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Wegweisender Bundesgerichtsentscheid  

Gewächshausgemüse galt lange als nicht landwirtschaftliches Produkt ohne Grenzschutz. Erst eine Beschwerde vor Bundesgericht brachte vor 50 Jahren die Wende. An einem Anlass feierte die Branche den wegweisenden Entscheid von damals.

Es waren strube Zeiten für die Gemüsebranche nach dem Zweiten Weltkrieg: Nach den Boomjahren folgte der Katzenjammer mit der Überflutung mit billigem Importgemüse. Erst die mit der Verabschiedung des Landwirtschaftsgesetzes im Jahr 1952 eingeführte Importregelung brachte den Grenzschutz, welcher den Gemüsebetrieben wieder Profite ermöglichte. Allerdings gab es einen groben Schönheitsfehler: Denn vom Schutz waren die Gemüse aus den Gewächshäusern explizit ausgenommen. Die Gründe dafür waren fadenscheinig. Nichtsdestotrotz lehnten in Bundesbern vier Bundesräte 20 Jahre lang alle Gesuche und Begehren zur Aufhebung der Diskriminierung der Gewächshausproduktion ab. Mit der Ausarbeitung der Raumplanungsgesetzgebung drohte noch mehr Ungemach, so sah diese ernsthaft die Verbannung der Gewächshäuser in die Industrie- und Gewerbezonen vor.

Geistesblitz des Verbandsdirektors

Doch dann, im Jahr 1974, hatte Fredi Schwab einen Geistesblitz. Der frisch gewählte Direktor des Verbandes Schweizer Gemüseproduzenten (VSGP) schlug dem Leitenden Ausschuss (LA) vor, den Rechtsweg über das Bundesgericht zur Klärung der Sachlage zu beschreiten. Sogar gegen den Widerstand des Schweizer Bauernverbandes reichte der VSGP im Januar 1976 die Verwaltungsbeschwerde beim Bundesgericht ein. Ein halbes Jahr später entschied das Bundesgericht, dass in beheizten Gewächshäusern erzeugtes Gemüse fortan als landwirtschaftliches Produkt im Sinne des Landwirtschaftsgesetzes gelten muss. Seitdem gilt die Importregelung auch für Tomaten & Co. 

VSGP-Direktor Matija Nuic, GVBF-Präsidentin Katja Riem, Ex-VSGP-Direktor Fredi Schwab und
Gemüsegärtner Beat Bösiger sprachen über den Gewächshausanbau von gestern und morgen.

Feierlicher Anlass zum Jubiläum

50 Jahre später schaute Fredi Schwab in Niederbipp an einem vom VSGP und der Gemüseproduzenten-Vereinigung der Kantone Bern und Freiburg (GVBF) Ende Februar organisierten feierlichen Anlass auf die denkwürdigen Tage zurück. Der Ort war nicht zufällig gewählt, wie der Blick aus dem Veranstaltungsraum durch die Fensterfront auf die Dächer der Gewächshäuser der Bösiger Gemüsekulturen AG zeigt. Das alles wäre ohne den Bundesgerichtsentscheid vor 50 Jahren in dieser Form nicht möglich gewesen. Die in Niederbipp servierten Snackgurken und Datteltomaten kamen so früh in der Saison bereits aus eigener Ernte. Und das dank der Nutzung der Abwärme aus einem benachbarten Industriebetrieb komplett ohne fossile Energien, erklärt Beat Bösiger auf dem Betriebsrundgang. Heute kämpft die Gewächshausgemüseproduktion an anderen Fronten als damals. Die hohen Anforderungen der Abnehmer, zunehmende Regulierung und Bürokratie oder vor allem die zweite Etappe der Revision des Raumplanungsgesetzes (RPG2) bereiten den Gewächshausproduzenten Sorgen.

 

Beat Bösiger präsentierte auf dem Betriebsrundgang Gemüse aus der aktuellen Produktion.

Investitionen einpreisen

Der aktuelle VSGP-Direktor Matija Nuic dankte seinem Vorgänger noch einmal für seinen damaligen Mut. «Ohne diesen wären wir vielleicht heute nicht hier in Niederbipp.  Anstatt eines Gewächshauses würde hier möglicherweise ein Industriebetrieb stehen», sagte er vor den zahlreichen geladenen Gästen. An zu lösenden Herausforderungen fehle es dem Verband weiterhin nicht. Nuic erwähnt die Vorwärtsstrategie beim Energieverbrauch bei den Gewächshäusern, bei welcher sich die Branche verpflichtet hat, bis 2030 die fossilen Energien um 80 Prozent zu reduzieren. Er wies aber gleichzeitig darauf hin, dass die in diesem Zusammenhang getätigten hohen Investitionen, auch im Preis des Endproduktes berücksichtigt werden müssten. 

Bei allen Herausforderungen stand an diesem Tag aber das Feiern im Vordergrund. Die Gäste stiessen am Apero auf Fredi Schwab an, der mit seiner «alten Gemüse Garde» das Geschehen in der Gemüsebranche immer noch sehr aktiv mitverfolgt. 

Veröffentlicht in Blog

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