Journalismus: Publizierte Artikel
Artikel von Dezember, 2007:
Wie funktioniert eigentlich das Telefon? (SBB-Kundenmagazin VIA, Dezember 2007)
Donnerstag, 20. Dezember 2007
Schnell den Freund fragen, ob er heute Nachmittag auf den Fussballplatz kommt? Natürlich per Telefon. Das ist heute selbstverständlich und doch ein kleines Wunder: Denn wie schaffen es die Worte vom Mikrofon des Telefonhörers durch das enge Kabel zum Freund? Die Stimme ist eine Ansammlung von Schallwellen, erzeugt durch Schwingungen. Ähnlich einer Gitarrensaite. Im Mikrofon des Telefonhörers werden die Schallwellen in nicht hörbare elektrische Signale umgewandelt. Diese fliessen durch das Telefonkabel zum Apparat des Empfängers, wo die Signale dann im Hörer in die Schallwellen der Stimme zurückverwandelt werden.
“Nur eine intensive Landwirtschaft kann die Weltbevölkerung ernähren” (SVIAL-Journal, 12. Dezember 2007)
Donnerstag, 20. Dezember 2007 Der Agronom Rudolf Guyer ist überzeugt, dass freiere Märkte und weniger Subventionen zur Lösung des Hungerproblems beitragen. Er kennt die internationale Landwirtschaft aus seiner langjährigen beruflichen Tätigkeit im Pflanzenschutzsektor.
Weshalb leiden immer noch 850 Millionen Menschen weltweit an Hunger?
Rudolf Guyer: Das Problem liegt nicht in der Produktion von Lebensmitteln. Auch nicht bei der Verteilung, wie oft propagiert. Hunger ist viel mehr die Folge von fehlender wirtschaftlicher Entwicklung. Den Leuten fehlt in den betroffenen Ländern oft das Geld, um die eigenen landwirtschaftlichen Produkte zu kaufen. Der Wirtschafts-Motor kann so nicht ins Rollen kommen.
Weshalb ist das so?
Weil die Leute keine Möglichkeiten haben, genügend Einkommen zu erzielen. Zum anderen bieten die Rahmenbedingungen für die lokale landwirtschaftliche Produktion oft zu wenig Anreize, die nötigen Lebensmittel für die lokale Bevölkerung zu produzieren. Für den Bauern besteht gar keine Motivation die Produktion zu erhöhen, weil er sie gar nicht verkaufen kann. Kommt dazu, dass die lokale Produktion oft mit billigem, subventioniertem Überschussgetreide aus dem Ausland konkurrieren muss.
Dann wäre die Liberalisierung der protektionistischen Landwirtschaften in den westlichen Ländern also eine Möglichkeit, das Hungerproblem zu bekämpfen?
Zum einen ja. Doch andererseits bestehen in den betroffenen Ländern oft auch logistische Probleme. Mais in Mozambique beispielsweise, der auf den schlechten Strassen 100 km vom landesinnern an den Hafen transportiert werden muss, ist dort teurer als der aus den USA importierte Mais. Zudem fehlt es an Möglichkeiten, eine lokale Überschussproduktion professionell zu lagern. In vielen afrikanischen Grossstädten mit Zugang zu den Weltmärkten läuft es so.
Wäre es nicht wichtiger, dass sich die Leute zuerst wenigstens mit der eigenen Produktion ernähren können?
Rudolf Guyer
Aufgewachsen auf dem elterlichen Bauernhof in Seegräben ZH. Abschluss als Dipl. Ing. Agr. ETH im Jahr 1977. Promotion zum Dr.sc.agr. an der Universität Hohenheim (D) 1987. Tätig für Ciba-Geigy in Spanien und Brasilien, Aufbau von Forschungsstationen für Reis und Gemüse in Indonesien, Saatgutleiter und Marketingleiter Pflanzenschutz in Deutschland, Leiter Strategisches Marketing Pflanzenschutz in Basel. Seit dem Jahr 2000 Bereichsleiter der Region „Middle East North Africa“ bei Syngenta Agro AG in Basel. Präsident von CropLife Africa Middle East und Lehrbeauftragter an der SHL Zollikofen. Mitglied der Kommission Internationale Landwirtschaft beim SVIAL.
Ich glaube nicht, dass sich durch Subsistenz-Landwirtschaft das Hungerproblem lösen lässt. Es ist schlicht unrealistisch, dass jeder Städter auf seiner Datscha seine eigenen Produkte anbaut. Was es braucht ist eine professionelle, arbeitsteilige Landwirtschaft, die moderne Düngungsmethoden nutzt und Pflanzenschutzmittel einsetzt.
In welchen Ländern entwickelt sich die Landwirtschaft in diese Richtung?
Im Osteuropa und Russland beispielsweise. Länder wie die Ukraine oder Russland sind daran, ihre frühere Bedeutung als Kornkammer zurückzuerlangen. Grosse Pflanzenschutzfirmen wie Syngenta investieren vor allem in diese Regionen und immer weniger in Afrika. Das zeigt, dass die Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft in Afrika nicht attraktiv sind.
Die Zukunft der Landwirtschaft liegt also in der intensiven Produktion?
Ich bin hundertprozentig überzeugt, dass wir eine hoch intensive Landwirtschaft brauchen. Diese muss aber nachhaltig wirtschaften und den Boden für kommende Generationen fruchtbar erhalten. Tatsächlich spielen Hilfsmittel wie Dünger oder Pflanzenschutzmittel eine wichtige Rolle dabei.
Das heisst: Mehr Pestizide und mehr gentechnisch veränderte Produkte?
Das tönt jetzt sehr polemisch. Ich kenne aber keinen Bauern, der seinen Acker willentlich versaut. Nur mit modernen Technologien werden wir aber die zunehmende Weltbevölkerung ernähren können. Wir dürfen nicht vergessen, dass sich auch die Hilfsmittel in den letzten Jahrzehnten weiterentwickelt haben und viel umweltverträglicher sind. Und die Anwender sind besser ausgebildet. Letztlich können wir nur durch die intensive – aber nachhaltige- Bewirtschaftung geeigneter Böden andere bedrohte Flächen wie den Tropenwald vor der Zerstörung schützen. Uns bleibt keine Wahl.
In der Schweiz gibt es viele Leute, die ganz bewusst Produkte aus so genanntem fairem Handel kaufen. Man hört aber oft, dass gerade intensiv wirtschaftende Grossbetriebe die Arbeiter ausnutzen.
Dem würde ich vehement widersprechen. Unabhängig von der Branche bieten erfolgreiche internationale Konzerne – wie beispielsweise die Syngenta – oft bessere Arbeitsbedingungen als kleinere lokale Arbeitgeber. Das macht auch Sinn, denn nur motivierte Mitarbeiter bringen einen Betrieb weiter.
Um Motivation der Mitarbeiter geht es letztlich auch bei Ihrem Engagement im Rahmen von „CropLife Africa Middle East“ in Afrika. Was macht diese Institution?
Bei CropLife handelt es sich um den Verband der agrochemischen Industrie, der sich in der Öffentlichkeit für mehr Akzeptanz von Pestiziden und Biotechnologie einsetzt. Der Verband ist global tätig. Ich bin darin als Präsident verantwortlich für die Region Afrika.
Obwohl Afrika für die agrochemische Industrie kaum von Bedeutung ist?
In der Tat sind die Umsätze mit Pflanzenschutzmitteln auf dem afrikanischen Kontinent gering. Und doch wollten wir mit dem Engagement in Afrika ein Zeichen setzen und Wege aufzeigen, wie sich der Kontinent moderne Technologien zur Lösung des Hungerproblems zu nutzen machen könnte. Es ist aber vor allem auch ein persönliches Engagement.
Man hat aber von aussen eher den Eindruck, dass Afrika vor allem als Abfallkübel für in der westlichen Welt nicht mehr zugelassene Pestizide dient.
Genau hier setzt die Organisation ein. Wir kämpfen für bessere Gesetze bezüglich Zulassung von Pflanzenschutzmitteln in den einzelnen Ländern, denn diese fehlen dort oft. Es ist richtig, dass viele Firmen diese Situation in der Vergangenheit und zum Teil heute noch ausnützten. Der negative Touch fällt letztlich auf grossindustrielle Betriebe zurück wie die Syngenta, die nur mit Produkten handelt, die westliche Standards erfüllen. CropLife organisiert und finanziert teilweise die Entsorgung der schätzungsweise 30’000 Tonnen Altpestizide in Afrika. Zudem bilden wir Leute aus und erklären ihnen die richtige Anwendung der Pestizide.
Was kann eigentlich die Schweiz beitragen, damit sich der Schwarze Kontinent besser entwickelt?
Die Schweiz trägt mit ihrer Position dazu bei, dass die Doha-Runde der WTO nicht vorankommt. Sie wehrt sich mit den anderen nördlichen Ländern gegen die Forderung der Entwicklungsländer nach mehr Zugang für ihre Agrarprodukte auf unseren Märkten. Ich denke die Schweiz ist hier gefangen in ihrem Subventionssystem. Für viele Länder wäre der Zugang zu den Märkten ein wichtiger Schritt zu wirtschaftlicher Entwicklung.
Massanzug für jedermanns Portemonnaie (Handelszeitung 12. Dezember 2007)
Mittwoch, 12. Dezember 2007Die Bekleidungsfirma Thatsuits berät ihre Kunden zu Hause oder am Arbeitsplatz. Sie verzichtet bewusst auf ein teures Verkaufslokal. Mit Erfolg. Das neuste Produkt: Ein Anzug der vor Handystrahlen schützt.
Ein Anzug nach Mass ist vor allem etwas für wohlhabende Leute. Die anderen kaufen ihn ab Stange. „Diese erkennt man an zu kurzen Hosenbeinen oder zu langen Ärmeln,“ sagt Markus Soltermann. Sein Anzug sitzt perfekt. Massgeschneidert. Und: er kostet nicht mehr als Massenware. Ab 650 Franken ist er zu haben.
Vor drei Jahren gründete Markus Soltermann die Bekleidungsfirma Thatsuits. Der Traum von der eigenen Firma ging damit in Erfüllung. Seither handelt er mit Massanzügen. Allerdings zu Preisen, die sie für jedermann erschwinglich machen. Möglich machen das extrem schlanke Strukturen, keine Lager und die Produktion in Asien. Der erste Gedanke: Wertlose Billigware aus einem Niedriglohnland. Doch spätestens wenn Markus Soltermann seinen Kunden die Ordner mit über 1400 Stoffmustern zeigt, wird klar: Hier ist einer mit Leidenschaft am Werk. Gute Qualität ist Ehrensache, nur Stoffe von bekannten Herstellern kommen für ihn in Frage.
Kein Verkaufsladen
Der eigentliche Geschäftssitz von Thatsuits liegt in einem ruhigen Einfamilienhaus-Quartier in Wallisellen, im Reihenhaus des 38-jährigen Markus Soltermann. Der Chef persönlich empfängt seine Kunden in der Stube auf dem Sofa um Mass zu nehmen. Soltermann öffnet die Kataloge: „Doppelreiher oder Einreiher?“ Aus dem oberen Stock ist das Surren von Nähmaschinen zu hören. Die Wände sind behangen mit asiatischen Gemälden, in der Küche hängt neben der Espresso-Maschine die Skyline von Hong Kong. Arbeitsplatz und Wohnung sind hier eins. „Dadurch lassen sich die Fixkosten tief halten“, erklärt Soltermann. Weshalb viel Geld für Personal und Lokalität bezahlen, wenn sowieso den meisten Kunden die Zeit für den Besuch im Kleidergeschäft fehlt? Deshalb besuchen er oder eine seiner drei angestellten Schneiderinnen die Kunden in der Regel zu Hause oder gleich am Arbeitsplatz und nehmen Mass. Hat sich der Kunde für Schnitt, Farbe und Gewebe entschieden, wird der Stoff direkt beim Lieferanten – sehr oft in Italien -, bestellt. Dieser schickt ihn weiter an die Schneiderei nach China. Vier Wochen nach Bestellung liefern die Thatsuits-Leute den Anzug persönlich aus. Ist der Knopf falsch oder passt sonst etwas nicht, landet das Stück noch einmal bei den Schneiderinnen im Nähatelier in Wallisellen oder an einem der anderen zwei Standorte in Chur und Bern.
Begeisterung für Asien
Weshalb lässt Soltermann in Asien produzieren? Natürlich wegen den tiefen Produktionskosten. Doch nicht nur. Denn der Sohn eines Emmentalers und einer Ghanaerin war schon vor seiner Zeit als Kleiderproduzent viel unterwegs in Asien. Als Projektleiter und Berater für eine IT-Firma. Und schon damals verbrachte der Modefreak die Abende lieber in den Ateliers von befreundeten Schneidern in Hong Kong oder Peking als vor dem Computer. Er – der seine Kindheit in Ghana verbrachte, – ist auf den vielen Reisen zum Asienfan geworden. Zurück in der Schweiz wunderten sich seine Arbeitskollegen dann jeweils über die schicken Kleider, die er da wieder mitgebracht hatte. „Sie waren vor allem von den tiefen Preisen überrascht“, sagt Soltermann. Die Geschäftsidee von Thatsuits war damit geboren.
Thatsuits lässt an Standorten in Hongkong und Peking produzieren. Und Soltermann nimmt es gleich vorweg: „Garantiert keine Kinderarbeit und keine dunklen Keller!“ Seine Qualitätsanforderungen würden das gar nicht zulassen. Zweimal im Jahr sei er vor Ort und kenne die Situation in den Fabriken genau. Neben dem Preis müsse vor allem die Qualität stimmen. Wenn er nur auf den Preis schauen würde, dann müsste er in Vietnam oder Thailand produzieren. Soltermann selber verfügt über keine eigentliche Ausbildung in der Modebranche: „Dafür sind meine Schneiderinnen zuständig.“ Doch wer dem stets adrett gekleideten Mann gegenüber steht, für den ist klar: Er weiss, von was er spricht. Der MBA-Absolvent kümmert sich vor allem auch ums Marketing der Firma. „Small is beautiful“ ist auch hier angesagt: Sponsorings bei der „Mister Zürich“-Wahl und bei einem regionalen Fussballclub sowie Flyer-Aktionen in den Städten. Dazu eine Internetseite. Der wichtigste Marketing-Faktor ist die Mund zu Mund Propaganda. Und die Botschaft von den Leuten, die erschwingliche Massanzüge persönlich in den eigenen vier Wänden präsentieren, verbreitet sich schnell. „In diesem Jahr überschreiten wir die Grenze von einer Million Franken Umsatz“, sagt Soltermann.
Innovationen müssen sein
In der Modebranche ist Soltermann gelandet, weil er darin seine Kreativität ausleben kann. Dabei kombiniert er gerne Mode und Technologie. Zum Beispiel beim „High Tech Suit“, einem Anzug, ausgestattet mit Bluetooth Freisprecheinrichtung für Handys und MP3-Player. Das Modell war bisher wenig erfolgreich: „Ein Flop“, sagt Markus Soltermann. Aber Innovationen sind der Motor von Unternehmen. Deshalb hat er sich vom Misserfolg nicht beirren lassen und in diesem Herbst den „Shield Suit“ lanciert, mit Rundum-Schutz vor Handy-Strahlen. Ein Gutachten der Universität der Bundeswehr in München bestätigt die schützende Wirkung. Das in den Anzug eingenähte Schutzgewebe stammt von der Schweizer Firma Spoerry & Co in Flums. Ist das mehr als nur ein Marketing-Gag? „Das werden wir sehen“, sagt Soltermann. Noch ist der Arbeitstag für ihn nicht vorbei. Zwei Kundenbesuche stehen an diesem Abend noch auf dem Programm. Wenn andere Feierabend haben, geht es für ihn und seine Schneiderinnen manchmal erst richtig los.

