Journalismus: Publizierte Artikel
Artikel von Juli, 2005:
Auch weisse Hühner legen manchmal braune Eier (LID-Mediendienst, 28. Juli2005)
Donnerstag, 28. Juli 2005
In der Schweiz leben über sieben Millionen Hühner. Im Vergleich zum Ausland haben sie es gut, denn die Batteriehaltung ist hier verboten. Trotzdem hat sich die Geflügelhaltung bei uns zu einem hoch automatisierten Geschäftsfeld entwickelt.
Vor fünf Jahren eroberte das Huhn Ginger weltweit die Herzen der Kinder und Erwachsenen. Es spielte die Hauptrolle im Erfolgsstreifen “Chicken Run”, einem Computer animierten Hühnerdrama. Die Hühnerherde auf der Tweedy-Farm ist im Film dazu verdammt, Eier zu legen. Ginger versucht vergeblich, ihrem Schicksal zu entfliehen, die Fluchtversuche durch den engen Maschendraht verlaufen immer wieder erfolglos. Erst die Ankunft des Hahnes Rocky verspricht Besserung. Doch die Zeit drängt, denn die herrische Bauersfrau hat neue Pläne, da sie mit Fleisch mehr verdienen kann als mit den Eiern. Selbstverständlich endet das Ganze auf der Leinwand mit einem Happy-End.
Hygiene wird gross geschrieben
Das in “Chicken Run” geschilderte Hühnerleben wäre in der Schweiz wohl irgendwo zwischen Boden- und Auslaufhaltung anzusiedeln. Denn immerhin erhalten Ginger und ihre Freundinnen regelmässig Auslauf im Freien. Damit endet der Bezug des Filminhaltes zur aktuellen Hühnerhaltung
Fakten über das Huhn
ep. Das Haushuhn (Gallus domesticus) gehört zur Ordnung der Hühnervögel (Galliformes), der Unterfamilie der Fasanen (Phasianinae) und der Gattung der Kammhühner (Galli). Unser heutiges Haushuhn stammt vom Bankivahuhn (Gallus gallus) ab, das in Indien und Südostasien beheimatet ist. Älteste gesicherte Nachweise des Haushuhnes stammen aus dem Industal und datieren zwischen 2500 und 2100 v. Chr. Grössere Verbreitung fand das Haushuhn bei uns aber erst seit der Römerzeit.
Im vergangenen Jahr assen jede Schweizerin und jeder Schweizer durchschnittlich 182 Eier – als Dreiminuten-Ei, Spiegelei, hart gekochtes Ei oder zu etwa 30 Prozent in verarbeiteter Form als Teigware, Saucen, Cremen und so weiter. Ingesamt wurden fast 1,4 Milliarden Eier gegessen. 47 Prozent davon wurden in der Schweiz produziert. Der Geflügelfleischverbrauch betrug im vergangenen Jahr 13,5 Kilogramm pro Kopf. Der Inlandanteil belief sich auf einen Anteil von 59 Prozent. Der Hühnerbestand lag bei rund 7,5 Millionen Stück. Davon waren rund 4,5 Millionen Mastpoulets und 2 Millionen Legenhennen. Den Rest bildeten Zuchthennen, Legeküken und Liebhabertiere. Gesamtschweizerisch wurden im Jahre 2003 auf 18,299 Betrieben Hühner gehalten. Deutlich über die Hälfte davon wiesen einen Legehennenbestand von höchstens 24 Tieren auf, gelten also als Hobbybetriebe. 118 Betriebe hielten Bestände von mehr als 4,000 Tieren. Die Zahl der Mastpouletbetriebe belief sich auf 1,043. Am meisten Hühner leben in den Kantonen Bern und Fribourg.
Quellen: Aviforum, Deutschlandfunk
aber auch schon. Denn mit den im Film gezeigten, verstaubten Stallungssystemen haben heutige moderne Systeme nichts mehr gemeinsam. Strenge Hygiene- und Tierhaltungsvorschriften sowie die Wirtschaftlichkeit bestimmen heute den Alltag der Geflügelhalter in der Schweiz. Den stolzen Hahn auf dem Misthaufen sieht man heute nur noch auf kleinen Bauernbetrieben, die Geflügelhaltung noch hobbymässig betreiben. Die überwiegende Zahl von Eiern, die wir heute zum Frühstück essen, stammt von Betrieben, die in ihren Ställen Herden von 2,000 bis 6,000 Tieren unterbringen. In der Schweiz dürfen auf einem Betrieb aber nicht mehr als 18,000 Hühner gehalten werden. Der Geflügelhof der Familie von Euw in Oberglatt ZH gehört mit seinen acht Herden von insgesamt 12,000 Legehennen zu den grössten Geflügelhaltungsbetrieben in der Schweiz, die sich auf die Produktion von Eiern spezialisiert haben. Bis zu 10,000 Eier verlassen den Geflügelhof täglich. Andere Geflügelhalter konzentrieren sich auf die Mast von Hühnchen und Hähnchen zur Fleischproduktion.
Die meisten Schweizer Geflügelhaltungsbetriebe kaufen ihre Tiere direkt von Brütereien als Küken oder 17-wöchigen Junghennen ein. Der Geflügelhof in Oberglatt gehört zu den wenigen, der die Küken nicht zukauft, sondern die Eier noch im Brutkasten ausbrütet und die Küken danach 18 Wochen aufzieht. Ausgewachsen legt eine Legehenne während 15 bis 17 Monaten zuverlässig und fast täglich Eier. Auf die branchenübliche Auslagerung von einzelnen Produktionsphasen wird bewusst verzichtet. Sogar die Vermarktung der frischen Eier liegt in den eigenen Händen. “Dadurch lässt sich die Qualität besser gewährleisten”, erklärt Daniel von Euw, der in dritter Generation dereinst den Betrieb von seinem Vater einmal übernehmen soll. Auf den 20 Hektaren Ackerfläche wird ein Teil des Futters produziert. Dieses wird in der hofeigenen Mühle und nach geheimem Mischplan gemahlen. Das Geflügelfutter besteht hauptsächlich aus Mais, Weizen, Grasmehl, Soja, Maiskleber, Kartoffelproteinen und anderen Zusatzstoffen. Etwas mehr als die Hälfte der rund 12,000 Legehennen leben in Volièren mit mehreren Etagen. Die Eier rollen vom Legenest auf das Förderband, werden kontrolliert, sortiert, verpackt und als “Eier aus Bodenhaltung” verkauft. Nicht weit von der Anflugpiste des Flughafens Unique liegt die eingezäunte Auslauf-Fläche für die restlichen Hühner, deren Eier aufgrund des höheren Haltungsaufwandes etwas teurer als “Freilandeier” in den Handel gelangen. “Vom Lärm der Triebwerke der startenden Grossraumflugzeuge lassen sich die Tiere überhaupt nicht beeindrucken, denn schliesslich haben sie diese Geräusche schon im Brutkasten und als Küken im Aufzuchtstall mitbekommen”, sagt Daniel von Euw und zwinkert mit den Augen.
Hybriden haben sich durchgesetzt
Obwohl bei den Hühnern in der Schweiz 89 Gross- und 58 Zwergrassen anerkannt sind, gehören die Zeiten des “Weissen Leghorns” oder des “Appenzeller Barthuhns” der Vergangenheit an. Manche Rassen sind sogar vom Aussterben bedroht. Die heutigen Geflügelhalter arbeiten mit speziellen Hybrid-Rassen, die eigens für die Eier- oder die Fleischproduktion entwickelt werden. Weltweit gibt es nur gerade eine Handvoll solcher Kreuzungsrassen, die dann in speziellen Zuchtlinien für die besonderen Verwendungszwecke weitergezüchtet werden. Die Grosseltern der in der Schweiz gewerblich eingesetzten Hühnchen und Hähnchen werden alle im Ausland gezüchtet. Erst die Elterntiere kommen in die Schweiz, wo sie in Quarantäne-Betrieben die Eier für die Nachkommen legen, die dann in die Brütereien weiter gereicht werden. Dass Geflügelbetriebe in der Schweiz so hochgradig spezialisiert sind, liegt in erster Linie an der Konkurrenz aus dem Ausland. Dort können Eier in der seit vielen Jahren in der Schweiz verbotenen Batteriehaltung viel günstiger produziert werden. Trotz billiger Konkurrenz bildet das Schweizer Ei eine Erfolgsstory. Es gibt fast kein anderes landwirtschaftliches Produkt, das eine ähnlich hohe Akzeptanz bei Konsumentinnen und Konsumenten aufweist, obwohl der Preis deutlich höher liegt als bei den Eiern aus dem Ausland. Damit goutiert die Kundschaft den Schweizer Entscheid von 1992, die Käfighaltung zu verbieten. Erstaunlich ist zudem die Tatsache, dass der Absatz der im Vergleich zu Eiern aus Bodenhaltung rund doppelt so teuren Bio-Eier im vergangenen Jahr um vier Prozent zugenommen hat. Das ändert allerdings nichts daran, dass in vielen verarbeiteten Produkten wie Teig- oder Backwaren vorwiegend billige Importeier verwendet werden.
Hygiene als oberstes Gebot
In der Schweiz leben über sieben Millionen Hühner. Gut ein Drittel ist zum Eierlegen bestimmt, die anderen Tiere werden bis zu ihrer Schlachtung gemästet. Wer heute einen Geflügelbetrieb besichtigt, kommt ohne Schutzhülle und Desinfektionsmittel kaum mehr durch. Die Gefahr, dass sich die anfälligen Hybrid-Tiere mit von Besuchern eingeschleppten Krankheiten anstecken, ist zu gross. Das gilt auch beim Eintreten in den Raum, in dem der Brutkasten im Geflügelhof in Oberglatt steht. Die Eier werden darin während 21 Tagen bebrütet. Innerhalb von 36 Stunden schlüpfen die Küken.
Dann kommt der Einsatz der “Güggeli-Sexerin”. Aufgrund der Flaumfarbe trennt sie die noch kleinen Tiere nach dem Geschlecht. Für die Hühnchen kommt nun die Zeit der 18-wöchigen Aufzucht. Für die Hähnchen gibt es ausser der Verwendung als Zoofutter keine Verwendung mehr. Die speziell für die Eier-Produktion gezüchteten Tiere können nicht in der Mast eingesetzt werden. “Wir sind froh, dass wir diese Küken lebend an den Zoo Zürich abgeben können, wo sie tiergerecht getötet und an Eulen und andere Raubvögel verfüttert werden”, erklärt Daniel von Euw. Fürchten sich Ginger und ihre Kolleginnen in “Chicken Run” noch vor dem Ende auf der Schlachtbank, endet in der heutigen Zeit das Leben eines Huhnes in der Regel nicht einmal mehr als Suppenhuhn. Die Tiere lassen sich auf dem Markt kaum mehr absetzen und müssen teilweise entsorgt werden.
Braune oder weisse Eier?
Die meisten Hühner, die heute in der Eierproduktion eingesetzt werden, sind entweder braun oder weiss. Auf dem Betrieb der Familie von Euw geniessen nur die braunen Hühner den Auslauf im Freiland. Das liege laut Daniel von Euw in erster Linie daran, dass sie weniger gut fliegen können, als ihre weissen Artgenossen. Zudem schaffe die farbliche Trennung zwischen der Volieren-Bodenhaltung und der Bodenhaltung mit Freilandauslauf die nötige Transparenz für die Konsumenten. Eine häufig gestellte Frage ist die nach der Eierfarbe. Sehr oft ist es tatsächlich so, dass die Farbe des Huhns mit dem der Eierfarbe übereinstimmt. Doch es gibt Ausnahmen. Alleine entscheidend ist die Farbe der Ohrscheiben. So legen weisse Hühner mit roten Ohrläppchen braune Eier. Auf die Qualität der Eier hat die Farbe keinen Einfluss. In Oberglatt wird es wohl bald mehr braune Hühner geben, denn der Betrieb möchte die Auslaufhaltung forcieren. “Wenn im Ausland die Vorschriften verschärft werden, dann müssen wir in der Schweiz schon wieder ein Schritt weiter sein”, ist Daniel von Euw überzeugt. Um sich von der Konkurrenz abzugrenzen, baut sein Unternehmen weiterhin auf Qualität, wozu eben auch die artgerechte Haltung gehört.
Lukrativer Online-Handel aus dem Berggebiet (Luzerner Woche, Juli 2005)
Sonntag, 10. Juli 2005Immer mehr Leute beteiligen sich aktiv auf Internet-Versteigerungsplattformen wie eBay. An Verkäufer-Seminaren erklären die eBay-Leute, wie es geht. Paul Schönenberger aus Emmetten NW handelt von seinem Chalet aus online mit Fitnessgeräten und hat sich damit ein geschäftliches Standbein geschaffen.
Versteigerungen im Internet erfreuen sich in der Schweiz einer grossen Beliebtheit. Von der Briefmarke über das Laufgitter bis zum Neuwagen gibt es heute kaum ein Artikel, der nicht auf einer der grossen Versteigerungsplattformen angeboten wird. Die getätigten Umsätze sind beeindruckend. In den USA wird bei Marktleader eBay jede Minute ein Auto verkauft. In der Schweiz kämpft eBay vorläufig noch mit der in Steinhausen ZG sesshaften Ricardo.ch um die Vorherrschaft. Erst seit gut drei Jahren unterhält eBay in der Schweiz ein eigenes Team in Bern. An speziellen Verkäufer-Seminaren erklären die jung-dynamischen eBay-Leute, wie man mit Versteigerungen Geld verdienen kann. Das Interesse an den Veranstaltungen ist gross, wie das Beispiel von vergangener Woche im Hotel Monopol in Luzern zeigte. Bis auf den letzten Stuhl waren alle Plätze besetzt. Wenn Michel Sägesser, Category Manager bei eBay, an den Anlässen jeweils mit seinen Ausführungen beginnt, dann erhofft er sich, dass nicht nur Private als Händler auf eBay einsteigen sondern auch Unternehmen. Und von denen gibt es immer mehr. “Denn die Reichweite ist mit weltweit 157 Millionen registrierten Benutzern enorm”, erklärt er den Erfolg. Dass es möglich ist, auf solchen Online-Plattformen richtig Geld zu verdienen, zeigt das Beispiel von Paul Schönenberger, einem der in der Schweiz noch nicht sehr zahlreichen so genannten Powerseller von eBay. Von seinem Chalet “Alpina” aus vertreibt er Artikel – zurzeit vor allem Rudergeräte im Fitnessbereich – über eBay in ganz Europa. Erst vor drei Wochen ist er in sein neues Haus eingezogen, das im abgelegenen Choltal oberhalb von Emmetten NW liegt. Doch da Paul Schönenberger mittlerweile vom Handel auf eBay leben kann, fällt der Standort nicht weiter ins Gewicht. Denn alles was es dazu braucht, ist eine Telefonleitung und einen Computer. Vor drei Jahren hat der gebürtige Ostschweizer erstmals einen Artikel zur Versteigerung auf eBay gestellt. Mit den Fitnessgeräten ist ihm dann der Durchbruch gelungen. Mittlerweile bezieht er diese Containerweise aus Taiwan oder China. Als Standort für sein Lager hat er bewusst das deutsche Lörrach gewählt, da sich dadurch Zölle und andere Gebühren für den Handel in der EU sparen lassen. “Zurzeit sind auf den Rudergeräten gute Margen zu verdienen”, erklärt Paul Schönenberger auf der Terrasse seines Chalets. Doch da die Konkurrenz auf eBay enorm gross ist, muss er immer neue Verkaufs-Taktiken austüfteln. Und darin liegt wohl das Geheimnis seines Erfolges. Wer meint, auf eBay lasse sich ohne Arbeit viel Geld verdienen, der täuscht sich gewaltig. “Morgen schon kann die Nachfrage zusammenbrechen”, ist sich Paul Schönenberger des unternehmerischen Risikos bewusst. Die idyllische Umgebung lässt es ihn mit Fassung tragen.
