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Journalismus: Publizierte Artikel

Artikel von Juli, 2009:

Die Tomate sucht ihre Identität

Freitag, 31. Juli 2009

Der globale Wettbewerb hat die Tomate zum gesichtslosen Massenprodukt gemacht. Mit ruinösen Folgen für viele Produzenten. Etwas abseits der grossen «Tomatenströme» steigt das Interesse an alten Sorten.

Industrielle Tomatenproduktion in WestlandEine ganze Region mit Glas bedeckt. 5000 Hektaren Gewächshäuser mit Gemüse und Blumen stehen in Westland an der holländischen Nordseeküste. Das Glashaus ist fixer Bestandteil des Ortsbildes und fast schon ein Kulturgut. Das Leben spielt sich in und zwischen den Gewächshäusern ab. Durch die angelaufenen Gläser schimmern an vielen Orten Tomatenpflanzen durch. Sie sind typisch in dieser Region. Aber was heisst schon typisch? Ursprünglich kommt die Tomate aus warmen Gebieten in Südamerika. Trotz klimatischen Nachteilen haben es die Holländer aber in den letzten Jahrzehnten geschafft, zur bedeutenden Tomatennation aufzusteigen. Möglich machten dies die Gewächshäuser. Immer grösser, immer moderner, immer ausgeklügelter wurden sie. Die Nachteile zu den für den Anbau von Tomaten besser geeigneten Ländern in Südeuropa machten die Holländer jeweils mit Technologie wett. Doch nun scheint diesbezüglich die Grenze des Möglichen erreicht zu sein. Denn in diesem Jahr sind die Preise auf dem Weltmarkt tief wie noch nie. Es gibt zu viele Tomaten auf dem Markt.
Obwohl starke Preisschwankungen auf den internationalen Märkten an und für sich nicht ungewöhnlich sind: An solche schlechte Zeiten erinnert sich niemand in Westland. «Die Situation ist für viele Produzenten dramatisch», sagt Hans van der Lem, stellvertretender Managing Director bei der ortsansässigen aber global tätigen Grosshandelsfirma van Rijn. Wenn die Preise für Tomaten noch ein paar Wochen so tief bleiben würden, müssten die ersten Produzenten aufgeben, ist er überzeugt. Die Tomaten-Produzenten erhielten für ein Kilogramm Tomaten zwischenzeitlich weniger als umgerechnet 45 Rappen. Zu wenig um die Kosten zu decken. «Bei diesen Preisen fahre ich mit jedem verkauften Kilo einen Verlust ein», sagt der Produzent Fred Schäpe mit nachdenklichem Blick. In seinem 4,4 Hektaren grossen Gewächshaus erntet er pro Pflanze durchschnittlich 60 Kilogramm Tomaten. Das ist viel. Und trotzdem hat er Mühe, über die Runden zu kommen.

Tomaten wieder Identität geben

Der globale Wettbewerb hat aus der Tomate ein anonymes Massenprodukt gemacht. Die Tomaten-Züchter haben in den letzten Jahren vor allem auf Ertrag, Transportfähigkeit und Haltbarkeit gesetzt. Eigenschaften, die im Geschäft mit grossen Mengen gefragt sind. Auf der Strecke geblieben sind dabei aber innere Werte wie der Geschmack. Einst aus Südamerika eingeführt, wo die Tomate in tausenden von Variationen vorkam, ist sie zur runden Einheitstomate verkommen, die nur noch mit einer gehörigen Prise Salz oder Aromat schmeckt. „Viele Konsumenten kennen aber gar nichts mehr anderes“, sagt der holländische Marketing-Profi Bas Bakker. Er verhalf vor ein paar Jahren dem uniformen holländischen Käse mit neuen Vermarktungsideen zu mehr Identität. Das will er nun für die Handelsfirma Van Rijn bei Tomaten und anderem Gemüse wiederholen. „Es ist eigentlich bei Gemüse ganz ähnlich wie beim Käse“, sagt Bakker. Es gehe darum, aus dem Massenprodukt wieder spezielle Produkte mit Mehrwerten zu schaffen. Die Krise regt offenbar zum Umdenken an.

Trend zu alten Sorten

Ein Trend zu mehr Aroma und Abwechslung zeichnet sich auch in der Schweiz ab. In den Regalen von Coop und Migros liegen neben den gewohnten Standardtomaten vermehrt Tomaten in ungewohnten Formen und Farben auf. Alte TomatensortenDass sie teilweise als «Aroma»-Tomaten beworben werden, wirft kein gutes Licht auf die sonst üblichen Tomaten. In Hobbygärtnerkreisen ist es seit längerem wieder schick, «Berner Rosen», «Baselbieter Röteli» oder «die Gelbe von Thun» anzupflanzen. Frisch gepflückt von der Staude kommen die geschmacklichen Vorteile besonders zur Geltung. Die Einheitstomate vom Supermarkt hat hier klar das Nachsehen. Doch wegen der eingeschränkten Haltbarkeit sind solche Sorten ungeeignet für den Handel und Verkauf im grossen Stil. Ein Thema sind sie aber trotzdem.

Tomatenhappenig in Frauenfeld

Das zeigt auch das Künstlerprojekt «tomARTen» vom Ostschweizer Max Bottini, das dieser in diesem Jahr zusammen mit dem Thurgauer Naturmuseum lancierte. Er liess über 500 verschiedene Tomatensorten in ausgewählten Gärtnereien zu Setzlingen heranwachsen und gab diese zum Auswachsen an interessierte Profi- und Hobbygärtner ab. Das Interesse war riesig: «Wir wurden richtiggehend überrannt», sagt der Künstler. Bereit im März – zwei Monate früher als geplant – waren alle «Adoptivplätze» vergeben. Zum grossen Tomatenhappening kommt es am 16. August, wenn die «Adoptiveltern» ihre Tomatensorten auf der Marktpromenade in Frauenfeld vorstellen und zur Degustation freigeben. Eine von ihnen ist Monika Fessler-Alig aus dem luzernischen Hämikon. Sie pflanzt in ihrem 68 Meter langen Gewächshaus 80 verschiedene Sorten an, insgesamt 1800 Pflanzen. Pro Staude erntet sie maximal 30 Kilogramm Tomaten. Sie tragen Namen wie «Yellow Amish», «Feuerwerk», «Ochsenherz» oder «Mariannas Peace». Letztere gilt unter den Tomaten-Gourmets als besondere Delikatesse. «Viele bezeichnen sie als die beste Tomate überhaupt», sagt Monika Fessler-Alig. Ihr persönlicher Favorit ist weiss, klein wie eine Johannisbeere und heisst «Bianca». «Der Aufwand für die Aufzucht, Pflege, Ernte und Vermarktung der Tomaten ist ziemlich gross», sagt Monika Fessler-Alig. Ihr Mann ist Nebenerwerbsbauer mit einem 8,5 Hektaren Betrieb und arbeitet zu 100 Prozent als Treuhänder. In seiner Freizeit hilft er im Tomatenhaus oberhalb des Baldeggersees mit. Die Tomaten verkauft Monika Fessler-Alig als «farbige Hämiker Tomaten» ab Hof, an Marktfahrer in Luzern und Zürich sowie an Restaurants in der Region. Das Interesse an den kuriosen Tomaten ist laut Aussagen der Produzentin gross: «Die Verkäufe laufen ausgezeichnet!»

Der Traum von der Supertomate

Monika Fessler-Alig ist eine typische Nischenproduzentin. Von ihren erzielten Tomaten-Preisen können die grossen Schweizer Tomaten-Produzenten nur träumen. Ihr Umfeld ist – ähnlich wie bei den holländischen Kollegen – bestimmt von grossen Erträgen, knappen Margen und sinkenden Produzentenpreisen. Für Experimente bleibt hier wenig Platz. Zumal der Handel bestimmt, was in die Läden kommt. Jede Schweizerin und jeder Schweizer isst im Durchschnitt über 8 Kilogramm Tomaten pro Jahr. Nur die wenigsten von ihnen würden über 10 Franken pro Kilogramm Tomaten bezahlen, wie das bei speziellen Sorten der Fall ist. Auch deshalb werden diese wohl künftig weiterhin vor allem in Liebhaberkreisen angepflanzt werden und nur eine Nebenrolle spielen, allerdings eine wichtige. Denn für die Bewahrung der Sortenvielfalt bilden diese Tomaten ein wichtiges Reservoir. Und von diesem Genpool könnten auch moderne Sorten profitieren. Die Branche träumt schliesslich schon lange von der «Supertomate», die gut schmeckt, gute Erträge gibt, lange haltbar und erst noch wenig anfällig auf Pflanzenkrankheiten ist.

www.tomarten.ch

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Tomaten für den feinen Geschmack

Sonntag, 19. Juli 2009

Im Luzerner Seetal baut eine Bäuerin achtzig verschiedene Tomatensorten an. Die Gourmet-Tomaten verkauft sie an Restaurants in der Region, an Marktfahrer und direkt ab Hof.

Farbige Hämiker TomatenWo gibt es das schon: Ein Tomatenhaus, in dem rund um die Uhr sanfte Musik aus den Lautsprechern ertönt? Die «farbigen Hämiker Tomaten» sind eben in jeder Beziehung speziell. «Ein Klangforscher untersucht, ob sich der Naturklang positiv auf das Wachstum von Pflanzen auswirkt,» klärt Bäuerin Monika Fessler-Alig auf. Und? «Bis jetzt kann ich noch nichts sagen, die spirituellen Töne schaden aber sicher nicht, und mir gefällt es.» Vorbei geht es an den Reihen mit Tomaten, die in allen Farben und Formen von den Stauden herunterhängen. 80 verschiedene Sorten an insgesamt 1800 Pflanzen stehen im 68 Meter langen Gewächshaus in Hämikon hoch über dem Baldeggersee. Sie tragen Namen wie «Yellow Amish», «Feuerwerk» «Ochsenherz» oder «Mariannas Peace». Letztere gilt unter den Tomaten-Gourmets als besondere Delikatesse. «Viele bezeichnen sie als die beste Tomate überhaupt,» sagt Monika Fessler-Alig. Der persönliche Favorit der 37-Jährigen ist weiss, klein wie eine Johannisbeere und heisst «Bianca». Es sei unglaublich, wie viel Geschmack so eine winzige Tomate in sich tragen könne, schwärmt die Mutter von drei Kindern. Leuten, die Mühe mit der Tomatensäure haben, empfiehlt sie gelbe Tomaten, beispielsweise «Froschkönigs Goldkugel». Nicht nur die angenehmen Begleit-Klänge sondern vor allem der Blick ins grosse Tomatenhaus und der Duft der grünen Rispen lassen das Herz von Tomaten-Gourmets höher schlagen. Passend dazu sind die Herztomaten, die tatsächlich so aussehen. «Sind sie nicht herzig?» schmunzelt Monika Fessler-Alig.

Platz für Experimente

Als sich vor zwei Jahren die Gelegenheit ergab ein Occasion-Gewächshaus zu übernehmen, war das gleichzeitig die Geburt des Projekts «farbige Hämiker Tomaten». Schnell sprach sich herum, dass da jemand mit Leidenschaft gerippte, gestreifte, süsse und saure und andere ganz spezielle Tomaten anbaute. «Der Aufwand für die Aufzucht, Pflege, Ernte und Vermarktung der Tomaten ist ziemlich gross», sagt Monika Fessler-Alig. Ihr Mann ist hauptberuflich Treuhänder und arbeitet nebenbei als Bauer auf dem 8,5 Hektaren kleinen Familien-Betrieb. In seiner Freizeit hilft er auch beim Tomatenprojekt mit. Der kleine Bauernhof bietet ein ideales Umfeld für eine grosse Tomaten-Sortenvielfalt und für Experimente. «Ich bin dauernd daran, neue Sorten zu testen um unser Angebot zu optimieren», sagt die Tomatenliebhaberin. Das Saatgut bezieht sie aus einem Netzwerk von professionellen Anbietern und Privaten. «Manchmal bringen mir die Leute aus ihren Ferien Tomaten mit, die sie irgendwo auf einem Markt entdeckt haben.»

Tomaten nicht kühlen

Und wie sollen die Tomaten gegessen werden? «Mehr als zwei bis drei Tage sollten nicht vergehen, bis die reif gepflückten Tomaten verwendet werden», sagt Monika Fessler-Alig. Denn sie sind nicht so lange haltbar wie die «normalen» Tomaten. Und im Kühlschrank verlieren alle Tomaten den Geschmack. «Frisch zubereitet mit ein bisschen Mostardel schmecken sie mir am besten», rät die Expertin.
Ein grosser Abnehmer der «farbigen Hämiker Tomaten» ist der Innerschweizer Kulinariker Stefan Winiger. Er verkauft die Gourmet-Tomaten am Wochenmarkt in Luzern. Ein anderer Marktfahrer bietet die Tomaten in Zürich am Markt in Oerlikon an. Zudem beliefert Monika Fessler-Alig verschiedene Restaurants in der Region und verkauft ihre frischen «Hämiker Tomaten» ab Hof. Dort stehen auch die farbigen Tomatensaucen, Tomatenkonfitüre, Dip-saucen, Pesto eingelegte Tomaten oder die getrockneten Tomaten, die die innovative Bäuerin herstellt.

Öffnungszeiten des Hofladens in Hämikon LU: Juli bis Mitte Oktober jeweils Freitag, 17.00 – 19.00 Uhr und Samstag 9.00-12.00 Uhr oder auf telefonische Anmeldung: 041 917 48 13. Diese Restaurants verwenden Farbige Hämiker Tomaten: Restaurant Braui, Hochdorf, Alpwirtschaft Horben, Beinwil / Freiamt.

Artikel in Aargauer Zeitung

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Die «Kosmetikbauern» verbreiten den Duft der Schweiz

Freitag, 17. Juli 2009

Neun Oberaargauer Bauern stellen aus Kräutern und Tannennadeln ätherische Öle her. Mit den eigenen Kosmetikprodukten der Natur-Pflegelinie Suissessence haben sie in kurzer Zeit die Drogerien in der ganzen Schweiz erobert.

Fritz Hess von suissessenceVorsichtig öffnet Fritz Hess die Glasflasche mit dem gelblichen Zitronenmelissenöl und atmet die entweichenden Dämpfe ein. Er schliesst kurz die Augen, wer weiss was er jetzt sieht: Schweizer Landschaften, eine Blumenwiese oder gar einen Wald? Nie hätte der Bauer aus Wangen an der Aare gedacht, dass er dereinst ein Näschen für feine Düfte entwickeln würde. Da lag ihm der derbe Stallgeruch doch bedeutend näher. Bis an jenem bereits legendären Abend im zur Sauna umfunktionierten Bienenhaus in seinem Garten. Fritz Hess kippt den Aufguss auf die heissen Steine, der Dampf mit dem finnischen Fichtengeschmack macht sich breit. Er und seine Kameraden fragen sich urplötzlich: «Können wir diesen Duft eigentlich nicht selbst herstellen?» Die Gespräche dauern bis weit in die Nacht hinein. Die Idee lässt sie schliesslich nicht mehr los. Schon so manches hatte der neugierige Fritz Hess in früheren Jahren angerissen. Doch dieses Projekt mit den Düften aus Schweizer Kräutern war auch für ihn absolutes Neuland. Er macht sich in Büchern schlau und kann mehrere Bauernkollegen in der Region überzeugen mitzumachen. Jeder bringt ein paar Aren Land ein. Keiner von ihnen hat je Kräuter angebaut, geschweige denn ein Öl daraus hergestellt.

Im letzten Moment

Fritz Hess kauft sich eine kleine Destillationsmaschine und führt erste Versuche mit Fichtennadeln aus dem nahen Wald durch. Es gelingt, die Essenzen riechen ansprechend. Der Duft der Schweiz ist geboren. Für sie ist aber klar: Sie wollen den Fehler ihrer Väter nicht wiederholen, die Jahrzehnte lang nur rohe Milch in der Dorfkäserei ablieferten und die Veredelung anderen überliessen. Die Wertschöpfung sollte in ihrem Fall ganz bei den Bauern bleiben. Doch die Produktion der Schweizer Essenzen ist teuer. Viel teurer als die Massenware aus Sibirien, wie Fritz Hess und seine Leute feststellen müssen. Das Projekt ist auf der Kippe. Gerade noch rechtzeitig erfährt die Aromafachfrau und Biologin Brigitte Schulthess von der Idee der Bauern aus dem Oberaargau. Sie weiss: ätherische Öle aus der Schweiz, das gab es bisher nicht. Und das macht sie neugierig. Im Auftrag der mittlerweile neun Bauern entwickelt sie erste Muster von Kosmetikprodukten. Als Fettbasis dient einheimisches Rapsöl, auch das ein Novum bei Hautpflegemitteln. Das war im Jahr 2006.

Pflegelinie hat Erfolg

Nicht einmal drei Jahre später zeigt der Blick in den Promotionsraum im ehemaligen Schopf auf dem Hof von Fritz Hess, dass die Geschichte gut ausgegangen ist. Dort stehen nun die kleinen Glasfläschchen mit den wertvollen ätherischen Ölen aus Melisse, Lavendel, Schafgarbe, Pfefferminze, Douglasien oder Fichtennadeln. Daneben beleuchten die Spots die modern gestalteten Tuben, gefüllt mit Fuss- oder Handcrème, Duschgel, Pflegelotion und Körperölen. Da steht sie also die Natur-Pflegelinie Suissessences der Oberaargauer Bauern, die sich mittlerweile zur gleichnamigen Genossenschaft zusammengeschlossen haben. An der Wand hängt die Urkunde des Agropreises, den die Suissessence-Bauern nur ein Jahr nach der Lancierung der ersten Produkte erhielten. «Wir versorgen die Kosmetikbranche mit Schweizer Landwirtschaft vom Feinsten!» sagt Fritz Hess mit der Überzeugung, die er auch an vielen Promotionsanlässen in Drogerien im ganzen Land an den Tag bringt. Der jeweilige Tapetenwechsel zwischen Kuhstall und Drogerie liegt ihm. Die gute Stimmung wirkt sich positiv auf die Verkäufe aus. Im ersten Jahr erzielte Suissessence einen Umsatz von 200’000 Franken. Grosse Löhne können sich die Bauern zwar noch nicht auszahlen. Nur schon die Werbung oder die Erstellung von Drucksachen kostet viel Geld. Auch die Tuben müssen anständig aussehen, das Abfüllunternehmen und der Versand bezahlt sein. Doch die Verkäufe der Pflegeprodukte aus der Schweizer Landwirtschaft entwickeln sich gut. «Wenn es so weitergeht, kann aus dem Nebenerwerb einmal ein richtiges Standbein für die beteiligten Betriebe entstehen», ist der 55-jährige Fritz Hess überzeugt.

Klare Aufgabenteilung

In der Genossenschaft mit dem Stammkapital von 70’000 Franken hält jeder der neun Bauern gleich viele Anteile. Die Aufgaben sind klar zugeteilt: Fritz Hess ist Geschäftsführer und verantwortlich für die Destillierung. Ein Bauer produziert den Raps, zwei andere sind für die Beschaffung der Kräuterstecklinge zuständig, einer für die Logistik, einer für den Messebau, ein weiterer für den Online-Shop und zwei für die Beschaffung von Fichten- und Douglasiennadeln aus dem Wald. Alle Genossenschaftsmitglieder bauen Kräuter an, von Lavendel, Zitronenmelisse bis zur Rosenminze. Alle müssen zudem an Messen Frondienste leisten. Zur Gruppe dazu kommen eine angestellte Aussendienstmitarbeiterin und die Frau von Fritz Hess, die die Buchhaltung führt. Nicht zu vergessen ist Brigitte Schulthess, die neue Produkte jeweils im Auftrag entwickelt.

Show-Destillieren vor Publikum

Bei Genossenschafter Andreas Fankhauser – ein paar Kilometer vom Betrieb von Fritz Hess entfernt -, blüht zurzeit der Lavendel. Gemeinsam mit Fritz Hess riechen sie an den blauen Blüten. Sie sind sich einig: der Lavendel ist bald reif für die Ernte. In der Hauptsaison mietet die Genossenschaft eine fahrbare Destillieranlage. In der kleineren Show-Anlage zeigt Fritz Hess zudem interessierten Gruppen während des ganzen Jahres, wie das wertvolle Öl hergestellt wird. Das gehört zum Marketing-Konzept. Die frische Ware kippt er in einen grossen Kessel, die er erhitzt. Der Dampf kondensiert und fliesst danach in einen Auffangbehälter, wo das Öl von der übrigen Flüssigkeit getrennt wird. Die Erträge sind klein: «Aus einer Hektare Zitronenmelisse entstehen zwischen 2 und 2,5 Liter Öl», erklärt Fritz Hess. Abgerechnet wird nicht wie in der Landwirtschaft üblich in Tonnen oder Litern, sondern in Milliliter.

Ein Projekt für die nächste Generation

Trotz Erfolg und grossem Medieninteresse – das Schweizer Fernsehen dreht zurzeit eine Dokumentation über das Projekt –, ist der Verdienst für die beteiligten Bauern noch gering, ein absoluter Nebenerwerb halt. Man ist immer noch in der Aufbauphase. «Der Gewinn wird laufend investiert», erklärt Fritz Hess. Und die Ziele bleiben hochgesteckt: «Was Ricola bei den Bonbons, wollen wir bei den Pflegeprodukte werden». Suissessence ist für ihn ein Zukunftsprojekt in für die Landwirtschaft unsicheren Zeiten, das auch künftigen Generationen Perspektiven bietet. In kurzer Zeit haben sich die «Kosmetikbauern» aus dem Oberaargau ein beachtliches Knowhow angeeignet und Respekt verschafft. Das zeigt auch der neuste Coup. Die grosse Hotelkette Swissôtel hat Suissessence damit beauftragt, einen speziellen Duft für ihre Häuser in der ganzen Welt zu entwickeln. Die Landesgrenzen hat der Duft der Schweiz also damit bereits überschritten.

www.suissessences.ch

 
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Jetzt schlägt die Stunde der «richtigen» Tomaten

Mittwoch, 15. Juli 2009

haemikon_webVon der Delikatesse zum anonymen Massenprodukt. Dieser Weg scheint für viele Lebensmittel vorprogrammiert. Ein bekanntes Beispiel dafür ist der Lachs. Ganz ähnlich sieht es bei der Tomate aus. Einst aus Südamerika eingeführt, wo sie in tausenden von Variationen vorkam, ist sie zur runden Einheitstomate verkommen, die nur noch mit einer gehörigen Prise Salz oder Aromat geniessbar ist. Trotzdem ist sie beliebt: Jeder Schweizer und jede Schweizerin isst jährlich fast 10 Kilogramm davon. Tendenz steigend.

Renaissance von Coeur de boef

Während der Saison kommen die Tomaten aus Schweizer Gewächshäusern sonst aus Ländern wie Marokko, Spanien oder Holland. Geschmacklich sind sie aber alle etwa gleich. Die Tomaten-Züchter haben in den letzten Jahren vor allem auf Ertrag, Transportfähigkeit und Haltbarkeit gesetzt. Eigenschaften, die im Geschäft mit grossen Mengen gefragt sind. Auf der Strecke geblieben ist dabei die geschmackliche Seite. Das Problem wurde mittlerweile erkannt. In den Supermärkten sind wieder vermehrt aromatische Tomaten anzutreffen. Der Gemüseproduzent Paul Meier aus Rütihof AG beispielsweise produziert seit ein paar Jahren neben den Standardtomaten eine beachtliche Menge der grossfruchtigen und vielförmigen Ochsenherzen – auch bekannt als Coeur de boeuf. Doch entgegen dem eigentlichen Trend stagniert der Absatz. Meier hat eine Erklärung dafür: «Die Kundschaft verlangt immer ganz rote Ochsenherzen, in der fälschlichen Annahme, das sie so am besten schmeckten.» Doch in diesem Fall sei das eben falsch, und die Kundschaft deshalb oft enttäuscht: «Am besten sind Ochsenherzen, wenn sie noch ein bisschen grün sind», erklärt Paul Meier. Tomate ist eben nicht gleich Tomate. Das wissen Tomaten-Gourmets am besten. Und von denen gibt es offenbar immer mehr. Und sie wissen: Obwohl Tomaten seit Monaten in den Verkaufsregalen liegen, schlägt die Stunde der «wahren» Tomaten erst jetzt in der Sommerzeit

Zurück zu alten Sorten

Abseits der grossen Tomatenströme entwickelt sich eine Szene, die wieder vermehrt auf den Geschmack der alten Sorten setzt. In Hobbygärtnerkreisen ist es seit längerem wieder schick, «Berner Rosen», «Baselbieter Röteli» oder «die gelbe von Thun» anzupflanzen. Begeisterte und leidenschaftliche Freizeitgärtner und ein paar professionelle Gemüseproduzenten bilden das Rückgrat einer wachsenden Gemeinschaft von Tomatenliebhabern von Sorten der «alten Schule». Eine von ihnen ist Monika Fessler aus Hämikon LU.
Hoch über dem Baldeggersee steht das 68 m lange und12 m breite Gewächshaus. Die Bäuerin baut dort 80 Sorten Tomaten an. Fein säuberlich nummeriert stehen die rund 1800 Pflanzen dort seit Februar in Reih und Glied. Mit rosaroten, gelben, grünen und braunen Früchten verwandeln die Tomatenstauden das Gewächshaus in einen veritablen Wald. «Der Aufwand für die Aufzucht, Pflege, Ernte und Vermarktung der Tomaten ist ziemlich gross», sagt Monika Fessler. Ihr Mann arbeitet zu 100 Prozent als Treuhänder ausserhalb der Landwirtschaft. In seiner Freizeit sitzt der Bauernsohn dann aber gerne auf den Traktor um Gras zu schneiden, Dinkel zu ernten oder hilft beim Tomatenprojekt mit. Und dieses ist zugeschnitten auf den 8,5 Hektar kleinen Nebenerwerbs-Betrieb. Obwohl auch dieser rentieren muss, ist der kleine Bauernhof also nicht auf Gedeih und Verderben auf den Erfolg angewiesen, weil noch andere Erwerbszweige da sind. Ein ideales Umfeld für eine grosse Sortenvielfalt und Experimente. «Ich bin dauernd daran, neue Sorten zu testen und zu optimieren», sagt Monika Fessler.

Wochenmarkt und ab Hof

In diesen Tagen geht es los mit der Ernte. Und das Interesse an den unförmigen Tomaten ist bereits im Vorfeld gross:«Seit ein paar Wochen muss ich Kunden auf diesen Termin vertrösten», sagt Monika Fessler. Das Projekt «Hämiker Tomaten» hat mittlerweile Dimensionen angenommen, die eine professionelle Vermarktung nötig machen. Ein grosser Abnehmer ist der Innerschweizer Kulinariker Stefan Winiger. Er verkauft die Gourmet-Tomaten am Wochenmarkt in Luzern. Ein anderer Marktfahrer bietet die Tomaten in Zürich am Markt in Oerlikon an. Zudem beliefert sie verschiedene Restaurants in der Region und verkauft ihre frischen «Hämiker Tomaten» ab Hof. Hier sind sie besonders frisch.

Öffnungszeiten des Hofladens mit den «farbigen Hämiker Tomaten»  in Hämikon LU: Juli bis Mitte Oktober jeweils Freitag, 17.00 – 19.00 Uhr und Samstag 9.00-12.00 Uhr oder auf telefonische Anmeldung: 041 917 48 13.

Nützliche Links:

www.tomandi.ch
www.tomarten.ch
www.meiergemuese.ch

 
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