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Sprühdrohnen gehen in Produktion

Die Drohne lässt sich auch im Gemüsebau einsetzen, wie beispielsweise hier bei Spargeln. (Bild: Agrofly)

Die Walliser Firma Agrofly will mit ihren Drohnen den Pflanzenschutz revolutionieren. Diese  bieten jungen Bauern einen möglichen Nebenerwerb.

Es ist Zeit, die Drohnen zu starten. Auf seinem Handy klickt Landwirt Kuno die Startbuttons. Ein paar Kilometer entfernt surren die Fluggeräte von den Startrampen an den Feldrändern los. Die Kameras erkennen die Befallherde in den Kulturen und behandeln diese gezielt mit dem Pflanzenschutzmittel; – diese Situation ist erfunden. Von der völlig autonomen Supersprühdrohne sind wir noch ein paar Jahre entfernt. Doch der Weg ist vorgespurt: Er beginnt im Wallis in Grange. Von dort aus will das Start-up Agrofly ab nächstem Jahr mit seinen Drohnen durchstarten. Nach eigenen Angaben verfügt die Firma über die erste in der Landwirtschaft einsetzbare Sprühdrohne Europas mit einer offiziellen Betriebsbewilligung der dafür zuständigen Ämter. Die Testphase verlief in den letzten Monaten erfolgreich. Die Drohne wurde bereits an mehreren Orten im In- und Ausland präsentiert und stiess dort auch medial auf grosses Interesse. Nun geht sie in Serienproduktion und kann ab sofort vorbestellt werden.

Einfache Programmierung

Firmengründer Frédéric Hemmeler ist überzeugt, dass sich die Drohnen langfristig in der Landwirtschaft durchsetzen werden. Sie arbeiten nicht nur präziser als herkömmliche Spritzen sondern können bei jedem Wetter eingesetzt werden, ohne dass der Boden Schaden nimmt.  Zudem könne die Drohne auch in der Nacht eingesetzt werden und sei wegen der leisen Elektromotoren ideal für ein dichtbesiedeltes Land wie die Schweiz. «Die Programmierung ist zudem vor allem auf flachen Parzellen sehr einfach», sagt Hemmeler. Der ausgebildete Helikopterpilot ist mit seinen Leuten zurzeit oft im Ausland unterwegs, wo die Parzellen viel grösser sind als in der Schweiz und sich die Investition schneller auszahlt, im nächsten Dezember beispielsweise probehalber in Martinique auf Bananenplantagen. «Auch aus der Schweiz erhalten wir aber viele Anfragen.»

Agrofly sehe sich primär als Drohnenbauer und Serviceanbieter. Zum einen im Sinne eines klassischen Lohnarbeiters, der die Sprühflüge selbst durchführt und nach Hektaren und Zeit abrechnet, mit Kosten im Rebberg von etwa 250 Franken pro Hektare. Für ihn ist klar: «Der Einsatz der Spritzdrohne lohnt sich vor allem in Kulturen mit hoher Wertschöpfung wie Reben oder Gemüse.» Langfristig will sein Unternehmen aber die Drohnen vor allem zusammen mit einem Schulungspaket für künftige Drohnenpiloten verkaufen. Der Preis liegt bei 49’500 Franken. Es hätten sich einige junge Landwirte gemeldet, die sich neben der Landwirtschaft so ein zusätzliches Standbein aufbauen wollten, sagt Hemmeler. «Von Bauer zum Bauer sozusagen.» Diese Konstellation sei ideal, weil trotz Hightech immer noch viel bäuerliches Knowhow auf dem Acker nötig sei. Die künftigen bäuerlichen Drohnenpiloten müssen aus rechtlichen Gründen selbst vor Ort sein, wenn geflogen wird. Nötig wäre das aber eigentlich nicht, denn wenn die Drohne einmal programmiert ist, funktioniert sie autonom. Die Drohne ist wie gesagt noch nicht mit einer Kamera ausgerüstet, welche die Kulturen analysieren und daraus eine Handlung auslösen könnte. Ihr fehlt sozusagen das Hirn. «Unsere Spritzdrohne arbeitet eigentlich mehr wie ein fliegender Traktor», erklärt Hemmeler.

www.agrofly.aero

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