Journalismus: Publizierte Artikel
Artikel von Mai, 2007:
Der Duft von Holunderblüten liegt in der Luft (LID-Mediendienst 25. Mai 2007)
Freitag, 25. Mai 2007Die Holundersträucher stehen in diesen Wochen in voller Blüte. Der Strauch erlebt zurzeit in der Lebensmittelbranche eine Renaissance, die Zahl der professionellen Holunder-Plantagen nimmt zu.
“Der Holunder stand in der Blüte und es duftete so heimatlich, dass der heimwehgeplagte Knud an einen Ort zog, wo es keine Holundersträucher gab.” Wer in den nächsten Wochen an einem blühenden Holunderstrauch vorbeigeht, wird nicht gleich an einen Wohnungswechsel denken, wie Knud in Hans Christian Andersen Märchen «Unter dem Weidenbaum». Und doch: Der Duft der weissen Blüten ist so intensiv, dass er kaum unbemerkt an einem vorbeizieht. Von den Büschen gibt es viele. Der Holunderstrauch schlägt fast überall Wurzeln, wenn man es zulässt. Die Schweizer Bauern bauen ihn wieder mehr bewusst an: Im letzten Jahr auf einer Fläche von fast 20 Hektaren. Das ist fast doppelt so viel wie noch vor vier Jahren.
Frische Blüten für die Verarbeitung
Christof Schenk aus Niederwil SG kennt sich mit Holunder aus. Seine Firma Holderhof Produkte AG zählt in der Schweiz zu den wichtigsten Anbietern von Holunderprodukten. Gestartet hatte er vor ein paar Jahren im Rahmen seiner Diplomarbeit an der Landwirtschaftlichen Schule mit dem selber entwickelten Holunderblütenwein “Elderwood”. Heute besteht das Sortiment aus Sirupen, Süssgetränken, Konfitüren und diversen Fruchtweinen. Bei den Rezepturen hat er oft auf das Wissen seiner Grossmutter zurückgegriffen. Schenk ist zusammen mit seinem Vater mit einer Anbaufläche von zehn Hektaren der grösste Holunder-Bauer in der Schweiz. Zudem hat er mehrere Produzenten vertraglich an sich gebunden.
Anfang Juni geht es in der Ostschweiz los mit der Ernte. Der Ablauf ist exakt geplant: Die Bauern liefern die Tagesernte zeitgleich an drei Sammelstellen ab. Anschliessend werden die Blüten innerhalb von wenigen Stunden zu Extrakt verarbeitet, eingefroren oder getrocknet. Auf einer Hektare Holunderbäume pflücken die Erntehelfer rund 1‘500 Kilogramm Blüten. “Es ist wichtig, dass die Blüten frisch zu Extrakt verarbeitet werden”, erklärt Schenk. Im Herbst beginnt die zweite Erntephase, dann mit den dunkelblauen Beeren. Achtung: Die Beeren sind roh leicht giftig, deshalb muss der Saft erwärmt werden. Dieser ist eine richtige Vitaminbombe: Ein Liter Saft enthält bis zu 260 Gramm Vitamin C. Dazu kommt viel Vitamin A, verschiedene B-Vitamine, Folsäure und Biotin.
Wildvögel verbreiten den Samen des Holunders
In den Bauerngärten gehörte der Holunderbaum – Baum deshalb, weil er bis zu 10 Meter hoch werden kann – einst zum Inventar. Heute wird Holunder mehr geduldet als gefördert. Als einheimische Art mitten unter wuchernden Neophyten – Pflanzen, die ihren Ursprung nicht in der Schweiz haben – verteidigt er seine Stellung recht erfolgreich. Das verdankt der Holunder unter anderem den Wildvögeln, für die er eine der wichtigsten Nahrungsquellen überhaupt bildet. Mit dem Kot landen die Samen wieder auf dem Boden, wo sie schnell zu neuen Büschen heranwachsen. Besonders gerne tun sie das an sonnigen Böschungen, am Waldrand und in der Nähe von Komposthaufen.
Der Holunderbusch ist aber mehr als nur ein Lückenbüsser. Fast jeder Teil lässt sich in einer Form verwenden: Tee aus der Rinde wirkt gegen Erkältung, Sirup aus den Blüten ist ein wunderbarer Durstlöscher. Der Saft aus den Beeren gilt als Vitamin-C-Bombe und hilft gegen Erkältungen, Nieren- und Blasenleiden. Und wer unbedingt möchte, kann Holunder sogar als natürliches Färbungsmittel einsetzen. Aber Achtung: Einmal auf der Hose, ist der Holunder-Farbstoff Sambucyanin kaum mehr wegzubringen.
Holunder ist im Aufwind
Holunder liegt im Trend. Die Lebensmittelindustrie setzt den Extrakt immer häufiger ein. Bekannt sind die Hustenpastillen von Ricola. Die Bauern setzen auch deshalb wieder vermehrt auf Holunder. “Die Ansprüche an die Produktion sind relativ gering, der Verdienst ist relativ hoch”, sagt Schenk. Er möchte die nbaufläche weiter ausbauen. Denn das Interesse bei den Abnehmern ist gross: Seit diesem Jahr beliefert Schenk den Grossverteiler Coop. Um die gesamte Nachfrage erfüllen zu können, muss Schenk zurzeit ins Ausland ausweichen. Lieber wäre ihm aber, wenn alle Sträucher auf Schweizer Bauernhöfen wachsen würden: “Die Qualität lässt sich im eigenen Land besser überwachen.”
Holunder ist pflegeleicht und braucht vor allem viel Wasser und Stickstoff. Der Strauch muss zudem regelmässig geschnitten werden. Viel falsch machen kann dabei auch der Hobbygärtner nicht: “Das robuste Gehölz verträgt selbst einen radikalen Verjüngungsschnitt”, sagt Schenk. Die meisten Holunderbüsche wachsen ohne spezielle Pflege an Waldrändern und im Garten. Für eigenen Sirup, Gelée oder Konfitüre reichen diese Mengen aber längstens aus. Ein Versuch lohnt sich!
Die Kartoffel – Eine Tolle Knolle (LID-Dossier 19. September)
Mittwoch, 02. Mai 2007Zuammenfassung
Die Kartoffel zählt zu unseren Grundnahrungsmitteln, obwohl der Konsum mit dem steigenden Wohlstand in den letzten Jahrzehnten deutlich abgenommen hat. Die zu der Familie der Nachtschattengewächse zählende Pflanze ist reich an Kohlenhydraten, Vitaminen und Mineralstoffen, aber arm an Fetten. Diese Eigenschaften machen die Knolle für die menschliche Ernährung so wertvoll. Der Ursprung der Kartoffel liegt in Südamerika, wo sie die Inkas schon vor Tausenden von Jahren bis in extreme Höhen anbauten. Spanische Seefahrer brachten die Pflanze nach Europa, von wo aus sie zum weltweiten Eroberungsfeldzug ansetzte. Für die armen Menschen auf dem Land war die Ankunft der Kartoffel Segen und Fluch zugleich. Bewirkte sie zu Beginn ein rasantes Bevölkerungswachstum, sorgte das Aufkommen von Pflanzenkrankheiten und -schädlingen bald für grosse Hungersnöte, welche die Weltgeschichte prägten. Während des Zweiten Weltkrieges erlangte die Kartoffel in der Schweiz Kultstatus, weil sie im Rahmen des „Plan Wahlen“ auf praktisch jedem verfügbaren Flecken Erde gepflanzt wurde. Der Anbau nahm in den Folgejahren massiv ab und pendelte sich in den letzten Jahren bei rund 14’000 Hektaren ein. Die Anbaumethoden haben sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Moderne Maschinen haben die früher übliche Handarbeit abgelöst und eine massive Produktionssteigerung herbeigeführt. Ständige Zuchtfortschritte und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln führen zu immer höheren Flächenerträgen und besserer Qualität. Trotzdem stehen die Schweizer Kartoffelproduzenten unter immer grösserem Druck. Das agrarpolitische Umfeld hat sich in den letzten Jahren in Richtung mehr Markt und Konkurrenz verändert. Kontrollierte und organisierte einst die Eidgenössisches Alkoholverwaltung (EAV) den Schweizer Kartoffelmarkt nach planwirtschaftlichen Gesichtspunkten, so sorgt heute die Branchenorganisation Swisspatat im Auftrag des Bundes für die Verwertung der Kartoffelernte, insbesondere wenn der Markt nicht alles schlucken kann. Dies ist in der Kartoffelbranche kaum vermeidbar, weil die Erntemengen je nach klimatischen Bedingungen stark variieren und die geforderte Qualitätsproduktion fast gezwungenermassen eine Überproduktion zur Folge hat. Verwendet wird die stärkereiche Knolle nicht nur als „direktes“ Lebensmittel in Form von „Gschwellti“ oder Rösti. Neben der Veredlung zu Chips oder Pommes Frites spielt sie eine wichtige Rolle als Rohstofflieferant in der Stärkeindustrie. Den unterschiedlichen Bedürfnissen entsprechend weisen die Sorten verschiedene Eigenschaften auf. Die Sorten werden von der Kartoffelbranche auf einer speziellen Liste aufgeführt, die den Produzenten als Leitfaden dient. Der Trend zu weniger Kartoffelbauern, die sich immer mehr spezialisieren, wird sich in der Schweiz in naher Zukunft fortsetzen. Das agrarpolitische Umfeld dürfte sich weiter in Richtung mehr Wettbewerb und weniger hohe staatliche Unterstützungen entwickeln.

