Journalismus: Publizierte Artikel
Artikel von Juli, 2006:
Der Fischadler fehlt noch in der Sammlung (Luzerner Woche Juli 2006)
Mittwoch, 19. Juli 2006Ruedi Wüst stopft in seinem Atelier in Sursee Vögel und Kleinsäuger aus. Weniger Freude hat er an der Präparation von Haustieren. Er träumt davon, einmal einen Fischadler bearbeiten zu dürfen.
Mit seinen Händen zieht Ruedi Wüst dem Marder das Fell buchstäblich über die Ohren.
Mit dem Skalpell entfernt er die Muskeln des Raubtieres von den Knochen. Das gereinigte und gegen Frass behandelte Fell zieht der Präparator über einen neu geformten Körper. Weitere Arbeitsschritte folgen, bis der Marder als ausgestopftes Präparat im Atelier in Sursee für den Kunden zum Abholen bereitsteht.
Schon in seiner Kindheit rannte Ruedi Wüst gerne den Vögeln nach. Doch es blieb nicht lange beim Beobachten alleine. Also investierte er das gesparte Geld schon bald in ausgestopfte Vögel. “Ich wollte natürlich wissen, wie es im Vogel drinnen aussieht,” erzählt der heute 48-Jährige. Erste eigene Präparationsversuche mit gefundenen, toten Vögeln folgten. Sein Berufswunsch war damit geboren. Da es eine Lehre als Tierpräparator im klassischen Sinne nicht gibt, wählte er den Umweg über die Lehre als Schreiner. Nach dem Lehrabschluss folgten Aufenthalte als Vogelwärter an der Nordsee und Volontariate bei verschiedenen Präparatoren. Die vielen Jahre als faszinierter Tier-Beobachter im freien Feld machten ihm zu einem anerkannten Naturspezialisten. Deshalb ist er seit vielen Jahren in dieser Funktion im Auftragverhältnis für diverse Organisationen – darunter die Vogelwarte Sempach – tätig. Sein Haupteinkommen erzielt er aber mit dem Präparieren von Tieren.
Zwei Eisvögel und ein Rotmilan
Seit mittlerweile 25 Jahren bringen die Leute aufgefundene tote Tiere ins Atelier nach Sursee. Einen Finderlohn kann er aus gesetzlichen Gründen nicht bezahlen, denn tote Wildtiere gehören rechtlich dem Kanton, in dem sie gefunden werden. Jedes Präparat ist deshalb bewilligungspflichtig. Der notwendige Papierkrieg mit den Behörden gehört zum täglichen Brot eines Tierpräparators. Über mangelnde Arbeit kann sich Ruedi Wüst derzeit nicht beklagen: “Die Tiefkühler sind voll und die Lieferfrist beträgt fast ein Jahr,” sagt er. Dabei kam er im letzten Winter ins Zweifeln, weil der Eingang an Tieren wegen der Vogelgrippe temporär stark zurückging: “Die verunsicherten Leute trauten sich nicht mehr, tote Tiere anzufassen.” Doch die Situation hat sich wieder normalisiert: In den letzten beiden Wochen wurden mit zwei Eisvögeln und einem Rotmilan sogar eher seltene Vögel abgegeben.
Der Traum vom Fischadler
Ruedi Wüst konzentriert sich in seinem Geschäft auf die Präparation von Vögeln und Kleinsäugern. Exotische Tiere lehnt er grundsätzlich ab, ausgestopfte Gazellenköpfe sucht man bei ihm also vergeblich. Es gibt zudem immer wieder Leute, die ihren verstorbenen Kater Ausstopfen lassen möchten. Damit hat Ruedi Wüst seine liebe Mühe: “Es ist immer heikel, Liebgewonnenes mit einem Präparat verewigen zu wollen. Denn schliesslich hat man ja das lebende Tier gerne gehabt. “Er verlangt in solchen Fällen, dass der Auftrag nach einem halben Jahr erneuert wird. “Meistens ist es damit erledigt,” schmunzelt er. Besonders gerne präpariert Ruedi Wüst übrigens neben Vögeln Mäuse, da diese kleinen Säuger besonders anspruchsvoll seien. Obwohl in den vielen Jahren schon unzählige Tiere durch seine Hände gingen, hat er noch einen Traum: “Ein Fischadler, der fehlt mir noch in der Sammlung!”
Die spezielle Sichtschutzwand aus Emmenbrücke (Anzeiger Luzern, 7. Juli 2006)
Freitag, 07. Juli 2006
Die Firma Weid GmbH aus Emmenbrücke hat eine spezielle Art von Sichtschutzwänden entwickelt. Als Hauptfüllmaterial dienen Blattstängel einer Palme aus Afrika. Das Interesse am Weidmodul mit Raffiabambus-Stangen ist gross. Kein Wunder, denn es handelt sich dabei um eine Weltneuheit.
Die Temperatur ist angenehm warm, der Grill auf der Veranda eingefeuert und der kühle Wein steht zum Anstossen bereit. Ideale äussere Bedingungen für einen angenehmen Sommerabend also, wäre da nicht der ungeliebte Nachbar, der ennet dem Gartenzaun die eigene Grillparty feiert. Da hilft nur eine Trennwand weiter, wie sie bei uns immer häufiger in Gärten anzutreffen ist. Doch es muss nicht immer die aus dem Baumarkt sein.
Weltneuheit in Emmenbrücke
Die Idee kam der Kulturschaffenden Diomira Uebelmann im eigenen Stadtgarten in Luzern. Weshalb nicht einen speziellen Sichtschutz entwickeln, der sich in Design und Material von der Null-Acht-Fünfzehn-Wand unterscheidet? Zusammen mit dem Tüftler Hubert Blättler gründete sie in Emmenbrücke die Firma Weid Gmbh und entwickelte innerhalb von einem Jahr das Weidmodul. Dieses besteht in den Grundzügen aus einem Alurahmen, der sehr unterschiedlich nach Wunsch aufgefüllt werden kann, beispielsweise mit Kunststoffen, Glas, Metall, Naturmaterialien. Beim Standardmodul bildet Raffiabambus aus Kamerun das Füllmaterial, ein Nebenprodukt der dortigen
Das Weidmodul
Der Sichtschutz der Firma Weid GmbH in Emmenbrücke ist ein hochwertiges, einzigartiges Schweizer Produkt. Der Sichtschutz kann mit dem Modulsystem aus Aluminium mit wenigen Handgriffen gebaut werden. Als Füllmaterial wird primär Raffiabambus aus Kamerun verwendet, doch kann dieser problemlos durch andere Materialien (z.B. einheimisches Gehölz) ersetzt werden. Alle Teile sind voll aussentauglich. Dies gilt auch für Eckverbindungen und Zusatzteile. Das Weidmodul eignet sich auch als Dekorelement, Raumteiler, Lichtobjekt und Stellwandsystem für Ausstellungen, Events und Messebau. Der Showroom kann auf Anmeldung besichtigt werden (Tel. 041 267 96 26).
Palmweinherstellung. Auf das Material stiessen die beiden über einen befreundeten Forstingenieur. Die Palmstängel zeichnen sich durch extreme Leichtigkeit, Standfestigkeit und Witterungsbeständigkeit aus. In diesem Frühling erreichte der zweite Container mit den in Afrika verarbeiteten Produkten aus Raffiabambus die Schweiz. Die Firma aus Emmenbrücke ist die erste überhaupt, die Raffiabambus importiert. “Es freut uns, dass wir damit einen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung in Kamerun leisten können. Doch in erster Linie muss die Qualität stimmen”, sagt Diomira Uebelmann. Obwohl das Produkt aus sozial-ökologischer Sicht einwandfrei sei, sehe sie sich nämlich nicht gerne in die “Fairen-Handel-Ecke” gestellt. Sie und ihr Geschäftspartner sind in erster Linie vom Material fasziniert: “Es ist eigentlich erstaunlich, dass noch niemand vor uns auf die Idee gekommen ist, Raffiabambus in unseren Breitengraden als Baumaterial einzusetzen”, staunt Hubert Blättler.
Viele Interessenten
So richtig lanciert haben Diomira Uebelmann und Hubert Blättler das Weidmodul mit Raffiabambus- das eigentliche Leaderprodukt der Firma- in diesem Frühling an der Fachmesse Giardina in Zürich. “Die Sichtschutzwände stiessen auf grosses Interesse beim Publikum,” sagt Diomira. Ein Artikel in einer Fachzeitschrift sorgte dann für den endgültigen Durchbruch. Drei Gartenbaugeschäfte haben die schicken Weidmodule bereits fix in ihr Sortiment aufgenommen. Weitere Interessenten stehen bereit. “Bald müssen wir den dritten Container aus Afrika bestellen”, sagt Hubert Blättler im Showroom in Emmenbrücke. Dort sind alle möglichen Varianten des inzwischen patentierten Weidmoduls ausgestellt: Wände mit farbigen Kunststoffen, in Holz eingebaute Gartenwerkzeuge oder andere extravagante Formen. Hier ist es sichtbar: Die Beiden sind nicht nur gewiefte Geschäftsleute sondern eben auch Kunstschaffende.
Mit der Packgeiss auf Wanderschaft (Willisauer Bote, 7. Juli 2006)
Freitag, 07. Juli 2006Ziegenböcke eignen sich bestens als Last-Tiere für Wanderungen über Stock und Stein. Christian Golfetto und Sandra Egli haben dies erkannt und bieten Trekking-Touren mit ihren Packgeissen an.
Das Problem ist vielen Wanderern bekannt: Die Route ist genau geplant, Schlafsack und Verpflegung im Rucksack verstaut. Nur für die Flasche Wein und den Beinschinken hat es aus Gewichtsgründen wieder einmal nicht gereicht. Doch das muss nicht sein. Die Lösung heisst Packgeissen: Ziegenböcke, die auf ihrem Rücken bis zu 30 Kilogramm Material den Berg hinauftragen.Etabliert als Tragtiere für Trekkingtouren sind in der Schweiz Maultier, Pferd, Esel und in jüngerer Zeit auch das Lama.
Nur an die Ziege hat lange Zeit niemand gedacht. Zu Unrecht, wie Christian Golfetto (38) und Sandra Egli (36) aus Ricken SG beweisen. Seit zwei Jahren führen die beiden erfolgreich Trekkingtouren mit ihren sechs Ziegenböcken durch. Doch nicht jede Ziege ist automatisch eine Packgeiss. Der Weg zum zahmen, zuverlässigen Tragtier ist ziemlich beschwerlich. Niemand weiss das besser als Christian Golfetto und Sandra Egli. Denn sie sind Pioniere auf dem Gebiet.
Es begann auf dem Pacific Crest Trail
Auf den Geschmack kamen die beiden begeisterten Trekking-Experten vor ein paar Jahren in den USA. Dort machten sie sich auf die Wanderung auf dem 4‘400 Kilometer langen Pacific Crest Trail. Auf der Suche nach einem “Gepäckträger” stiessen sie auf “Pack Goats”, wie die Packgeissen in den USA genannt werden. Die beiden Ziegenböcke verrichteten ihre Dienste damals so zuverlässig, dass Christian Golfetto und Sandra Egli schon bald damit liebäugelten, nach der Rückkehr in die Schweiz ein
Packgeissen-Trekking
(ep) – Die zum Packen geeigneten Tiere sind kastrierte Böcke aller grossen Ziegenrassen. Ein ausgewachsener Packbock misst 90 Zentimeter am Widerrist und wiegt bis zu 100 Kilogramm. Die Packziege trägt 30 bis40 Prozent ihres Körpergewichtes und bewegt sich in alpinem Gelände ausdauernd mit 2-3km/h. Die frühe Kastration verhindert die Entwicklung der entsprechenden Duftdrüsen mit dem unangenehmen Duft und des berüchtigten Bock-Verhaltens. Ziegen sind genügsame und ausdauernde Tiere. Deshalb eignen sie sich gut als Tragtiere bei Wandertouren. Von der Schnupper- bis zur mehrtägigen Hochgebirgstour ist alles möglich. Im Rahmen des Projektes “Packgeiss” führt der Outdoor-Anbieter Sundance Adventure Trips vorgegebene oder vom Kunden selber ausgewählte Touren durch.
eigenes Projekt für Trekkingtouren mit Ziegen zu starten. Aus dem Traum wurde Wirklichkeit.
Seit zwei Jahren wandern die sechs kastrierten Ziegenböcke Nino, Lupo, Scout, Bashi, Orkan und Linus mit Gepäck beladen nun durch die Landschaft, am häufigsten mit Abenteuer suchenden Familien, wie Christian Golfetto erklärt. “Ziegen sind genügsam, geländegängig und rücksichtsvoll”, sagt er. Seine Ziegen der Rassen Nera Verzasca, Pfauenziegen und Gamsfarbige Gebirgsziege – allesamt seltene Haustierrassen ? sind dank aufwendiger Handaufzucht (das heisst, Schoppen geben von Hand) und täglichen Spaziergängen gut an den Menschen gewöhnt, das Führen an der Leine ist deshalb nicht nötig. Der Transport der Tiere erfolgt mit einem kleinen Anhänger, weshalb Touren in der ganzen Schweiz problemlos möglich sind.
Mit ihren Packgeissen sind Christian Golfetto und Sandra Egli bereits nach wenigen Jahren so erfolgreich, dass bis im Herbst praktisch alle Wochenenden bereits ausgebucht sind. Alles ohne eigentliche Werbung, nur mit Mund zu Mund Propaganda. Und vielleicht auch dank der Tatsache, dass das “Packgeiss-Projekt” im letzten Jahr den Tourismuspreis Schweiz erhielt.
Experiment Schulklasse
Auf diesem Weg hat auch die Primarlehrerin Karin Wydler aus Hedingen ZH von den Packgeissen erfahren. Sie hat deshalb angefragt, ob Nino und Co. sie nicht auf der Schulreise über die Ibergeregg begleiten könnten. Christian Golfetto hat zugesagt, nicht zuletzt, um Erfahrungen zu sammeln, wie sich seine Tragtiere mit so vielen Kindern gleichzeitig verhalten. “Eigentlich befinden wir uns immer noch in der Experimentierphase”, schmunzelt er.
Das Experiment gelingt. Die stattlichen Tiere – sie sind bis zu 100 Kilogramm schwer – schleichen äusserst rücksichtsvoll an den wandernden Kindern vorbei. “De Baschi ghört mir”, ruft ein Mädchen besitzergreifend in die Kolonne. “Es überrascht mich immer wieder, wie schnell Kinder den Zugang zu den ihnen oft unbekannten Tieren finden”, erklärt Sandra Egli. Der emotionale Effekt gehört zum Konzept. Karin Wydler hat die Klasse im Vorfeld gezielt auf die Wanderung mit den Ziegen vorbereitet. “Ich habe noch nie eine Schulreise erlebt, bei der die Kinder so wenig gejammert haben”, sagt sie Augen zwinkernd.
Möglicher Nebenerwerb für Landwirte
Neues weckt immer auch Skepsis. Das ist auch beim Packgeissen-Projekt nicht anders. Den Vorwurf der Tierquälerei müssen sich die Tierfreunde Christian Golfetto und Sandra Egli gelegentlich gefallen lassen. “Wer aber sieht, mit welcher Begeisterung die Tiere vor einer Tour den Transport-Anhänger besteigen, der weiss, dass das nicht stimmen kann”, sagt sie.
Es gibt zudem vereinzelt Bauern, die den Kopf schütteln, wenn sie die bepackten Ziegen sehen. Normalerweise bleibt in der Ziegenhaltung für die männlichen Tiere nämlich nur der Gang in den Schlachthof. Auch deshalb ist das Packgeissen-Projekt so speziell, denn es baut gezielt auf eben diese Ziegenböcke, weil sie mit ihrer Grösse mehr Gepäck tragen können. Christian Golfetto sieht im Trekking mit Ziegen ein grosses Potenzial für einen landwirtschaftlichen Nebenerwerb: “Mit einer Packgeiss könnte ein Bauer mehr verdienen als mit Fleisch oder Milch.” Christian Golfetto und Sandra Egli führten deshalb kürzlich im Bildungs- und Tagungszentrum Inforama Hondrich im Berner Oberland einen Kurs zum Thema Packziegen durch. 16 Interessierte nahmen teil. Die Konkurrenz scheuen sie aber nicht, weil sie wissen, dass man nicht von heute auf morgen zum “Packgeissen-Unternehmer” wird. “Es ist ein Irrtum, zu meinen, man könne seine Ziege einfach aus dem Stall nehmen, mit einem Packsattel ausrüsten und los gehts”, sagt Sandra Egli. Wenn die Jungtiere einmal aufgezogen sind, müssen sie für den Einsatz auf den Touren trainiert werden. Und das ist sehr zeitaufwendig. Ausserdem fehle es oft an Erfahrung im Trekking-Bereich, und diese sei mindestens ebenso wichtig.
Kompetenzzentrum
rotz des grossen Erfolgs wollen Christian Golfetto und Sandra Egli in absehbarer Zeit keine zusätzlichen Ziegenböcke aufziehen. “Das Ganze soll übersichtlich bleiben”, erklärt Sandra Egli, die noch in einem Teilzeitpensum als Lehrerin tätig ist. Auf ihrem gemeinsam mit Lebenspartner Christian Golfetto gemieteten kleinen Gehöft in Ricken SG ist aber inzwischen so etwas wie ein Kompetenzzentrum für Trekkingtouren mit Ziegen in der Schweiz entstanden. Dort sind auch die selber entwickelten Packsattel erhältlich. Doch ans Patentieren der Sättel denken die beiden vorerst nicht, obwohl sie vom Potenzial der Ziegen als Tragtiere überzeugt sind. Es fehlt ihnen schlicht die Zeit dazu.
