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Effizient entfeuchten im Gewächshaus

Entfeuchtung mit kontrollierter Lüftung in einem Gewächshaus.

Der Wärmebedarf der Schweizer Gewächshäuser würde sich mit speziellen Ent-feuchtungssystemen um zehn Prozent reduzieren lassen. Im Rahmen einer vom VSGP mitfinanzierten Studie wurde eine Marktanalyse dazu erstellt.

Mit dem klassischen Entfeuchten durch Öffnen der Energieschirme und der Belüftungsfenster gehen in den Schweizer Gewächshäusern 10 bis 35 Prozent der produzierten Wärme verloren. Mit speziellen Entfeuchtungssystemen liesse sich der gesamte Wärmebedarf aller Gewächshäuser in der Schweiz theoretisch um mindestens zehn Prozent reduzieren, was einem jährlichen CO2-Reduktionspotenzial von 10 000 Tonnen entspricht. Das ist immerhin so viel CO2, wie 2000 Einfamilienhäuser mit Ölheizungen jährlich ausstossen. EnergieSchweiz gab eine vom Verband Schweizer Gemüseproduzenten (VSGP) und von Jardin Suisse finanziell unterstützte Studie in Auftrag, um eine Marktanalyse von Entfeuchtungssystemen für Gewächshäuser in der Schweiz zu erstellen mit Daten über Investitionskosten, Einsatzgebiete und den Vergleich der Systeme. Bisher gibt es kaum Daten für Schweizer Gewächshäuser, aussagekräftige Messungen der Energieverbräuche fehlen. Zusätzlich zur von DM Energieberatung AG erstellten Marktanalyse führte Agroscope eine Literaturstudie dazu durch.

Kontrollierte Lüftung dominiert

Erst in den letzten drei Jahren erfolgten in der Schweiz erste Installationen. Acht Entfeuchtungssysteme laufen zurzeit ausschliesslich in grösseren Gemüsegewächshäusern. Drei Systeme bieten sich an: der Wärmepumpenentfeuchter, die hygroskopische Entfeuchtung und die kontrollierte Lüftung AVS (Active Ventilation System). In der Schweiz nutzen alle acht Betriebe AVS.

Verteilschläuche
unter den Kulturen übernehmen den Lufttransport.

Die Gewächshausproduzenten gaben in der Befragung an, dass sie den Hauptvorteil der kontrollierten Lüftung vor allem im höheren Ertrag und der besseren Qualität der Kulturen sowie dem tieferen Krankheitsdruck sehen. «Die Energieeinsparung ist natürlich wichtig, kommt für sie aber erst an zweiter Stelle», sagt Hauptautor Martin Steiger von DM Energieberatung AG. Er stellte zudem fest, dass die Herstellerangaben sich immer auf ausländische Betriebe beziehen würden und deshalb nicht ohne weiteres auf die Schweiz übertragbar seien. «In der Praxis liegen die Energieeinsparungen deutlich tiefer als von den Anbietern vorausgesagt». Zudem sagten die befragten Gewächshausbetreiber, dass sie sich immer noch in der Lernphase befänden und vor allem auch bei der Kulturführung noch an der Optimierung arbeiteten. Kommt dazu, dass nur einer der Betriebe in der AVS eine Wärmerückgewinnung (WRG) installiert hat. Gemäss Hersteller lassen sich mit ihr 30 bis 40 Prozent der Wärme einsparen, ohne WRG liegt das Potenzial bei 20 bis 30 Prozent. Die Schweizer Betreiber rechneten mit der Hälfte der Einsparung gemäss Herstellerangaben. Effektiv erreicht wurden bisher nach Schätzungen – es gibt keine Messungen – aber deutlich tiefere Einsparpotenziale von ohne WRG 0 bis 5 Prozent und mit WRG etwa 10 Prozent. Die Empfehlung lautet hier daher klar, die rund 25 Prozent Mehrkosten für eine WRG zu bezahlen und dafür sicher 10 Prozent Energie einzusparen.

Die Einsparungen mit Wärmepumpenentfeuchter und hygroskopischer Entfeuchtung sind bei Tests in der Schweiz mit 20 bzw. 25 Prozent grösser, eignen sich aber wegen den bisherigen Erfahrungen mit der Verteilung der getrockneten Luft eher für Kulturen mit niedrigem Wuchs. Wegen den relativ tiefen Anschaffungskosten eignet sich insbesondere der WP-Entfeuchter auch für den Einsatz in kleinen Gärtnereien oder für Kräuterproduzenten.

Zurzeit nicht wirtschaftlich

Entfeuchtung mit kontrollierter
Lüftung in der Aussenansicht.

Eine Aufstellung der Kosten und Einsparungen zeigt, dass derzeit keines der Entfeuchtungssysteme aus reinen Energiespargründen wirtschaftlich ist. Dazu sind die Energiepreise zu tief. Der Mehraufwand muss aus Mehrerträgen oder besserer Produktequalität gedeckt werden. Wie hoch der daraus erzielte wirtschaftliche Vorteil in Franken ist, kann laut Martin Steiger noch nicht beziffert werden. Er kommt zum Schluss, dass eine verlässliche Aussage zur erzielbaren Einsparung der Wärmeenergie durch Entfeuchtungssysteme, wie sie beispielsweise heute für Energieschirme möglich ist, derzeit für Gewächshausproduzenten nicht abgegeben werden kann. Doch wegen der positiven Wirkung auf die Kultivierung – die übrigens von den befragten Produzenten bestätigt, aber von Agroscope in der Literaturstudie nicht mit wissenschaftlichen Studien belegt werden konnte –, bauten in der Schweiz immer mehr Gewächshausbetreiber solche Systeme ein. Es sei deshalb wichtig, dass sie die in der Studie gewonnenen Erkenntnisse bei Interesse an einem Entfeuchtungssystem mitberücksichtigen könnten, sagt Martin Steiger.  Die Gewächshausbranche hat in den letzten zehn Jahren bereits sehr viel erreicht bezüglich CO2 Einsparung. Das Abholen weiterer Einsparpotentiale wird darum zunehmend schwieriger. Die Entfeuchtungssysteme sind neben dem Einsatz von erneuerbarer Energie momentan die einzige Technologie, dank der nochmals fossile Energie und CO2 in der Grössenordnung von über 10 Prozent eingespart werden kann. Wie bei jeder neuen Technologie fehlen noch Erfahrungswerte. Aber wer hätte noch vor zehn Jahren gedacht, dass doppelte Energieschirme heute Standard sind und nicht mehr die Ausnahme?

www.gemuese.ch/Gemuse/Gemusebau/Technologie

 

 

 

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