Wetter-Ereignisse besser versichern

Anbaurisiken werden immer schwieriger zu managen. Eine Möglichkeit bieten hier indexbasierte Versicherungen. Versicherungsgeld gibt es dabei sofort nach Eintritt des negativen Wetterereignisses – ohne Schadenaufnahme.

Wetterstation.
Wetterstationen übermitteln Daten automatisch an den Versicherer.

Das Klima ändert sich: Fröste kommen häufiger vor, Niederschläge bleiben aus oder kommen geballt auf einmal. Die Obstproduzenten haben in den letzten Jahren bereits auf die neuen Umstände reagiert. Oft mit technischen Lösungen wie Bewässerungssystemen, Wasserspeichern, Hagelschutznetzen oder Regendächern beispielsweise. Doch die Risiken werden vermehrt auch administrativ optimiert – mit dem Abschluss von Versicherungen. Die Schweizer Hagel bietet seit drei Jahren eine Frostzusatzversicherung an. In diesem Jahr schlossen Schweizer Obstproduzenten dabei über 150 Verträge ab, mit einer Versicherungssumme von 8,5 Millionen Franken. «Die bezahlte Schadensumme der letzten drei Jahre liegt 1,6 Mal höher als die Prämieneinnahmen», sagt Sprecherin Esther Böhler. Das sei ein Hinweis darauf, dass für die langfristige Tragbarkeit mehr Versicherte und möglicherweise eine Überprüfung der Deckung notwendig sei. Allerdings: Die Tragbarkeit der Prämie gibt bei den Versicherten schon jetzt viel zu reden. Mehr

Mit dem Mobiltelefon durchs Agrarmuseum

Das Agrarmuseum geht in einer komplett neuen Ausstellungshalle ins digitale Zeitalter und wird Teil der neu konzipierten Lern- und Erlebniswelt Burgrain. Diese soll zum Schweizer Zentrum für die Wissensvermittlung von nachhaltiger Landwirtschaft werden.

Beatrice Limacher vor der Visualisierung des künftigen neuen Agrarmuseums und dem Rohbau in Alberswil LU dahinter.

Das Agrarmuseum Burgrain macht zum letzten Mal Winterpause. Schwierige Monate liegen hinter ihm, erst im Juli öffnete es wegen Corona wieder seine Türen, mit einem stark abgespeckten Programm. «Die Umsatzeinbussen betragen über 50 Prozent», sagt Museumsleiterin Beatrice Limacher. Trotzdem ist sie guter Dinge. Es herrscht sogar regelrecht Aufbruchsstimmung in Alberswil LU. Denn ab dem nächsten Frühling wird das Museum nicht mehr wiederzuerkennen und ganzjährig geöffnet sein. Die Ausstellung wird total neu konzipiert und das Museum bezieht Räumlichkeiten in einem Gebäude, das zurzeit gleich nebenan erstellt wird. Es mietet sich im Obergeschoss auf 1800 Quadratmeter Fläche bei der regionalen Bio-Vermarktungsplattform RegioFair ein, die dort zurzeit ihr neues Logistikzentrum zu Ende baut. Mehr

Wohl oder übel mit dem Biber leben

Biber sorgen seit ein paar Jahren zunehmend für Schäden an Strassen und landwirtschaftlichen Kulturen. Manchmal verstösst er sogar gegen geltendes Recht. Im Aargauer Reusstal haben Bauern und Biber Wege der Koexistenz gefunden.

Biber können grosse Schäden anrichten, wie hier an der Aare in Aarau.

Er ist fleissig, hartnäckig und ausdauernd. «Wenn der Biber ein Mensch wäre, würde ich ihn sofort anstellen», sagt ein Landwirt, der hier nicht mit Namen genannt werden möchte. Vor ein paar Jahren hatte sich bei ihm im kleinen Bach, der mitten durch seine Parzellen führt, erstmals eine Biberfamilie eingerichtet. Es folgte das in diesem Fall oft übliche, unschöne Programm: Der Traktor bricht auf einer Strasse über einem bibergemachten Hohlraum ein, Parzellen vernässen knietief, gefällte Bäume fallen in den Bewässerungsteich und letztlich verköstigt sich der Biber auch an den Kulturen. Der Landwirt macht, was ihm die Experten raten: Er dichtet den Weiher ab, umhüllt Bäume mit Gittern oder legt einen Stromdraht über den Biberdamm. Die Kosten und der Aufwand steigen schier ins Unermessliche, letztlich bringen aber alle Massnahmen nichts. Von den Behörden fühlt sich der Bauer mit seinen Sorgen und Kosten im Stich gelassen, was er über Naturschützer denkt, kann man sich selbst ausmalen. Er verliert schliesslich die Nerven und rodet kurzum die Büsche und Bäume entlang des Baches auf seinen Parzellen, um dem Biber die Futtergrundlage zu nehmen. Schlussendlich ist der Spuk tatsächlich vorerst vorbei. Doch es dauert nicht lange, und der Biber meldet sich zurück. Und das Spiel beginnt von vorne. Mehr

Ohne Sorgen bewässern

Die Aufrüstung von Beregnungsmaschinen mit dem «Rain-dancer» bringt klare Verhältnisse beim Wasserverbrauch und sorgt vor allem für mehr Schlaf. 

Raphael Müller vom Huserhof in Wohlen AG brachte der Raindancer eine deutliche Arbeitsentlastung.

Die Hauptverkehrsachse im aargauischen Freiamt führt gleich neben Raphael Müllers Feldern in Wohlen vorbei. Würde hier ein Autofahrer in der Nacht von einem Wasserstrahl überrascht, könnte das für ihn schlimm enden. Auch deshalb ist die Bewässerung auf dem Hu-serhof Chefsache. Für Müller hiess das bis letztes Jahr: unruhiger Schlaf mit mehreren Kontrollgängen und Umstellen der Bewässerung auf den Zwiebel- und Kartoffel-feldern in den Nachtstunden. Seit diesem Jahr piept sein Telefon auf dem Nachttisch, wenn Jugendliche in lauen Sommernächten wieder einmal einen Hydranten abgedreht haben. Zudem reicht ein Blick auf das Handydisplay, um zu sehen, wie weit die Beregnung gerade ist und ob das Wasser am richtigen Ort landet. Möglich macht dies die Nachrüstung seines Bauer Trommelregners mit der Software «Rain-dancer» von der Firma IT-Direkt GmbH aus Berlin. Damit lässt sich die Beregnung von der Ferne steuern und überwachen. Müller atmet tief durch: «Dank ihr muss ich nun nicht mehr mitten in der Nacht aufstehen.» Er habe so Stress abbauen können. Der soziale Aspekt war für ihn der Hauptgrund für die Investition. Doch der «Raindancer» bietet noch deutlich mehr Vorteile.   Mehr

«Gemüse retten» finden nicht alle cool

Foodwaste verhindern tönt gut. Immer mehr Gemüsegärtner nutzen dies für ihre Zwecke und organisieren Anlässe, an denen sie ihre überschüssige Ware günstig verkaufen. Das kommt in der Branche nicht überall gut an. 

Walter Maurer verkaufte Kartoffeln und Karotten für 1.50 Franken pro Kilo. 

Dicht gedrängt stehen Auto an Auto auf der Quartierstrasse zum Hof von Walter Maurer in Kölliken AG. Trotz regnerischem Wetter folgen an diesem Tag im Oktober Hunderte dem Aufruf in der regionalen Zeitung, ausgerüstet mit Kisten, grossen Säcken oder Migros-Einkaufswagen. Die Schlagzeile: «Wegen Corona bleibt der Biobauer auf seinen Kartoffeln und Rüebli sitzen.» Der Beitrag wird auf Facebook über 600 Mal geteilt. Solche «Gemüserettungs-Aktionen» verbreiten sich seit ein paar Jahren vor allem über die sozialen Medien. In den Kommentaren schieben die Corona-Skeptiker die vermeintliche Misere wenig überraschend den Angstmachern der Politik in die Schuhe. Zusätzliche Unterstützung erhalten sie von der Journalistin, die im Artikel schreibt, dass es wegen Corona weniger Pommes-Frites brauche und den Eindruck erzeugt, dass Maurer auch deshalb die Kartoffeln nicht abbringt. Doch das spielt in diesem Fall keine Rolle, da Maurer nicht für diesen Markt produziert. Die Autorin habe hier wohl etwas falsch verstanden, sagt Maurer. Eigentlich geht es vor allem um Kartoffeln, die von den Grossverteilern wegen Drahtwurmschäden abgelehnt wurden. Mehr

Online-Handel: Wird E-Gemüse nun salonfähig?

Während dem Corona-Lockdown im Frühling nahm der Online-Handel von Gemüse sprunghaft zu. Einige Gemüsegärtner nutzten die Gelegenheiten für einen eigenen Webshop. Doch es gibt auch andere Online-Absatzkanäle. 

Karotten online einkaufen? Bis Anfang Jahr kam in der Schweiz noch kaum jemand auf diese Idee. Doch während dem Corona-Lockdown igelten sich die Leute erstmals in ihren Wohnungen ein, mieden Menschenansammlungen in Supermärkten und waren überhaupt sehr verunsichert. Irgendwie logisch, dass man seine Haushaltartikel und vor allem die Lebensmittel in dieser ungewohnten Situation «ohne Risiko» in Online-Shops bestellte und sich nach Hause liefern liess. Die grossen Anbieter wie leShop oder coop. ch stiessen schnell an ihre Grenzen. Bei den tagelangen Lieferfristen sprangen dann einige Gemüsegärtner in die Bresche, manche stampften Online-Shops aus dem Boden andere bauten bestehende Angebote aus. Obwohl sich die Lage im Sommer wieder normalisiert hat, wurde klar: Die Corona-Pandemie hat den Online-Lebensmittelhandel aus dem Dornröschenschlaf geholt. Es gibt verschiedene Wege, wie Gemüsegärtner vom Online-Handel profitieren können: Direkt an einen Online-Händler liefern, eine bestehende Shop-Software übernehmen oder selbst einen Online-Shop programmieren beispielsweise.  Mehr

Zweite Corona-Welle: Ansturm bleibt aus

Beim Lockdown im Frühling erlebten viele Hofläden ihr wahres Wunder. Nun in der zweiten Welle steigen die Einkäufe nur noch moderat an. Das liegt auch an der saisonal bedingt kleineren Auswahl und an den offenen Grenzen. 

Wie in vielen Hofläden ging es auch bei Gemüsegärtner Urs Baumann aus Kirchdorf BE während des Lockdowns im Frühling drunter und drüber. Weil der Wochenmarkt in Bern geschlossen war, kamen viele seiner Kunden von dort plötzlich direkt auf den Betrieb in den Hofladen. «Wir mussten diesen kurzfristig vergrössern und mehr Personal anstellen, um den Ansturm bewältigen zu können.» Im Sommer normalisierte sich die Mehr

Engagement für Nachhaltigkeit der Genfer Gemüsegärtner

Die Genfer Gemüsegärtner verpflichten sich freiwillig zu mehr
Nachhaltigkeit. Als Instrument dafür dient das Label «Demain la Terre» aus Frankreich.

Die Union Maraîchère de Genève (UMG) verpflichtet sich zu mehr Nachhaltigkeit, indem sie dem französischen Label «Demain la Terre» beitritt, als erste ausländische europäische Unternehmung überhaupt notabene. Aktuell sind nach Angaben der Organisation rund 400 Landwirte mit einer gesamten Fläche von 5 000 ha dabei.  Mehr

Agrophotovoltaik: Lebensmittel und Solarstrom vom gleichen Ort

Diese Himbeeren auf einem Betrieb in Holland wachsen unter Solarmodulen. (Bild: BayWa r.e.)

Die Agrophotovoltaik ermöglicht eine Doppelnutzung von Land. Solarmodule über Reben, Reis oder Gemüse schonen Ressourcen und vermindern Landkonflikte. Bei einer Himbeeranlage in Holland zeigt sich, dass die Technologie praxisreif ist.

Strom und Lebensmittel auf derselben Parzelle produzieren? So schlecht geht das offenbar gar nicht, wie der im Oktober erstmals aus Perpignan durchgeführte Fachkongress Agrivoltaics zeigt. Obwohl es in der Schweiz erst ein paar wenige Projekte gibt, bei denen über oder zwischen landwirtschaftlichen Kulturen Solarpannels aufgestellt sind, ist Agrophotovoltaik (APV) bei uns noch kaum ein Thema. Das könnte es aber vielleicht einmal werden, wenn es darum geht, den Ausbau der Solarstromproduktion wirklich ernsthaft voranzutreiben. Dann also, wenn jeder Quadratmeter zählt. Durch die parallele Nutzung wird das Land effizienter genutzt. Stefano Amaducci von der Universita Cattolica del Sacro Cuore zeigte am Kongress ein Rechenbeispiel, in dem mit 123 Hektaren APV über Mais die gleiche Energiemenge produziert werden kann, wie mit freistehenden Solarpanels auf 134 Hektaren und zusätzlich 1400 Hektaren Mais. Nach Angaben des Frauenhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE wurden 2018 weltweit 2,9 GW Strom unter APV produziert. Interessant an der APV-Idee: Es gibt Kombinationen von Pflanzenbau und Solartechnologie, die scheinbar richtiggehend eine Symbiose miteinander eingehen. Mehr

Kompost-Tee anstatt Fungizid

Das Interesse an natürlichen Methoden des Pflanzenschutzes steigt. Einige Gemüsegärtner pröbeln mit Komposttee. Die Anwender des Mikroorganismen-Konzentrats sind überzeugt, dass es damit weniger Pflanzenschutzmittel braucht.

Gemüsegärtner Peter Zurbuchen appliziert den Kompostee auf seinen Zwiebeln.

Schaden tun sie wohl nicht, aber nützen sie denn auch? Für die einen Gemüsegärtner sind Biostimulanzien nicht mehr als ein fauler Zauber, andere hingegen schwören auf sie. Klar ist: als Folge der kritischen Diskussionen um den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln steigt das Interesse bei allen Landwirten an möglichen alternativen Lösungen stark an. Auf vielen Betrieben wird herumgepröbelt und nach neuen Wegen im Pflanzenschutz gesucht. Beispielsweise mit dem Einsatz von Komposttee. Der Name sagt es bereits: es handelt sich dabei – vereinfacht gesagt – um in Wasser gelösten Kompost, der mit Mikroorganismen angereichert ist. Unter permanenter Zuführung von Sauerstoff wird dabei Kompost beispielsweise mit Melasse oder Steinmehl in Wasser zum Konzentrat aus nützlichen Bakterien, Pilzen und anderen Mikroorganismen «gebraut». Eine strikte Anleitung zur Herstellung von Komposttee gibt es nicht. Vor allem im Privatbereich verwenden deshalb viele ihre eigenen Rezepte. Die Firma Edapro aus Wädenswil entwickelte ein standardisiertes Mikrobensubstrat und die dazu passende Nährlösung für die regelmässig Anwendung auf grösseren Flächen in der Landwirtschaft.  Mehr