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Journalismus: Publizierte Artikel

Artikel von Oktober, 2007:

Chicorée: Im Dunkeln wächst er am besten (St. Galler Tagblatt, 29.10.2007)

Montag, 29. Oktober 2007

Der Wintersalat liegt im Trend und kommt immer häufiger aus der Region. Und: Er wächst nur dort, wo sonst keine Pflanze überlebt.chico.jpg

Ohne Licht kein Leben. Das gilt allerdings nicht immer. Zum Beispiel beim Chicorée, auch bekannt als Brüsseler Salat. Der Salat legt erst richtig los, wenn es dunkel ist. Urban Dörig öffnet die grossen Tore zur Dunkelkammer der sogenannten Treiberei auf dem Gemüsebaubetrieb Gamper in Stettfurt bei Frauenfeld.

In exakt 21 Tagen ausgereift

Wie Soldaten in Reih und Glied stehen die Chicorée-Pflanzen dort in den Regalen, die sich zu meterhohen Türmen erheben. Aus den braunen Wurzeln platzen bereits die weissen Salatblätter. «In exakt 21 Tagen sind die Pflanzen ausgereift und kommen in die Verarbeitung. Aber nur wenn die Temperatur stimmt und kein Licht da ist», erklärt Urban Dörig, Gemüsegärtnermeister und Betriebsleiter der Gamper Chicorée GmbH.

Für ihn beginnt in diesen Tagen die Ernte. Genauer gesagt: die erste Phase. Denn der Chicorée hat eigentlich zwei Leben. Im ersten wächst die Wurzel während der Sommermonate auf dem Acker. Sie gleichen äusserlich den Zuckerrüben. Ende Oktober kommt dann die Erntemaschine und trennt das Kraut von der Wurzel bis auf ein paar Zentimeter des Krautansatzes. Dieser muss bleiben, sonst ist das «zweite Leben» der Kultur gefährdet. Überhaupt sei die Qualität der Wurzel die Grundvoraussetzung dafür, dass es später gute «Zapfen» gebe, sagt Dörig.

Nach der Ernte der Wurzel muss es schnell gehen. Für Sortierung und Reinigung bleiben höchstens 24 Stunden bis zur Einlagerung. In wenigen Wochen wird auf 80 Hektaren bei Bauern in der Region geerntet, was nachher während des ganzen Jahres in den dunklen Kammern die Basis für die weissen Zapfen bildet.

Im Winterschlaf

Bei Kühltemperaturen um den Gefrierpunkt und einer hohen Luftfeuchtigkeit geniessen die Wurzeln im Lager vorerst eine Art Winterschlaf, geschützt von einem dünnen Mantel aus Eis. Bis die Mitarbeiter von Urban Dörig kommen, sie in die warme Treiberei bringen und dort zum zweiten Leben erwecken. Möglich ist dies während mehrerer Monate bis im Herbst des folgenden Jahres. Die Hauptsaison ist aber im Winter. Nach drei Wochen Wachstum in der dunklen Treiberei trennt die Rüstmannschaft die Zapfen von den Wurzeln, portioniert und verpackt sie für den Zwischenhandel oder Endkunden. Rund 1000 Tonnen im Jahr sind es insgesamt.

Schweizer Produktion nimmt zu

Immerhin jeder fünfte in der Schweiz produzierte Chicorée stammt aus Stettfurt. Nur sechs weitere Gemüsebauer produzieren in der Schweiz die anspruchsvolle Kultur, die meisten davon in der Westschweiz. «Die Investitionen für Hallen, Verarbeitungsräume und Kühlhaus sind hoch», so Dörig. Dazu kommt die hohe Arbeitsintensität für Pflege und Verarbeitung. Trotzdem: Der Anteil der inländischen Produktion hat deutlich zugenommen. Das ist gut für die Frische. Und die ist entscheidend. Chicorée liegt zudem im Trend der schnelllebigen Zeit: Der Rüstaufwand ist minimal. Und hier noch ein Tip: Chicorée verliert seine Bitterkeit nach dem Einlegen in warmem Wasser oder in Milch.

 
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Wasser sparen mit Stil und in Farbe (Handelszeitung, 24.10.2007)

Mittwoch, 24. Oktober 2007

Alle wollen Energie- und Wasser sparen. Da kommen die farbigen Aufsätze für Wasserhahnen von Paul Curty und Michèle Sidler von Aqua Art AG gerade richtig.
AquaClic

Was hat ein Wasserhahn mit Emotionen zu tun? „Viel“, sagt Paul Curty, Mitbegründer der Firma Aqua Art AG. Noch besser, wenn die Umwelt dabei profitiert. Und: es lässt sich damit Geld verdienen. Alles das trifft auf den AquaClic zu. Das Grundprinzip ist schnell erklärt. Ein normaler Wasserhahn lässt bis zu 15 Liter Wasser pro Minute durch. Viel mehr als nötig. ist der Spar-Aufsatz, der nur noch 6 Liter durchlässt. Ein durchschnittlicher Haushalt kann so jährlich tausende von Litern Wasser einsparen. Auch Warmwasser. Das ist gut für das Portemonnaie und für die persönliche CO2-Bilanz, weil Energie eingespart wird. Soweit die technische Seite.

Emotionales Produkt

Die Idee von Wassersparprodukten ist nicht neu. Umso erstaunlicher die Erfolgsgeschichte des AquaClic. „Wir haben aus einem technischen, ein emotionales Produkt gemacht“, erklärt Paul Curty (53) das Erfolgsrezept in wenigen Worten. Gemeinsam mit seiner Frau Michèle Sidler (47) hat er vor über zehn Jahren begonnen, aus den unauffälligen verchromten Aufsätzen farbige mit ganz speziellen Sujets zu entwickeln. Mit Erfolg. Sechs Künstler haben bis heute über 160 Motive kreiert. Vom einfachen Schweizer Kreuz, über ganze Meereswelten bis zu surrealen Bildern. Es kamen Auftragsarbeiten für Firmen dazu, die damit ihr ökologisches Image aufpolieren wollten. Für Von Roll zum Beispiel: Die Hydrantentypen der letzten Jahrzehnte auf einem einzigen AquaClic. Dieser besteht aus genau sechs Bestandteilen. Ein typisches Produkt zur Auslagerung in ein Billiglohnland eigentlich. Aber Fehlanzeige! „Die meisten Teile werden in der Schweiz hergestellt, sogar in der Region Zürich“, sagt Michèle Sidler stolz. „Swissness“ ist ein Teil der Unternehmensphilosophie.

Die Firma Aqua Art AG hat ihren Sitz in Zürich Oerlikon. Dort beschäftigen Michèle Sidler und Paul Curty 11 Leute in Voll- und Teilzeit. Marketing, Produktion und Versand. Alles ist im gleichen Haus. Meeresblauer Boden, Seesterne und Orkas an den Wänden der Produktionsräume. Blaue und gelbe Stühle. Auch hier zeigt sich, wie wichtig den Beiden der äussere Rahmen ist. „Wenn sich die Mitarbeiter wohl fühlen, haben sie mehr Spass an der Arbeit“, sagt Paul Curty. Gekocht wird in der Firmenküche und gegessen gemeinsam im Pausenteil der Fabrik. Alles ist fliessend. Wie das Wasser durch den AquaClic.

Vom Weltenretter zum Unternehmer

Wo die Idee zum AquaClic geboren wurde, können die beiden nicht mehr genau erörtern. Auch das war ein fliessender Prozess. Das Interesse am Wasser und der Umgang damit standen aber immer im Zentrum. Gestartet hatten sie mit nichts, Geld von den Banken gab es keines. Er gelernter Schreiner und Betriebsökonom, sie kaufmännische Angestellte und Computerfachfrau „on the Job“. „Ganz am Anfang wollten wir vor allem die Welt retten“, schmunzelt Michèle Sidler. Sie mussten aber bald merken, dass niemand an grauen Wasserhahnaufsätzen interessiert war. Und Wassersparen alleine war schlicht kein Thema. Dann kam die zündende Idee: Das „Swatch“-Prinzip. „Wir machten fortan mit den Hahnen nichts anderes, als es Hayek mit den Uhren vormachte“, erklärt Paul Curty. Für jeden Geschmack, den entsprechenden AquaClic. Am besten möglichst viele verschiedene, die für Abwechslung im Bad oder in der Küche sorgen.

Fiasko mit Duschbrause

Erste Verkaufsversuche führten die beiden persönlich in Einkaufszentren durch. „Wir merkten bald, dass der farbige AquaClic bei den Leuten auf reges Interesse stiess“. Heute wie damals zeigt der eigens entwickelte Showbrunnen für jeden sichtbar auf, wie viel Wasser sich durch die einfache Massnahme einsparen lässt. Und fast genauso wichtig: „Der Strahl ist angenehm füllig und spritzt nicht, zudem sammelt sich weniger Kalk an“, erklärt Paul Curty. Damit wären die vier Grundpfeiler der verfolgten Unternehmensstrategie beisammen: Ökonomie, Ökologie, Design und Komfort. „Darauf ist alles aufgebaut“, sagt Curty. Das Marketingbudget der Firma war damals und ist heute immer noch bescheiden. Das Kataloggeschäft, beispielsweise über die Naturschutzorganisation WWF und den Verkehrsclub VCS, sind ein wichtiger Absatzkanal. Zufriedenen Kunden, die ihren Kollegen davon erzählen ein anderer. Zudem arbeitet die Firma mit Gemeinden zusammen, die einen Beitrag zum Wassersparen leisten wollen. Immer mehr Bestellungen kommen – auch über das Internet – aus dem Ausland. Sogar von der australischen Regierung. Der AquaClic ist heute fast ein Selbstläufer. „Wir haben gar keine Zeit, uns gross ums Marketing zu kümmern“, sagt Michèle Sidler. Neue Produkte werden trotzdem lanciert.
Die Duschbrause „Elégance“ zum Beispiel. Ein Konstruktionsfehler von einem Ingenieur führte aber dazu, dass ein Teil der ausgelieferten Duschbrausen zerbrachen. Lieferstopps, Umtausch und Rückzahlungen waren die Folge. „Das war ein riesiger finanzieller Verlust für uns“, sagt Michèle Sidler. Nur dank dem Erfolg von AquaClic – der „Cashcow“ des Unternehmens – sei das Fiasko verkraftbar gewesen. Seit kurzem ist die „Elégance“ wieder im Handel. Selbst den Sturz vom Eiffelturm würde sie jetzt schadlos überstehen.

Über 150′000 Produkte verkaufte die Firma im vergangenen Jahr. Über den genauen Umsatz schweigt sich das Unternehmerpaar aber aus. Nachahmer in Fernost stehen bereit. Doch sie sind überzeugt: Das Potenzial zum Wassersparen ist noch längstens nicht ausgeschöpft. Mit den Diskussionen um Klimaerwärmung und CO2 liegen sie ganz im Trend. „Wir wollen weltweit Marktleader werden und bis zu hundert Arbeitsplätze in der Region schaffen“, sagt Paul Curty. Nur gemeinsam kochen werden die Mitarbeiter dann nicht mehr können.

www.aquaclic.ch

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Legen Sie auf, wenn Frau Fischer anruft (K-Geld, 24.10.2007)

Mittwoch, 24. Oktober 2007

Dubiose Internet-Firma macht mit falschen Angaben zur Registrierung von Internet-Adressen miese Geschäfte.

 

Website der Europa Domain Registrierung GmbHGilbert Jungo von der KMB Investment & Management AG in Gränichen staunte nicht schlecht an diesem Morgen. Soeben hatte ihm Frau Fischer von der Internet-Firma Europa Domain Registrierung GmbH am Telefon eröffnet, dass jemand Internet-Adressen in grossem Stil registrieren wolle. Dabei seien diese sehr ähnlich wie die seiner Firma aber mit anderen Endungen. Jungo schluckte einmal leer. Der Gedanke, dass da jemand quasi unter gleichem Namen unkontrolliert Informationen ins Netz stellt, machte ihm Angst. Frau Fischer hatte aber sogleich gute Nachrichten für ihn: „Geben Sie uns bis heute Abend Bescheid, ob Sie die Domain für sich registrieren wollen.“ Sie könne das machen für ihn und nannte den happigen Preis von 285 Franken pro Domain. Total fast 3000 Franken im Fall von KMB Investment & Management.

Entwarnung erhielt er zum Glück von seinem Webdesigner. Diesem genügte ein Blick ins Internet. In Foren fand er dort bereits viele Hinweise auf die dubiose Firma mit Sitz in Zürich. Zahlreiche Firmen und Personen hatten bereits Bekanntschaft mit den netten, hochdeutsch sprechenden Frauen der Europa Domain Registrierung GmbH gemacht. In ganz Europa übrigens. Als Geschäftsführerin ist im Handelsregister Eveline Belewitsch eingetragen. Die Mitarbeiterinnen selber nannten am Telefon einen Herr Gustav als Chef. Am offiziellen Sitz an der Leutschenbachstrasse 95 im World Trade Center Zürich ist tatsächlich ein Herr Gustav eingetragen, doch keine der Rezeptionistinnen hat je mit ihm gesprochen oder ihn gesehen. Weder Eveline Belewitsch noch der ominöse Herr Gustav waren zu einer Stellungnahme bereit. Fazit: Sobald eine Frau Fischer, Meier oder Sommer von dieser Firma anruft – die Namen wechseln regelmässig -, so schnell wie möglich das Telefon aufhängen. Übrigens: Alle Gilbert Jungo angebotenen Internet-Adressen sind noch frei. Nicht wirklich eine Überraschung.

 

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Welche Zukunft hat der Codex Alimentarius? (SVIAL-Journal, 24.10.2007)

Donnerstag, 18. Oktober 2007

Der Codex Alimentarius hat den weltweiten Handel mit Lebensmitteln sicherer und einfacher gemacht. Kritiker beschweren sich aber über die Schwerfälligkeit und Intransparenz der Organisation.

Codex Alimentarius: Milchproduktion

Was ist Mineralwasser? Frisches Wasser aus der Quelle, abgefüllt in einer Flasche. So würden die meisten Schweizerinnen und Schweizer vermutlich auf diese Frage antworten. Doch was stellt sich ein Inder oder ein Chinese unter Mineralwasser vor? Wasser aus dem Ganges oder Jangtse vielleicht. Hier wird sichtbar: In einer Welt, in der Lebensmittel über den ganzen Planeten verschoben werden, braucht es Standards. Beim Mineralwasser und bei vielen anderen Lebensmitteln bestehen solche Standards weltweit. Den Rahmen dazu bietet der Codex Alimentarius.

Ziel des Codex Alimentarius ist es, mit einer Reihe von Standards für Lebensmittel und Lebensmittelsicherheit die Gesundheit der Konsumenten zu schützen und faire Geschäftsmethoden im Lebensmittelhandel zu schaffen. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO und die Weltgesundheitsorganisation WHO gründeten den Codex Alimentarius vor über 40 Jahren. 172 Länder und die Europäische Union sind Mitglieder des Codex Alimentarius. Sie beteiligen sich seither an der Entwicklung der Standards. Diese dienen oft als Grundlage von nationalen Lebensmittelgesetzen in Ländern, die vorher keine solchen Gesetze kannten. „Nicht jedes Land hat ein Lebensmittelgesetz, wie es bei uns in der Schweiz selbstverständlich ist“, sagt Urs Klemm, ehemaliger Vizedirektor des Bundesamts für Gesundheit (BAG). Er ist so etwas wie der „Mister Codex Alimentarius“ der Schweiz. Er war 10 Jahre lang Präsident des Schweizerischen Nationalen Komitees des Codex Alimentarius und in den letzten vier Jahren Vorsitzender dieses Komitees für ganz Europa. Klemm wurde im Januar in Vilnius (Litauen) als Chairman des Komitees mit allen Ehren verabschiedet. Seit diesem Frühling ist er pensioniert, doch der Codex Alimentarius ist seine Leidenschaft geblieben. Er engagiert sich deshalb weiterhin als Berater. „Die Gremien des Codex Alimentarius sind die ideale Plattform, um mit Vertretern aus anderen Ländern Probleme der Lebensmittelsicherheit zu diskutieren“, sagt Urs Klemm.

Fehlende Transparenz

Doch die Institution hat ein Problem: Für Aussenstehende ist nur schwer ersichtlich, was die Kommission und die Komitees des Codex an ihren Sitzungen besprechen und beschliessen. Die mehrstufigen Entscheidungsprozesse dauern oft mehrere Jahre und erscheinen deshalb langatmig. Das liegt vor allem daran, dass die Entscheide auf Konsens beruhen. Erst wenn alle Delegationen der Länder mit einem Beschluss einverstanden sind, kommt es zum Abschluss. Abstimmungen sind die Ausnahme.

Die mangelnde Transparenz der Codex-Alimentarius-Gremien erzeugt Misstrauen. Der Thurgauer

 

Das Nationale Komitee der Schweiz des Codex Alimentarius

Das Komitee ist eine ausserparlamentarische Kommission und besteht aus 11 Mitgliedern, die vom Bundesrat gewählt werden. Vertreten sind Kreise aus Konsum, Landwirtschaft, Lebensmittelproduktion, Handel, Behörden und Wissenschaft. Das Komitee trifft sich zweimal im Jahr um Tätigkeiten in den Codex-Committees und Fragen der Lebensmittelsicherheit zu klären. Einzelne Untergruppen tagen, um unter Einbezug interessierter Kreise die Haltung bei den verschiedenen Komitees und anderen Arbeitsgruppen zu erarbeiten. Die Schweiz leitet beziehungsweise leitete die Codex-Committees „Natural Mineral Water“, „Cocoa Products and Chocolate“ sowie „Soups and Broths“.

Ständerat Philipp Stähelin machte im letzten Herbst im Parlament eine Anfrage, in der er vom Bundesrat Informationen über die Arbeit des Schweizerischen Codex-Alimentarius-Komitees verlangte. „Mir scheint, dass das Personal in diesen Komitees und Delegationen etwas gar hoch bestockt ist“, sagt der Ständerart auf Anfrage. Man müsse sich schon fragen, ob es normal sei, wenn die Schweizer Delegationen grösser als die der USA oder der EU seien. Obwohl Stähelin die Bedeutung der Codex Alimentarius für die Lebensmittelsicherheit grundsätzlich anerkennt, sieht er beim Nationalen Komitee Möglichkeiten, um Mittel einzusparen. Urs Klemm stellt richtig, dass die Delegationen der Schweiz knapp dotiert und eher mit denen des Konferenz-Nachbarn Swaziland zu

vergleichen seien. Er warnt vor Einsparungen. Nur durch die aktive Mitarbeit in diesen Gremien könne die Schweiz zum Beispiel Einfluss auf die Lebensmittel-Gesetzgebung in der EU ausüben. „Wo sei es denn heute noch möglich mit EU-Vertretern auf gleicher Augenhöhe zu diskutieren?“ fragt Klemm rhetorisch. Weil die Schweiz immer mehr EU-Recht lückenlos übernehmen müsse, seien solche Gespräche im Vorfeld der Ausgestaltung von Gesetzen besonders wichtig.

Wissenschaftlich abgestützte Normen

Trotzdem fragen sich die Kritiker natürlich, wie zeitgemäss ein so schwerfälliger Apparat in der schnelllebigen Zeit noch ist. Kommt dazu, dass die im Codex Alimentarius enthaltenen Normen rechtlich nicht allzu verbindlich sind. Zahlreiche private Organisationen setzen heute viel schneller eigene Standards. Urs Klemm warnt aber davor, dass der Einfluss der Politik und Wirtschaft auf die Lebensmittelsicherheit zu gross wird. „Es ist sinnvoll, eine Institution zu haben, die Normen aufgrund von wissenschaftlich abgestützte Daten festlegt und die Entwicklungsländer einbezieht“, betont Urs Klemm noch einmal die Bedeutung des Codex Alimentarius. Man dürfe zudem nicht vergessen, dass viele Länder praktisch kein Lebensmittelrecht kennen und sich deshalb sehr eng am Codex orientierten. Wenn ein Entwicklungsland Produkte exportieren wolle, dann wisse es unter anderem dank dem Codex, was in anderen Ländern verlangt werde. Aber auch Klemm sieht ein, dass sich die Organisation bei der Transparenz und der Effizienz verbessern muss, um nicht von privaten Standards „rechts überholt“ zu werden.

Quasi als letzte Amtshandlung hat Klemm zusammen mit anderen Komitee-Mitgliedern ein Strategiepapier zur Zukunft des Nationalen Komitees ausgearbeitet. In der Vernehmlassung bekannten sich Konsumentenorganisationen, Handel, Lebensmittelindustrie, Landwirtschaft, Wissenschaft und die beteiligten Behörden eindeutig zum Codex. Sie unterstrichen damit dessen Bedeutung einen Welthandel in einem geregelten Umfeld. Doch Urs Klemm weiss, dass die künftigen Tätigkeiten des Komitees eng mit dem Engagement der beteiligten Personen verbunden sind. „Die Lebensmittelsicherheit hat weltweit dank des Codex in den letzten Jahren deutlich zugenommen, auch dank der aktiven Mitarbeit der Schweiz“, sagt Klemm. Er würde es deshalb sehr bedauern, wenn die Schweiz nun nur noch eine passive Rolle spielen würde.

www.codexalimentarius.net
www.ursklemm.ch

 
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Nährwertdatenbanken sind bis 2009 gefüttert (SVIAL-Journal 24.10.2007)

Mittwoch, 17. Oktober 2007

Die Schweizer Nährwertdatenbank liefert Informationen über die Zusammensetzung von Lebensmitteln. Paolo Colombani betreut die Nährwertdatenbank im Rahmen des Projektes SwissFIR. Die Daten liefern die Grundlage für eine schweizweit geplante Erhebung des Essverhaltens.

Paolo ColombaniWas hat ein McDonalds-Menü bestehend aus Hamburger, Pommes und einer Cola gemeinsam mit 1,2 Kilogramm gekochten Kartoffeln, 5 Kilogramm rohen Kohlrabi oder 210 Gramm weisser Schokolade? Das: Alles enthält etwa gleich viel Kilojoule. Wie man auf solche Daten kommt? Mit Hilfe von Nährwerttabellen. Und solche sind immer besser verfügbar. Zum Beispiel auf der Website des Fastfood-Anbieters McDonalds. Der Online-Nährwertberechner berechnet dort für sechs Chicken McNuggets einen Energiewert von 1045 Kilojoule. Nicht nur ernährungsbewusste Leute stellen ihre Menüs aufgrund solcher Daten zusammen. Auch Grossküchen und Spitäler sind auf sie angewiesen. Die Schweizer Nährwertdatenbank – erstellt im Rahmen des Projekts SwissFIR (Swiss Food Information Resource) -, liefert die Werte zu allen wichtigen Nahrungsmitteln: von der Konfitüre über die Essiggurke bis zum Roggenbrot.

Nährwertdatenbanken haben Zukunft

Kilojoule, Vitamine oder Kohlenhydrate. Der ernährungsbewusste Mensch von heute weiss, wie viel Schokolade er essen darf, damit er im Pensionsalter nicht wegen Übergewicht einen Herzinfarkt erleidet. Doch der Nutzen einer Nährwertdatenbank bei Nahrungsmitteln ist weit grösser. Landwirte können ihre Futtermischungen optimieren. Allergiker werden in Zukunft das Handy an den Barcode des Lebensmittels im Gestell halten, um per SMS zu erfahren, ob Gefahr von Erdnüssen droht. Das ist noch Zukunftsmusik, doch an der ETH in Zürich arbeitet die Gruppe um Paolo Colombani daran, dass diese Vision bald Wirklichkeit wird. Weit davon entfernt ist man eigentlich gar nicht mehr. Seit zehn Jahren – mit Unterbrüchen – wird die Schweizer Nährwertdatenbank mit Daten gefüllt. Seit diesem Jahr kann jedermann frei über das Internet auf die Daten zugreifen. Und das Angebot kann sich sehen lassen: Fast 700 Lebensmittel sind mit ihren Makronährstoffen, Wasseranteilen, Vitamin-, Mineralstoff- und Alkoholgehalten publiziert.

Mit EuroFIR zu mehr Qualität

Paolo Colombani ist Projektleiter der Schweizer Nährwertdatenbank. Er sitzt aber auch im Vorstand der Schweizer Gesellschaft für Ernährung SGE, die die Bevölkerung in Fragen der

 

SwissFIR

SwissFIR (Swiss Food Information Resource) ist ein Projekt, in dessen Rahmen die vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) und der ETH Zürich gemeinsam erstellte Schweizer Nährwertdatenbank verwaltet und aktualisiert wird.

Ernährung informiert und berät. Colombani befasst sich seit vielen Jahren mit Fragen der Ernährung. Sie ist seine Leidenschaft. Und trotzdem ist er nicht ein Chörnlipicker, wie das Aussenstehende vielleicht erwarten würden. Da hat es auch Platz für einen Schluck Cola Light. „Kein Problem. Alles eine Frage des Masses“, antwortet er souverän auf die fragenden Blicke des Journalisten. Cola Light ist in der Datenbank als „Colagetränk, mit Süssungsmitteln“ eingetragen. Die enthaltenen Werte in 100 Gramm Flüssigkeit: 99.8 g Wasser, 0g Kohlenhydrate, 0g Protein und 11 mg Chlorid.
Im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) leitet Colombani im Departement Agrar- und Lebensmittelwissenschaften an der ETH in Zürich seit 2006 das Projekt SwissFIR. Zuvor lagen die Daten der Schweizer Datenbank wegen fehlendem Geld quasi drei Jahre brach. „Die Lancierung des EU-finanzierten Projektes EuroFIR im Jahr 2005 brachte wieder Bewegung in die Nährwertdatenbank“, sagt Colombani. EuroFIR ist eine Partnerschaft zwischen 46 Universitäten, Forschungsinstituten – darunter die ETH Zürich – und Unternehmen aus 25 Ländern. Das Ziel: Bis

 

EuroFIR

Das weltweit führende europäische Network of Excellence in Nährwertdatenbanksystemen ist eine Partnerschaft zwischen 46 Universitäten, Forschungsinstituten und klein- und mittelständischen Unternehmen aus 25 Ländern. Das Ziel von EuroFIR ist die Entwicklung und Integration einer verständlichen und zuverlässigen Datenbank, die eine einzelne, massgebende Informationsquelle über Lebensmittel für Europa bereitstellt.

ins Jahr 2009 sollen die vielen bereits existierenden Nährwertdatenbanksysteme zu einer einheitlichen Datenbank harmonisiert werden. EuroFIR soll künftig die massgebende Informationsquelle über Lebensmittel in Europa sein. „Es geht jetzt vor allem um die Standardisierung auf technischer Ebene der Datenbanken, um so die Verwendung der Daten zu vereinfachen“, präzisiert Colombani. Zudem erhofft er sich natürlich eine Steigerung der Qualität bei den Daten. Denn das ist heute ein Problem: Viele Datenwerte in SwissFIR stammen von Analysen aus nicht akkreditieren Labors oder sind schlecht dokumentiert. „Mit EuroFIR wird sich das ändern“, sagt Colombani. Bis ins Jahr 2009 hat seine Gruppe an der ETH Zeit, die Daten auf Vordermann zu bringen.

Nanuss als Antreiber

Doch dass die Schweizer Näherwertdatenbank vor eineinhalb Jahren quasi aus dem Schlaf geholt wurde, hat nicht nur mit EuroFIR zu tun. Die Daten sollen die Basis für ein ganz anderes Projekt liefern: Dieses heisst NANUSS und steht für „National Nutrition Survey Switzerland“. Das BAG hat nämlich beschlossen, eine nationale Ernährungserhebung bei der Bevölkerung durchzuführen. Die Schweiz hinkt diesbezüglich anderen Industrieländern nach. Alle wissen, dass beispielsweise Übergewicht bei uns ein Problem ist. Um wirkungsvolle Präventionsmassnahmen zu entwickeln braucht es vor allem etwas: Man muss wissen, wie das Essverhalten von Herr und Frau Schweizer aussieht. Mit NANUSS soll dieser Lücke nun auch in der Schweiz endlich gefüllt werden. „Nanuss befindet sich in der ersten Projektphase“, erklärt Michael Beer vom BAG auf Anfrage. In den nächsten Monaten werde das Vorgehen in der Schweiz bestimmt und dann in Pilotstudien verfeinert. Paolo Colombani führte mit seinen Leuten eine Pilotstudie zur Methodik durch, die bei NANUSS angewendet werden soll. Die eigentliche Studie soll in zwei Jahren beginnen. Dann wird auch die Schweizer Nährwertdatenbank soweit sein. Sie bildet einen der Hauptpfeiler von NANUSS.

www.swissfir.ch

www.eurofir.net

 
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Weshalb verlieren die Bäume im Herbst die Blätter? (SBB-Kundenmagazin via 5.10.2007 )

Freitag, 05. Oktober 2007

Überall liegt es jetzt wieder herum. Auf Strassen und Wiesen. Laub soweit das Auge reicht. Sobald die Tage kürzer und kälter werden, beginnen die Laubbäume ihre Blätter abzuwerfen. Der Baum bereitet sich so auf den kalten Winter vor. Mit zunehmender Kälte nimmt die Wasseraufnahme über die Wurzeln des Baumes ab. Er sammelt deshalb die Kräfte und entzieht zuerst seinen Blättern das Wasser bis diese vertrocknet vom Ast fallen. Bei Frost würde sonst das Wasser in den Blättern gefrieren und die Zellen zerstören. Das Blatt wäre verloren und mit ihm wertvolle Reservestoffe wie Zucker oder Mineralstoffe, die der Baum zum Leben braucht. Diese transportiert der Baum noch vor dem Abfallen der Blätter in den Stamm und in die Wurzeln. Er zieht sich quasi in sich zurück und sammelt dort neue Kräfte für den kommenden Frühling und die längeren Sommertage. Deshalb schneidet man die Obstbäume nicht im Sommer sondern im Winter, weil die Äste dann nicht voll „im Saft“ sind.

Immergrüne Bäume behalten die Blätter
Nun weisst Du sicher, dass es Bäume gibt, die ihre Blätter im Winter behalten. Viele Nadelbäume beispielsweise. Mit einem Wachsüberzug auf Nadeln und Blättern verhindern diese immergrünen Bäume, dass Wasser verdunstet und so verloren geht. Der Baum könnte dieses Wasser nicht ersetzen, weil es im Boden gefroren ist. Er würde vertrocknen.

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