Eigenes Bewässerungswasser als Option

Immer mehr Obst- und Beerenproduzenten bauen auf eine eigene Wasserversorgung, um Kosten zu sparen und Anbaurisiken zu mindern. Als Pufferspeicher bieten sich Stahlsilos oder Teiche an.

Der Bewässerungsteich von Thomas Hungerbühler hat 6500 m3 Speichervolumen.

Als Obstproduzenten Thomas Hungerbühler in Egnach TG vor 12 Jahren die Kirschenproduktion ausweitete, war für ihn klar, dass er das dafür nötige Bewässerungswasser im eigenen Teich sammeln wollte. Er berechnete, dass sich das für ihn ab einem Wasserpreis vom öffentlichen Netz von 1.40 Franken pro Kubikmeter lohnt. Die Baubewilligung für den 6500 m3 fassenden Teich gleich neben dem Haus erhielt er damals noch ohne grössere Probleme. Gefüllt wird er mit Regenwasser von den Dächern der Gebäude, der Strasse sowie mit Drainagewasser. Der Teich ist 65 Meter lang, 24 Meter breit und 7,5 Meter tief. Auf der rund 30’000 Franken teuren Polyethylen-Folie legte Hungerbühler zusätzlich ein Vlies, um Beschädigungen durch äussere Einflüsse – beispielsweise Tiere – bei der Folie zu verhindern. Die deutsche Firma Hubertus Beutler Gmbh plante den Teich zusammen mit einer Baufirma aus der Region. Zum System gehört ein separater, betonierter Schacht für die Pumpe, in dem das Wasser immer gleich hoch wie im Teich steht. Gibt es Probleme mit der Pumpe, wird der Schieber unten im Teich geschlossen und die Reparaturarbeiten können problemlos ausgeführt werden. Erst kürzlich wurde auf diese Weise eine neue frequenzgesteuerte, energieeffizientere Pumpe eingebaut. Zwei Sandfilteranlagen reinigen das Wasser, bevor es in den von einem Schutzzaun umgebenen Teich fliesst. Insgesamt kosteten der Bau und die Planung der Anlage rund 160’000 Franken. Normalerweise reicht das Teichwasser problemlos. Doch im letzten in der Region sehr trockenen Jahr musste er Wasser aus dem Hydranten zukaufen. Deshalb bedauert Hungerbühler eigentlich nachträglich nur etwas: «Heute würde ich doppelt so gross bauen.»

Obstbauer Thomas Hungerbühler braucht das Bewässerungswasser aus dem Teich vor allem für die Kirschen.

Keine Fische im Teich

Zurzeit ist der Teich zu etwa zwei Dritteln gefüllt. «Zwei Tage Regen und er ist voll», sagt Hungerbühler. Was ihn ärgert sind die Algen im Wasser. Normalerweise gilt bei Teichen die Faustregel, dass es mindestens 1000m3 Volumen und vier Meter Tiefe braucht, damit das Wasser «gesund» bleibt. Seit bei ihm über die Drainagen Gülle von einem Nachbarbetrieb in den Teich floss, bringt er die Trübung im Wasser nicht mehr weg. Bei ihm spielt das glücklicherweise weniger eine Rolle, weil das Wasser über die Tropfschläuche an die Wurzel der Bäume gebracht wird und nicht direkt an die Pflanzen. Bewässerungsfachmann Kurt Waldis von Waldis Swiss AG empfiehlt, möglichst nur niedrige Pflanzen auf den Dämmen zu pflanzen, um Laubeintrag zu verhindern sowie auf Fische im Teich zu verzichten, um eine gute Wasserqualität zu halten. Allerdings werde es heute immer schwieriger, einen funktionellen Bewässerungsteich mitten in die Landschaft zu bauen, einfacher sei es gleich neben den Betriebs- oder Wohngebäuden. Die Auflagen der Bewilligungsbehörden würden immer strenger. Waldis staunt über die Ideen, die dort jeweils geäussert werden. Beispielsweise, dass der Teich keine gerade Linie aufweisen darf oder ohne Damm auskommen muss. Doch dann lohne sich das nicht mehr: «Wenn Aushub kostenpflichtig entsorgt werden muss, anstatt ihn gleich für den Damm zu verwenden, wird das Ganze zu teuer.» Die Bewilligungspraxis sei aber kantonal sehr unterschiedlich und es brauche manchmal viel Geduld und Nerven, sagt Waldis.

Silo am Hang

Markus Glauser sichert sich mit zwei Bewässerungssilos gegen trockene Phasen im Sommer ab.

Etwas einfacher haben es hier weniger fix verbaute Stahlsilos, von denen Waldis in den letzten Jahren einige verkauft hat. Der Aufbau sei normalerweise einfach und deshalb auch gut kalkulierbar: «Der Humus wird bis eine Tiefe von rund 80 cm abgeführt, verdichtet und mit Gartenplatten ausgestattet, auf die das Silo nachher zu stehen kommt.» Etwas aufwändiger war es bei Beerenproduzent Markus Glauser in Aesch LU, wo zwei Stahlsilos à je 805 m3 Speicherkapazität in den Hang eingefügt sind. Die Baubewilligung erhielt er aber ohne Probleme. Letztlich profitiert ja die Gemeinde, weil durch den Puffer in den Sommermonaten das lokale Wassernetz entlastet wird. Die in den letzten Jahren zunehmenden Trockenphasen waren der Grund, weshalb Glauser im Jahr 2014 rund 40’000 Franken in die beiden Stahlsilos investierte. «Früher war das Wasser hier nie ein Problem», sagt er. Nun ist Knappheit zum Risiko geworden. Um dieses zu mindern, fliesst nun in den Wintermonaten Wasser aus der eigenen Quelle und aus dem Wassernetz von der Gemeinde – zu einem tieferen Winterpreis – in die beiden riesigen Behälter bis sie voll sind. Damit ist die Wasserversorgung in den intensiven Produktionsmonaten gesichert.

Kurt Waldis

Wann lohnt sich ein Wasserspeicher?

Weshalb teuer Wasser vom Hydranten beziehen, wenn eigentlich genug eigenes Wasser für die Bewässerung vorhanden wäre? «Liegt der Wasserpreis vom Netz über einem Franken pro Kubikmeter, lohnt es sich, Gedanken über eine eigene Wasserversorgung zu machen», sagt Bewässerungsexperte Kurt Waldis. Diese verhilft zusätzlich zu mehr Versorgungssicherheit in Zeiten, wenn das Wasser knapp wird. «Ein Dach mit 1000 Quadratmeter Fläche bei einem Jahresniederschlag von 1000 Milliliter gibt 1000 Kubikmeter Wasser», rechnet Bewässerungsexperte Kurt Waldis aus Romanshorn vor. Sind weitere Gebäude, Plätze, Strassen, Drainagewasser oder ein kleiner Bach vorhanden, dränge sich eine eigene Speicherlösung schnell einmal auf. «Ab einer Grösse von 1000 m3 bringt ein Speicher etwas», sagt Waldis. Deren Grösse und Machbarkeit seien schliesslich aber abhängig vom Wasserbedarf, von vorhandenen Zuflüssen und vom Platzangebot. Häufiger entscheiden sich die Obstproduzenten für den Stahlsilo, der mit einem Speichervolumen von 1000 m3 fertig montiert rund 30’000 Franken kostet. Je höher der Wasserpreis desto schneller ist eine Anlage amortisiert. Meistens ist das nach wenigen Jahren der Fall. Ein Teich lohnt sich, wenn es viel Bewässerungswasser braucht, Wasser grundsätzlich knapp ist sowie genug Platz und eine Baubewilligung vorhanden sind.

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