Solarwärme: In der Kombination liegt die Zukunft

Der Schweizer Solarwärmemarkt wächst erstmals seit Jahren wieder. Solarwärme soll bei der angestrebten Wärmewende eine tragende Rolle spielen. Wie diese aussehen könnte, diskutierten Experten im September an der Solarwärme-Tagung in Rapperswil.

Nicht alle sind so zuversichtlich, wie ein Deutscher Teilnehmer an der Solarwärme-Tagung, die am 11. September 2018 in Rapperswil stattfand. Der Planer von Grossanlagen in Dänemark sagte in seinem Publikumsvotum, dass er sich in der Schweiz zwischen 10 und 40 Prozent Anteile der Wärmeversorgung aus Solarthermie vorstellen könne. Davon ist die Schweiz aber noch weit entfernt. Im letzten Jahr betrug deren Anteil als Energieträger der Warmwasserversorgung in der Schweiz 2,9 Prozent. Das sei immerhin etwa gleich hoch wie der Stromanteil der Photovoltaik, sagte Swissolar-Geschäftsführer David Stickelberger an der Tagung. Diese fand in diesem Jahr im Rahmen der internationalen Konferenz EuroSun2018 an der Hochschule für Technik in Rapperswil (HSR) statt. Mehr

Solarstrom aus der Batterie

Investitionen in Photovoltaikmodule zahlen sich für Obstbaubetriebe aus, wenn der Strom gleich vor Ort genutzt wird. Bei Urs Grunder beträgt der Eigenverbrauchsanteil dank Batterie bis zu 70 Prozent.

Die Kirschenernte fällt in diesem Jahr auch bei Obstproduzent Urs Grunder im bernischen Zäziwil üppig aus. Um die Früchte länger haltbar zu machen, packt er sie speziell in Plastik ein und lagert sie bei tiefen Temperaturen im eigenen CA-Lager. «Der Stromverbrauch steigt dann sofort in die Höhe», sagt der Direktvermarkter. Besonders bei der Hitze, die an diesem Tag Anfang August die ganze Schweiz kaum atmen lässt. Die hohe Stromrechnung auf seinem Betrieb war ein Grund, weshalb er sich für den Bau einer Photovoltaikanlage auf dem Dach der Maschinenabstellhalle entschied. «Zudem rentiert diese besser als Geld, das mit mickrigen Zinsen auf der Bank liegt», sagt er. Mehr

Jungpflanzen auf Bändern

In diesem Jahr wurden in der Schweiz erstmals Jungpflanzen mit dem PlantTape-Verfahren gesetzt. Die Kulturzeit der Pflanzen dauert zwar etwas länger, dafür sollen sie aber robuster sein. 

Vor fünf Jahren sah Pascal Probst auf YouTube erstmals eine PlantTape-Setzmaschine im Einsatz. Das Gerät aus den USA, das Setzlinge mit einem neuen Verfahren schneller und effizienter in den Boden bringt als die bisherigen Setzmaschinen, faszinierte den Mitarbeiter des Jungpflanzenherstellers SwissPlant GmbH in Müntschemier. Das möchte ich unseren Kunden auch anbieten können, dachte er sich. Auch sein Chef Martin Löffel fing Feuer. Seit diesem Frühling steht das Gerät in der Schweiz im Einsatz. Roger Jampen von Jampen Landmaschinen AG aus dem gleichen Dorf hatte die Maschine sogar schon länger als Probst im Visier: «Mich überzeugte, dass sie mechanisch funktioniert und ohne heikle Elektronik auskommt». Er baute die Maschine auf Schweizer Verhältnisse um. Das Original aus den USA war zu schwer und zu wenig flexibel, bei seiner Version sind die Spuren und Reihenabstände nun schnell anpassbar. Mehr

Photovoltaik: 97 Prozent Eigenverbrauch

Dank der Eigenverbraucherlösung sind Solaranlagen wieder rentabel. Je mehr Solarstrom zeitgleich vor Ort genutzt wird, desto besser. Wie beispielsweise auf dem Gemüsebaubetrieb von Brigitte Schurter-Eymann in Winkel.

Investitionen in Solarstrom lohnen sich wieder. Vor allem wenn er zu einem hohen Anteil gleich vor Ort verwendet wird. Auf dem Gemüsebaubetrieb von Brigitte Schurter-Eymann in Winkel ZH braucht es unter anderem für die Kühlräume und vor allem für die Convenience-Produktion viel Strom. Ein Teil davon kommt seit August vom Dach auf der Verarbeitungshalle. 475 Quadratmeter Photovoltaikmodule liefern dort künftig jährlich um die 90 000 Kilowattstunden Solarstrom. Als Überschuss ins öffentliche Netz fliesst praktisch nichts mehr, der Eigenverbrauchsanteil beträgt nämlich beachtliche 97 Prozent. Elf Prozent der Stromkosten spart Brigitte Schurter vor-aussichtlich pro Jahr ein. Die 88 kWp-Anlage kostete sie 130 000 Franken, abzüglich der Einmalvergütung von 30 000 Franken. Läuft alles normal, ist die Anlage in zehn Jahren amortisiert. Mehr

Schweizer Wassermelonen sind Exoten

Wassermelonen sind beliebt bei grosser Hitze! Besonders gut schmecken sie frisch aus der Region. Der Aargauer Landwirt Christian Weber baut seit acht Jahren Wassermelonen an.

Hitze, kaum Regen und versiegende Wasserquellen. Wer weiss, welche Kulturen die Bauern in ein paar Jahrzehnten in der Schweiz anbauen werden, wenn sich solche Dürren wie in diesem Jahr tatsächlich häufen sollten? Vielleicht Wassermelonen? Die Mini-Wassermelonen von Christian Weber aus Fischbach-Göslikon kommen in der aktuellen Trockenheit dank sparsamer Tröpfchenbewässerung tatsächlich mit wenig Wasser aus. Ob sie noch gröbere Hitzewellen schadlos hinnehmen würden, ist aber fraglich, denn die Sorte wurde extra für das milde Klima in nördlicheren Ländern entwickelt. Der Aargauer Landwirt stieg vor acht Jahren in den Anbau von Wassermelonen ein, damals noch gemeinsam mit drei anderen Kollegen. Der Anbau und die Vermarktung der konsumfreundlichen, kernarmen Minisorte unter dem Namen «Swiss Melody» sind aber anspruchsvoll. Wohl auch deshalb sind mittlerweile alle seine Kollegen aus der Produktion ausgestiegen. Der Anfangseuphorie ist mittlerweile verflogen. Heute weiss er nur noch von zwei Bauern in Genf und seit diesem Jahr von einem im Berner Seeland, die Schweizer Wassermelonen anbauen. Nachdem «Swiss Melody» im Jahr 2012 von der Migros Luzern noch mit dem Innovationspreis «Goldene Sonne» ausgezeichnet worden war, hält sich dort die Begeisterung mittlerweile im überschaubaren Rahmen. Im letzten Jahr nahm ihm nur noch der Migros-Onlinehändler LeShop seine Wassermelonen ab. Vielleicht habe es damit zu tun, dass wir einmal nicht genug Ware an eine Migros-Genossenschaft liefern konnten, vermutet Weber. Immerhin kündigt Migros Sprecherin Martina Bosshard an, dass diverse Genossenschaften in den nächsten Wochen die Schweizer Wassermelonen unter dem Label «Aus der Region. Für die Region» wieder ins Sortiment aufnehmen werden.

Ab Ende Juli im Angebot

Seit kurzem deutet das gut sichtbare bunte Schild am Eingang des Hofladens in Fischbach-Göslikon darauf hin, dass dort wieder Wassermelonen frisch ab Feld aufliegen. Im Dorf spreche sich das jeweils sehr schnell herum, sagt Weber. «Viele können es kaum erwarten, bis sie unsere frischen Wassermelonen kaufen können.» Und tatsächlich schwärmen offenbar auch Südländer vom ausserordentlichen, süssen Geschmack. Weber konzentriert sich mittlerweile mehr auf kleinere Abnehmer in der Region, darunter Volg-Filialen, Restaurants und andere Hofläden. «Wir Bauern müssen das Heft wieder mehr in die eigenen Hände nehmen», findet er. Der Hofladen werde immer wichtiger für den Familienbetrieb. Dort verkauft der Landwirt auch andere eigene Produkte vom 15 Hektaren grossen Betrieb wie Zuckermais, Kartoffeln, Zwetschgen, Äpfel, Kürbis oder im Frühling Spargeln. Die Wassermelonen-Saison in Fischbach-Göslikon beginnt im Juli und dauert je nach Wetter bis in den Oktober. Und darin liegt einer der Nachteile der Schweizer Wassermelonen: «Eigentlich kommen wir zu spät auf den Markt», sagt Weber. Denn der Handel verkauft die sonst übliche Importware zu diesem Zeitpunkt bereits seit ein paar Monaten. Es besteht deshalb die Gefahr, dass die Leute schon genug haben von Wassermelonen. Zudem sind die ausländischen Melonen im Verhältnis deutlich günstiger als «Swiss Melody», die unter Schweizer Bedingungen hergestellt werden müssen. Allerdings dürfte die aktuelle Hitze die Verkäufe eher positiv beeinflussen, denn die Wassermelone gilt im Verkauf als typisches Warmwetterprodukt.

Gewusst wie

Das 500 Aren grosse Feld mit den Melonen ist als solches auf den ersten Blick kaum zu erkennen, weil es von dichtem Kraut der Melonenranken bedeckt ist. «Es ist wichtig, dass die Frucht reif geerntet wird», sagt Weber. Der geübte Blick erkennt den Reifegrad am verdorrten Stiel. Vorsichtig greift Weber aus dem Dickicht einen der zwischen 1200 und 2000 Gramm schweren Melonenköpfe und klopft ihn ab. «Ich höre sofort, ob die Melone genug reif ist oder ob sie während dem Wachstum einen Riss erlitten hat und unverkäuflich ist», sagt er. Drei Mal pro Woche gehen er oder seine Frau Judith sowie ein Mitarbeiter durch das Feld, um die reifen Exemplare von Hand zu ernten. Zwei verkäufliche Köpfe pro Quadratmeter seien eine optimale Ausbeute, sagt Weber. Um diese Menge zu erreichen, setzt er zwei zugekaufte Hummelvölker ein, die für eine bessere Befruchtung und mehr Früchte sorgen. Da Melonen in der Regel zweihäusig sind, braucht es zudem weibliche und männliche Pflanzen. Sein Cousin hatte sich einmal erlaubt, eine der Melonen vom Feld mit nach Hause zu nehmen. Er sei dann irritiert zu ihm gekommen und habe ihm gesagt, dass die Melonen ohne Geschmack seien und das Fruchtfleisch untypisch hell gefärbt gewesen sei. Weber lacht: «Er hatte eine Befruchterpflanze erwischt».

Schwankender Absatz als Herausforderung

Der Arbeitsaufwand für die Kultur sei beträchtlich, sagt Weber. Zur Unterdrückung des Unkrauts verwendet er eine schwarze biologisch abbaubare Folie, in die er die Setzlinge direkt einpflanzt. Sie wird nach der Ernte in den Boden eingearbeitet und baut sich dort vollständig ab. Während der Saison wird Unkraut, das sich trotzdem zwischen Pflanze und Folie breitmacht, von Hand entfernt. Ein Problem seien Krankheiten und Schädlinge wie Milben, deren Bekämpfung schwieriger werde, weil immer weniger Pflanzenschutzmittel bewilligt werden. Weber überlegt sich jedes Jahr von neuem, ob er die Anstrengungen noch einmal auf sich nehmen soll. Besonders herausfordernd sind für ihn die schwankenden Abnahmemengen, die von der Marktsituation, vom Wetter und von den Launen der Abnehmer abhängen. Vor drei Jahren habe es in Europa einen Engpass gegeben, worauf er die gesamte Menge der Wassermelonen problemlos verkaufen konnte. Im letzten Jahr hingegen musste er mehr als 1000 Stück auf dem Feld liegenlassen, weil es zu wenig Abnehmer gab. «Das tut dann schon weh», sagt er. Und eigentlich versteht er nicht, weshalb es nicht möglich sein sollte, selbst diese im Verhältnis kleinen Mengen an einheimischen Wassermelonen zu verkaufen, wo doch alles von Regional und Frische rede. Nach reichlich bezahltem Lehrgeld kennt er mittlerweile die Kultur aber schon fast zu gut, um sie einfach so fallen zu lassen: «Ich und meine Frau sind mittlerweile absolute Fans von ihr!»

 

Die Wassermelone stammt ursprünglich aus Afrika und gilt als Gemüse. Die gezüchteten grossen Sorten wiegen zwischen 4 und 25 Kilogramm. Die Frucht besteht neben der Schale aus 96 Prozent Wasser, den Rest teilen sich Fasern, Kohlenhydrate, Mineralstoffe, Vitamin A und C und Antioxidantien wie das Lycopin. In der Schweiz waren die Wassermelonen im letzten Jahr hinter den Karotten, Tomaten, Peperoni und Eisbergsalat das fünftwichtigste Gemüse, was den Konsum anbelangt (Quelle: Schweizerische Zentralstelle für Gemüse). Über 32‘000 Tonnen wurden importiert, die Inlandmenge beträgt nur einen Bruchteil davon. Mit Abstand das bedeutendste Anbauland für Wassermelonen ist China, gefolgt von der Türkei und dem Iran. In der Schweiz kommen sie aktuell vor allem aus Italien und Spanien.

Holländischer Milchbauer in Not

Jorrit Postma machte auf seiner Milchfarm eigentlich vieles richtig. Doch die Einführung der Phosphor-Kontingente bringt ihn nun in Existenznöte.

Schon als Kind wollte Jorrit Postma immer Bauer werden. Vor zehn Jahren ging der Traum schneller als erwartet in Erfüllung. Nach dem Unfalltod seines alleinstehenden Onkels war klar, dass er den Familienbetrieb in Longerhouw in nächster Generation weiterführen sollte. Er erhielt die 47 Hektaren und die Gebäude zum Vorzugspreis von 500000 Euro. Den Kopf voller Ideen und Pläne zog er im zarten Alter von 20 Jahren von der Stadt nach Friesland in den Nordosten Hollands, um die Milchfarm seiner Familie in die Zukunft zu führen. Bald lernte er dort seine heutige Frau Frederika kennen, alles schien bestens. Weil in der Region eigentlich nur Gras wächst, war klar, dass er bei der Milchproduktion bleiben würde. Sein Plan war vernünftig: «Ich startete mit 30 Kühen und wollte die Herde mit eigenen Tieren ausbauen», sagt er heute. Doch er dachte nicht an die unberechenbaren Launen der Politik. Jorrit hätte nämlich auch gut mit einer kleinen Herde von 50 Tieren leben können. «Doch diese reicht in Holland nicht mehr zum Überleben.» Schon gar nicht nach der Aufhebung der EU-Milchkontingentierung im Jahr 2015, als sich viele holländische Milchbauern mit einer Produktionsausdehnung im deregulierten Markt besser positionieren wollten. Also spurte auch er in die Hochleistungsspur ein. Er nahm bei der Bank eine Million Euro auf für einen neuen Stall mit Platz für 200 Kühe, installierte zwei Melkroboter, erhöhte die Anzahl Kühe und stellte zwei Arbeitskräfte ein. Der Finanzplan schien realistisch und sollte nicht mit dem zu schnellen Ausbau der Herde überstrapaziert werden. Doch Vernunft ist nicht immer der beste Ratgeber, wie sich heute auf dem Hof zeigt. Hätte er nämlich am 2. Juli 2015 nicht erst 110 Kühe gehabt, müsste er heute nicht um die Zukunft des Betriebs bangen.

Drohfinger von Brüssel

Holland ist bekannt für seine aussergewöhnliche Produktivität in der Landwirtschaft. Gerne brüstet sich das Land als zweitgrösster Exporteur von Agrarprodukten weltweit, nur übertroffen von den USA, die aber 270 Mal grösser sind. Das Land mit der Fläche von der Schweiz ist also eigentlich zu klein für das «Exportwunder». In der Milchproduktion heisst das deshalb beispielsweise, dass die Bauern viel Gülle und Mist exportieren müssen, damit nicht zu viel Nitrat und Phosphat in der eigenen Umwelt landet. Trotz viel Technologie und immer effizienteren Anbaumethoden ist man von einem Gleichgewicht ziemlich weit entfernt. Da die Holländer die in der EU vereinbarte Obergrenze der Phosphor-Menge immer noch überschreiten, musste das Land die Mengen reduzieren, sonst drohte Brüssel mit Sanktionen. Seit Anfang Jahr gilt deshalb in Holland ein System mit Phosphor-Kontingenten. Mit ihnen soll der Milchkuhbestand und damit den Phosphoreintrag runtergefahren werden. Für Jorrit könnten sie das Ende seines Traums bedeuten.

900‘000 Euro für Phosphor-Kontingente

Mit der Phosphor-Kontingentierung hatte Jorrit nämlich nicht gerechnet als er seine Businesspläne erstellte. Am 2. Juli 2015 konnte er auch noch nicht wissen, dass ihm mindestens 40 Kühe fehlten um drei Jahre später nicht in einen tiefen finanziellen Strudel zu geraten. 5000 kg Phosphor beträgt das ihm Anfang Jahr zugeteilte Kontingent, es bezieht sich auf eben die 110 Holstein-Friesian Kühe, die am vom Staat festgelegten Stichtag da waren. Im Stall stehen heute aber 150 Tiere. Er müsste deshalb für 40 Tiere zusätzliche Kontingente kaufen um nicht eine empfindliche Strafe bezahlen zu müssen. Das macht dann beim aktuellen Preis von 220 Euro pro Kilogramm Phosphorkontingent noch einmal 400‘000 Euro obendrauf. Im Nachhinein hätte er besser schon vor drei Jahren noch mehr Geld aufgenommen und bereits bis zum Stichtag auf die geplanten 200 Tiere aufgestockt. Er hätte damit heute 900‘000 Euro für Phosphor-Kontingente eingespart. Aber hätte, würde, könnte nützt nichts. Er muss sich nun entscheiden, wie es weitergehen soll. Soll er aufhören oder noch mehr Kredite aufnehmen?

Im Teufelskreis der Geldgeber

Verkauft er die 40 Kühe, ist der auf 200 Tiere ausgelegte Stall zu gross und die Produktionskosten pro Tier würden steigen. Zurzeit betragen diese 33 Eurocent pro kg Milch. Beim aktuellen Abnahmepreis von 35 Eurocent und einer Produktion von 1,4 Millionen Kilogramm Milch kann er zwar den Zins bezahlen. Der Milchpreis reicht aber schon jetzt nicht aus, um den Kredit wie von der Bank verlangt in fünf Jahren zurückzuzahlen. Dafür braucht er 2 Millionen Liter Milch von 200 Tieren im Stall. Doch in diesem Fall müsste er 900‘000 Euro für Phosphorkontingente zusätzlich kaufen, ein weiterer Gang zur Bank wäre unerlässlich und der finanzielle Druck würde noch einmal ansteigen. Mit der Bank hat er sich zwar mittlerweile auf eine längere Rückzahlungsfrist einigen können. Doch bei anhaltend tiefen Milchpreisen wäre die finanzielle Last trotzdem kaum zu stemmen. Selbst wenn sich die Situation am Milchmarkt verbessern würde, stellt der unternehmerisch denkende Jorrit ernüchtert fest: «Ich würde zehn Jahre nur für die Bank arbeiten». Und das obwohl er dieser eigentlich mustergültige Betriebszahlen vorweisen kann: «Ich produziere effizient und die Milchleistungen stimmen». Die Phosphor-Regulierung habe ihm aber einen Strich durch die Rechnung gemacht, sagt er resigniert.

Ausstieg als wahrscheinliche Option

Natürlich denkt er auch an den totalen Ausstieg. Eigentlich drängt sich dieser geradezu auf. Es gäbe genug Bauern, die das Land sofort kaufen würden, sagt er. Bei Hektarpreisen von 60000 Euro könnte er alle Kredite problemlos zurückzahlen und er wäre fein raus. Schon heute arbeitet er als Berater und erzielt damit ein ausreichendes Einkommen. Doch: Sein Bubentraum wäre geplatzt. «Es fällt mir äusserst schwer, den Familienbetrieb aufzugeben», sagt er. Den Betrieb zu diversifizieren kann er sich nicht vorstellen, seine Passion ist die Milchproduktion. Er zuckt mit den Schultern: «Was würden Sie in meiner Situation machen?»  

Diese Reportage ist im Rahmen der Postcongress-Tour des ifaj-Kongresses 2018 in Holland entstanden.

Blockchain in der Frischelogistik

Sensoren messen die Luftfeuchtigkeit: Die Informationen könnten auch in der Blockchain gespeichert werden.

Mit der Blockchain-Technologie stösst die Rückverfolgbarkeit und Transparenz von Gemüse in neue Dimensionen vor. Was noch Zukunftsmusik ist, könnte bald Wirklichkeit werden und die Frischelogistik komplett umkrempeln. 

Wer erinnert sich noch an die Ehec-Krise im Jahr 2011? Als plötzlich über 3500 Menschen in Deutschland an Infektionen mit dem gefährlichen Darmkeim erkrankten und 53 gar daran starben? Es folgten damals Wochen der Unsicherheit: Plötzlich kaufte in der Schweiz niemand mehr Gurken, weil Gerüchte diese als mögliche Infektionsquellen ausmachten. Nach wochenlangen Recherchen identifizierten die Behörden schliesslich einen Deutschen Sprossenanbaubetrieb als vermeintliche Hauptquelle des gefürchteten Darmkeims. Bis heute bestehen allerdings grosse Zweifel, ob der Betrieb wirklich alleine am Ursprung der Krise stand. Nicht nur weil die fragliche Sprosse mit dem Keim zum damaligen Zeitpunkt gar nicht mehr existierte. Denn das Rückverfolgbarkeitssystem war schlicht zu langsam und offensichtlich mangelhaft. Mehr

Der Spargel füllt jetzt seine Akkus auf

Die jüngsten Spargelkulturen von Hans Amsler wachsen nicht so, wie sie sollten.

Üppiges grünes Kraut nach der Ernte entscheidet beim Spargel über den Erfolg im kommenden Frühling. Dafür braucht es ausreichend Dünger, Wärme und Wasser. Unkraut, Krankheiten und Schädlinge müssen frühzeitig bekämpft werden.

Geduld bringt Rosen – oder Spargel im Fall von Hans Amsler aus Bözen AG. Vor 11 Jahren setzte er erstmals 1,5 Hektaren Spargel in seinen lehmigen Boden im Fricktal. Experten würden dies als Hochrisiko bezeichnen, denn der Spargel bevorzugt gemäss Fachliteratur leichte Böden. Der Anfang sei dann auch schwierig gewesen, sagte Amsler. «Doch seit ein paar Jahren erzielen wir auf der Parzelle sensationelle Erträge». Er liefert heute den einzigen Grünspargel mit dem Jurapark-Label an Coop. Mehr

Intelligente Anbautechnik an der ÖGA

Präzisions-Zinkenstriegel mit elektronischer Zinkendruckverstellung von Treffler.

Der Gemüseanbau wird definitiv digital. Neue Technologien werden entwickelt oder Bewährtes wird nachgerüstet. An der ÖGA wurden Zukunftslösungen für eine effizientere Gemüseproduktion vorgestellt. 

Unkraut lässt sich auf vielfältige Arten bekämpfen. In den letzten Jahrzehnten waren Herbizide die effizienteste Lösung, doch deren Einsatz ist bekanntlich aus politischen Gründen umstritten und wird immer mehr eingeschränkt. An der 30. Ausgabe der ÖGA in Koppigen präsentierten einige Firmen alternative Unkrautbekämpfungsmethoden. Die Zasso Group aus Aachen (D) hängt am Traktor einen zapfwellenbetriebenen Stromgenerator an, der Strom fliesst über einen Applikator durch Blatt und Stiel und den Boden, die Pflanze wird zerstört. In Versuchen war die Methode wirksamer als Glyphosat. Das Interesse am Gerät sei gross, sagte Thomas Gennen von Zasso. Doch bisher bestehen erst Prototypen. Die Marktreife erwartet er im Jahr 2020. Mehr

Gemüse aus dem Container

Das in der Schweiz entwickelte greenmodul ermöglicht ganzjährige Ernten auf kleinstem Raum, unabhängig von Wetter und Boden.

Mit Salaten auf 8,4 m2 Fläche über 10‘000 Franken Erlös erzielen? Der Physiker Markus Glesser aus Schaffhausen ist überzeugt, dass dies möglich ist. Allerdings nicht mit dem herkömmlichen Anbau im Boden sondern in einem freistehenden Container, der mit intelligenter Technologie ausgestattet ist. Der Prototyp dieses Moduls steht zurzeit auf einem Parkplatz. Im letzten Jahr wuchsen darin auf fünf Etagen in kontrollierter Atmosphäre Salate in Metallrinnen, ohne Erde nur im Wasser, welches mit einer Mischung aus mineralischem und organischem Dünger angereichert wurde. LED-Lampen in verschiedenen Farbspektren versorgen die Salate mit dem nötigen Licht. Aber nicht nur: Über einen in der Schweiz und in der EU patentierten Spiegelschacht und Innenspiegel in der Mitte des Raumes werden die Pflanzen rundum mit Tageslicht versorgt. «Die LED-Lampen brennen nur in der Nacht und teilweise im Winter», erklärt Glesser. Der Unterschied zu anderen, bereits bestehenden ähnlichen Indoor-Anbausystemen liegt deshalb im bis zu 60 Prozent tieferen Energieverbrauch. Die Zahlen sind minutiös durchgerechnet. Demnach spart sein Modul wegen der Tageslichtnutzung in der 6-Meter-Version im Vergleich bis zu 7000 Franken Stromkosten pro Jahr ein. Damit kann man alle sieben Jahre ein zusätzliches Modul in dieser Grösse dazukaufen. Kosten pro Modul: 46000 Franken.

Schweizer Salate auch im Winter

Doch Glesser geht es nicht primär um Zahlen. Er hat eine Vision. Der Klimawandel bedroht einen Teil der Ernten. Deshalb sollten besonders sensible Kulturen besser in geschützter Atmosphäre und unter kontrollierten Bedingungen kultiviert werden und dies mit hundert Prozent Ertragsgarantie, findet er. Die dadurch freiwerdenden Ackerflächen könnten mit robusten und weniger intensiven Kulturen bewirtschaftet werden. Damit wird auch die Umwelt entlastet. Mit den Modulen entstünden völlig neue Produktionsflächen unabhängig vom bisherigen Agrarland, die ganzjährig und ressourcenschonend Ernten lieferten. Salate im Winter aus Spanien und die damit verbundenen Transporte könnten mit der dezentralen, ganzjährigen Produktion vor Ort vermieden werden.

Serienfertigung steht bevor

In den nächsten Wochen soll die greenmodul.ch gegründet werden. Obwohl bereits Investoren bereitstehen, fehlt es noch an Geld. Doch man sei auf gutem Weg, sagt Glesser. Die Produktionsstätte stünde bereit und man könne schnell mit der serienmässigen Fertigung der von ihm noch einmal optimierten Module in verschiedenen Grössen beginnen. Er ist überzeugt, dass sich die Produktion im greenmodul für die Bauern lohnt, auch weil sie darin im optimalen Fall beispielsweise bis zu 17 Salat-Ernten pro Jahr einfahren könnten. Interessierte können sich bei ihm melden.

www.greenmodul.ch