Gemüsebaubetrieb real erleben

Eine Gruppe von Raumplanungsexperten und -expertinnen verschafften sich vor Ort
einen E
inblick in die gemüsebaulichen Abläufe und die bestehenden Bedürfnisse. Die
anschliessende Diskussion zeigte, wie unterschiedlich die Meinungen sind. 

David Eppenberger

Roman Käser führte die Gruppe durch die Verarbeitungsräume.

Die Raumplanung und die Gemüseproduktion sind alles andere als beste Freunde. Die Gemüsegärtnerinnen und -gärtner sehen sich durch den aktuellen rechtlichen Rahmen in ihren Entwicklungsmöglichkeiten stark eingeschränkt. Wer neue Verarbeitungsräume, Unterkünfte für Mitarbeitenden oder der Bau eines neuen Gewächshauses plant, braucht oft einen langen Atem. Langwierige Bewilligungsverfahren sind eher die Regel als die Ausnahme. Die Gemüsebranche fühlt sich hier oft missverstanden von den für diese Fälle zuständigen kantonalen Amtsstuben. Auch deshalb organisierte die Austauschplattform «Chance Raumplanung» zur Koordination der Weiterbildung in der Raumplanung ein Werkstattgespräch auf einem Gemüsebaubetrieb, in dem Fachleute und Interessenvertreter aus dem Bereich der Raumplanung einmal direkt vor Ort sehen konnten, welche Bedürfnisse an Räumlichkeiten und Gebäude ein moderner Gemüsebaubetrieb wirklich hat.

Intensivlandwirtschaftszone 

Als Gastgeber stellte sich Thomas Käser in Birmenstorf AG zur Verfügung, wo er die Teilnehmenden Mitte September direkt in seinem Gewächshaus empfing. Er kaufte den Betrieb vor 16 Jahren mit damals acht Hektaren Fläche und Gebäuden mitten im Dorf. Sein Glück war, dass der frühere Besitzer ausserhalb des Dorfes auf einem Teil des Landes bereits viele Jahre zuvor in weiser Voraussicht eine Intensivlandwirtschaftszone einrichtete. Deshalb liess sich die Aussiedlung des Betriebs mit Gewächshaus und Verarbeitungsräumen relativ einfach und zonenkonform verwirklichen. Seither ist der Betrieb stark gewachsen auf eine Anbaufläche von rund 120 Hektaren. Und das bedingte laufend auch bauliche Anpassungen, aktuell beispielsweise gerade die Aufstockung der Unterkünfte für die Saisonarbeiter. 

Wachstumsstrategie wird hinterfragt

Auf dem Betriebsrundgang ging es über die Verladungsrampe, durch die Rüsträume, vorbei am Kühler zum modernen Waschplatz für die Pflanzenschutzspritze. Kritische Fragen grundsätzlicher Art kamen zum Thema Wachstum. Konkret: Weshalb müssen Gemüsebaubetriebe eigentlich immer grösser werden? «Es geht nicht darum, andere zu verdrängen, sondern möglichst viel Gemüse in der Schweiz anzubauen und nicht importieren zu müssen», erklärte Roman Käser, Vertreter der nächsten Generation auf dem Betrieb. Ausserdem sei es doch schade, wenn der Absatz eines Produktes zwar vorhanden sei, der Betrieb dieses aber nicht produzieren könne, weil es an Verarbeitungsräumen oder Unterkunftsmöglichkeiten für Arbeiter fehle, fand er. Eine gewisse Grundskepsis war unter vielen der Besucherinnen und Besuchern in Sachen «Grösse» permanent spürbar. 

Entwicklungsprozess ländlicher Raum

Martin Würsch vom Bundesamt für Landwirtschaft plädierte in seinem Referat für langfristige Planungshorizonte in einer sich verändernden Landwirtschaft. Diese müsse neue Herausforderungen wie Nachhaltigkeit oder Klimawandel meistern, effizienter arbeiten und Arbeitskräfte einsparen. An bestimmten Standorten sei es möglicherweise sinnvoller und ökologischer in grossen Gewächshäusern zu produzieren anstatt im Boden. Würsch wies auf die Möglichkeit hin, die verschiedenen Interessen an den Raum im Rahmen eines Entwicklungsprozesses ländlicher Raum (ELR) zu analysieren. Die Anwendung sei sehr einfach und zielführend. Franziska Grossenbacher von der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL) sieht in den ELR ebenfalls eine grosse Chance. Wenig überraschend kritisierte sie den aktuellen «Wildwuchs ohne grosse Konzepte», wo Arbeitsunterkünfte und Verarbeitungshallen mitten in der Landschaft stehen würden. 

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