Mulchfolien müssen in den Boden

Fetzen von biologisch abbaubaren Mulchfolien an Uferböschungen oder im Heu sorgen zunehmend für Diskussionen. Diese wären hinfällig, wenn die Folien «richtig» in den Boden eingearbeitet würden.

Gemüsesetzlinge werden direkt in die biologisch abbaubare Mulchfolie gesetzt.

Gerade während des Corona-Lockdowns im Frühling waren in der Schweiz besonders viele Spaziergänger im Land unterwegs. Ob ein direkter Zusammenhang besteht, ist zwar nicht erwiesen, doch offenbar gingen auf den Amtsstellen auch in dieser Zeit vermehrt Reklamationen über Mulchfolienfetzen in der Landschaft ein. Manchmal verfrachtet der Wind sie zu Uferböschungen an Gewässern, wo sie besonders negativ auffallen. Die seit ein paar Jahren zunehmende «Verplastifizierung» der Äcker droht so zu einem neuen Problemfeld in der sowieso schon schwierigen Kommunikation zwischen Landwirtschaft und Bevölkerung zu werden. Dabei lösen gerade die Mulchfolien einige Probleme, welche zurzeit in der Öffentlichkeit besonders viel zu reden geben. Zum Beispiel den umstrittenen Einsatz von Herbiziden. Denn unter den Mulchfolien entwickelt sich wegen dem fehlenden Licht viel weniger Unkraut. Weil weniger Wasser verdunstet, sinkt der Bewässerungsaufwand, weniger Nährstoffe werden ausgewaschen und die Bodenfeuchte hält länger an. Auch das Erosionsrisiko wird vermindert. Zu guter Letzt bleiben die Pflanzen sauberer und sind weniger von Fäulnis befallen. Viele Vorteile also, die am Ende des Tages zu höheren Erträgen führen.   Mehr

Schweizer Himbeeren spüren Corona-Effekt

Weil mehr Leute ihre Sommerferien in der Schweiz verbringen, werden mehr Himbeeren nachgefragt. Das freut Beerenproduzenten wie Adrian Geissmann in Altwis LU. Besonders zu schaffen macht ihm aber in diesem Jahr dafür die Kirschessigfliege.

Adrian Geissmann kultiviert in Altwis LU 5000 Himbeerensträuche. 

Auf ein Gewitter nach der Sommerhitze reagieren die Himbeeren jeweils am nächsten Tag prompt mit einem Reifeschub. Für Beerenproduzent Adrian Geissmann in Altwis LU heisst es dann: Mehr Leute für die Ernte einplanen und seinem Abnehmer eine höhere Tagesernte melden. Der Abkühlungs-Effekt ist unter den Anbauern bekannt. Vom Regen bleiben die heiklen Früchtchen dank dem Regendach aber verschont. «Ohne diesen Schutz funktioniert der moderne Himbeeren-Anbau gar nicht mehr», erklärt er. Drei Viertel der in der Schweiz professionell kultivierten Himbeeren stehen deshalb geschützt unter einer Schutzfolie. Himbeeren sind beliebt: Der Schweizer Obstverband (SOV) meldete einen Anstieg des Konsums um beachtliche 22 Prozent im letzten Jahr. Damit fiel das Wachstum deutlich höher aus als bei der Erdbeere, die aber in der Schweiz weiterhin klar die Nummer eins unter den Beeren bleibt. Eigentlich müsste man bei den Himbeeren aber trotzdem schon fast von einem Boom sprechen. Doch vom zusätzlichen Absatz profitieren in erster Linie spanische Produzenten. Sie «fluten» den Markt jeweils bereits vor dem Start der Schweizer Beerensaison mit günstiger Ware, ganz zur Freude der preissensiblen Kundschaft. Während der Schweizer Ernte werden ausländische Himbeeren mit einem hohen Einfuhrzoll belegt, um die kostenintensivere einheimische Produktion wie bei den Geissmanns zu schützen. Mehr

Gewächshaus: Wärmepumpe für die Grundlast

Gemüsegärter Markus Schildknecht deckt rund 20 Prozent der Grundlast mit einer Grundwasserwärmepumpe ab.

Gewächshäuser sollen künftig ohne fossile Brennstoffe geheizt werden. Eine zurzeit noch wenig verwendete technische Ersatzlösung wären Wärmepumpen. Entscheidend ist, ob eine mögliche Wärmequelle zur Verfügung steht.

Anbieter und Planer von Gewächshausheizsystemen haben zurzeit besonders viel zu tun. Bis in ein paar Jahren sollen fossile Energieträger hier keine tragende Rolle mehr spielen, so wollen es Abnehmer und die Politik. Besonders hoch im Kurs als Ersatz für Öl und Diesel steht dabei Holz. Wärmepumpen spielen in den Überlegungen der Gemüsegärtner bis jetzt noch eher eine untergeordnete Rolle, obwohl sie zumindest einen Teil der Energiegrundlast durchaus sinnvoll abdecken könnten, dank dem Schweizer Strommix weitgehend CO2-frei. Anteile von 15 bis im besten Fall 65 Prozent als Grundlast sind realistisch. Die Investitionskosten für eine Wärmepumpe sind höher als bei bisherigen fossilen Lösungen aber tiefer als bei Holz. Die Betriebskosten sind unter anderem abhängig vom Strompreis. Mehr

Dank Klimaführung im Gewächshaus mehr ernten

Die Klimasteuerung im Gewächshaus kann immer ausgeklügeltere Messdaten verarbeiten. Interessante Optimierungsmöglichkeiten bietet die Verwendung des noch wenig bekannten Wertes Vapor Pressure Deficites (VPD).

Eine Infrarotkamera misst die Temperatur an der Blattoberfläche.

Zu viel Feuchtigkeit im Gewächshaus ist für die Kultur nicht gut, zu wenig aber auch nicht. Damit sich eine Kulturpflanze im Gewächshaus gut entwickelt, muss unter anderem ihre Verdunstungsfähigkeit gewährleistet sein. Welche Luftfeuchtigkeit ist in welchem Moment dafür die richtige? Immer noch bilden Lufttemperatur und die relative Feuchtigkeit die wichtigsten Parameter zur Steuerung des optimalen Klimas im Gewächshaus. Dazu kommt eine gehörige Portion Erfahrungswert des Gemüsegärtners sowie sein Bauchgefühl. Das Ganze ist immer auch ein bisschen Glücksache, vor allem bei schwierigen äusseren Bedingungen wie Regen oder Nebel sowie minimalen Temperaturunterschieden im Vergleich zur Temperatur im Gewächshaus. Mittlerweile stehen immer mehr Geräte mit zuverlässigen Sensoren zur Verfügung, die den Gewächshausbetreibern künftig bessere Entscheidungsgrundlagen liefern werden.  Mehr

Geld für CO2-Einsparung in Gewächshäusern

Die Gewächshausbranche einigte sich mit beteiligten Partnern auf eine gemeinsame Energiestrategie. Bis 2040 sollen 100 Prozent der fossilen Energieträger ersetzt werden. Ein Kompensationsprogramm hilft bei der Finanzierung der Anlagen.

Spätestens ab 2040 sollen keine fossilen Brennstoffe mehr für Gewächshausgemüse eingesetzt werden.

Eigentlich hat die Gewächshausbranche ihre Hausaufgaben in den letzten Jahren gemacht: Seit 2002 konnte sie den CO2-Ausstoss dank vielen Massnahmen um 35 Prozent pro Hektare senken. Doch es bleibt keine Zeit, um sich auf diesen Lorbeeren auszuruhen, bereits werden deutlich höhere Ziele angestrebt. Bis 2040 sollen Schweizer Gewächshäuser komplett ohne fossile Brennstoffe beheizt werden, inklusiv Abdeckung der Spitzenlast und CO2-Düngung. Die beteiligten Branchen haben sich auf Initiative des Verbandes Schweizer Gemüseproduzenten (VSGP) auf eine entsprechende und von EnergieSchweiz unterstützte gemeinsame Energiestrategie geeinigt. Als Zwischenetappe soll der Anteil von erneuerbaren Energien und Abwärme zur Abdeckung der Grundlast und für das Trockenheizen 80 Prozent betragen. «Schon die erste Etappe ist anspruchsvoll», sagt Martin Steiger von DM Energieberatung AG, der die Arbeitsgruppe fachlich beratet. Die Aufteilung in zwei Etappen soll den Gemüsegärtnern genug Anpassungszeit lassen. Besonders herausfordernd ist bekanntlich die Abdeckung der Spitzenlast ganz ohne fossile Brennstoffe. «Um dieses derzeit sehr teure und in manchen Fällen auch technisch schwierige Problem zu lösen bleiben den Gewächshausbetreibern dank der Strategie bis 2040 weitere zehn Jahre», erklärt Steiger. Migros-Lieferanten müssen dieses allerdings bereits bis 2026 lösen, weil der Grossverteiler entschieden hat, ab dann – trotz Branchenstrategie – nur noch Schweizer Gemüse aus komplett fossilfreien beheizten Gewächshäusern zu verkaufen.  Mehr

Schlägt nun die Stunde der Blühstreifen?

Spezielle Blumenwiesen als Bienenweide und Nützlingsreservoir sind noch wenig verbreitet. Dank der AP22+ könnten einjährige Blühstreifen aber gerade für Ackerbaubetriebe an Bedeutung gewinnen.

Landwirt Kurt Stettler legt seit mehreren Jahren Blühstreifen an.

Brutstätten für Schädlinge und Unkraut, dazu viel Aufwand für nichts: Die Begeisterung der Landwirte für Blühstreifen hält sich bisher in Grenzen. In den Grafiken der beitragsberechtigten Biodiversitätsförderflächen (BFF) werden sie denn auch nur bei einer hohen Auflösung überhaupt sichtbar. Gerade einmal 134 Hektaren waren es offiziell im Jahr 2018, Peanuts im Vergleich zu den über 67’000 Hektaren extensiven Wiesen, die sich im gleichen Fördertopf befinden. Hans Ramseier von der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) beschäftigt sich seit Jahren mit Blühstreifen und kennt die Gründe, weshalb diese bisher kaum über ein Mauerblümchendasein herauskommen. Die Beiträge seien mit 2500 Franken pro Hektare abzüglich der Saatgutkosten von mindestens 600 Franken nicht attraktiv. «Selbst mit Gerste oder Mais verdient man mehr.» Umfragen bei Landwirten, die mit Blühstreifen wieder aufgehört haben, hätten die mangelnde Rentabilität als Hauptgrund genannt, sagt der Forscher. Gemäss Direktzahlungsverordnung darf ein Betrieb zwar mehrere Blühstreifen anlegen, diese dürfen aber nicht grösser als 50 Aren sein. Deshalb beträgt die durchschnittliche Grösse eines Blühstreifens auf einem Betrieb bloss 20 Aren. Der Arbeitsaufwand pro Quadratmeter ist letztlich auch deshalb nicht ganz ohne. Mehr

Gesponserte Bienenweide

Blühstreifen sind ideale Brücken zur ausserlandwirtschaftlichen Bevölkerung. Aline Gerber machte daraus sogar ein Geschäftsmodell.

Fünf Franken pro Quadratmeter Fläche für eine Blühwiese. Von solchen Erlösen können die Bauern im Normalfall nur träumen. Das gilt eigentlich auch für Bäuerin Aline Gerber vom Hof am Stutz in Kaufdorf BE. Bei ihrem Weizen, Mais oder Kabis sind sie und ihr Partner Christoph Messerli denn auch weit davon entfernt. Doch bei der Bienenweide ist es eben etwas anders. Seit zwei Jahren verkaufen sie diese Quadratmeterweise an die Bevölkerung. Und das mit einigem Erfolg. Rund 110 Bienenfreundinnen und -freunde liessen sich in diesem Jahr für das Projekt begeistern. Ein Drittel des ca. 50 Aren grossen Blühstreifens wurde in diesem so unterstützt. Doch Aline Gerber winkt ab: «Wer nun meint, dass man hier das schnelle Geld verdient, den muss ich enttäuschen.» Die Betreuung des Projektes sei ziemlich zeitaufwändig und kein Selbstläufer. Potentielle Bienenfreunde müssten jedes Jahr neu über Inserate und Medienarbeit rekrutiert werden. «Vom letzten Jahr machten nur die Hälfte wieder mit». Trotzdem konnte die Fläche in diesem Jahr ausgeweitet werden. Rechnungen müssen dann verschickt und die Zahlungseingänge im Blick gehalten werden. Und mit der Aussaat der offiziellen Bestäuber-Grundversion mit 17 verschiedenen Arten ist es noch längstens nicht erledigt. Mehr

Kirschen im XL-Format

Die modernen Kirschbaum-Anlagen sind jetzt während der Ernte dicht eingehüllt in Hagel- und Insektenschutznetze und von Regendächern geschützt. Doch gerade deshalb ist der Anbau weniger intensiv als man denkt. Kirschenproduzent Thomas Hungerbühler arbeitet sogar gezielt mit Wildbienen.

Thomas Hungerbühler bewirtschaftet rund 11 Hektaren mit Kirschen.

Kirschen haben in den letzten Jahren deutlich an Volumen zugelegt. Das heisst: Weniger Stein und mehr Fruchtfleisch. Bei der Kundschaft kommt das gut an. Im Detailhandel werden eigentlich nur noch solche Premiumkirschen angeboten. Leidtragende sind die traditionellen Hochstammbäume, die manchen Landschaften in der Schweiz beispielsweise in Basel-Landschaft immer noch ihren Stempel aufdrücken. Ihre kleinkalibrigen Kirschen landen heute vornehmlich in Brennereien zur Schnapsproduktion. Die Tafelkirschen für den Frischkonsum hingegen wachsen in modernen Anlagen mit niederstämmigen Bäumen. Blühende Kirschbäume in hügeliger Landschaft contra in Netze eingehüllte Intensivanlagen? Die Sympathiepunkte gehen beim breiten Publikum spontan wohl an erstere. Doch spätestens im Ladenregal ist der Fall dann nicht mehr so klar, wenn man vor dem Kistli mit den prächtigen Kirschen steht. Diese entwickeln sich so nur in modernen Anlagen, zu denen man normalerweise keinen direkten Zutritt hat. Ausser der Obstproduzent nimmt sich Zeit für eine Führung. Und diese ist voll von Überraschungen. Mehr

Eigenes Bewässerungswasser als Option

Immer mehr Obst- und Beerenproduzenten bauen auf eine eigene Wasserversorgung, um Kosten zu sparen und Anbaurisiken zu mindern. Als Pufferspeicher bieten sich Stahlsilos oder Teiche an.

Der Bewässerungsteich von Thomas Hungerbühler hat 6500 m3 Speichervolumen.

Als Obstproduzenten Thomas Hungerbühler in Egnach TG vor 12 Jahren die Kirschenproduktion ausweitete, war für ihn klar, dass er das dafür nötige Bewässerungswasser im eigenen Teich sammeln wollte. Er berechnete, dass sich das für ihn ab einem Wasserpreis vom öffentlichen Netz von 1.40 Franken pro Kubikmeter lohnt. Die Baubewilligung für den 6500 m3 fassenden Teich gleich neben dem Haus erhielt er damals noch ohne grössere Probleme. Gefüllt wird er mit Regenwasser von den Dächern der Gebäude, der Strasse sowie mit Drainagewasser. Der Teich ist 65 Meter lang, 24 Meter breit und 7,5 Meter tief. Auf der rund 30’000 Franken teuren Polyethylen-Folie legte Hungerbühler zusätzlich ein Vlies, um Beschädigungen durch äussere Einflüsse – beispielsweise Tiere – bei der Folie zu verhindern. Die deutsche Firma Hubertus Beutler Gmbh plante den Teich zusammen mit einer Baufirma aus der Region. Zum System gehört ein separater, betonierter Schacht für die Pumpe, in dem das Wasser immer gleich hoch wie im Teich steht. Gibt es Probleme mit der Pumpe, wird der Schieber unten im Teich geschlossen und die Reparaturarbeiten können problemlos ausgeführt werden. Erst kürzlich wurde auf diese Weise eine neue frequenzgesteuerte, energieeffizientere Pumpe eingebaut. Zwei Sandfilteranlagen reinigen das Wasser, bevor es in den von einem Schutzzaun umgebenen Teich fliesst. Insgesamt kosteten der Bau und die Planung der Anlage rund 160’000 Franken. Normalerweise reicht das Teichwasser problemlos. Doch im letzten in der Region sehr trockenen Jahr musste er Wasser aus dem Hydranten zukaufen. Deshalb bedauert Hungerbühler eigentlich nachträglich nur etwas: «Heute würde ich doppelt so gross bauen.» Mehr

Tragen von Gurten soll Routine werden

Viele Gemüsegärtner reagieren überrascht, wenn man sie auf die Gurttragpflicht in landwirtschaftlichen Fahrzeugen anspricht. Eine Sensibilisierungs-Kampagne soll nun dafür sorgen, dass die Gurten überall auf dem Betrieb getragen werden.

Ein Traktor tuckert mit der Setzmaschine im Schritttempo auf dem Gemüseacker herum. Eigentlich kam hier bisher niemand ernsthaft auf die Idee, Sicherheitsgurten umzuschnallen. Doch genau dies sollte der Fahrer oder die Fahrerin künftig eben auch bei langsamen Fahrten tun, findet Thomas Frey von der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL). «Damit soll in der Landwirtschaft eine Routine beim Gurttragen erreicht werden, ähnlich wie es im Auto schon längstens der Fall ist», erklärt er. Mit der Anfang Jahr unter der Schirmherrschaft des Schweizer Bauernverbandes (SBV) gestarteten Kampagne «Schon geschnallt?» arbeitet die BUL daran, dass der Griff zu Sicherheitsgurten auch in Landwirtschaftlichen Fahrzeugen zur Normalität wird. «Damit können wir Leben retten», sagt Frey. Zwar nicht unbedingt beim Selleriepflanzen aber beispielsweise auf öffentlichen Strassen, wo es immer wieder zu tödlichen Unfällen kommt, bei denen nicht angegurtete Fahrer aus der Kabine geschleudert und vom Fahrzeug erdrückt werden. Die Idee der Kampagne: Nur wenn das Gurttragen so normal wie das Zähneputzen wird, steigt die Tragdisziplin in landwirtschaftlichen Fahrzeugen.  Mehr