Journalismus: Publizierte Artikel
«Deutsche Produzenten stehen nicht Gewehr bei Fuss an der Grenze!»
Freitag, 20. August 2010
Die Weichen sind auf Spezialisierung gestellt. Rund 35 Hektaren Mini-Romana baut die Gemüsebau Huber GmbH & Co im Baden-Württembergischen Friesenheim in diesem Jahr an. Die anderen Hauptkulturen sind Brokkoli, Eisberg und Kopfsalat. «Noch vor fünf Jahren wäre eine derart kleine Produktpalette für mich undenkbar gewesen,» sagt Berthold Huber etwas wehmütig. Als Vollblut-Gemüseproduzent war er sich viele Jahre gewohnt, ein breites Sortiment anzubauen. Berthold Huber führte den Familienbetrieb bis Ende des letzten Jahres in dritter Generation. Weil in der Familie keine Nachfolge in Sicht war, entschied er sich für den Verkauf des Unternehmens. Seit Anfang Jahr hält das Vermarktungs- und Produktionsunternehmen Gemüsering Stuttgart zusammen mit dem Produzenten Kars ten Grosshans hundert Prozent der Beteiligungen. Berthold Huber ist nun Angestellter des Unternehmens und mit Spezialaufgaben betraut. «Nach dem Unternehmenswechsel hat eine weitere Spezialisierung stattgefunden», sagt er. «Es ist vorbei mit der Gärtnerromantik», gibt Geschäftsführer Michael Stahl gleich noch einen oben drauf. Alles laufe in Richtung industrielle Produktion.
Standort bringt alles andere als «den Fünfer und das Weggli»
Freitag, 20. August 2010Der Gemüsebau-Betrieb von Marcel Bosshard steht praktisch auf der Grenze zwischen der Schweiz und Deutschland. Dank einer Spezialregelung kann er seine Produkte zollfrei in der Schweiz vermarkten. Doch damit befindet er sich nur auf den ersten Blick in einer privilegierten Situation. Denn die Sonderrechte bringen viel Aufwand mit sich.
Gleich neben dem Grenzübergang in Weil am Rhein stehen die Gewächshäuser von Marcel Bosshard. Im Hintergrund erscheint die Silhouette der Stadt Basel. Der Betrieb ist zwar auf deutschem Boden liefert aber praktisch ausschliesslich in die Schweiz. Er profitiert dabei von einer Spezialregelung in Grenzkantonen: Steht der Betrieb in einer Distanz von weniger als 10 km zur Grenze dürfen diese Produkte zollfrei in die Schweiz ausgeführt werden. Günstig in der EU produzieren und dann zu einem guten Preis in der Schweiz verkaufen. Das denken sich wohl viele seiner Schweizer Berufskollegen ganz spontan. Doch der Gedanke an das «Fünfer und Weggli» ist hier fehl am Platz, wie sich herausstellt. Denn um von der Spe-zialregelung profitieren zu können, müssen viele Bedingungen erfüllt sein. Der administrative Aufwand ist beispielsweise beträchtlich: «Jede Fahrt über die Grenze muss genau deklariert werden», erklärt Marcel Bosshard. Jedes Jahr müsse er beiden Zollstellen zudem aktualisierte Kulturpläne, Pachtverträge, Grundbuchauszüge und mehr abliefern. Dazu eine möglichst genaue Schätzung für die im kommenden Jahr erwarteten Erntemengen. Als «Suisse Garantie»-Betrieb kommt der ganze «normale» administrative Aufwand natürlich noch dazu. Vieles muss doppelt geführt werden. Beispielsweise die Buchhaltung und die Steuererklärung. Direktzahlungen und andere Unterstützungen aus der Schweiz erhält er keine. «Und die Förderungen in Deutschland sind ziemlich bescheiden», sagt Marcel Bosshard.
Weite Wege und ähnlich hohe Löhne
Als anerkannter grenznaher Betrieb darf er gemäss Gesetz nicht in Deutschland abpacken. Die Abpackerei liegt deshalb 10 km entfernt in Pratteln. «Mit der Fahrerei geht viel Zeit verloren», sagt Marcel Bosshard. Um zu genug Flächen zu kommen, müsse er die 10-km-Regelung zudem maximal ausreizen. Das ist keine einfache Aufgabe in der dicht besiedelten Region in Weil am Rhein. Die weitesten Parzellen liegen 30 Minuten Fahrzeit entfernt. «Im Durchschnitt verbringen unsere Angestellten jeden Tag eine Stunde im Auto», sagt Marcel Bosshard. Er selbst wohnt übrigens nur 10 Minuten entfernt auf der anderen Seite der Grenze in Riehen. Die Zollgesetzgebung verlangt in seinem Fall nicht nur, dass der Betriebsleiter in der Schweiz wohnt, auch einen Schweizer Pass muss er vorweisen können.
Kann er sich dafür wenigstens mit tieferen Löhnen als in der Schweiz trösten? «Wir haben das durchgerechnet und gesehen, dass die Differenz minimal ist», sagt seine Schwester Christine Bosshard, die für die Administration zuständig ist. Nur schon die Lohnnebenkosten seien in Deutschland 14 Prozent höher als in der Schweiz. Ausserdem hätten die Angestellten mehr gesetzlichen Anspruch auf Ferien und die erlaubte Wochenarbeitszeit liege mit 45 Stunden pro Woche auch tiefer. Zudem übernehme der Betrieb 50 Prozent der Krankenkassenprämie. Die Rekrutierung von Arbeitskräften sei ausserdem ziemlich schwierig. Der regionale Arbeitsmarkt gebe nur wenig her: «Das Arbeitsamt zwingt uns immer wieder, arbeitslosen Leuten aus der Region eine Chance zu geben». Mit ernüchterndem Erfolg. Viele treten die Stelle gar nicht erst an und der Rest habe meistens nach kurzer Zeit keine Lust mehr auf die Arbeit im Gewächshaus oder auf dem Feld. Zurzeit kommen die Mitarbeiter deshalb vor allem aus Rumänien und Polen.
Keine Zuschüsse für neue Heizanlage
Die Gewächshäuser mit den Tomaten und Gurken heizt er seit diesem Frühling zu einem grossen Teil mit einer 835 Kilowatt-Pellet-Heizung. «Die Abnehmer sehen es gerne, wenn man CO2-neutral produzieren kann», sagt Marcel Bosshard. Seine Hoffnungen auf EU-Zuschüsse für die umweltfreundliche Anlage zerschlugen sich aber im Wind. Wegen der Wirtschaftskrise seien in Deutschland praktisch alle Förderungsmittel gestrichen worden. Deshalb muss er die Kosten von 250 000 Euro aus dem eigenen Sack bezahlen.
Als grenznaher Betrieb trägt er zudem ein Währungsrisiko. Zurzeit liegt er da zwar auf der Gewinnerseite, weil die Abnehmer in der Schweiz seine Produkte in harten Schweizer Franken bezahlen. «Doch vor zwei Jahren hatten wir genau das Gegenteil, als der Euro bei 1.68 lag», relativiert Bosshard. Bei den Kosten für Pflanzenschutzmittel und Dünger sieht er übrigens keine grossen Unterschiede zwischen der Schweiz und Deutschland. Er habe auch schon bei einem Schweizer Händler eingekauft, weil dieser günstiger offeriert habe.
Gegen Agrarfreihandelsabkommen
In anderen Grenzkantonen wie Schaffhausen kommt es laut Zeitungsberichten immer wieder zu Streitereien im Zusammenhang mit den Sonderregelungen. «Bei uns gibt es aber keine Probleme mit den deutschen Nachbarn und es gibt kaum Neid.» Nicht mehr oder weniger als in der Schweiz auf jeden Fall, sagt er. Der Betrieb beliefere schliesslich schon lange den Schweizer Markt und sei in der Region integriert und bei der Bevölkerung gut akzeptiert. Tauschen möchte er mit den deutschen Kollegen aber nicht. Denn bei allen Nachteilen wiegt der Vorteil des Schweizer Marktes als Abnehmer von seinen Produkten immer noch genug schwer. Marcel Bosshard ist auch deshalb gegen ein Agrarfreihandelsabkommen mit der EU. Die Preise in Deutschland seien nicht attraktiv und der Markt gesättigt. «Unser Betrieb ist voll auf die Schweiz ausgerichtet!» Dass dieser auf deutschem Land liegt ist eher zufällig: Der Betrieb steht seit 100 Jahren dort. Er wurde einst im Jahr 1895 aus dem Basler Stadtgebiet zu Gunsten der Hafenerweiterung ausgesiedelt. Der einzige Standort, der in Frage kam, lag eben auf deutscher Seite 500 Meter vom ehemaligen Betrieb entfernt. Und als sein Vater diesen im Jahr 1977 in Pacht nahm, war es für ihn die einzige Möglichkeit zu einem eigenen Betrieb zu kommen. «Wenn ich wählen könnte, dann wäre es mir lieber, wenn der Betrieb ganz in der Schweiz liegen würde», sagt Marcel Bosshard. Denn nur schon der ganze Papierkrieg ist ihm eigentlich ein Gräuel. Auf eine allfällige Marktliberalisierung angesprochen bezeichnet er eine hohe Produktivität und Qualität als wichtigste Faktoren um bestehen zu können. Er setzt zudem auf die Regionalität. Und der Schweizer Markt sei hier interessanter: «In der Schweiz ist der regionale Gedanke mehr verankert als in Deutschland.»
Die Karotten auf dem Weg nach unten?
Freitag, 20. August 2010An einer interkantonalen Fachtagung diskutierten Experten und Produzenten über die Herausforderungen im Schweizer Karottenanbau. Tiefe Preise, neue Konkurrenz aus dem kriselnden Getreideanbau oder die vermehrt auftretende dritte Möhrenfliegen-Generation waren unter anderem die Themen. Im Anschluss kamen die Karotten-Produzenten in den Genuss von diversen Maschinenvorführungen.
Die Karotte ist so etwas wie das Sorgenkind der Gemüsebranche: Die Preise sanken in den letzten Jahren nahezu ins Bodenlose. Die Neuvergabe von Lieferrechten sorgt für hitzige Diskussionen unter den Produzenten. Und in den Regalen taucht die Karotte immer häufiger in lieblosen 2-Kilogramm-Säcken im Billigsegment auf. «Wir müssen aufpassen, dass die Karotte nicht zur orangen Kartoffel abgewertet wird», sagte Hansruedi Rauchenstein vom Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg in seinen Einführungssätzen zur Tagung «Herausforderungen im Karottenbau» im aargauischen Waltenschwil. Die Fachstellen Gemüse der Kantone Aargau, Bern und Zürich luden die Produzenten Anfang August zur interkantonalen Fachtagung mitten ins «Rüebliland» auf den Betrieb von Roland Steimen ein. Woher der Beiname des Kantons kommt ist übrigens nicht restlos geklärt und gründet auf historischen Legenden. Aktuell werden im Kanton 144 Hektaren angebaut, was ihm nur den fünften Rang hinter Bern (307 ha), St. Gallen (220 ha), Thurgau (207 ha) und Zürich (167 ha) einbringt. Bei den Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten zählt das «Rüebli» seit Jahren zusammen mit der Tomate zu den beliebtesten Gemüsen überhaupt. Der allergrösste Teil der Karotten stammt dabei aus einheimischer Produktion, was die Bedeutung der Kultur für die hiesige Gemüsebranche zusätzlich unterstreicht.
Bisher anständige Preise
Pascal Toffel vom Verband Schweizerischer Gemüseproduzenten (VSGP) hatte gute Nachrichten für die zahlreichen anwesenden Produzenten: «Zurzeit sind die Preise für frische Karotten gut!» Er sei zudem zuversichtlich, dass die Lagerkampagne nicht allzu schlecht ausfallen werde. In seinem Referat bestätigte er, dass tatsächlich immer mehr Karotten in den Billigkanal geliefert würden. Er warnte aber davor, den Schwarzen Peter voreilig dem Detailhandel zuzuschieben: «40 Prozent des Gemüsekonsums erfolgt über andere Kanäle wie Spitäler, Gastronomie oder Engrosmärkte.» Und dort seien die bezahlten Preise oft sogar noch tiefer. Ausserdem könnte bald neue Konkurrenz aus den anderen Landwirtschaftsbereichen entstehen wie dem Getreideanbau, der sich in einem schwierigen Umfeld befinde. Er muss es wissen, denn er ist designierter Direktor der Getreide-Branchenorganisation Swissgranum und wird dieses Amt im Herbst antreten. Der Gemüsebau biete vergleichsweise immer noch gute Verdienstmöglichkeiten. Und das könnte den einen oder anderen Getreideproduzenten dazu verleiten, vor der Gerste noch ein paar Karotten anzubauen. Zurzeit steige die Gemüseanbaufläche auch deshalb eher an, sagte Toffel. Der Verband werde sich aber vor allem für die Profi-Gemüseproduzenten und nicht für diese Ackerbaubetriebe einsetzen. Natürlich sprach Pascal Toffel auch über das Dauer-Thema «Marktöffnung». Gerade die Karotte profitiert zurzeit von einem ganzjährigen Grenzschutz. Fällt dieser weg, sieht Toffel schwierige Zeiten auf die Branche zukommen. «Mit Swissness alleine wird die Karotte nicht zu retten sein!», sprach er Klartext.
Die ideale Karotte
Melanie Martens von Steffen-Ris zeigte auf, was ihr Arbeitgeber unter dem idealen Rüebli versteht. Karotten sollten wenn möglich nur von erster Grösse sein sowie eine gerade zylindrische Form und vor allem eine gut abgestumpfte Wurzelspitze haben. Sie wies auf die wichtige Funktion der Produzenten hin. «Die Produktion legt den Grundstein für die Qualität und letztendlich den Markterfolg», sagte die Qualitätsmanagerin Lagergemüse von Steffen-Ris. Sie stellte im letzten Jahr übrigens vermehrt Reibschäden bei den Karotten fest. Die grosse Herausforderung sieht sie vor allem in der Bestimmung des richtigen Erntezeitpunktes. Und hier würde ihre Firma Hilfe anbieten. Vor allem mit Stichproben vor der Ernte könne das optimale Reifestadium bestimmt werden, sagte sie.
Cees Verbree von Monsanto stellte in seinem Referat die Züchtungsziele seiner Firma vor. Er startete mit einigen Ausführungen zum weltweiten Gemüseanbau. 54 Millionen Hektaren sind es weltweit, davon befinden sich 44 Prozent in China; die Schweiz kommt auf einen Anteil von 0.03 Prozent. Die Karotte besetzt weltweit nur gerade drei Prozent der Flächen, führend sind hier mit 14 Prozent die Tomaten gefolgt von Zwiebeln und Wassermelonen mit je 10 Prozent. Die Schweiz besetzt innerhalb der Karottenanbauflächen nur gerade 0.12 Prozent. Aus Sicht von weltweit tätigen Zuchtfirmen ist das natürlich nur ein Mini-Markt. Die Züchtungsziele gingen laut Cees Verbree heute vor allem in Richtung Nettoertrag, Uniformität und Bruchfestigkeit. «Schuld daran» ist die starke Mechanisierung, die in den letzten Jahren bei den Karotten eingesetzt hat. Interessanterweise sind Eigenschaften wie Krankheitsresistenz oder Geschmack eher in tieferen Prioritätsstufen untergebracht. Trotzdem sei Resistenz gegen Bodenpathogene oder beispielsweise Mehltau und Alternari dauci wichtige Zuchtziele, sagte Cees Verbree. Entsprechende Sorten seien bereits im Angebot. Verbree bezeichnete die Kombination von Bruchfestigkeit und Feuchtigkeit als eine der grossen Herausforderungen der künftigen Karottensaatgutzucht.
Dritte Generation Möhrenfliege
Martin Keller vom Beratungsring Gemüse in Ins forscht seit vielen Jahren an der Möhrenfliege. Der Schädling sorgt immer wieder für Schäden in Karotten, was zu empfindlichen wirtschaftlichen Einbussen führen kann. Martin Keller weiss, wo sich die Möhrenfliege besonders gerne aufhält. Die Insekten finden sich zur Paar-ung in windgeschützten Büschen, Häusern oder leichten Erhebungen im Karottenfeld. Und Möhrenfliegen sind alles andere als Eintagsfliegen: Mit einer Lebenszeit von 3 bis 14 Tagen leben sie relativ lange. Entsprechend viel Zeit bleibt für die Eiablage an der Karotte. Der Befall der Hauptwurzel erfolgt drei bis vier Wochen nach der Eiablage. In den letzten Jahren hatte man die Bekämpfung der Möhrenfliege relativ gut im Griff. «Die Bekämpfung mit einem Granulat bewährte sich bei zwei Generationen», sagte Martin Keller an der Tagung. Das Problem sei aber, dass zunehmend drei Generationen im gleichen Jahr auftreten würden. Die Granulatbehandlung führe in diesem Fall nicht mehr zum Ziel. Die einzige wirksame Antwort auf den Befall seien dann Spritzbehandlungen. Bei der Prävention wies Martin Keller auf die Bedeutung der Feldhygiene hin. «Wenn Karottenreste mit der dritten Generation von Möhrenfliegen auf dem Feld liegen bleiben ist der Befall im Frühling besonders gross», sagte der Möhrenfliegen-Experte. Verschieden sind je nach Generation auch die Bekämpfungsschwellen. Martin Keller empfahl ab einer Fliege pro Falle eine Spritzung. Wirksam seien dabei vor allem Pyrethroide. Mengen von 600 bis 800 Litern pro Hektare, ausgetragen zu den Flugzeiten der Fliege am frühen Abend, hätten sich in der Vergangenheit bewährt, sagte er weiter.
Doch gerade zum Thema Applikationstechnik von Pflanzenschutzmittteln lieferte der letzte Tagungs-Referent Jacob Rüegg von der ACW Extension Gemüse interessante Denkanstösse. Vor allem bei der richtigen Dosierung stellten sich ihm überraschend viele offene Fragen. Die Industrie mache zwar jeweils gute Versuche. «Doch leider werden jeweils die Blattvolumen nicht berücksichtigt». Das mache die richtige Dosierung schwierig, sagte der Experte. Es mache ein Unterschied, ob das Karottenkraut eine Höhe von 13 cm oder 50 cm aufweise. Im zweiten Fall sei die Blattfläche schliesslich viel grösser. Trotzdem sei die Dosierung in beiden Fällen die Gleiche, sagte Rüegg. Die Wirkstoffmenge pro Flächeneinheit nehme also mit dem Wachstum der Pflanze deutlich ab. Mit diesen nur scheinbar trivialen Erkenntnissen schloss er den Reigen der Referenten ab.
Präsentationen von Maschinen, die Besichtigung eines Sortenversuches sowie Demonstrationen von Spezialmaschinen auf dem Feld rundeten den interessanten Nachmittag ab.
Biogasanlagen und Gemüsebau: Je nachdem eine lohnende Partnerschaft
Freitag, 14. Mai 2010
Zwei Gemüsebaubetriebe heizen ihre Gewächshäuser bald mit der Abwärme aus Biogasanlagen. Mit dieser Wärme nutzen sie ein Energie-Potential, das zurzeit oft noch ungenutzt bleibt.
Biogasanlagen und Gewächshäuser: Das würde eigentlich ganz gut zusammenpassen. Denn die Anlagen produzieren nicht nur Strom sondern auch viel Wärme. Doch ein grosser Teil davon – über 50 Prozent – verpufft ungenutzt ins Freie. Eine Studie des Bundesamtes für Energie untersuchte Möglichkeiten der besseren Abwärme nutzung in den landwirtschaftlichen Biogasanlagen. Die Beheizung von ganzjährig betriebenen Gewächshäusern beurteilten die Verfasser dabei als «sehr wirtschaftlich». Auch aus anderen Gründen sind Gemüsebaubetriebe bei den Betreibern von Biogasanlagen beliebt: Die auf dem Betrieb anfallenden Gemüseabfälle und Ernterückstände weisen eine hohe Energiedichte auf – deutlich höher als Gülle und Mist beispielsweise –, und sind deshalb sowohl bei den landwirtschaftlichen wie bei den gewerblich-industriellen Biogasanlagen willkommen. Es gibt aber für Gemüseproduzenten noch mehr gute Gründe, die organischen Abfälle in die Vergärung zu geben.
Gebäudeenergieausweis: Um ein «C» zu erhalten, braucht es einiges
Mittwoch, 28. April 2010
Der im letzten Jahr lancierte Gebäudeenergieausweis der Kantone (GEAK) zeigt, wie viel Energie ein Gebäude gesamthaft verbraucht. Vor allem bei älteren Liegenschaften deckt er Energielecks schonungslos auf, und zeigt wie sanierungsbedürftig sie sind.
Kauft sich jemand einen neuen Kühlschrank, dann zeigt ihm die aufgeklebte Energieetikette, ob das Gerät viel oder wenig Strom verbraucht. Bei einem Haus hingegen kauft man heute noch oft die Katze im Sack. Im schlimmsten Fall mit bösen Überraschungen bei der ersten Strom- oder Heizölabrechnung. Der im letzten Jahr lancierte Gebäudeenergieausweis der Kantone (GEAK) will dies ändern. Ähnlich wie bei den Haushaltgeräten teilt der GEAK die Häuser je nach Energieverbrauch in die Kategorien A bis G ein. Allerdings ist die ökologische Bewertung eines Gebäudes ungleich komplexer als jene von Backöfen oder Waschmaschinen. Und in die Kategorie A schaffen es – im Gegensatz zu den Haushaltgeräten – nur die wenigsten Häuser.Der Energieberater Andreas Edelmann aus Zürich ist zertifizierter GEAK-Experte und hat im letzten Jahr für über 60 Gebäude einen GEAK ausgestellt. Sieben davon stehen in einer Siedlung in Zürich-Affoltern. Sie wurden allesamt um das Jahr 1946 nach identischen Bauplänen erstellt, mit gleichem Fundament und aus demselben Material. Jedes Haus hat in den folgenden Jahrzehnten seine eigene Geschichte durchlebt. Und das hat Folgen für die energetische Bewertung: «Trotz ursprünglich gleicher Ausgangslage reicht die Bandbreite in der Siedlung im heutigen Zustand von Kategorie C bis F», sagt Andreas Edelmann.
Nachhaltig bis zum Gehtnichtmehr
Mittwoch, 28. April 2010Das neue Geschäftsgebäude des Duschbrausenherstellers Nikles Inter AG in Aesch BL erfüllt die hohen Anforderungen des Minergie-Baustandards. 1998 schlug die Geburtsstunde dieses Ökolabels. Der Baustandard propagiert mehr Lebensqualität bei tiefem Energieverbrauch – und trifft damit heute wie vor zehn Jahren den Nerv der Zeit.
Der schlichte aber trotzdem auffällige Bau steht im Gewerbegebiet Aesch-Nord am Rand der Stadt Basel. Würfelförmig aus Beton mit viel Fensterfläche. Seit einem Jahr ist hier die Firma Nikles Inter AG zu Hause. Auf dem Schild am Eingang des weltweit tätigen Duschbrausenherstellers steht: «Minergie: Mehr Lebensqualität, tiefer Energieverbrauch.» Im Gebäude selbst spürt man sofort, was damit gemeint ist. Die Raumtemperatur ist auch im Winter angenehm, die Luft rein. Um den zehn Meter hohen, hellen Innenhof erstrecken sich über drei Etagen die Geschäftsräume. Im Zentrum des Gebäudes steht die verglaste Liftanlage mit dem Aufzug der Firma Schindler. Einer Sonderanfertigung. Im Haus gibt es kaum einen Winkel, der nicht mit natürlichem Licht versorgt wird
Martin Keller: «In vielen Böden fehlt heute das organische Material!»
Freitag, 19. März 2010
er Pflanzenbau-Berater Martin Keller sorgt sich um die Qualität der Böden auf den Gemüsebetrieben. In der Erde fehlt es an organischem Material, das die Grundlage für das Leben der wichtigen Mikroorganismen bildet. Im Interview erklärt er, was es für einen gesunden und produktiven Boden braucht.
David Eppenberger: Martin Keller, wie steht es um die Böden im Schweizer Gemüsebau?
Martin Keller*: Je nach Region und Betrieb sehr unterschiedlich. An vielen Orten ist aber die Bodenstruktur ungenügend und die Wasserführung schlecht. Das ist unter anderem eine Folge der Bodenbearbeitung mit den schweren Maschinen. Natürlich spielt auch der Standort eine Rolle. Diesbezüglich ist die Schweiz ein Spezialfall. Viele verschiedene Bodenarten auf engstem Raum gehören nämlich zu den Besonderheiten des Voralpenraumes. Selbst innerhalb des gleichen Betriebes kann sich die Zusammensetzung des Bodens erheblich unterscheiden. Das macht es anspruchsvoll für die Produzenten und die Berater.
Sie sprachen das Problem der Bodenverdichtung an. Sollte ein Profi nicht bereits in seiner Berufsausbildung lernen, dass er mit schweren Maschinen nicht auf nasse Äcker fahren sollte?
Oft stehen wirtschaftliche Zwänge der Vernunft im Weg. Doch das Thema Boden hat an vielen Schulen tatsächlich nicht den Stellenwert, der nötig wäre. Ich habe mich auch erst während meiner Zweitausbildung im Bereich Obst- und Weinbau ernsthaft mit der Geschichte und den Eigenheiten des Bodens auseinandergesetzt. Ich merkte erst da, dass die richtige Pflanzen ernährung und Düngung sehr oft mit dem Zustand des Bodens zusammenhängt. Ich bin eigentlich erstaunt, wie wenig über die Zusammenhänge des Bodens wissenschaftlich geforscht wird, obwohl dieser eigentlich die Grundlage des Ganzen bildet.
Gemüseproduktion und Tourismus streiten sich um das Wasser
Freitag, 05. Februar 2010
An der «Costa del Plastico» in Almeria stehen 30 000 Hektaren Plastikgewächshäuser. Die Betriebe sind relativ klein und profitieren vom tiefen Lohnniveau. Ein Problem ist das Wasser, denn das Gebiet liegt in einer Halbwüste. Wenn der Markt gerade noch 10 Eurocent für ein Kilogramm Gurken hergibt, dann liegt der Preis selbst für die spanische Gemüseproduzentin Lola Gomez unter der Grenze des Zumutbaren. «Wir mussten im letzten Herbst die ganze Produktion zerstören, denn um etwas zu verdienen brauchen wir mindestens 21 Eurocent pro Kilogramm», sagt die Geschäftsführerin des Gemüsebaubetriebes Clisol in El Ejido. Wie ihre anderen rund 15 000 Berufskollegen in der Region Almeria baut sie in Plastikhäusern Gurken, Peperoni, Tomaten, Auberginen, Zucchetti und Melonen an. Über 30 000 Hektaren der halbwüstenartigen Landschaft verschwinden so unter Plastik. Dieser schützt die Kulturen in erster Linie vor dem starken Wind, der in dieser Gegend oft bläst. Im Volksmund wird die Gegend bezeichnenderweise auch «Costa del Plastico» genannt. Im Sommer, wenn es heiss wird, müssen die Plastikflächen mit Kalk bestrichen werden, damit das Gewächshaus nicht zum Backofen wird.

