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Keine Verpackung als Option

Beim Natural Labeling werden Etiketteninformationen direkt auf dem Gemüse eingelasert. Dadurch wird die besonders bei Biogemüse übliche Verpackung hinfällig. In der Schweiz laufen Tests über die Praxisanwendung. 

Die Schweiz ist Weltmeisterin in der Produktion von Abfall. Gemäss OECD produziert jede Schweizerin und jeder Schweizer jedes Jahr über 740 kg davon. Dass wir gleichzeitig auch beim Recycling Spitze sind, mag das Ganze zwar etwas abschwächen. Doch eigentlich ist klar, dass es in Zukunft vor allem um Abfallvermeidung gehen muss. Was könnte das für die Gemüsebranche bedeuten? Mehr Offenverkauf vielleicht. Bei Biogemüse besteht hier vor allem im Detailhandel noch Potential. Bisher werden diese deshalb in Schlauchbeutel gepackt, um sie von der konventionellen Ware zu unterscheiden. Für die besonders umweltaffine Biokundschaft zweifellos ein Schönheitsfehler. Doch es gibt eine Lösung: Natural Labeling. Dabei werden Codes und andere Informationen mittels Laser direkt auf dem Gemüse angebracht. Nicht nur die Verpackung sondern auch Tinte und Etiketten werden so überflüssig. Deshalb sei das Verfahren langfristig auch kostengünstiger, schreibt das Deutsche Unternehmen Bluhm Systeme, das langjährige Erfahrungen mit der Technologie aufweist. Eine Lasermaschine kostet je nach Grösse und Ausstattung zwischen 15 000 und 250 000 Euro. Das Verfahren ist in der EU bereits seit 2013 für Obst und Gemüse zugelassen. Der Laserstrahl ist nur gebündeltes Licht, das thermisch auf die Oberfläche des Gemüses einwirkt. Bio Suisse erlaubt die Kennzeichnung mit Laser bei Früchten und Gemüsen in ihren Bio Suisse Richtlinien seit diesem Jahr.

750 000 Schlauchbeutel ersetzt

Die holländische Handelsfirma Eosta setzt die Technologie bereits in der Praxis ein. Bei Avocados, Kürbis, Peperoni oder Gurken funktioniere das «Natural Branding» gut, sagt Michaël Wilde, der bei Eosta für die Nachhaltigkeitskommunikation zuständig ist. Seine Firma verkauft beispielsweise der schwedischen Supermarktkette ICA nur noch gelaserte Bioavocados und -süsskartoffeln, alleine im letzten Jahr konnten so 750 000 Schlauchbeutel eingespart werden.

Auch in anderen eruopäischen Ländern wird das Verfahren geprüft. In Deutschland testet Netto sowie die Rewe-Gruppe zurzeit in einzelnen Rewe- und Penny-Märkten das Natural Labeling ebenfalls an Bio-Avocados und -süsskartoffeln. Mit der Kundenresonanz sei man zufrieden, teilt Kristina Schütz von der Rewe-Gruppe mit. «Momentan prüfen wir, ob und welche weiteren Produkte sich für diese Form der Kennzeichnung eignen würden.»

In der Schweiz noch in Warteschlaufe

Was macht die Schweiz? Coop führt zurzeit verschiedene Tests bei Biogemüse durch, wie die Verpackung ersetzt werden könnte. Das Lasern sei einer von unterschiedlichen möglichen Ansätzen, teilt Mediensprecherin Andrea Bergmann mit. Auch Migros hat den Einsatz von «Licht-Tatoos» bereits geprüft. Doch sei man noch zurückhaltend, obwohl man in der Technologie durchaus Potenzial zur Einsparung von Verpackung erkenne. Es sei aber auch zu beachten, dass die Verpackung eine wichtige Schutzfunktion erfülle, sagt Aurelie Deschenaux von Migros auf Anfrage. Die Laser-Technologie stecke noch in Kinderschuhen und werde erst bei wenigen Produkten eingesetzt. Zudem hätten sie bei den Avocados klare Qualitätseinbussen festgestellt. Man werde das Thema aber weiterhin im Auge behalten und weitere Tests durchführen, sobald Qualitätsfortschritte sichtbar seien, teilt Migros mit. n

www.bluhmsysteme.com/blog/lebensmittel-beschriften-mit-laser/

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