Geld für CO2-Einsparung in Gewächshäusern

Die Gewächshausbranche einigte sich mit beteiligten Partnern auf eine gemeinsame Energiestrategie. Bis 2040 sollen 100 Prozent der fossilen Energieträger ersetzt werden. Ein Kompensationsprogramm hilft bei der Finanzierung der Anlagen.

Spätestens ab 2040 sollen keine fossilen Brennstoffe mehr für Gewächshausgemüse eingesetzt werden.

Eigentlich hat die Gewächshausbranche ihre Hausaufgaben in den letzten Jahren gemacht: Seit 2002 konnte sie den CO2-Ausstoss dank vielen Massnahmen um 35 Prozent pro Hektare senken. Doch es bleibt keine Zeit, um sich auf diesen Lorbeeren auszuruhen, bereits werden deutlich höhere Ziele angestrebt. Bis 2040 sollen Schweizer Gewächshäuser komplett ohne fossile Brennstoffe beheizt werden, inklusiv Abdeckung der Spitzenlast und CO2-Düngung. Die beteiligten Branchen haben sich auf Initiative des Verbandes Schweizer Gemüseproduzenten (VSGP) auf eine entsprechende und von EnergieSchweiz unterstützte gemeinsame Energiestrategie geeinigt. Als Zwischenetappe soll der Anteil von erneuerbaren Energien und Abwärme zur Abdeckung der Grundlast und für das Trockenheizen 80 Prozent betragen. «Schon die erste Etappe ist anspruchsvoll», sagt Martin Steiger von DM Energieberatung AG, der die Arbeitsgruppe fachlich beratet. Die Aufteilung in zwei Etappen soll den Gemüsegärtnern genug Anpassungszeit lassen. Besonders herausfordernd ist bekanntlich die Abdeckung der Spitzenlast ganz ohne fossile Brennstoffe. «Um dieses derzeit sehr teure und in manchen Fällen auch technisch schwierige Problem zu lösen bleiben den Gewächshausbetreibern dank der Strategie bis 2040 weitere zehn Jahre», erklärt Steiger. Migros-Lieferanten müssen dieses allerdings bereits bis 2026 lösen, weil der Grossverteiler entschieden hat, ab dann – trotz Branchenstrategie – nur noch Schweizer Gemüse aus komplett fossilfreien beheizten Gewächshäusern zu verkaufen. 

Wer weniger CO2 ausstösst, soll dafür kompensiert werden.

Proaktiv handeln

Der Bundesrat beschloss im letzten Jahr, dass die Schweiz bis 2050 ihre Treibhausgasemissionen auf Netto-Null absenken soll. Manche Gewächshausproduzenten fragen sich, weshalb ihre Branche dieses Ziel nun bereits zehn Jahre früher erreichen soll? «Es ist nie gut, so lange zu warten, bis man dazu gezwungen wird», antwortet VSGP-Direktor Matja Nuic. Deshalb habe man sich für die proaktive Variante entschieden. Andere Länder wie beispielsweise Holland würden sich in die gleiche Richtung bewegten. Ein Treiber war zudem Migros mit der Ankündigung ihrer strengen Anforderungen ab 2026, die viel Dynamik in die Diskussionen brachte. Mit der gemeinsamen Strategie habe man verhindert, dass andere Abnehmer einen Sonderzug fahren würden. «Positiv ist, dass die grossen Anpassungen jetzt für viele Gemüsegärtner nicht auf einmal geschehen müssen». Nuic verweist zudem auf die ZHAW-Studie, welche die Umweltauswirkungen der Gewächshausproduktion in unterschiedlichen Ländern untersuchte. «Der einzige Nachteil der Schweizer Produktion lag im Vergleich in der Nutzung fossiler Brennstoffe». Letztlich sei das Ganze langfristig für die Branche deshalb eine Chance, ihre Produkte besser am Markt zu platzieren. Im Rahmen der Umsetzung wolle man die Mitglieder bei der Umstellung aktiv begleiten.

CO2-Kompensationsprogramm

Mit dem Abschied von den fossilen Brennstoffen wird bei aktuellen Energiepreisen mit Mehrkosten von 25 Rappen pro Kilogramm Tomaten gerechnet. Um die ökonomischen Folgen abzufedern, war für den VSGP ein CO2-Kompensationsprogramm (KOP) zwingend nötig. Dieses steht nun: DM Energieberatung AG lancierte es zusammen mit der Stiftung myclimate. Davon profitieren können Ersatzlösungen durch Holzfeuerungen, Wärmepumpen, Schweizer Biogas oder -öl sowie Wärmeverbünde dieser Technologien. Die jährlichen bescheinigten CO2-Einsparungen können mit 115 Franken pro Tonnen an die Stiftung KliK verkauft werden. «Grob geschätzt reduzieren sich dadurch die Mehrkosten – für die Grundlast – um rund 50 Prozent», erklärt Steiger. Als weitere Begleitmassnahme entwickelte DM Energieberatung AG das Berechnungs-Tool «ProCalor©», welches den Heizleistungsbedarf eines Gewächshauses praxisnah bestimmt. «Unsere Paketlösung enthält unter anderem eine vollständige Variantenstudie der verschiedenen Energieträger, eine korrekte Anlagendimensionierung mit den Investitionskosten sowie die Anmeldung zum Kompensationsprogramm», erklärt Martin Steiger. Je nach Betriebsgrösse kostet die Beratung zwischen 2500 und 6750 Franken. Bei Umsetzung des Projektes reduziert sich der Betrag noch einmal deutlich auf zwischen 2250 und 1250 Franken. Möglich wird diese Reduktion dank dem KOP. Zudem plant der VSGP im Herbst Informationsveranstaltungen und stellt eine Informationsbroschüre zur Verfügung. Seit dem 1. August ist die Anmeldung beim KOP über die Homepage von myclimate möglich. n

 www.gemuese.ch/energiestrategie

 https://map.geo.admin.ch (Geoportal)

 www.myclimate.ch (Anmeldung KOP)

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