Weniger Plastik im Kompost

Kompostierer Martin Leuenberger fischt regelmässig nicht biologisch abbaubare Plastiksäcke aus dem Grüngut.

Bio Suisse schreibt in einer neuen Weisung bis 2024 eine Reduktion auf einen maximalen Anteil von 0,05 Prozent Kunststoff in Kompost vor. Komposthersteller setzen deshalb für die Aussortierung von Plastik viel Personal und teures Gerät ein.

Wenn der Grüngutlastwagen in Pratteln seine Heckklappe öffnet und das eingesammelte Material herauskippt, ist das immer ein bisschen eine Wundertüte. Wie viele Fremdstoffe tauchen heute zwischen den Ästen, verblühten Blumen oder dem Grünschnitt auf? Der Mitarbeiter des Recycling-Unternehmens Leureko AG steht auf jeden Fall mit der Greifzange bereit, um unerwünschte Objekte zu entfernen. Seine geübten Augen entdecken sofort einen Rahmportionenbecher sowie eine Packung mit Gorgonzola-Käse. Am Vortag stiess er auf eine ungeöffnete Packung mit Lachs. Mehr

Planet of the humans: Meine Filmkritik

«Planet of the Humans» macht einen Rundumschlag gegen die Erneuerbaren Energien. Wer das macht, sollte es mit den Fakten genauer nehmen.

Der Film trifft ein paar wunde Punkte der sogenannten erneuerbaren Energien (EE). Doch grundsätzlich ist das Ganze sehr einseitig und dazu – was naheliegend ist – ziemlich auf die USA bezogen. Die Herstellung von Biodiesel (Ethanol) aus Pflanzen ist – was ich bis jetzt so gelesen habe – tatsächlich ökologisch unsinnig. Oft wird er aus intensiven Ackerkulturen (Mais, Soja) gewonnen und der Energie-Input, um ihn herzustellen, ist grösser, als das, was aus ihm herauskommt. Die Biodiesel-Geschichte würde ich also tatsächlich als Irrweg der EE-Bewegung bezeichnen. In der Schweiz wird übrigens nur aus Biomasse Energie produziert (zum Beispiel in Biogasanlagen) auf Basis von tierischen Exkrementen, Speise-, Rüst- oder Grünabfällen. Ist also mit den USA nicht vergleichbar, auch nicht mit Deutschland, wo grossflächig Mais nur für die Energieproduktion angebaut wird. Mehr

Landwirtschaft im 21. Jahrhundert

Regenerativ, konventionell, konservierend, industriell, integriert, biologisch oder Permakultur? Landwirtschaftliche Konzepte gibt es viele. Doch welches ist das Richtige für das 21. Jahrhundert? Eine schwierige Frage zweifellos. 

In meiner Arbeit als Agrarjournalist bin ich viel auf Bauernhöfen unterwegs. Ich staune immer wieder über die Vielfalt. Über den kleinen Direktvermarktungsbetrieb mit 40 verschiedenen Gemüsesorten auf vier Hektaren, den graslandbasierten Milchbetrieb im Berggebiet, den viehlosen Ackerbaubetrieb  oder dem Hydrosalat-Gewächshausbetrieb, um nur ein paar Typen zu nennen. Alle über einen Kamm zu scheren ist unmöglich. Trotzdem wird es immer wieder gemacht.  Mehr

Wärmepumpen-Entfeuchter in Tulpen lohnt sich

Blumengärtner Daniel Berger setzt auf mobile Wärmepumpen-Entfeuchtungsgeräte. Diese rentieren und helfen ihm beim Einsparen von Heizöl und beim Pflanzenschutz. Im Rahmen eines von JardinSuisse unterstützten Projekts wurden die effektiven Energieeinsparmöglichkeiten untersucht.

Daniel Berger schaffte sich zwei Wärmepumpenentfeuchter an.
 

Im Februar regiert in Gurzelen BE normalerweise bei winterlichen Temperaturen der Nebel. An diesem Tag ist alles etwas anders: Die Sonne scheint bei Temperaturen um die 15 Grad. Deshalb läuft im Gewächshaus von Blumengärtner Daniel Berger jetzt gerade der Wärmepumpen-Entfeuchter nicht. «Wenn es draussen so warm ist, geht die Feuchtigkeit über die Lüftung weg». Doch unter den üblichen Bedingungen in dieser Jahreszeit brachte er die Feuchtigkeit früher jeweils kaum aus dem Haus. Trockenheizen über das Dach war dann angesagt, verbunden mit einem hohen Heizölverbrauch. Kommt dazu, dass die im Folien-Gewächshaus jährlich produzierten 600000 Tulpen von Dezember bis Mai eine Temperatur von 15 Grad benötigen. Aus diesen Gründen schaffte sich Berger vor zwei Jahren zwei mobile Wärmepumpen-Entfeuchter an. Mehr

Nachfrage nach Biogemüse harzt

Wer auf Bio umstellen will, sollte sich das zurzeit gut überlegen. In den letzten Jahren ist die Anbaufläche für Biogemüse stärker gewachsen als die Nachfrage. Stark zugenommen hat der Bereich Convenience-Biogemüse. 

Besonders bei Biolagergemüse wie Karotten besteht auf dem Markt die Gefahr eines Überangebotes.

Die Anbauflächen für Biogemüse haben auch im letzten Jahr zugenommen, wenn auch etwas weniger stark als in den beiden Vorjahren. «Das Wachstum findet hier vor allem beim Lagergemüse statt», sagte Ilona Stoffel von Bio Suisse an der Jahrestagung Biogemüse vom Januar in Olten. Gemüse ist nach der Milch das zweitwichtigste Produkt im Biomarkt. Die Tendenz gehe dabei beim Gemüse in Richtung «grössere» Betriebe, zudem nimmt die Gewächshausfläche zu. Um sagenhafte 18 Prozent zugenommen hat die Nachfrage nach Biogemüse im Convenience-Bereich. Gerade hier kämen die Preise zunehmend unter Druck sagte sie. Aktuellere Zahlen zum letzten Jahr veröffentlicht Bio Suisse Mitte April.  Mehr

Stickstoff-Power aus der Biogasanlage

Flüssiges Gärgut nützt vor allem als schnell wirkender Dünger. Im Biogemüseanbau ist es eine interessante Alternative zu teuren Handelsdüngern. Konventionelle Gemüsegärtner sind wegen den hohen Ausbringungskosten eher zurückhaltend.

Beim Einsatz von flüssigem Gärgut in Gemüsekulturen müssen einige Regeln eingehalten werden.

Ist Gärgut Glücksache? Tatsächlich spukt jede Biogasanlage ein anderes Produkt aus, entsprechend der eingesetzten Substrate. Zum einen bestehen Unterschiede zwischen industriellen und landwirtschaftlichen Biogasanlagen. Bei letzteren hat es meistens einen hohen Anteil von Mist oder Gülle drinnen. Werden  mehr als 20 Prozent Co-Substrate eingesetzt, spricht man nicht mehr von Gärgülle sondern von flüssigem Gärgut oder Recyclingdünger. Für Experte Jacques Fuchs vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) eignet sich Gärgut aus beiden Anlagentypen für die Anwendung als Dünger auf Gemüsefeldern. Diese sei unbedenklich: «Alle Anlagen die mehr als 100 Tonnen Grünabfall pro Jahr verarbeiten, brauchen eine Bewilligung vom Kanton und werden regelmässig auf Hygiene und Schwermetalle kontrolliert.» Das Plastikproblem sei vor allem im industriellen festen Gärgut zwar noch ein Problem. Aber die Branche arbeite daran, sagt Fuchs. Bei flüssigem Gärgut und Gärgülle habe man die Situation bereits gut im Griff. Das zeigte auch eine Studie, die von Bio Suisse in Auftrag gegeben wurde. Mehr

Platzierte Düngung: Ist weniger Stickstoff mehr?

Der effiziente Düngereinsatz wird in Zukunft an Bedeutung zunehmen. Dabei bieten sich technische Lösungen an, wie beispielsweise die platzierte Düngung. Einige Gemüsegärtner machen bereits gute Erfahrungen damit. 

Die Düngeverordnung in Deutschland plant in sogenannten roten Gebieten mit hoher Stickstoffbelastung eine pauschale Verringerung der Stickstoffzufuhr auf Gemüsekulturen von zwanzig Prozent. Ähnliche Pläne bestehen auf politischer Ebene auch in der  Schweiz. Was passiert also mit einem Blumenkohl, wenn er zwanzig Prozent weniger Stickstoff erhält, als unter normalen Umständen empfohlen? Das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz testete dieses Szenario in verschiedenen Versuchen aus. Die Resultate waren ernüchternd: Durch die Stickstoffreduktion wurden die Blätter nicht ausreichend ernährt und fehlten so zur Bedeckung, was zur Gelbfärbung der Köpfe führte. «Unter diesen Umständen wird es schwierig, marktfähigen Blumenkohl zu produzieren», sagt Versuchsleiter Lothar Rebholz. Doch die deutschen Gemüsegärtner müssten eine Lösung finden: «Am Schluss ist es auch davon abhängig, ob die Abnehmer mitmachen». Lösungen sieht er vor allem in der vermehrten, gesplitteten Blattdüngung aber allenfalls auch in der präzisen Düngerplatzierung möglichst nah bei der Pflanze. Allerdings habe man im Vergleich zum Ackerbau im Gemüsebau hier noch eher wenig Erfahrung. Doch er weiss: «Zurzeit sind viele Gemüsegärtner in Deutschland am Pröbeln mit der platzierten Düngung».  Mehr

Wie lebenswichtig sind Gemüsesetzlinge?

Gemüsegärtnerin Sibylle Siegrist mit Tausenden von Tomatenpflänzchen, die nun pikiert werden müssen.

Die beliebten Frühlings-Setzlingsmärkte fallen wegen der Corona-Krise aus. Betroffene Jungpflanzengärtnereien suchen deshalb andere Vertriebswege. Grosse Firmen bleiben auf Millionen von Pflanzen sitzen, weil die Behörden den Verkauf von Gemüsesetzlingen in Supermärkten nicht zulassen.

Nur für einen kurzen Moment leuchten die Augen von Sibylle Siegrist auf. Sie blickt auf die Pflanztische mit tausenden von jetzt noch kleinen Tomaten- und Peperonisetzlingen. «Ist das nicht ein schönes Bild?» Vor Wetterkapriolen geschützt wachsen sie in den nächsten Wochen im Gewächshaus zu stattlichen Jungpflanzen heran. Ab Ende April wären sie bereit zum Setzen in Privatgärten oder in Töpfen auf Balkonen. Wenn da nur nicht dieses Corona-Virus wäre, wegen dem die Schweiz zurzeit stillsteht. Die Biobäuerin aus Küttigen AG ist weitherum bekannt für ihre Vielfalt an Gemüsesetzlingen. Sie verkauft sie normalerweise direkt an die Kundschaft beispielsweise am Aarauer Gemüsemarkt aber vor allem auch auf den grossen Pro Specie Rara-Setzlingsmärkten auf den Schlössern Wildegg und Wartegg oder auf dem Kräuter- und Wildpflanzenmarkt in Escholzmatt. Diese Märkte seien für ihr Geschäft matchentscheidend, sagt sie. Und nun das. Alles abgesagt! Mehr

Bio-Gewächshäuser nur noch klimaneutral beheizen

Gewächshäuser für Biogemüse sollen langfristig zu hundert Prozent mit erneuerbaren Energien beheizt werden. Bio Suisse präzisiert deshalb ihre Anforderungen.

Biogemüsegärtner David Maurer in Diessbach heizt seine Gewächshäuser hauptsächlich mit Wärme aus der Biogasanlage.

Biogemüsegärtner David Maurer aus Diessbach heizt seine Gewächshäuser seit neun Jahren mit der Wärme aus dem Blockheizkraftwerk von der Biogasanlage gleich nebenan. Diese gilt als klimaneutral und die Menge reicht in den Wintermonaten problemlos aus, um Salate, Kresse oder Stangensellerie frostfrei unter 5 Grad zu halten. Mehr ist im Biolandbau gar nicht erlaubt, ausser wenn das Gewächshaus sehr gut isoliert ist. Während konventionelle Gemüseproduzenten im Januar Tomaten setzen, startet die Saison für David Maurer frühestens am 1. März. So sehen es die Richtlinien von Bio Suisse vor. Tomaten und Gurken brauchen dann deutlich mehr Wärme als die «Wintergemüse». Gibt es Minustemperaturen braucht es plötzlich für ein paar Stunden viel Energie – mehr als die Biogasanlage auf einmal liefern kann. Dann startet in Diessbach die Ölheizung. «Ich brauche diese, um die Verbrauchsspitzen abzudecken», erklärt Maurer. Und das wird nun zum Problem. Denn vor einem Jahr gab Migros bekannt, dass sie ab 2025 nur noch Gemüse aus komplett mit erneuerbaren Energien beheizten Gewächshäusern beziehen will. Pech für ihn, denn er liefert einen Teil seines Gemüses an den Grossverteiler. Diesen interessiert wenig, dass der Ölbrenner vor drei Jahren komplett erneuert wurde, alle alten Pumpen durch energieeffiziente ersetzt wurden oder Photovoltaikmodule auf dem Dach stehen. «Wir haben viel in erneuerbare Energien und Effizienz investiert in den letzten zehn Jahren», sagt Maurer ernüchtert. Nicht nur er, sondern auch der Verband Schweizer Gemüseproduzenten (VSGP) und Bio Suisse wurden von den Plänen von Migros überrascht. Mehr

Autopilot darf noch nicht alleine fahren

Dem Durchbruch von autonomen Feldrobotern stehen zu viele ungeklärte rechtliche und sicherheitsrelevante Fragen im Weg. Technologisch sind nun bereits ein paar Hersteller soweit, dass sie praxistaugliche Geräte anbieten können.

Der Traum von völlig selbständig arbeitenden Agrarroboter auf den Feldern wird nur langsam wahr. Neben technischen Schwierigkeiten fehlt es vor allem an griffigen gesetzlichen Rahmenbedingungen, welche das autonome Fahren regeln. So lautet das Fazit des vierten internationalen Forums für Agrarroboter (FIRA), das im Dezember in Toulouse stattfand.  Mehr