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Journalismus: Publizierte Artikel

Artikel von August, 2009:

In einigen holländischen Glashäusern gehen wohl bald die Lichter aus

Freitag, 21. August 2009

In den Gewächshäusern Westlands traf der Autor auf Tomaten- und Paprikaproduzenten, die um ihre Existenz kämpfen. Die holländischen Gemüseproduzenten und der Handel suchen nach Auswegen aus der aktuellen Krise.

Die Zeiten sind hart in den Gewächshäusern rund um Westland an der holländischen Nordseeküste. Der Ge­müseproduzent Aat van Onselen erhält zurzeit für ein Kilogramm Paprika gerade noch 70 Cent. Zu wenig um die Kosten zu decken. «Mit jedem verkauften Kilo fahre ich einen Verlust von 50 Eurocent ein», sagt er mit nachdenklichem Blick. In seinen zwei Gewächshäusern mit einer Fläche von 4,2 Hektaren erntet er im Jahr etwa 1,2 Millionen Kilogramm Paprika. Da kann sich jeder vorstellen, was diese Preise für ihn bedeuten. Obwohl starke Preisschwankungen auf den internationalen Märkten an und für sich nicht ungewöhnlich sind: An solche schlechte Zeiten erinnert sich niemand in Westland. «Die Situation ist für viele Produzenten dramatisch», sagt Hans van der Lem, stellvertretender Managing Director bei der ortsansässigen aber global tätigen Grosshandelsfirma van Rijn. Wenn die Preise für Tomaten und Paprika noch ein paar Wochen so tief bleiben würden, müssten die ersten Produzenten aufgeben, ist er überzeugt.

Ruinöser Preiskampf

Die Erklärung für die gegenwärtige Preisbaisse ist einfach: Es gibt saisonal zu viele Paprika und Tomaten aus Holland auf dem Markt. Zudem ist wegen der Finanzkrise die Nachfrage in den so genannten aufstrebenden Märkten in Osteuropa geringer. Das Problem beginnt in Holland selbst, wo die Flächen der Unterglas-Gemüsebetriebe gemäss Zahlen des Statistikamtes CBS seit dem Jahr 2000 um 80 Prozent gestiegen sind. Die durchschnittliche Grösse eines Tomaten-Gewächshauses hat von 1,8 ha im Jahr 2000 auf heute 4 Hektaren zugenommen. Gegen die «Tomaten-Giganten» Spanien, Italien und Marokko und deren tiefen Produktionskosten haben die holländischen Produzenten trotzdem seit jeher einen schweren Stand. Neue Produzenten im Osten sind dazu gekommen wie beispielsweise aus Polen. Es ist eine Ironie des Schicksals, dass diese ihre Erfolge der Technologie und dem Know-how aus Holland verdanken. Dem Land also, dass sie nun mit ihren tiefen Löhnen konkurrenzieren.
Die Preise für ein Kilogramm Tomaten lagen in diesem Sommer zeitweise bei unter 30 Eurocent, halb so viel wie im Vorjahr. Der Tomatenproduzent Fred Schäpe lag deshalb bereits Mitte Juni mit 35’000 Euro im Minus. Er betreibt ein 4,4 Hektaren grosses Gewächshaus mit Rispen-Tomaten. Die Löhne für seine Mitarbeiter – sie verdienen rund 2000 Euro im Monat –, muss er trotz den Verlusten bezahlen. Schäpe ist seit 30 Jahren im Gemüsebusiness tätig. So tiefe Preise über mehrere Wochen hinweg hat er noch nie erlebt.
Mit technischen Lösungen und verbesserter Zucht haben es holländische Produzenten immer wieder geschafft, mit Effizienzsteigerungen der internationalen Konkurrenz zu trotzen. Doch alles hat seine Grenzen: Selbst die durchschnittlich 60 Kilogramm Tomaten der Sorten Dolores, die Fred Schäpe pro Quadratmeter erntet, sind bei diesen Preisen zu wenig. Technologisch ist er auf dem neusten Stand. Dazu gehört auch die eigene Wärmekraftkopplung-Anlage (WKK), die vom Staat finanziell unterstützt wird. Sie produziert mit Gasturbinen Wärme für das Gewächshaus und Elektrizität für den Strommarkt. Mit dem Ertrag aus dem Stromverkauf können die Produktionskosten gesenkt werden. «Ohne WKK sind viele Gemüseproduzenten in Holland langfristig nicht überlebensfähig», ist Branchenkenner Hans van der Lem überzeugt.

Stromproduktion wichtige Einnahmequelle

Ein regelrechtes Kraftwerk steht ein paar Gewächshäuser weiter in Honselersdijk, wo sich fünf Betriebe mit einer Gewächshausfläche von 25 Hektaren zusammengeschlossen und für 4,5 Millionen Euro eine WKK-Anlage installiert haben. Die vier Rolls Royce-Motoren produzieren täglich 12 800 kWh Elektrizität und viel Abwärme für die Gewächshäuser. Aus dem Gemüsespezialisten Erik den Drijver ist so mittlerweile auch ein Energiefachmann geworden. Am Bildschirm schaut er die Tagespreise für Strom an, die an diesem Tag bei 34 Euro pro Megawattstunde liegen. Bis Ende Jahr profitiert er noch von einem vertraglich festgelegten Preis von 80 Euro. Wie es nachher weitergeht, sei noch unsicher. «Ich hoffe, dass wir wieder einen längerfristigen Abnahmevertrag abschliessen können. Doch die aktuellen Strompreise sind zu tief», sagt er. Zudem sind die Gaspreise am Steigen. Doch wer sich bei Gas mit Termingeschäften absichern möchte, dem verweigert die Bank in Holland immer öfter den Kredit, weil diesen das Risiko im Gemüsebau mittlerweile zu hoch ist. Bessert sich die Situation auf dem Gemüsemarkt nicht, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Betriebe zahlungsunfähig sein werden.

Effiziente Betriebe

Holland ist praktisch gleich gross wie die Schweiz, hat aber 17 Millionen Einwohner. Das Land ist also knapp und teuer. Dass die 5000 Hektaren Gewächshäuser gerade in der Region Westland stehen  – davon 3000 ha mit Blumen und 2000 ha mit Gemüse bepflanzt –, ist auch deshalb eigentlich verwunderlich. Zum Vergleich: In der Schweiz stehen gerade einmal 200 Hektaren Gewächshäuser mit Gemüse. Westland liegt zwar direkt am Meer, das Klima ist deshalb mild und die Tage von Frühling bis Herbst sind auch relativ lang. Und die Region profitiert  von seiner geografischen Nähe zum Rotterdamer Hafen und zum Flughafen Schipol. Trotzdem gibt es deutlich besser geeignete Anbauregionen in der Welt mit wärmeren Temperaturen und mehr Licht.
Die Lösungen um die Produktionskosten zu senken, lieferten die Holländer jeweils auf technologischer Ebene. In punkto Effizienz macht ihnen niemand so schnell etwas vor. So führen mittlerweile Pipelines CO2 direkt von den Ölraffinerien in Rotterdam in die Gewächshäuser. Und die Innovationsphantasie scheint unbegrenzt: In Gravenzande auf dem Bio-Betrieb von Arno Jonker steht eines von bisher acht Gewächshäusern in Holland, das in einem nahezu geschlossenen Energiesystem betrieben wird (Bericht folgt in der Oktober-Ausgabe). Dabei wird die Wärme, die im Sommer im Gewächshaus entsteht, ins Grundwasser im Boden gepumpt und dort gelagert. In der kühleren Jahreszeit wird die Wärme zum Heizen zurückgeholt. Rund 8 Millionen Euro hat das 2,6 Hektaren grosse Gewächshaus gekostet. Rund 40 Prozent der Kosten hat der Staat übernommen, der solche Innovationen gezielt fördert.

Neue Ideen sind gefragt

Gemüse und Holland, das ist immer noch eins. Trotz allen aktuellen Schwierigkeiten. Schliesslich geht es um Tausende von Arbeitsplätzen. Der Handel macht sich aber auch in Holland Gedanken darüber, wie der Markt in Zukunft aussehen wird. Der Grosshändler Van Rijn beispielsweise – er zählt zu den grössten zehn Exportfirmen von Gemüse und Früchten in Holland –, hat mit Bas Bakker einen Marketing-Profi eingestellt, der zuvor dem uniformen holländischen Käse mit neuen Vermarktungsideen zu mehr Identität verhalf. «Beim Gemüse ist es eigentlich ganz ähnlich wie beim Käse», sagt Bakker. Es gehe darum aus dem Massenprodukt wieder spezielle Produkte mit Mehrwerten zu schaffen.

Ganzjährig Qualitäts-Produkte aus einer Hand

Gleichzeitig sucht Van Rijn nach direkteren Wegen zu seinen Abnehmern, um die Handelswege zu verkürzen und damit Geld einzusparen. Auf allen fünf Kontinenten stehen Produktions-, Verpackungs- oder Kühlfirmen, die über Kooperationen oder feste Partnerschaften mit Van Rijn liiert sind und deren Qualitätskriterien erfüllen. Das Unternehmen kann ihren Kunden so ganzjährig eigene frische Produkte anbieten. Und die Transporte sollen kürzer werden: «Der Amerikanische Markt wird beispielsweise direkt vom mexikanischen Partnerbetrieb beliefert werden», erklärt Bas Bakker. Mit bester holländischer Gewächshaustechnologie ausgerüstete Van Rijn-Betriebe stehen auch in Spanien, Marokko und Ägypten. Die Betriebe im Ausland sollen von November bis März – in der Zeit also, wenn keine holländischen Tomaten und Paprika verfügbar sind –, Gemüse in «holländischer Qualität» liefern. Damit ist es Van Rijn möglich, seine Kunden in der ganzen Welt während des gesamten Jahres zuverlässig mit ihren Produkten zu versorgen. Trotz dieser internationalen Ausrichtung, betont das Unternehmen, dass ihre holländischen Produzenten weiterhin wichtig für sie seien. Zusammen mit ihren ausländischen Kollegen sollen diese Van Rijn zu genug Schlagkraft verhelfen, um im globalen Geschäft mit Gemüse eine gute Rolle zu spielen.

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www.van-rijn.nl

 
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Gefürchtete Tomatenminiermotte erreicht die Schweiz

Freitag, 21. August 2009

Erstmals wurden in einem Schweizer Gewächshaus Tomatenminiermotten gefunden. Die Bekämpfung des Schädlings ist praktisch unmöglich. Eingeschleppt wird der Schädling oft über Importe. Deshalb ruft ACW die Tomatenproduzenten und Händler zu vermehrter Aufmerksamkeit auf.

Gibt es in der Schweiz bald nur noch importierte Tomaten? Das fragten sich diverse Medien Ende Juli, als sich die Meldung der erstmals in der Schweiz nachgewiesenen Tomatenminiermotte «Tuta absoluta» im Blätterwald und auf den Bildschirmen breit machte. Tatsächlich wurde die 7 bis 10mm grosse Motte im Juli in einem Genfer Gewächshaus entdeckt, wie die Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil (ACW) mitteilte. Doch das ist natürlich noch lange kein Grund, den einheimischen Tomatenanbau gleich tot zu schreiben. Trotzdem: Die ACW stuft «Tuta absoluta» als Schädling mit einem grossen Schadenpotenzial ein.

Rasante Verbreitung

In Südamerika kennt man den schädlichen Schmetterling schon lange. Europa blieb lange verschont, ehe «Tuta absoluta» im Jahr 2006 erstmals in Spanien ihr Unwesen zu treiben begann. Nun scheint sich der Schädling weiter auszubreiten. Anfang Jahr fand  der niederländische Pflanzenschutzdienst (PD) in einer Packstation in Holland erste Exemplare der gefürchteten Miniermotte. Vermutlich eingeschleppt mit Tomaten aus Spanien. Die ACW sieht denn auch in der Einfuhr ein grosses Risiko der Verbreitung. Angesichts der rasanten Verbreitung – mittlerweile wurde sie auch in England nachgewiesen –, ruft die ACW die Produzenten zu grosser Wachsamkeit auf. Verdachtsfälle in den Gewächshäusern – nur diese sind akut von einem Befall bedroht – , sollten unbedingt bei den kantonalen Fachstellen für Gemüsebau gemeldet werden. Die Gemüseproduzenten müssten darauf vorbereitet sein, rasch ausserordentliche präventive und kurative Massnahmen umzusetzen, teilt die ACW in einer Medienmitteilung mit. Gleichzeitig schreiben die Forscher aber, dass die chemische Bekämpfung nur wenig effizient sei und zuverlässige biologische Bekämpfungsmethoden nicht zur Verfügung stünden. In der Fachliteratur wird der Einsatz von Pheromonfallen empfohlen, um den Bestand von «Tuta absoluta» wenigstens zu minimieren. Und der Einsatz der Raubwanze Macrolophus war zwar unter Laborbedingungen erfolgreich. In der Praxis kommt die Wanze aber offenbar nicht mir der hohen Regenerationsfähigkeit der Tomatenminiermotte zurecht. Die gute Nachricht ist aber die, dass die verpuppte Motte und die Eier unsere Winter in der Regel nicht überleben. Ein echtes Problem besteht also vor allem in Gewächshäusern, die ganzjährig Tomatenkulturen anbauen. Was in der Schweiz nicht der Fall ist.

Nachtaktive Schmetterlinge

Die erwachsenen Tiere der Tomatenminiermotte sind 7 bis 10 mm gross, braun bis silbrig gefärbt mit einer schwarzen Fleckung auf den schmalen Flügeln. Sie verstecken sich am Tag zwischen den Blättern und werden meistens erst in der Nacht aktiv. Unter optimalen äusseren Bedingungen, wie beispielsweise in Gewächshäusern, entwickeln sich pro Jahr bis zu 12 Generationen. Ein Weibchen legt cirka 250 Eier. Die daraus geschlüpften Larven sind am schwarzen Kopf erkennbar und fressen sich durch praktisch alle Teile der Pflanze und können so einen kompletten Ausfall der Kultur bewirken. Erste Zeichen auf einen Befall mit der Tomatenminiermotte sind schwarze Kotspuren an Knospen und jungen Früchten, wo sie sich besonders gerne aufhalten.

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Mehr Informationen: www.eppo.org

 
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