holländische Bioberater überhaupt gilt als Pionier des Biologischen Landbaus und hat viele Jahre in den Verbänden mitgearbeitet und Richtlinien ausgearbeitet. Heute will er aber nur noch „Bauer“ sein, wie er selber sagt. Und das tut er nun in Ungarn, wo er seit einigen Jahren sesshaft ist. Das „Organic Valley“ beherbergt in seinen drei Geflügelhallen – eine davon doppelstöckig – 38’400 Tiere pro Umgang. Im Alter von rund 40 Tagen werden die Tiere in externen Vertragsbetrieben weitergemästet. Diese erfüllen genauso wie der Hauptbetrieb die Richtlinien, welche die EU-Bio-Verordnung vorschreiben. In jährlich sechs Produktions-Runden erreichen so schliesslich rund 250’000 Tiere den ebenfalls entsprechend zertifizierten Schlachthof ehe sie in gefrorenem und zerlegtem Zustand ins westliche Europa transportiert werden. Auf dem ungarischen Markt fehlt zurzeit noch die Kaufkraft für teure Bioprodukte. Umso attraktiver ist das günstige Kostenumfeld für exportorientierte Unternehmen. Trotzdem hofft der Geschäftsführer, dass sich dereinst auch der regionale Markt entsprechend entwickelt. „Obwohl das Geschäft mit Ökoprodukten längst globale Ausmasse angenommen hat, muss die regionale Vermarktung im ökologischen Landbau immer das Ziel sein,“ beruft sich Wil van Eijsden auf die ursprünglichen Werte der Biolandbaubewegung.

Langsam wachsende Hybridrasse

Im Unterschied zur konventionellen Landwirtschaft, dürfen die gemästeten Hühnchen im biologischen Landbau etwa doppelt so lange leben und werden im Alter von 81 bis 84 Tagen geschlachtet. Der Betrieb setzt auf eine langsam wachsende Hybridform von ISA Hubbard, die sich zudem durch die niedrige Sterblichkeitsrate auszeichnet. Die Eintagsküken werden importiert und von einer konventionellen ungarischen Brüterei im Lohn ausgebrütet, was die Biorichtlinien zurzeit noch zulassen. Die Abgangszahlen im „Organic Valley“ liegen trotz der langen Mastdauer unter drei Prozent. Seit kurz vor Weihnachten im vergangenen Jahr die erste Runde mit Küken eingesetzt wurde, traten gemäss Aussagen des Betriebsleiters kaum Krankheiten auf. Da – ausser den Impfungen – der vorbeugende Einsatz von chemische Behandlungsmitteln in der biologischen Hühnermast verboten ist, ist die Hygiene doppelt wichtig. Vorbeugend werden nur natürliche Stoffe verabreicht, dazu gehört zum Beispiel Knoblauch im Trinkwasser. Das ausgeklügelte und hochtechnologisierte Management bei der Belüftung und Fütterung sowie eine Bodenheizung sorgen für die optimale Umgebung der Tiere, die über ganzjährige Auslaufmöglichkeiten verfügen. Als Schattenspender will der kreative Geschäftsführer in den nächsten Monaten auf den Wiesen um die Hühnerställe Bambus auspflanzen, da sich die Tiere nicht gerne in der prallen Sonne aufhalten. Sorgen bereiten dem Betrieb die häufig auftretenden temporären Versorgungspannen bei der Wasserzulieferung. Abhilfe verspricht man sich von der eigenen Quelle, die in den nächsten Monaten angezapft werden soll. Die Futtermischung aus Soja, Lupinen, Luzernemehl, Sonnenblumenpresskuchen und Mais wird in der eigenen 50 Kilometer entfernten Futtermühle hergestellt. Als Starter erhalten die Küken übrigens in den ersten Tagen Bierhefe und Magermilchpulver, was für die Gesundheit gut sein soll.

Daten zum Organic Valley in Tornyizentmiklós (Ungarn)

Bewirtschaftungsform: Biologisch (nach EU-Verordnung)
Anzahl Angestellte: 13
Flächen: 380 ha Ackerbau, 233 (extensive) Weiden.
Investor: ASI-Global
Produkte: Bio-Poulet für den Exportmarkt, mittelfristig (biologische) Soja-Saatgutproduktion
Staatliche Unterstützung: ca. 80 Euro/ha für biologischen Landbau.
Acker-Kulturen: Winterweizen, Frühlingstriticale, Wintergerste, weisse Süsslupine, Soja, Ackerbohne, Nackthafer, Mais und Kleegras.

Ziel eigene Versorgung

Da sich das „Organic Valley“ noch in der Anfangsphase befindet, müssen zurzeit noch Futter und Dünger zugekauft werden. „In ein paar Jahren wollen wir hier alles auf dem eigenen Betrieb produzieren,“ gibt Wil van Eijsden die Marschroute vor. Das Futter stammt bereits heute zu einem beachtlichen Teil aus eigener Produktion, obwohl sich der Ackerbau eigentlich noch in der Vorbereitungsphase befindet. Ab nächstem Jahr rotiert auf den Flächen endgültig die leguminosenreiche Fruchtfolge. „Ich bin überzeugt, dass ein Betrieb von dieser Grösse auch mit einem nahezu geschlossenen Kreislauf rentabel bewirtschaftet werden kann,“ blickt Wil van Eijsden zuversichtlich in die Zukunft. Das muss er auch, denn der Investor hat bis heute rund 2 Millionen Euro in die Anlagen investiert, und verspricht sich natürlich langfristig Renditen. Vom offiziellen EU-Beitritt Ungarns im nächsten Jahr erwartet er keine gravierenden Änderungen, da sein Unternehmen die zahlreichen EU-Vorschriften bereits heute problemlos erfülle und sich an den Grenzformalitäten vorerst nichts ändern dürfte. Langfristig kann sich der Holländer gut vorstellen, die Produktion an die strengeren Vorschriften des biologisch dynamischen Landbaus anzupassen und die Poulets mit dem privatrechtlich geregelten Demeter-Label zu vermarkten.

www.asiglobal.com

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Islamischer Alltag in Luzern (Luzerner Woche, 14. Januar 2004)

Mittwoch, 14. Januar 2004

Muslime bilden in unserer Region die drittgrösste Religionsgemeinschaft. Eine Ausstellung in der Kornschütte stellt das Leben der muslimischen Bevölkerung ins Zentrum.

Von aussen fällt die Bosnische Moschee im ehemaligen Kino Merkur in Emmenbrücke kaum auf. Die Innenräume erscheinen für den fremden Besucher aber etwas überraschend in leuchtenden Farben. Der Gebetsraum bietet den gläubigen Muslimen aus der Region die ideale Atmosphäre zur Ausübung ihrer religiösen Rituale. Zum traditionellen Freitagsgebet treffen sich im “Dzemat Islamische Gemeinschaft” zwischen 150 und 200 Gläubige und lauschen der Predigt des Imam. Im Kanton Luzern leben rund 13’000 Musliminnen und Muslime. Sie bilden nach der katholischen und evangelischen Kirche die drittgrösste Glaubensgemeinschaft. Wie in Emmenbrücke findet die Pflege der muslimischen Traditionen heute häufig noch im Verborgenen statt. Man wolle wegkommen von den “Hinterhofmoscheen”, erklärt Petrit Alimi, Präsident der Vereinigung der Muslime in Luzern (VIOKL) gegenüber dieser Zeitung. Seine Vereinigung träumt von einem modernen islamischen Kulturzentrum für alle Muslime in der Region. Dafür sei ein hohes Mass an Verständnis, Toleranz und Respekt in der gesamten Gesellschaft nötig. Vielen Schweizern und Schweizerinnen ist der Islam weitgehend unbekannt und durch Vorurteile geprägt. Dabei ist der Einfluss des Islams in ganz normalen Alltagssituationen oft schon spürbar. Sei dies nur, wenn unser der Fussballtrainingskollege im Restaurant nach der genauen Zusammensetzung der Fleischravioli fragt. Historisch betrachtet existiert eine interessante Verbindung zwischen der Schweiz und dem Islam. So soll ein gewisser Johann Ludwig Burckhardt aus Basel, alias Scheich Ibrahim (1784-1817) als erster Mitteleuropäer zum Islam konvertiert und Mekka als Pilger besucht haben.

Verschiedene Nationen

Die rund 300’000 in der Schweiz lebenden Muslime – 40’000 davon besitzen die schweizerische Staatsbürgerschaft – bilden weder ethisch, kulturell, sprachlich oder politisch eine Einheit. Fast die Hälfte stammt aus der Türkei, ein Drittel kommt aus dem Balkan. Eine Minderheit hat seine Wurzeln in Nordafrika und im arabischen Raum. Als Brückenbauer zwischen der grösstenteils nichtmuslimischen Schweizer Bevölkerung und der islamischen Glaubensgemeinschaft soll die Ausstellung “Islamischer Alltag in Luzern” dienen, die seit Mittwoch in der Kornschütte präsentiert wird und noch bis am 15. Februar dauert. Sie führt mittels Infotafeln, Bildern Videofilmen und Alltagsgegenständen in die Grundlagen des Islams ein. “Mit der Ausstellung wollen wir die gesamte Gesellschaft für ein qualitatives Zusammenleben aller Glaubensgemeinschaften in der Schweiz sensibilisieren”, beschreibt Petrit Alimi die Zielsetzung des Events, der eine angepasste Version an die Ausstellung zum islamischen Alltag in Zürich darstellt. Im regional ausgerichteten Teil wird auf Themen wie Familien, Erziehung der Kinder, Frauenfragen oder Alltagspraktiken eingegangen. In die Ausstellung integriert sind drei Filme zum Alltagsleben von Musliminnen und Muslimen in Zürich.

Praktisches Kennenlernen

Das Studium der Schautafeln und Bildern liefert aber nur den theoretischen Hintergrund. Ein reichhaltiges Rahmenprogramm erlaubt den vertieften, praktischen Einblick in den in der Region gelebten Islam. Namhafte Referenten und Referentinnen, darunter der bekannte Nahost-Spezialist Arnold Hottinger, geben ihr fundiertes Wissen in Fachvorträgen weiter. Besondere Aufmerksamkeit dürfte dabei Regina Steiner Amri erfahren, die über die gemachten Erfahrungen des islamischen Religionsunterrichtes in Luzern referiert. Die Primarlehrerin sorgte vor zwei Jahren wegen der Lancierung eines solchen Unterrichtes in Kriens für hitzige Diskussionen. Wem immer noch der reale Bezug zum islamischen Glauben fehlt, der kommt während der Ausstellung an zwei Wochenenden auf seine Kosten, wenn die Moscheen ihre Tore für die Allgemeinheit öffnen.

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