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Journalismus: Publizierte Artikel

Artikel von Juni, 2007:

In der Luft liegt Holunderduft (Aargauer Zeitung, 22. Juni 2007)

Freitag, 22. Juni 2007

Die Nachfrage nach Getränken aus Blüten und Beeren ist gross. Das freut Christof Schenk aus Niederwil SG. Er gehört zu den führenden Anbietern.

Holunderernte«Der Holunder stand in der Blüte und es duftete so heimatlich, dass der heimwehgeplagte Knud an einen Ort zog, wo es keine Holundersträucher gab.» Wer in diesen Wochen an einem blühenden Holunderstrauch vorbeikommt, wird nich gleich an einen Wohnungswechsel denken, wie Knud in Hans Christian Andersens Märchen «Unter dem Weidenbaum». Und doch: Der Duft der weissen Blüten ist so intensiv, dass er kaum unbemerkt an einem vorbeizieht.

In den Bauerngärten gehörte der Holunderbaum einst zum Inventar. Heute wird Holunder mehr geduldet als gefördert. Als einheimische Art unter wuchernden Neophyten › Pflanzen, die ihren Ursprung nicht in der Schweiz haben › verteidigt er seine Stellung recht erfolgreich. Das verdankt der Holunder auch den Wildvögeln, für die er eine wichtige Nahrungsquelle bildet. Mit dem Kot landen die Samen wieder auf dem Boden, wo sie schnell zu neuen Büschen heranwachsen.

Der Holunderbusch ist aber mehr als nur ein Lückenbüsser. Fast jeder Teil lässt sich in einer Form verwenden: Tee aus der Rinde wirkt gegen Erkältung, Sirup aus den Blüten ist ein wunderbarer Durstlöscher. Der Saft aus den Beeren gilt als Vitamin-C-Bombe und hilft gegen Erkältungen, Nieren- und Blasenleiden. Und wer unbedingt möchte, kann Holunder sogar als natürliches Färbungsmittel einsetzen. Aber Achtung: Einmal auf der Hose, ist der Holunder-Farbstoff Sambucyanin kaum mehr wegzubringen.

Dass man mit Holunder auch Geld verdienen kann, beweist Christof Schenk aus dem sankt-gallischen Niederwil. Seine Firma Holderhof Produkte AG zählt in der Schweiz zu den wichtigsten Anbietern von Holunderprodukten. Gestartet hatte er vor ein paar Jahren mit dem selber entwickelten Holunderblütenwein «Elderwood». Heute besteht sein Sortiment aus Sirupen, trendigen Süssgetränken, Konfitüren und diversen Fruchtweinen.

Als die Landi-Gruppe zusätzlich eine Siruplinie lancierte, war Christof Schenk schnell zur Stelle. Wieder kam zuerst seine Lieblingskultur Holunder zum Einsatz. Entwickelt hatte er das Rezept nach Feierabend in der eigenen Küche: «Ich fragte meine Grossmutter um Rat.» Die Ratschläge waren offenbar gut. Die Nachfrage stieg weiter an, neue Produkte wurden lanciert. Zum Beispiel das trendige Erfrischungsgetränk «Sambus» ein Gemisch aus Mineralwasser, Holunderblütenextrakt und Holunderbeersaft.

Anfang Juni ging es in der Ostschweiz los mit der Ernte. Der Ablauf ist exakt geplant: Die Bauern liefern zeitgleich an drei Sammelstellen die Tagesernte ab. Innerhalb von wenigen Stunden werden die Blüten anschliessend zu Extrakt weiterverarbeitet, eingefroren oder getrocknet. Auf einer Hektare Holunderbäume pflücken die Erntehelfer rund 1500 Kilogramm Blüten. «Es ist wichtig, dass die Blüten frisch zu Extrakt verarbeitet werden», sagt Christof Schenk. Holunder braucht ausreichend Wasser › aber keine Staunässe › und Stickstoff. Viel falsch machen kann dabei auch der Hobbygärtner nicht: «Das robuste Gehölz verträgt selbst einen radikalen Verjüngungsschnitt», so Schenk. Die meisten Holunderbüsche wachsen aber ohne spezielle Pflege an Waldrändern und im Garten. Im Herbst dann beginnt die zweite Erntephase, dann mit den blauen Beeren. Diese sind roh übrigens leicht giftig. Deshalb muss der Saft erwärmt werden.

Holunder hat durchaus Kultpotenzial › nicht allein dank den Hustenpastillen von Ricola. Deshalb setzen die Bauern wieder vermehrt auf Holunder. «Die Ansprüche an die Produktion sind relativ gering, der Verdienst im Verhältnis hoch.» Er hat mehrere Produzenten vertraglich an sich gebunden. Den passenden Partner für die Produktion seines Holunderblütenweins fand er in der Weinkellerei Gasser in Ellikon. Abnehmer für seine Spezialitäten sind Restaurants der Region, Kunden im eigenen Hofladen oder die Landi-Läden.

Qualität ist alles im Sirup-Business. Schenk geht dabei keine Risiken ein. Die Produkte in zertifizierter Bioqualität lässt er freiwillig auf Rückstände von Pestiziden untersuchen. Da er konventionelle und biologische Rohstoffe verarbeitet, macht das Sinn. «Obwohl alle Verarbeitungsschritte getrennt erfolgen, will ich keinerlei Angriffsfläche für Kritiker bieten», sagt Schenk.

Seine Arbeitszeit verbringt Christof Schenk oft im Büro, in fremden Sitzungszimmern und im Auto. Oft ist er tagelang unterwegs auf der Suche nach Abnehmern von seinen Produkten und Partnern für neue Ideen. In diesem Jahr ist endlich ein Grossverteiler auf den Zug aufgesprungen. Doch Schenk will mehr. In Deutschland und Österreich hat er bereits Kunden. Nun will er den chinesischen Markt erobern. Dafür hat er einen Verkäufer eingestellt › ein deutschsprechender Chinese › der vor Ort den Markt bearbeitet. Erste Bestellungen sind bereits eingegangen. Schenk träumt von zweistelligen Millionenumsätzen und hat grosse Ziele: «Ich möchte in der Schweiz die Nummer eins im Handel mit Holunderprodukten werden.» Sagts und braust mit dem Audi quattro zum nächsten Termin.

 
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“Ich will die Nummer eins werden” (Handelszeitung 6. Juni 2007)

Mittwoch, 06. Juni 2007

Die Ostschweizer Holderhof Produkte AG produziert Wein und Sirup aus Holunder. Angefangen hat es ganz klein im Hofladen des Bauernhofs. Heute beliefert das Unternehmen Grossverteiler. Jetzt folgt der Schritt auf den chinesischen Markt.

Mit Holunder Geld verdienen? Wie das geht, zeigt der heute 27-jährige Christof Schenk aus Niederwil SG mit seiner Firma Holderhof Produkte AG. Begonnen hatte alles während seiner Lehre als Landwirt in der landwirtschaftlichen Schule in Flawil vor 10 Jahren. Dort merkte er bald, dass Kühe nicht sein Ding waren. Sein Herz verlor er an eine selten gepflegte Kultur: den Holunderstrauch. Noch während seiner Lehrzeit pflanzte er auf dem elterlichen Bauernhof die ersten Holunderkulturen und wurde zum Rohstofflieferanten für eine Sirup-Firma in Biel. Eigentlich wollte er den Holunder aber viel lieber zu eigenen Produkten verarbeiten. Die Diplomarbeit bot die Gelegenheit dazu. Mit der Entwicklung des Holunderblütenweins „Elderwood“ – einem Gemisch aus Weisswein und Holunderblütenextrakt –, schloss Schenk seine Landwirtschaftslehre erfolgreich ab. Damit war die Basis geschaffen: Sein ehemaliger Lehrer aus der Realschule gestaltete die Etikette, als Lagerraum diente eine alte Scheune. Im Alter von 20 Jahren lieferte Christof Schenk seine ersten Flaschen mit Holunderblütenwein an Restaurants in der Region.

Zuhören und handeln

Damit war der Unternehmergeist in Christof Schenk endgültig erwacht. Obwohl er nach der Lehre zuerst auf dem Betrieb des Vaters als Bauer arbeitete stand für ihn schon damals fest: Sein Geschäft war der Holunder. Er informierte sich bei den Fachleuten. „Ich hörte ihnen vor allem zu und redete wenig“, sagt Schenk. Folgen liess er dann aber Taten. Sein betriebswirtschaftliches Rüstzeug holte er sich an der Handelsschule. Zu Hause vergrösserte er sukzessive die Anbauflächen auf dem Betrieb des Vaters und schloss Anbauverträge mit anderen Bauern ab. Nachdem ihm der Abnehmer seiner Holunderblütenernte kurzfristig den Abnahmevertrag kündigte, begann er selber mit dem Extrakt zu experimentieren. Den passenden Partner für die Produktion seines Holunderblütenweins fand er in der Weinkellerei Gasser in Ellikon, die zum treuen Partner wurde. Die ersten Abnehmer für seine Spezialitäten fand er in Restaurants der Region und im eigenen Hofladen. Als der Engros-Markt CCA in Gossau seine Getränke ins Sortiment aufnahm, war das so etwas wie der Durchbruch.

Hartnäckigkeit zahlt sich aus

Christof Schenk verfolgte von Anfang an hartnäckig eine Vorwärtsstrategie: „Ich versuchte immer wieder einen Termin bei der Landi-Gruppe zu bekommen. Erst nach zwei Jahren klappte es.“ Die Ausdauer hatte sich gelohnt: Das Treffen verlief erfolgreich. Bereits im ersten Jahr erzielte die Landi in ihren Läden mit den Holderhof Produkten – neben dem Holunderblütenwein bald auch Erdbeerwein – einen Umsatz von mehreren hunderttausend Franken. Damit war die Zeit endgültig vorbei, als Christof Schenk die Kartons mit den Flaschen noch im Kofferraum seines Autos zu den Kunden transportierte. Von jetzt an fuhren die Sattelschlepper in Niederwil vor.
Als die Landi-Gruppe zusätzlich eine Siruplinie lancierte, war Christof Schenk schnell zur Stelle. Wieder kam zuerst seine Lieblingskultur Holunder zum Einsatz. Entwickelt hatte er das Rezept nach Feierabend in der eigenen Küche: „Ich fragte meine Grossmutter um Rat.“ Die Ratschläge waren offenbar gut. Die Nachfrage stieg weiter an, neue Produkte wurden lanciert. Zum Beispiel das trendige Erfrischungsgetränk „Sambus“ ein Gemisch aus Mineralwasser, Holunderblütenextrakt und Holunderbeersaft.

Blüten frisch einfrieren

„Über 3 Millionen Franken werden wir in diesem Jahr umsetzen“, sagt der Jungunternehmer stolz. Bald geht es los mit der nächsten Ernte, in dieser Saison wegen dem warmen Wetter früher als

Name: Holderhof Produkte AG
Gründung: Jahr 2000Führung: Christof SchenkUmsatz: geschätzt in diesem Jahr zwischen 3,5 und 4,5 Millionen Franken

Beschäftigte: 3 (davon 1 in China), während der Ernte 20 Saisoniers.

Produkte: Holunderblütenwein, Erdbeerwein, Aprikosenwein, Holunderblütensirup, Holunderbeerensirup, Pfefferminzsirup, Bergkräutersirup, Goldmelissensirup, Süssgetränk, Holundergelée.

Anbaufläche Holunder: 10 Hektaren

Verarbeitete Mengen: 12 Tonnen Holderblüten, 40 Tonnen Holunderbeeren, 4 Tonnen Kräuter

sonst. Das Wichtigste: Die Holunder-Blüten müssen ganz frisch – innerhalb von wenigen Stunden -, zu Extrakt verarbeitet und tiefgekühlt werden. Qualität ist alles im Sirup-Business. Schenk geht dabei keine Risiken ein. Die Produkte in zertifizierter Bioqualität lässt er freiwillig auf Rückstände von Pestiziden untersuchen. Da er konventionelle und biologische Rohstoffe verarbeitet, macht das Sinn. „Obwohl alle Verarbeitungsschritte getrennt erfolgen, will ich keinerlei Angriffsfläche für Kritiker bieten“, sagt Schenk.

Neuer Markt in China

Seine Arbeitszeit verbringt Christof Schenk vor allem im Büro, in fremden Sitzungszimmern und im Auto. Oft ist er tagelang unterwegs auf der Suche nach Abnehmern von seinen Produkten und Partnern für neue Ideen. In diesem Jahr ist endlich ein Grossverteiler auf den Zug aufgesprungen. „Nach vielen vergeblichen Bemühungen, ist dieser jetzt sogar von selbst auf mich zu gekommen“, sagt er stolz.
Doch Schenk will mehr. In Deutschland und Österreich hat er bereits Kunden. Nun will er den chinesischen Markt erobern. Seit diesem Jahr hat er einen Verkäufer eingestellt – ein Deutsch sprechender Chinese – der vor Ort den Markt bearbeitet. Erste Bestellungen sind bereits eingegangen. Schenk träumt von zweistelligen Millionenumsätzen und hat ein grosses Ziel: „Ich möchte in der Schweiz die Nummer Eins im Handel mit Holunderprodukten werden.“ Er sagts und braust mit dem Audi Quattro weiter zum nächsten Termin.

 
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