Heizen im Gewächshaus: Die Spitzenlasten sind das Problem

Die Schweizer Gewächshausproduzenten müssen künftig mit fossilfreien Energieträgern arbeiten. Eine Alternative wäre Holz. Die Kombination verschiedener Energieträger drängt sich aus wirtschaftlichen und ökologischen Gründen auf.

Immer mehr Gemüsegärtner bauen eine Holzschnitzelheizung ein.

Der Bundesrat will den CO2-Ausstoss in den nächsten Jahren massiv reduzieren. Auch die Gemüsebranche muss ihren Beitrag dazu leisten. Der Detailhändler Migros schlug Anfang 2019 einen ersten Pflock ein, als er bekanntgab, ab 2025 nur noch Schweizer Gemüse und Früchte aus fossilfrei beheizter Gewächshausproduktion abzunehmen. Seither herrscht in der Schweizer Gewächshausbranche ein emsiges Treiben auf der Suche nach CO2-neutralen Alternativen zu den Gas- und Ölheizungen. 

Relativ einfach liesse sich beispielsweise der Wärmebedarf für die Grundlast mit Holz abdecken. Die Krux an der Geschichte ist aber die Abdeckung der Spitzenlast, also die Energie, die nur während einer kurzen Zeit in sehr hohen Mengen benötigt wird. Beispielsweise wenn es draussen plötzlich sehr kalt wird. Diese «letzten» Prozente sind teuer. Mit Holz könne eine Grundlast von zwischen 75 bis zu 90 Prozent wirtschaftlich abgedeckt werden, sagte der Energieexperte Martin Steiger von DM Energieberatung AG an der Unterglas-Gemüsebau-Tagung* in Posieux. Die Höhe des Wertes ist abhängig von der Speichergrösse. 

Deutlich geringer ist die Grundlast, die mit einer Grundwasser-Wärmepumpe abgedeckt werden könnte. Die Investitionskosten im Vergleich zu den fossilen Heizungen sind in beiden Fällen viel höher. Steiger sprach bei einer Gewächshausgrösse von vier Hektaren von zusätzlich umgerechnet 2,2 Mio. CHF für eine Holz- respektive 1,8 Mio.  CHF bei einer Wärmepumpenlösung. Und das bei einer Abdeckung von «nur» 80 Prozent fossilfreier Grundlast. Bei einer 100 Prozent Abdeckung nur mit Holzenergie wären die Zusatzkosten für die Bereitstellung der Spitzenlast exorbitant hoch. Die Wärmegestehungskosten würden sich pro Kilowattstunde von 10 auf 20 Rappen verdoppeln. «Das wäre wirtschaftlich ein Unsinn», wie Steiger es ausdrückte. Wie also könnte die Spitzenlast trotzdem CO2-neutral abgedeckt werden? Mit Biogas beispielsweise, das aber teuer ist. Zudem muss ein Anschluss vorhanden sein. Importieren macht keinen Sinn, weil dieses in der Schweiz nicht als CO2-neutral angerechnet werden kann. «Bioheizöl» FAME (Fatty-Acid-Methyl-Esther) wäre eine weitere Option und könnte sogar im bestehenden Ölkessel verbrannt werden. Auch diese Lösung ist aber relativ teuer und der Rohstoff müsste mehrheitlich importiert werden. Eine weitere Option wäre die Nutzung von Fernwärme, sofern eine Anschlussmöglichkeit an eine Leitung in der Nähe besteht. Was ja nicht so oft der Fall ist.

Holz kombiniert mit Erdgas wäre optimal

Jeremy Rolle von der Fachhochschule Westschweiz in Fribourg stellte das Projekt Innoserre vor, das seit 2017 innovative und klimafreundliche Lösungen für die Energieversorgung bei Gewächshauspflanzen untersucht. Dabei wurden verschiedene Kombinationen mit Holz, Erdgas und Biogas verglichen. Eine zentrale Rolle spielt dabei die CO2-Düngung im Gewächshaus. Mit den konventionellen Gas-Heizungen wurde das bisher relativ elegant gelöst, in dem man das bei der Verbrennung von Erdgas anfallende CO2 im Gewächshaus als Dünger einsetzte, bei Biogas ist der Anteil von CO2 viel tiefer. Bei Holzheizungen, Wärmepumpen oder Fernwärme fehlt es ganz und muss teuer als technisches CO2 zugekauft werden. In einem Vergleich an einem Fallbeispiel schnitt die Kombination Holz und Erdgas bei gleichzeitiger Betrachtung der Treibhausgasreduktion und der Kosten am besten ab. Betrachtet man nur das Kriterium der Treibhausgasreduktion, wäre die Lösung mit dem technischen CO2 herausragend. Allerdings würden bei diesem Verfahren die Produktionskosten für Tomaten deutlich ansteigen. Er frage sich, ob die Abnehmer diesen Mehrpreis bezahlen würden, sagte Rolle berechtigterweise.

Die Unterglas-Gemüsebau-Tagung fand am 19. und 20. November 2019 im Landwirtschaftlichen Institut  des Kantons Freiburg Grangeneuve in Posieux statt. Sie wurde organisiert von den kantonalen Gemüsebaufachstellen Grangeneuve FR, Liebegg AG und Strickhof ZH.

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