Gemüse garantiert ohne Rückstände

Die konsequente Anwendung neuer Technologien steht beim französischen Label «zéro résidu de pesticides» im Zentrum. Von der Entwicklung pflanzenschutzmittelreduzierender Anbaumethoden profitiert die ganze Gemüsebranche.

Der Weg zum Gemüsebaubetrieb von David Dubois in La Planche führt vorbei an viel Plastik. Wie ein grosser See reflektieren die Minitunnel hier 20 Kilometer südlich von Nantes jetzt im April das Licht der Frühlingssonne. Hier wächst das Gemüse der Zukunft. Das glaubt zumindest das Kollektiv «Nouveaux Champs» von französischen Gemüse- und Obstproduzenten, das im letzten Jahr das Label «Zéro Résidu des Pesticides» (ZRP) ins Leben gerufen hat. Es garantiert dem Konsumenten, dass in den Produkten keine Pflanzenschutzmittelrückstände über der technisch möglichen Nachweisgrenze von 0.01 Milligramm pro Kilogramm vorhanden sind. Je nach Kultur werden bis zu 800 aktive Wirkstoffe untersucht. Immerhin 33 Unternehmen mit mehr als 3000 Produzenten machen im Kollektiv mit, es repräsentiert zehn Prozent der gesamten französischen Gemüse- und Obstproduktion. In diesem Jahr sollen 30 000 Tonnen Gemüse und Obst mit dem ZRP-Label verkauft werden. Mehr

Effizienter Pflanzenschutz mit Robotern

Die Düsen des Prototyps des Pflanzenschutzroboters besprühen nur die zu behandelnde Kultur.

Pflanzenschutzmittel sind umstritten. Roboter sollen deshalb helfen, die eingesetzten Mengen zu reduzieren oder ganz wegzulassen. Im Seeland wurde ein Prototyp eines Pflanzenschutzroboters vorgestellt, mit dem die Sprühmengen um bis zu 70 Prozent reduziert werden sollen.

«Oz» ist ein angenehmer Mitarbeiter. Ohne zu murren hackt er mit einer Geschwindigkeit von etwas mehr als einem Kilometer pro Stunde zwischen den Salatreihen auf dem Feld des französischen Gemüsegärtners Frank Echard in Saint-Martin-des-Bois, und das erst noch ohne Kaffeepause. Ausser es geht ihm tatsächlich der Saft aus. «Zurzeit kann er nicht arbeiten, weil sein Akku kaputt ist», sagt Echard. Vor drei Jahren kaufte er sich für 23‘000 Euro den kleinen elektrischen Hackroboter der französischen Firma Naïo. Man finde in Frankreich kaum Personal für die harten Arbeiten auf den Gemüsefeldern. «Deshalb bin ich froh, dass ich Oz habe.» Der Anfang mit ihm sei allerdings etwas schwierig gewesen. So konnte er beispielsweise kaum Salate von Unkraut erkennen. Doch die Herstellerfirma habe das Gerät laufend weiterentwickelt und angepasst. «Heute arbeitet Oz zuverlässig und macht, was man ihm sagt». Und er habe letztes Jahr dank ihm erstmals vollständig auf den Einsatz von Herbiziden verzichten können, deren Einsatz auch in Frankreich zunehmend in Kritik steht. Mehr

Aargauer Landwirtschaft ist digital

Erich Nyffeler bei der Erfassung der Daten im Computer.

Seit diesem Jahr fliessen die Daten zwischen Bauern und Behörden im Kanton Aargau nur noch elektronisch. Dadurch sinkt nicht nur der administrative Aufwand. Die mächtige Datenbasis dient auch anderen Zwecken.

Die Gülle ist ausgebracht. Nach erledigter Arbeit wechselt Landwirt Erich Nyffeler aus Gontenschwil vom Traktor ins Büro. Er startet den Computer und loggt sich mit seinen persönlichen Zugangsdaten im Computer auf dem Internetportal des Kantons Aargau ein, und trägt dort die zuvor auf dem Feld erledigten Arbeiten ein. Das Güllen mit dem Schleppschlauch gilt als «emissionsminderndes Ausbringverfahren» und wird deshalb mit staatlichen Direktzahlungen in Form von Ressourceneffizienzbeitragen honoriert. Einmal im System erfasst, dient es der kantonalen Administration als Grundlage zur Berechnungen der Direktzahlungen, die Nyffeler zugute hat. Mehr

Aprikosen im Tunnel

In Frick wachsen Aprikosen neu in einem 70 Meter langen Folientunnel

In den nächsten Jahren sollen im Kanton Aargau 2000 Aprikosenbäume im geschützten Anbau unter Folien gesetzt werden.

Saftige und aromatische Aprikosen sind bei den Konsumenten äusserst beliebt. Doch ausserhalb vom klimatisch speziellen Wallis sind die Anbauflächen in der Schweiz gering. Denn Aprikosen gelten als äusserst anspruchsvoll und heikel im Anbau. Vor allem die Bakterienkrankheit Pseudomonas und ihre Frostempfindlichkeit machen sie an vielen Orten zur Hochrisikokultur. Doch das soll sich nun ändern: Im Kanton Aargau werden künftig Aprikosen im Folientunnel angebaut. Zusätzlich ausgestattet mit einem Insektenschutznetz sind die Kulturen darin geschützt vor Schädlingen und Wettereinflüssen. Die Umgebung und die Feuchtigkeit und somit auch die Krankheitsanfälligkeit lassen sich besser kontrollieren. «Das Ausfallrisiko sinkt so deutlich und bei Frostgefahr kann man mit einer kleinen Heizung nachhelfen», sagt Daniel Schnegg vom Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg. Er moderiert den Arbeitskreis «moderner Aprikosenanbau Aargau», der auf den smarten Ausbau der Aprikosenproduktion hinarbeitet. Mehr

Der Rhabarber-Frühstarter im Surbtal

Der Rabarber wächst unter Folie und Vlies.

Die Anbauflächen von Rhabarber sind in den letzten Jahren in der Schweiz deutlich angestiegen. Ein Gemüsegärtner sorgt mit einem Trick dafür, dass er zwei bis drei Wochen früher als alle anderen Rhabarber ernten kann.                                                                                         Mehr

Erstmals Schweizer Aprikosen im Folientunnel

Aprikosen in einem Folientunnel in einer bereits bestehenden Anlage am Bodensee (Bildautor: Daniel Schnegg)

Aprikosen sind in der Welt der Früchte die Vorboten des Frühlings. Bereits in diesen Tagen werden sich die ersten Blüten öffnen. Sie sind deshalb besonders anfällig auf Frostereignisse. Im letzten Jahr fiel die Ernte deshalb nicht nur bei den Aprikosen an manchen Orten ganz aus. Es ist kein Zufall, dass die meisten Schweizer Aprikosen im Wallis wachsen, wo ein ganz spezielles Mikroklima herrscht. Nun sollen aber in den nächsten drei Jahren auch im Kanton Aargau 2000 Bäume zusätzlich gepflanzt werden. «Gerade Direktvermarkter sehen frische Aprikosen aus der Region als Magnet für die Konsumenten», sagt Daniel Schnegg vom Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg. Er moderiert den Arbeitskreis «moderner Aprikosenanbau Aargau». Für den Obstbauexperten ist klar, dass der Aprikosenanbau in grösserem Rahmen in dieser Region nur im geschützten Anbau möglich ist, um das Ausfallrisiko zu minimieren. Erstmals in der Schweiz werden Aprikosen deshalb nun im Folientunnel angebaut. «Darin können die Bäume bei einem Kälteeinbruch mit einer kleinen Heizung mit vertretbarem Aufwand frostfrei gehalten werden», sagt Schnegg. Ein Insektenschutznetz hält zudem die Schädlinge von den Früchten fern. In den rund 4,5 Meter hohen und 8 Meter breiten Folientunneln lässt sich die für die Aprikosen besonders problematische Feuchtigkeit besser kontrollieren und damit den Befall von Krankheiten reduzieren. «Dadurch kommen wir mit deutlich weniger Pflanzenschutzmittel aus.» Bereits in diesem Jahr sollen die ersten beiden Anlagen in Seengen erstellt werden. Die Gemeinde hat die Baugesuche für die etwas mehr als hundert Meter langen Folientunnel bewilligt. Damit ist die erste Hürde genommen. Mit möglichen kritischen Stimmen geht der Arbeitskreis bewusst offensiv um. Ende August wollen die Aargauer Aprikosenproduzenten der Bevölkerung die innovative Anlage an einem Anlass vorstellen. «Ich bin sicher, dass dann auch kritische Leute von den Vorteilen überzeugt sein werden», sagt Daniel Schnegg. Mehr

Bauern setzen auf Folien und Netze

Vlies schützt die Kulturen im Frühjahr vor dem Frost und behalten die Wärme im Boden.

Extreme Wetterereignisse nehmen zu, der Einsatz von Pflanzenschutzmittel steht in der Kritik. Bauern setzen deshalb immer häufiger auf technische Lösungen wie Mulchfolien, Hagelschutznetze oder Folientunnel.

Der Winter ist eigentlich vorbei. Trotzdem erscheinen einige Äcker von weitem noch ganz weiss. Es ist nicht Schnee, sondern Vlies. Dieses schützt jetzt in der Übergangszeit beispielsweise Frühkartoffeln vor Frostschäden. Andere so abgedeckte Kulturen wie Erdbeeren profitieren zusätzlich von der dank der Abdeckung gespeicherten Wärme im Boden, die das Pflanzenwachstum beschleunigt. Das Produkt gelangt so früher auf den Markt und der Bauer kann mit einem besseren Preis rechnen.   Mehr

Virtuelle Bauernhöfe ganz global

Wem Japan oder Kolumbien zu exotisch ist, der kann sich die Landschaft aus Bayern dazukaufen.

Mit Pure Farming 2018 ist vor Kurzem ein neuer Landwirtschafts-Simulator auf den Markt gekommen. Der erste Eindruck ist positiv!

Die Fangemeinde von Landwirtschafts-Simulatoren musste lange warten. Am 13. März war es nun aber nach mehrmaligem Verschieben des Releases endlich soweit: Pure Farming 2018 (PF 2018) vom polnischen Spielanbieter Techland ging offiziell in den Verkauf. In ihrem Auftrag sind die Softwareentwickler von Ice Flames angetreten, um dem Schweizer Platzhirschen Giants mit seinem Landwirtschafts-Simulator (LS) Konkurrenz zu machen. Zweifellos ein ehrgeiziges Unterfangen, denn der LS hat die Latte in den letzten Jahren hoch angesetzt. Doch erste Erfahrungen im Spiel zeigen: PF 2018 kann mithalten. Mehr

Effizient entfeuchten im Gewächshaus

Entfeuchtung mit kontrollierter Lüftung in einem Gewächshaus.

Der Wärmebedarf der Schweizer Gewächshäuser würde sich mit speziellen Ent-feuchtungssystemen um zehn Prozent reduzieren lassen. Im Rahmen einer vom VSGP mitfinanzierten Studie wurde eine Marktanalyse dazu erstellt.

Mit dem klassischen Entfeuchten durch Öffnen der Energieschirme und der Belüftungsfenster gehen in den Schweizer Gewächshäusern 10 bis 35 Prozent der produzierten Wärme verloren. Mit speziellen Entfeuchtungssystemen liesse sich der gesamte Wärmebedarf aller Gewächshäuser in der Schweiz theoretisch um mindestens zehn Prozent reduzieren, was einem jährlichen CO2-Reduktionspotenzial von 10 000 Tonnen entspricht. Das ist immerhin so viel CO2, wie 2000 Einfamilienhäuser mit Ölheizungen jährlich ausstossen. EnergieSchweiz gab eine vom Verband Schweizer Gemüseproduzenten (VSGP) und von Jardin Suisse finanziell unterstützte Studie in Auftrag, um eine Marktanalyse von Entfeuchtungssystemen für Gewächshäuser in der Schweiz zu erstellen mit Daten über Investitionskosten, Einsatzgebiete und den Vergleich der Systeme. Bisher gibt es kaum Daten für Schweizer Gewächshäuser, aussagekräftige Messungen der Energieverbräuche fehlen. Zusätzlich zur von DM Energieberatung AG erstellten Marktanalyse führte Agroscope eine Literaturstudie dazu durch. Mehr

Weniger Dünger dank Mykorrhiza-Pilzen

Beispiel aus Norditalien: In der Spargel rechts wurde der Boden mit Mykorrhiza-Pilzen geimpft.

Mykorrhiza-Pilze machen die Nährstoffe für die Gemüsekulturen besser verfügbar. Die Pilze kommen auf intensiv bearbeiteten Böden allerdings seltener vor. Besser eignen sich deshalb Dauerkulturen wie Spargel. 

Mit weniger Dünger zu höherem Ertrag. Möglich machen dies Mykorrhiza-Pilze. Voraussetzung ist allerdings, dass im Boden auch genügend davon vorhanden sind. Mykorrhiza-Pilze kommen eigentlich ganz natürlich in allen Böden vor. Der grösste Teil der Pflanzen auf dem Land lebt mit den Pilzen in einer Symbiose, das heisst sie profitieren gegenseitig voneinander. Das Pilzgeflecht im Boden erschliesst Nährstoffe und Wasser und leitet es an die Wurzel weiter, als Gegenleistung erhalten die Pilze von den Pflanzen Kohlenhydrate. Im optimalen Fall schützen die Pilze die Kultur auch gegen den Befall mit bodenbürtigen Krankheiten. Eine zu intensive Bodenbearbeitung zerstört allerdings das Netzwerk, in solchen Fällen können Mykorrhiza-Pilze aber von aussen zugeführt werden. Bisher arbeiten eher Biobetriebe auf diese Art mit Mykorrhiza, doch eigentlich könnten auch konventionelle Betriebe davon profitieren. Mehr