Nachfrage nach Biogemüse harzt

Wer auf Bio umstellen will, sollte sich das zurzeit gut überlegen. In den letzten Jahren ist die Anbaufläche für Biogemüse stärker gewachsen als die Nachfrage. Stark zugenommen hat der Bereich Convenience-Biogemüse. 

Besonders bei Biolagergemüse wie Karotten besteht auf dem Markt die Gefahr eines Überangebotes.

Die Anbauflächen für Biogemüse haben auch im letzten Jahr zugenommen, wenn auch etwas weniger stark als in den beiden Vorjahren. «Das Wachstum findet hier vor allem beim Lagergemüse statt», sagte Ilona Stoffel von Bio Suisse an der Jahrestagung Biogemüse vom Januar in Olten. Gemüse ist nach der Milch das zweitwichtigste Produkt im Biomarkt. Die Tendenz gehe dabei beim Gemüse in Richtung «grössere» Betriebe, zudem nimmt die Gewächshausfläche zu. Um sagenhafte 18 Prozent zugenommen hat die Nachfrage nach Biogemüse im Convenience-Bereich. Gerade hier kämen die Preise zunehmend unter Druck sagte sie. Aktuellere Zahlen zum letzten Jahr veröffentlicht Bio Suisse Mitte April.  Mehr

Stickstoff-Power aus der Biogasanlage

Flüssiges Gärgut nützt vor allem als schnell wirkender Dünger. Im Biogemüseanbau ist es eine interessante Alternative zu teuren Handelsdüngern. Konventionelle Gemüsegärtner sind wegen den hohen Ausbringungskosten eher zurückhaltend.

Beim Einsatz von flüssigem Gärgut in Gemüsekulturen müssen einige Regeln eingehalten werden.

Ist Gärgut Glücksache? Tatsächlich spukt jede Biogasanlage ein anderes Produkt aus, entsprechend der eingesetzten Substrate. Zum einen bestehen Unterschiede zwischen industriellen und landwirtschaftlichen Biogasanlagen. Bei letzteren hat es meistens einen hohen Anteil von Mist oder Gülle drinnen. Werden  mehr als 20 Prozent Co-Substrate eingesetzt, spricht man nicht mehr von Gärgülle sondern von flüssigem Gärgut oder Recyclingdünger. Für Experte Jacques Fuchs vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) eignet sich Gärgut aus beiden Anlagentypen für die Anwendung als Dünger auf Gemüsefeldern. Diese sei unbedenklich: «Alle Anlagen die mehr als 100 Tonnen Grünabfall pro Jahr verarbeiten, brauchen eine Bewilligung vom Kanton und werden regelmässig auf Hygiene und Schwermetalle kontrolliert.» Das Plastikproblem sei vor allem im industriellen festen Gärgut zwar noch ein Problem. Aber die Branche arbeite daran, sagt Fuchs. Bei flüssigem Gärgut und Gärgülle habe man die Situation bereits gut im Griff. Das zeigte auch eine Studie, die von Bio Suisse in Auftrag gegeben wurde. Mehr

Platzierte Düngung: Ist weniger Stickstoff mehr?

Der effiziente Düngereinsatz wird in Zukunft an Bedeutung zunehmen. Dabei bieten sich technische Lösungen an, wie beispielsweise die platzierte Düngung. Einige Gemüsegärtner machen bereits gute Erfahrungen damit. 

Die Düngeverordnung in Deutschland plant in sogenannten roten Gebieten mit hoher Stickstoffbelastung eine pauschale Verringerung der Stickstoffzufuhr auf Gemüsekulturen von zwanzig Prozent. Ähnliche Pläne bestehen auf politischer Ebene auch in der  Schweiz. Was passiert also mit einem Blumenkohl, wenn er zwanzig Prozent weniger Stickstoff erhält, als unter normalen Umständen empfohlen? Das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz testete dieses Szenario in verschiedenen Versuchen aus. Die Resultate waren ernüchternd: Durch die Stickstoffreduktion wurden die Blätter nicht ausreichend ernährt und fehlten so zur Bedeckung, was zur Gelbfärbung der Köpfe führte. «Unter diesen Umständen wird es schwierig, marktfähigen Blumenkohl zu produzieren», sagt Versuchsleiter Lothar Rebholz. Doch die deutschen Gemüsegärtner müssten eine Lösung finden: «Am Schluss ist es auch davon abhängig, ob die Abnehmer mitmachen». Lösungen sieht er vor allem in der vermehrten, gesplitteten Blattdüngung aber allenfalls auch in der präzisen Düngerplatzierung möglichst nah bei der Pflanze. Allerdings habe man im Vergleich zum Ackerbau im Gemüsebau hier noch eher wenig Erfahrung. Doch er weiss: «Zurzeit sind viele Gemüsegärtner in Deutschland am Pröbeln mit der platzierten Düngung».  Mehr

Wie lebenswichtig sind Gemüsesetzlinge?

Gemüsegärtnerin Sibylle Siegrist mit Tausenden von Tomatenpflänzchen, die nun pikiert werden müssen.

Die beliebten Frühlings-Setzlingsmärkte fallen wegen der Corona-Krise aus. Betroffene Jungpflanzengärtnereien suchen deshalb andere Vertriebswege. Grosse Firmen bleiben auf Millionen von Pflanzen sitzen, weil die Behörden den Verkauf von Gemüsesetzlingen in Supermärkten nicht zulassen.

Nur für einen kurzen Moment leuchten die Augen von Sibylle Siegrist auf. Sie blickt auf die Pflanztische mit tausenden von jetzt noch kleinen Tomaten- und Peperonisetzlingen. «Ist das nicht ein schönes Bild?» Vor Wetterkapriolen geschützt wachsen sie in den nächsten Wochen im Gewächshaus zu stattlichen Jungpflanzen heran. Ab Ende April wären sie bereit zum Setzen in Privatgärten oder in Töpfen auf Balkonen. Wenn da nur nicht dieses Corona-Virus wäre, wegen dem die Schweiz zurzeit stillsteht. Die Biobäuerin aus Küttigen AG ist weitherum bekannt für ihre Vielfalt an Gemüsesetzlingen. Sie verkauft sie normalerweise direkt an die Kundschaft beispielsweise am Aarauer Gemüsemarkt aber vor allem auch auf den grossen Pro Specie Rara-Setzlingsmärkten auf den Schlössern Wildegg und Wartegg oder auf dem Kräuter- und Wildpflanzenmarkt in Escholzmatt. Diese Märkte seien für ihr Geschäft matchentscheidend, sagt sie. Und nun das. Alles abgesagt! Mehr

Bio-Gewächshäuser nur noch klimaneutral beheizen

Gewächshäuser für Biogemüse sollen langfristig zu hundert Prozent mit erneuerbaren Energien beheizt werden. Bio Suisse präzisiert deshalb ihre Anforderungen.

Biogemüsegärtner David Maurer in Diessbach heizt seine Gewächshäuser hauptsächlich mit Wärme aus der Biogasanlage.

Biogemüsegärtner David Maurer aus Diessbach heizt seine Gewächshäuser seit neun Jahren mit der Wärme aus dem Blockheizkraftwerk von der Biogasanlage gleich nebenan. Diese gilt als klimaneutral und die Menge reicht in den Wintermonaten problemlos aus, um Salate, Kresse oder Stangensellerie frostfrei unter 5 Grad zu halten. Mehr ist im Biolandbau gar nicht erlaubt, ausser wenn das Gewächshaus sehr gut isoliert ist. Während konventionelle Gemüseproduzenten im Januar Tomaten setzen, startet die Saison für David Maurer frühestens am 1. März. So sehen es die Richtlinien von Bio Suisse vor. Tomaten und Gurken brauchen dann deutlich mehr Wärme als die «Wintergemüse». Gibt es Minustemperaturen braucht es plötzlich für ein paar Stunden viel Energie – mehr als die Biogasanlage auf einmal liefern kann. Dann startet in Diessbach die Ölheizung. «Ich brauche diese, um die Verbrauchsspitzen abzudecken», erklärt Maurer. Und das wird nun zum Problem. Denn vor einem Jahr gab Migros bekannt, dass sie ab 2025 nur noch Gemüse aus komplett mit erneuerbaren Energien beheizten Gewächshäusern beziehen will. Pech für ihn, denn er liefert einen Teil seines Gemüses an den Grossverteiler. Diesen interessiert wenig, dass der Ölbrenner vor drei Jahren komplett erneuert wurde, alle alten Pumpen durch energieeffiziente ersetzt wurden oder Photovoltaikmodule auf dem Dach stehen. «Wir haben viel in erneuerbare Energien und Effizienz investiert in den letzten zehn Jahren», sagt Maurer ernüchtert. Nicht nur er, sondern auch der Verband Schweizer Gemüseproduzenten (VSGP) und Bio Suisse wurden von den Plänen von Migros überrascht. Mehr

Autopilot darf noch nicht alleine fahren

Dem Durchbruch von autonomen Feldrobotern stehen zu viele ungeklärte rechtliche und sicherheitsrelevante Fragen im Weg. Technologisch sind nun bereits ein paar Hersteller soweit, dass sie praxistaugliche Geräte anbieten können.

Der Traum von völlig selbständig arbeitenden Agrarroboter auf den Feldern wird nur langsam wahr. Neben technischen Schwierigkeiten fehlt es vor allem an griffigen gesetzlichen Rahmenbedingungen, welche das autonome Fahren regeln. So lautet das Fazit des vierten internationalen Forums für Agrarroboter (FIRA), das im Dezember in Toulouse stattfand.  Mehr

Heizen im Gewächshaus: Die Spitzenlasten sind das Problem

Die Schweizer Gewächshausproduzenten müssen künftig mit fossilfreien Energieträgern arbeiten. Eine Alternative wäre Holz. Die Kombination verschiedener Energieträger drängt sich aus wirtschaftlichen und ökologischen Gründen auf.

Immer mehr Gemüsegärtner bauen eine Holzschnitzelheizung ein.

Der Bundesrat will den CO2-Ausstoss in den nächsten Jahren massiv reduzieren. Auch die Gemüsebranche muss ihren Beitrag dazu leisten. Der Detailhändler Migros schlug Anfang 2019 einen ersten Pflock ein, als er bekanntgab, ab 2025 nur noch Schweizer Gemüse und Früchte aus fossilfrei beheizter Gewächshausproduktion abzunehmen. Seither herrscht in der Schweizer Gewächshausbranche ein emsiges Treiben auf der Suche nach CO2-neutralen Alternativen zu den Gas- und Ölheizungen.  Mehr

Nur schlechter Kompost stinkt

Der Humusverlust auf intensiv genutzten Böden ist beträchtlich. Mit der Ausbringung von Kompost kommt organische Masse zurück in den Boden. Doch die «richtige» Herstellung von Kompost ist nicht ganz ohne. 

Es war eine Hiobsbotschaft für den Gemüsegärtner Rolf Etter von der Betriebsgemeinschaft bioleguma, als das fribourger Kantonsgericht im Herbst die bereits erteilte Baubewilligung für die geplante Kompostieranlage in Ried wieder aufhob. Eines der Hauptargumente der Einsprecher war die befürchtete Geruchsbelastung der Nachbarn. Das zeigt: Kompost hat einen schlechten Ruf. Das müsste nicht sein, wenn es nach dem Kompostexperten Urs Hildebrandt geht. Denn er sagt: «Guter Kompost stinkt nicht.» Der gelernte Gärtner erklärt Landwirten mittlerweile auf der ganzen Welt, wie richtiges Kompostieren geht. Auch Rolf Etter liess sich von ihm überzeugen. Ihm ging es vor allem darum, den Anteil des eingesetzten Handelsdüngers zu ersetzen und den Humusaufbau zu fördern. Mit Material aus der regionalen Kompostieranlage in Galmiz hatte er keinen Erfolg. Also suchte er nach Lösungen, wie er besseren eigenen Kompost herstellen konnte, nicht zuletzt auch, um die vielen Grünabfälle im Kreislauf zu behalten. Mehr

Präventiv gegen Erosion

Dammkulturen sind besonders anfällig auf starken Regen. Es gibt einige technische Möglichkeiten, um Erosion zu verhindern. Doch vor allem sollten die Dämme nicht aus zu feiner Erde bestehen.

Der Dyker wirkt zwischen den Dämmen.

Nicht der schönste Damm ist der beste Damm. Ist die Erde nämlich zu fein und enthält nur wenig Struktur, dann ist der Damm insbesondere bei Starkregen anfällig auf Erosion. Der «Fünflibertest» zeigt auf, ob der Boden zu fein bearbeitet wurde. Dazu legt man einen Doppelmeter so aus, so dass sich ein Rechteck von 40 auf 60 cm ergibt. In diesem Bereich sollten etwa 20 Erdstücke grösser als der Fünfliber und dazu ein paar vereinzelte faustgrosse Schollen vorhanden sein. Der Bodenverlust bei Erosion an sich ist für die langfristige Erhaltung der Fruchtbarkeit schon genug schlecht. Dazu kommt die Gefahr des Ausschwemmens von Pflanzenschutzmitteln. Und auch rechtlich droht Ärger, weil jeder Gemüsegärtner von Gesetzes wegen verpflichtet ist, auf Risikoparzellen vorbeugend Massnahmen zu ergreifen. Die Erhaltung einer guten Bodenstruktur liegt deshalb im Interesse des Gemüsegärtners. Humusbildung durch Einbringen von organischer Masse, Fruchtfolge und eine angepasste Bodenbearbeitungen sind die Grundrezepte dazu.  Mehr

Aus für den Erdpresstopf?

Der Bundesrat will den vollständigen Ausstieg aus der Verwendung von Torf. Das Bundesamt für Umwelt strebt deshalb in diesem Jahr eine Absichtserklärung zur Reduktion des Torfeinsatzes mit der Gemüsebranche an. 

Er gehört anbautechnisch auf Profigemüsebaubetrieben seit den 70iger Jahren zur Grundausstattung. Ein grosser Teil des Anbausystems ist nach ihm ausgerichtet. Das liegt an seinen speziellen Substrat-Eigenschaften, welche eine unerreichte Homogenität und Festigkeit erlauben. Die halbautomatischen oder automatischen Pflanzmaschinen sind ganz danach ausgerichtet. Dank seines hohen Torfgehaltes kann er bis zum 21-Fachen des Eigengewichts an Wasser und darin gelösten Nährstoffen speichern und bei Bedarf an die Jungpflanze abgeben. Kurzum: Der Erdpresstopf ist anbautechnisch ein Wunderkind. Doch sein Ruf gerät immer mehr in Verruf. Weshalb? Sein Grundbaustein Torf hat den Ruf eines Klimakillers. Er gilt als fossiler Rohstoff und beim Abbau entweicht entsprechend viel CO2. In der Schweiz darf er seit 1987 nicht mehr ab-gebaut werden, das geschieht nun dafür aber im Ausland: Die Obst- und Gemüsebranche importiert jährlich rund 150 000 m3 Torf, hauptsächlich aus Deutschland und Holland (Stand 2014).  Mehr