Abdrift reduzieren mit passender Düse

Technologie kann helfen, unerwünschte Einträge von Pflanzenschutzmitteln zu verhindern. Der Düsendruck spielt eine zentrale Rolle. Die Nachrüstung mit kontinuierlichen Innenreinigungssystemen für den Tank reduziert Punkteinträge.

Wenn die Pflanzenschutzmittelspritze richtig angewendet wird, kann die Abdrift deutlich reduziert werden.

Der Pflanzenschutz steht bekanntlich in der Kritik. Die Branche unternimmt einiges, um den in der Öffentlichkeit intensiv geführten Diskussionen Wind aus den Segeln zu nehmen. Dazu gehören auch Weiterbildungsveranstaltungen. Mitte April fand am Inforama in Ins eine zum Thema Applikationstechnik statt. Es ging dabei um mehr Präzision und weniger Abdrift bei der Verwendung von Pflanzenschutzmitteln. Das beginnt bei vermeintlich einfachen Massnahmen, wie der richtigen Einstellung der Höhe des Spritzbalkens. «Die Düse darf nicht mehr als maximal 50 cm Abstand zur Kultur haben», sagte Jürgen Winter vom Düsenhersteller Lechler Gmbh am Anlass. Er beobachte in der Praxis, dass diese oft zu hoch eingestellt seien, was zu mehr Abdrift führe. Sein Tipp: «Montieren sie am Ende des Gestänges einen starken Kabelbinder in der Höhe von 50 cm als Orientierung.» 

Für Abdrift minderndes Arbeiten brauche es grobe Tropfen, ausgebracht mit der optimalen Menge Wasser von je nach Gemüsekultur bis zu 1000 Liter pro Hektare, sagte Winter. Werde die passende Düse eingesetzt, kann die Abdrift deutlich reduziert werden. Der Druck müsse dabei aber entsprechend der Düse richtig eingestellt werden, um die vorgesehene Driftklasse zu erreichen. Die Faustregel: der optimale Druck entspricht ungefähr der Baulänge der Düse. Beträgt diese vier Zentimeter liegt der optimale Druck also bei vier Bar. «Wenn Sie eine Injektordüse mit 6 oder 8 bar betreiben, erreicht die nie und nimmer die angegebene Abdriftminderungsklasse von 90 Prozent», sagte der Düsen-Experte. 

Erste Düse mit 95 Prozent Abdriftminderung

Eine wichtige Rolle spielt die Fahrgeschwindigkeit während des Spritzens. Wird diese nur schon um einen halben Kilometer pro Stunde erhöht – wenn sich beispielsweise das Wetter ändert–, steigt der Druck deutlich an und die Düse arbeitet nicht mehr im Optimum. Winter rät im Gemüsebau zur Verwendung von langen Düsen, weil man bei diesen mehr mit dem Druck spielen könne und flexibler in der Anwendung sei. Er stellte am von über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern besuchten Anlass zudem eine neue Düse vor, welche erstmals die Abdriftminderungsklasse von 95 Prozent erreicht, bei einem Druck von 5 bar. «Sie bringt dem Anwender Sicherheit, vor allem bei kritischen Stoffen, wo nichts verdriften darf.» 

Kontinuierliche Innenreinigung

Raphael Lüdi, Geschäftsführer von U. Wyss AG aus Bleienbach, wies in seinem Vortrag darauf hin, dass am meisten Pflanzenschutzmittel bei der Reinigung und der Befüllung der Feldspritze in die Gewässer entweichen. Bei der herkömmlichen Reinigung habe der Anwender vieles falsch machen können, sagte er. Er plädierte deshalb unter anderem für kontinuierliche Innenreinigungssysteme von Spritzgeräten.  Die Nachrüstung werde mit Fördergeldern unterstützt mit der Übernahme von 50 Prozent der Kosten bis maximal 2000 Franken. Es sei wichtig, dass bei jedem Spritzgerät die passende Reinigungspumpe eingesetzt werde. Ansonsten funktioniere das System mit den Reinigungsdüsen nicht optimal. Lüdi warnte vor Bausätzen für die Selbstmontage, die beispielsweise oft nur aus einer Düse bestünden, was zu wenig sei. «Die Montage von Innenreinigungen sollte vom Fachmann vorgenommen werden.» Einspülschleusen können ebenfalls nachgerüstet werden, dabei sei es aber wichtig, dass man diese mit Frischwasser betätigen könne. Zudem gebe es automatische Befüllsysteme, welche die exakte Dosierung ermöglichen. Lüdi erwähnte hier das am Anlass ebenfalls vorgestellte Befüllsystem easyFlow, das zusätzlich einen optimalen Anwenderschutz biete. 

Der Anlass wurde vom Verband Schweizer Gemüseproduzenten, dem Inforama Seeland, dem landwirtschaftlichen Institut des Kantons Freiburg Grangeneuve sowie von weiteren Partnern organisiert.

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