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Bewässerungsprojekt der Aquapool Genossenschaft Steinmaur ZH

Unauffällig wirkt das neue Pumpenhaus in Steinmaur – doch unter der Erde steckt ein Generationenprojekt. Aquapool versorgt nun 360 Hektaren Gemüsefelder mit Wasser aus der Glatt. Die Bezugskonzession von 3833 Litern pro Minute gilt für 30 Jahre.

Ein Container, dahinter ein 6000-Kubikmeter-Bewässerungsteich: Das erste Pumpenhaus des Wehntaler Bewässerungsprojekts Aquapool in Steinmaur ist unauffällig. Doch das Wesentliche ist hier unsichtbar. Vom vier Kilometer entfernten Fluss Glatt führen Rohre im Boden Wasser zum Bewässerungsbecken auf dem Salenhof in Steinmaur. Dieses dient der Genossenschaft als Speicher, von wo aus das Wasser seit Juli 2025 ins Bewässerungsnetz mit über 14 Kilometer verlegten Leitungen gepumpt wird. Die Firma Marty Bauleistungen AG aus Azmoos benötigte 18 Monate, um die Leitungen einzugraben, einzufräsen oder eine kurze Strecke im Spülbohrverfahren zu verlegen. 

Von der Glatt führen Rohre das Wasser zum Bewässerungsbecken auf dem Salenhof in Steinmaur. 

Wesentlich länger dauerte die Projektierungsphase: Vor über 30 Jahren gründeten die drei Wehntaler Gemüsegärtner Hermann Huber, Stefan Müller und Andreas Schellenberg die IG Aquapool. Am Ruder ist heute die nächste Generation um Gemüsegärtner Reto Huber aus Sünikon, der die Genossenschaft mit den 28 Genossenschaftern präsidiert. Die offizielle Inbetriebnahme verzögert sich allerdings, weil der Testbetrieb mit der Maximalleistung wegen Steuerungsfehlern nicht wie vorgesehen im letzten Jahr abgeschlossen werden konnte. Aber das ist nur das nächste schwierige Kapitel in der Geschichte von Aquapool.

Kubikmeter Wasser für CHF 1.70

Wenn Reto Huber auf die letzten Jahre zurückschaut, berichtet er von leichtgläubigen Annahmen, bezahltem Lehrgeld, dem immensen administrativen Aufwand oder der Herausforderung, überhaupt eine Firma zu finden, die das Ganze bauen kann. Unterlagen für die öffentliche Ausschreibung mussten erstellt oder hunderte von Unterschriften für die Durchleitungsrechte eingeholt werden. Gekostet hat das Projekt schliesslich über 6 Millionen Franken, deutlich mehr als ursprünglich angenommen. Jedes Genossenschaftsmitglied musste mindestens einen Anteilschein von 4000 Franken zeichnen sowie 800 Franken pro Hektar bewässerter Fläche bezahlen. So kamen 750 000 Franken Eigenkapital zusammen. Der grosse Rest der Bausumme von insgesamt 5,5 Mio. Franken wurde mit Bankkrediten und vor allem mit öffentlichen zinslosen Krediten und Beiträgen von Bund und Kanton gedeckt. «Ohne diese wäre das Projekt nie möglich gewesen!», sagt Reto Huber rückblickend. Pro Jahr sei ein Cashflow von rund 125 000 Franken nötig. Die Bezüger müssen dafür Anfang Jahr ein Kontingent für das Jahr angeben und dieses bis April bezahlen. Der Kubikmeterpreis ist auf CHF 1.70 festgelegt. Bei weniger Bezug bleibt der Betrag geschuldet, zusätzlich zum Kontingent bezogenes Wasser muss bezahlt werden. «Da besteht ein unternehmerisches Risiko», sagt Reto Huber. Doch für den Betrieb des Bewässerungsnetzes sei eine gewisse Planungssicherheit nötig. Damit nicht zu viel Wasser bezogen wird, müssen die Betriebe zudem über eine einfache Software ihren voraussichtlichen Bezug angeben. 

Reto Huber präsidiert die Bewässerungsgenossenschaft Aquapool.

Bewässerung für 360 Hektaren

Das Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) erteilte 2019 eine Konzession für den Bezug von 3833 Litern pro Minute oder rund 5000 Kubikmetern Wasser pro Tag aus der Glatt für die nächsten 30 Jahre. Besonders aufwändig war die Erstellung der Wasserfassung in der Glatt. Rund 400 Quadratmeter Spundwände für die Abdichtung ermöglichten erst die Arbeiten auf dem Flussbett. Zwei Pumpen mit einer Leistung von 230 m3 pro Stunde schaffen das Wasser dort durch die Leitung zum Speicher in Steinmaur. Nach der ersten Pumpstation sorgen drei weitere Pumpwerke dafür, dass auf dem ganzen Versorgungsnetz genug Power besteht. Es besteht aus 77 frostsicheren Schächten mit 66 Bewässerungshydranten zur Bewässerung von 360 Hektaren. 

Für nächste Generation wird‘s günstiger

Im bisherigen Testbetrieb wurden 80 000 m3 Wasser auf die Felder gepumpt. «Es zeigte sich, dass es funktioniert», sagt Reto Huber. Bis Mitte des Jahres sollen die Kinderkrankheiten behoben werden und die Anlage ihren offiziellen Betrieb aufnehmen. Reto Huber ist froh, dass das Wasserproblem in der Region für die Gemüsebaubetriebe dann gelöst sein wird. Er geht davon aus, dass die Leitungen länger als 50 Jahre halten. Wenn die Investitionen abbezahlt seien, profitiere die kommende Generation zudem von deutlich günstigerem Wasser.

 www.agst.ch

Veröffentlicht in Blog

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