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Fruit Logistica 2017: Back to the Future

Das knappe Gemüseangebot in ganz Europa beschäftigte die Besucherinnen und
Besucher der Fruit Logistica in diesem Jahr besonders stark. Die Messe berichtet aber vor allem auch über Trends und Neuigkeiten in der Branche. 

Die Deutschen Retail-Award-Gewinner waren mit Lidl, Globus und Edeka gerade frisch gekührt worden, als David Bosshart vom Schweizer Think Thank Gottlieb Duttweiler Institute (GDI) aufs Podium der «Fruitnet World of Fresh Ideas» trat. Es sei gut, wenn man Detailhändler noch rechtzeitig prämiere, bevor sie vom Markt verschwinden würden, fand der Trendforscher. Paff, das sass. Er sprach damit vor allem den globalen Handels-Giganten Amazon an, der seit einiger Zeit in verschiedenen Ländern mit seinem Lebensmittellieferdienst Amazon fresh den Detailhandel unter Druck setzt. «Wer den Warenfluss bestimmen will, muss den Datenfluss beherrschen», sagte Bosshart. Hier habe Amazon einen sehr grossen Vorsprung. Zumal die kapitalkräftige Unternehmung die Logistik gerade neu erfinde.

Virtueller Besuch im Gewächshaus

Das aktuelle Thema der Messe war mit dem immer knapper werdenden Gemüseangebot als Folge der Wetterkapriolen in Südeuropa zwar gesetzt. Doch an den Podien und Fachvorträgen der Fruit Logistica in Berlin wurde auffallend oft der Blick in die Zukunft gewagt. Mit der Virtual Reality Brille können die Menschen künftig zu Hause durchs Einkaufzentrum spazieren, die Waren antippen und in einen Warenkorb legen bevor eine Stunde später der Lieferkurier damit vorfährt. Die Gestaltungsmöglichkeiten in der virtuellen Welt sind schier unendlich; der Gang durch die Gemüseabteilung könnte künftig problemlos um einen Besuch in einem virtuellen Gewächshaus erweitert werden. Wer an der Messe Lust und Zeit hatte, konnte sich am Stand eines grossen Bananenhändlers eine solche Brille überstülpen lassen und virtuell durch eine Bananen-Plantage marschieren.

Sprechende Pflanzen

Ein anderes Fachreferat widmete sich den Unmengen von Daten, die bereits heute gesammelt werden. Auch Gemüseproduzenten werden diese in den kommenenden Jahren dank immer leistungsfähigeren Prozessoren für schnellere und genauere Analysen bei ihren Kulturen noch besser nutzen können. Ja, die Pflanzen werden künftig sogar «sprechen» können, sagte der Experte der Syngenta Tochter Phytech. Dank Sensoren, hoch sensiblen Wetterstationen oder Erdsonden wird uns bald jede Pflanze mitteilen, was ihr gerade fehlt oder an welcher Krankheit sie leidet. Der Roboter wird dann vermutlich hinaus aus Feld fahren und die nötigen Massnahmen selbständig ergreifen. Der Pflückroboter für Erdbeeren wurde übrigens in diesem Jahr in Berlin bereits gezeigt.

Die Generation, die jetzt noch auf den Betrieben am Ruder ist, wird sich im Stillen fragen, ob das alles wirklich nötig ist. Geht es aber nach den Experten, bringe Trübsal blasen gar nichts, weil die Generation der «Millennials» bereits heute den Takt bestimme. Und für diese wird es selbstsverständlich sein, dass sie sich dereinst ihre Tomaten von Amazon fresh liefern lassen werden. Entsteht da vielleicht gerade ein neues Geschäftsfeld für die künftige Gemüsegärtnergeneration? Es bleibt auf jeden Fall spannend.

Die Mehrheit der Gemüsegärtner und -gärtnerinnen aus der Schweiz interessierte sich aber in Berlin im Jahr 2017 immer noch vor allem für die Realität: Für tolle neue Verpackungs-Maschinen beispielsweise, für Anbausysteme oder für Gemüse-Neuheiten. Zudem gibt es kaum einen Branchenanlass, wo sich mehr Exponenten aus der Schweizer Gemüsebranche treffen. Der traditionelle Apéro am Schweizer Stand platzte auch diesmal fast aus allen Nähten. Total über 75 000 Menschen aus allen Kontinenten besuchten die Messe im Februar.

www.fruitlogistica.de

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