Microgreens: mehr als nur Garnitur

Barbara Schmid fand auf dem zweiten Bildungsweg zu ihrem Glück als Microgreen-Produzentin.  

Die Gemüsegärtnerin Barbara Schmid ist Schweizer Pionierin für den Anbau von Microgreens in Bioqualität. Im Unterschied zu Sprossen, werden diese nach dem Keimen unter Licht und auf Substrat kultiviert.

Barbara Schmid ist eine Spätberufene. Als 33-Jährige startete die promovierte Sozialwissenschaftlerin die zweijährige Lehre zur Gemüsegärtnerin. Schon während der Lehre entflammte ihre Leidenschaft für Microgreens. Das sind Keimlinge von verschiedenen Gemüsearten, Kräutern und Blumen, die im Keimblattstadium oder nach den ersten zwei Laubblättern geschnitten werden. In den USA werden Microgreens schon seit über 30 Jahren produziert. Dort und in Kanada suchte und fand Barbara Schmid über das Internet dann auch Rat. Denn in der Schweiz gibt es praktisch keine Gärtner, welche die kleinen, vitaminreichen und geschmackvollen Pflänzchen kommer-ziell anbauen. Nur Gemüsegärtner Andreas Eschbach in Füllinsdorf baut Microleaves – wie sie auch genannt werden – gemeinsam mit einem israelischen Partner in grösserem Stil an. Doch mit Ratschlägen an die potentielle Konkurrenz ist man dort sehr zurückhaltend. Antworten hätte Barbara Schmid dort aber sowieso nicht erhalten, weil für sie immer klar war, dass sie nach den Kriterien des biologischen Landbaus arbeiten wollte.  Mehr

Abdrift reduzieren mit passender Düse

Wenn die Pflanzenschutzmittelspritze richtig angewendet wird, kann die Abdrift deutlich reduziert werden.

Technologie kann helfen, unerwünschte Einträge von Pflanzenschutzmitteln zu verhindern. Der Düsendruck spielt eine zentrale Rolle. Die Nachrüstung mit kontinuierlichen Innenreinigungssystemen für den Tank reduziert Punkteinträge.

Der Pflanzenschutz steht bekanntlich in der Kritik. Die Branche unternimmt einiges, um den in der Öffentlichkeit intensiv geführten Diskussionen Wind aus den Segeln zu nehmen. Dazu gehören auch Weiterbildungsveranstaltungen. Mitte April fand am Inforama in Ins eine zum Thema Applikationstechnik statt. Es ging dabei um mehr Präzision und weniger Abdrift bei der Verwendung von Pflanzenschutzmitteln. Das beginnt bei vermeintlich einfachen Massnahmen, wie der richtigen Einstellung der Höhe des Spritzbalkens. «Die Düse darf nicht mehr als maximal 50 cm Abstand zur Kultur haben», sagte Jürgen Winter vom Düsenhersteller Lechler Gmbh am Anlass. Er beobachte in der Praxis, dass diese oft zu hoch eingestellt seien, was zu mehr Abdrift führe. Sein Tipp: «Montieren sie am Ende des Gestänges einen starken Kabelbinder in der Höhe von 50 cm als Orientierung.»  Mehr

Energie sparen beim Bewässern: Rohrdicke muss passen

Alte Bewässerungspumpen sollten durch geregelte ersetzt werden. Zudem lohnt sich oft die Anschaffung einer neuen Beregnungsmaschine.

Die Bewässerungssaison ist bereits seit ein paar Wochen voll im Gang. Einzelne Regionen haben einen überdurchschnittlich trockenen Winter hinter sich. Experten gehen davon aus, dass Trockenheitsphasen künftig eher zur Norm werden. Die Bedeutung der Bewässerungsanlage als Kostenfaktor nimmt entsprechend zu. Deshalb lohnt sich der Blick auf ein paar potentielle Sparmassnahmen sowohl beim Energieverbrauch wie auch bei der verwendeten Wassermenge.  Mehr

«Das Migros-Projekt ist ein Hüftschuss»

Rudolf Schlatter berät seit vielen Jahren Gewächshausproduzenten.

Der Gewächshausexperte Rudolf Schlatter glaubt, dass Gewächshäuser künftig mit mehreren verschiedenen Energieträgern beheizt werden. Doch die Umstellung ist teuer und benötigt Zeit.

Migros hat angekündigt, ab 2025 nur noch Gemüse aus mit erneuerbaren Energien beheizten Gewächshäusern zu verkaufen. Was halten Sie von diesem Plan?

Rudolf Schlatter: Das Migros-Projekt ist eher ein Hüftschuss, kein Plan. Es wäre sinnvoller gewesen, Teilziele zu bestimmen und nicht einfach eine Jahreszahl als Endziel zu setzen. Der Anteil des Gasverbrauchs des Gemüseanbaus in der Schweiz ist klein, der CO2-Einspareffekt des Migros-Projekts ist entsprechend gering. Wenn man Null CO2-Ausstoss erreichen will, sollte man Schritt für Schritt dort ansetzen, wo es am meisten bringt, beispielsweise beim Erdöl. Dieses zu verbrennen ist unsinnig, da es uns künftig noch als wertvoller Rohstoff für Kunststoffe, Farben oder Medikamente zur Verfügung stehen muss. Erdgas hingegen kann man ja nur verbrennen. Mehr

Wildernte von Bärlauch

Wer Bio-Bärlauch verkaufen möchte, muss sicherstellen, dass auf der
Parzelle keine Pflanzenschutzmittel
verwendet worden sind.  

Bärlauch ist im Frühling so etwas wie der erste Vorbote der neuen Gemüsebau-Saison. Geerntet wird er direkt im Wald. Wer grössere Mengen schneidet und keinen Ärger will, sollte sich mit der Gemeinde oder dem Waldeigentümer absprechen.

Saisonaler, regionaler und natürlicher geht es kaum: Der Bärlauch wächst bei uns nur von März bis Mai, abhängig vom Standort und Klima. Obwohl Gemüsegärtner immer wieder versuchen, den Bärlauch selbst anzubauen, stammt die vermarktete Ware in den überwiegenden Fällen aus dem Wald, wo die Bedingungen ideal sind, und er wild geerntet wird. Aber was heisst schon wild? «Unsere Leute haben immer die offizielle Bewilligung der Gemeinde und Landbesitzer dabei, wenn sie am Ernten sind», sagt Ueli Mäder von Mäder Kräuter AG in Boppelsen ZH. Denn natürlich reagieren Waldspaziergänger manchmal irritiert, wenn da zwölf Männer mit weissen Latex-Handschuhen am Bärlauch schneiden sind. Diese aus dem Boppelser Wald sind sogar biozertifiziert, weshalb es für den Biokontrolleur zusätzlich eine Bestätigung braucht, dass keine Insektizide beispielsweise gegen den Borkenkäfer gespritzt wurden. Und natürlich ist Mäder verpflichtet, den Bestand nicht zu übernutzen, was aber letztlich auch in seinem Interesse ist. Mehr

Kohlekraftwerk zu Wärmespeicherkraftwerk umnutzen

Kohlekraftwerke sollen zu sauberen Wärmespeicherkraftwerken umgebaut werden. (Bild: DLR)

Speichertechnologie sind eine wichtige Komponente in der Energiewende. An der Fachmesse Energy Storage Europe in Düsseldorf wurden grosse und kleine Lösungen vorgestellt.

Die Sonne liefert alleine eigentlich genug Energie, um die Menschheit sauber durch die Zukunft zu führen. Das Problem: Es fehlt an genügend Speichersystemen, welche die unregelmässig anfallenden Energien aus erneuerbaren Quellen für die Nutzung vernünftig verfügbar machen. Doch die Experten sind sich einig: Für die Energiewende braucht es Speicherlösungen. An der Energy Storage Europe in Düsseldorf im März stellten Firmen die aktuellsten Entwicklungen vor. Parallel dazu fanden Fachkonferenzen zu allen Energiespeicher-Technologien statt. Mehr

Fair produzierter Batteriespeicher aus der Schweiz

Max Ursin will die Salzbatterie in der Schweiz im Heimbereich etablieren.

Salzbatterien sind umweltfreundlich, robust, sicher und nicht teurer als Lithiumbatterien. Sie eignen sich besonders als stationäre Heimspeicher. Diesen Markt will die Firma Innovenergy aus dem Berner Land nun mit seiner lokal gefertigten Salzbatterie erschliessen.

Ehrensache, dass Max Ursin im Elektroauto zum Bahnhof nach Meiringen kommt. «Es läuft mit Strom aus einer Salzbatterie», erklärt er seinem Besucher. Womit wir mitten im Thema wären. Mit seiner Firma Innovenergy GmbH arbeitet er seit ein paar Jahren daran, umweltfreundliche Batterietechnologie auf Basis von Kochsalz, Eisen und Nickel massenmarkttauglich zu machen. Dass diese funktioniert, ist längstens erwiesen. Die sogenannte Zebra-Batterie wurde bereits in den 70er-Jahren in Südafrika entwickelt. Der Daimler-Konzern setzte sie in den 90er-Jahren in Elektroautos ein, Busse und Lieferwagen fahren noch heute mit Salzbatterien. Auch unter dem Sessel von Ursins Kleinwagen ist eine solche untergebracht. Er lacht: «Sie sehen, es funktioniert!» Doch eigentlich sei die Salzbatterie gar nicht sonderlich geeignet für die individuelle Elektromobilität, sagt er. In der aktuellen Elektroauto-Euphorie mit Tesla und Co. sind Hochleistungsbatterien auf Lithium-Basis gefragt. Salzbatterien fristen deshalb ein Schattendasein, weil Forschungs- und Entwicklungsgelder vor allem in Lithium basierte Technologien fliessen. Mehr

Futterpflanzen bei Trockenheit

Stefan Zumsteg mit fünf Meter hohem Sorghum. (Bild: Stefan Zumsteg)

Mit trockenheitsresistenten Gras-Mischungen kann das Risiko von Totalausfällen reduziert werden. Stefan Zumsteg setzt auf seinem trockenen Standort seit drei Jahren auf Sorghum anstatt Mais und macht gute Erfahrungen damit.

Nach dem vergangenen «Dürrejahr» stellen sich viele Landwirte die Frage: Wie muss ich meinen Futterbau anpassen, damit ich künftig lange trockene Phasen besser überstehe? Guter Rat ist hier teuer. Ganz viel wert wäre zweifellos ein zuverlässiger Blick in die Kristallkugel, denn niemand weiss ja im Voraus, wie das Klima in diesem Jahr sein wird. Wäre es wie 2018 müsste beispielsweise zu einer möglichst frühen Aussaat von Mais ab 20. April geraten werden, sofern es die Bodenbedingungen zulassen. Denn wer letztes Jahr früh säte, hatte gewonnen, weil diese Maispflanzen während der ersten Wachstumsphase noch von idealen äusseren Bedingungen mit genug Feuchtigkeit profitierten und dadurch gestärkt durch die Sommerhitze kamen. Doch natürlich kann man mit dieser Taktik auch Pech haben, wenn der Frühling lange sehr nass und kalt wird und das Auflaufen der Saat dadurch behindert wird. Letztlich muss jeder Landwirt primär aufgrund der Beschaffenheit seiner Böden und des «üblichen» Klimas in seiner Region entscheiden. Wenn er kann, sollte er aber das Risiko auf verschiedene Futterbaukulturen respektive Gras-Mischungen verteilen. Mehr

Pflückroboter gegen Personalmangel

Der Rubion fährt autonom durch die Reihen mit den Stellagen. (Bild: Octinion)

Technologiefirmen arbeiten weltweit an Pflückrobotern für Beeren und Früchte. Ab nächstem Jahr soll nun mit dem «Rubion» aus Belgien der erste Erdbeerpflückroboter für den kommerziellen Einsatz bereit sein.

Es handelt sich um ein weltweites Phänomen: In immer mehr Ländern mangelt es trotz globalem Bevölkerungswachstum an landwirtschaftlichen Arbeitskräften. In Deutschland fehlt es an Spargelstechern, in Österreich an Erdbeerpflückern, in Kalifornien an Erntehelfern aus Mexiko und die japanischen Bauern sind hoffnungslos überaltert. Selbst in mittelamerikanischen Ländern und in China ist die Landwirtschaft bereits mit dem Problem konfrontiert. Für die Ingenieure ist die Lösung klar: Roboter sollen aus der Patsche helfen. Viele Modelle von Hack-, Spritz-, oder Ernterobotern geistern bereits durch die Fachzeitschriften, keines der komplexeren Geräte hat bis jetzt die Praxisreife erlangt. Nun lancierte die belgische Mechatronik-Firma Octinion im Januar an der Fruit Logistica in Berlin den nach eigenen Angaben ersten autonomen Erdbeerpflückroboter der Welt für den Einsatz in der Praxis. Der Roboter soll in diesem Jahr in Produktion gehen und ab 2020 ausgeliefert werden. Mehr

Erneuerbares Gas aus dem Bioreaktor

In der Methanisierungsanlage in Zuchwil produzieren Mikroben in einem Bioreaktor aus Wasserstoff und CO2 Methan.

In Zuchwil ging im Januar eine von in Europa erst drei biologischen Methanisierungsanlagen in Betrieb. Power-to-Gas gilt als Schlüsseltechnologie der Energiewende. Im europäischen Forschungsprojekt «Store&Go» werden unterschiedliche Verfahren getestet.

Eine geballte Ladung aus Chromstahlrohren, Schläuchen, Pumpen, Kompressoren, Messgeräten, Tanks dazu ein zwölf Meter hoher Reaktor. Kaum jemand würde beim Anblick der im Januar in Zuchwil in Betrieb genommenen Methanisierungsanlage denken, dass hier Lebewesen die Hauptrolle spielen. Archaeen sind bekannt dafür, dass sie sich als Lebensraum besonders unwirtliche Umgebungen aussuchen: konzentrierte Salzlösungen, besonders saures Milieu möglichst ohne Sauerstoff oder heisse, schweflige Quellen in Island beispielsweise. Von dort kommen ursprünglich die auch als Urbakterien bezeichneten Einzeller, die hier auf dem Areal Aarmatt des lokalen Energieunternehmens Regio Energie Solothurn zum Einsatz kommen. Sie haben die spezielle Fähigkeit, dass sie aus Wasserstoff und Kohlendioxid (CO2) Methan herstellen können. Hier in Zuchwil übernehmen diese Aufgabe 6,3 Billiarden der Tierchen im Reaktorturm bei Temperaturen von 62 Grad. «Noch nie wurden so viele Archaeen auf einmal gezüchtet», erklärt Doris Hafenbradl von der deutschen Firma Electrochaea GmbH. Mehr