Forellen aus dem Bio-Teich (HandelsZeitung, 3. Juli 2002)

Bio-Forellen sind ein seltener Genuss: In der Schweiz existieren nur zwei Fischzuchten, wo die Fisch in kiesigen Teichen schwimmen und länger leben dürfen. Verkauft werden sie mit dem Knospen-Label von Bio Suisse.Die meisten Schweizer Forellen, die auf den Tellern landen, stammen aus Fischzuchtanlagen und nicht etwa aus wildlebenden Beständen in Seen oder Bächen, wovon viele Fischliebhaber irrtümlicherweise ausgehen. Die sogenannten Aquakulturen funktionieren Bioforellenzucht Nadlernach den Grundprinzipien eines Bauernhofs. Auf der Anlage werden Eier befruchtet und ausgebrütet, die kleinen Fische aufgezogen und schliesslich bis zur Schlachtreife gemästet. An Stelle der weidenden Mutterkühe schwimmen eben Mutterfische in Teichen. Die Massenproduktion von Fischen ist aber problematisch. Krankheiten verbreiten sich in zu dichten Beständen rasant. Die Fische werden dann krankheitsanfällig und müssen häufiger mit Medikamenten behandelt werden. Die Folge sind
hohe Gehalte beispielsweise an Malachitgrün, ein oft verwendetes Mittel gegen Parasiten und Pilze, und anderen Arzneimitteln in den Fischgeweben. In biologischen Zuchten leben die Fische gesünder und profitieren in den Teichanlagen von mehr Raum und Abwechslung.

Bio-Forellen leben länger und sind gesünder

Wenn August Nadler am Dienstag Morgen seine Kisten mit den Regenbogen-Forellen in der Coop-Verteilzentrale in Basel abliefert, dann haben diese ein glückliches Fischleben hinter sich. Sie durften in natürlichen Kanälen mit Kiesunterlage aufwachsen, lebten mindestens 18 Monate und mussten nicht zusammengepfercht mit anderen Artgenossen um das Überleben kämpfen. Angst haben mussten sie höchstens vor den Schnäbeln gieriger Fischreiher. Seit bald einem Jahr bewirtschaftet August Nadler seine Fischzuchtanlage nach den Richtlinien des biologischen Landbaus. Diese schreiben u.a. tiefere Tierzahlen pro Kubikmeter vor als konventionelle Betriebe. Bei der biologischen Fischzucht in Rohr darf Antibiotika wie bei den Biobauernkollegen nur in ganz bestimmten Fällen zur Behandlung von Krankheiten angewendet werden. Präventive Gaben zur Wachstumsförderung sind verboten. Als Futter erhalten die Bio-Forellen dafür eine reichhaltige von Bio Suisse zertifizierte Mischung, die auch Fischbestandteile enthält, denn Forellen sind von Natur aus Fleischfresser. Dank der längeren Lebenszeit von mindestens 18 Monaten und dem tieferem Fettgehalt im Futter ist das Fleisch der Nadler-Forellen fester und schmackhafter als das aus den konventionellen Zuchten.

Von anderen Züchtern belächelt

Da August Nadler schon immer natürliche Kanäle mit relativ tiefe Besatzdichten bewirtschaftete, waren die notwendigen Anpassungen nicht allzu gravierend. “Weil die Qualität schon immer im Vordergrund stand, durften meine Fische schon immer länger und in grosszügigeren Anlagen leben,” erklärt der Biofischpionier. Mit der erst seit kurzem möglichen biologischen Bewirtschaftung sah er eine willkommene Gelegenheit gekommen, sich zusätzlich von der Konkurrenz abzugrenzen. Zusammen mit der Fischzucht am Blausee (www.blausee.ch) war Nadler der erste in der Schweiz, der Bio-Forellen erzeugte. Von anderen Züchtern wird er oft belächelt und als Spinner bezeichnet. “Der Neid ist das schönste Kompliment”, nimmt August Nadler solche Äusserungen gelassen zur Kenntnis. Absatzprobleme kennt er nämlich nicht. Er rechnet in Zukunft aber nicht mit einem Boom in der einheimischen Fischproduktion. Die Zucht sei äusserst anspruchsvoll und erfordere sehr spezifische äussere Gegebenheiten. Für die erfolgreiche Fischzucht sind sauberes und vor allem frisches Wasser in grossen Mengen nötig, was laut Nadler nur an ganz wenigen Orten gegeben sei. Die für die Bio-Zertifizierung zuständige Firma bio inspecta rechnet bis Ende Jahr trotzdem mit bis zu sechs zusätzlichen Fischzuchten, die ihren Betrieb umstellen.

Eine Million Forellen-Eier pro Jahr

Der Lebenskreislauf von Forellen ist in den Teichen von August Nadler gewährleistet. Er hält Elterntiere, die Eier und Samen liefern. In der Brutanlage werden jährlich rund 1 Million Eier von 700’000 Bachforellen und 300’000 Regenbogenforellen ausgebrütet. In Becken wachsen sie dann heran, ehe sie in die Gewässer gebracht werden. Der grösste Teil der Bachforellen wird als kleine Besatzfische in Bächen und Flüssen ausgesetzt. Die Regenbogen-Forellen bleiben und werden bei Erreichen der Schlachtreife an Hotels, Restaurants oder den Grossverteiler Coop geliefert. Immer häufiger kommen die Leute direkt auf den Hof, Qualität spricht sich eben herum.

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