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Hofübergabe: Auf dem eigenen Betrieb schnuppern

SwissSkills-Sieger Janik Guggisberg arbeitet auf dem elterlichen Gemüsebaubetrieb in Tägertschi BE. Er will so herausfinden, ob für ihn eine Betriebsübernahme infrage kommt. Zusätzliches Rüstzeug holt er sich mit der Ausbildung zum Betriebsleiter.

Janik Guggisberg arbeitet auf dem Betrieb der Eltern mit und bereitet sich auf die Hofübernahme vor.

Hinter dem Bahnhof von Tägertschi  BE die Strasse runter, vorbei an den vielfältigen Gemüsefeldern, Ökonomiegebäuden, Verarbeitungshallen, Wohnhaus und Folientunneln. Hier kommt das Gemüse von den rund 35 Hektaren Anbauflächen des Gemüsebaubetriebs von Urs und Doris Guggisberg zusammen. Die Mitarbeitenden bereiten es für den Verkauf in einem der vier eigenen Selbstbedienungsläden in der Region vor. «BRAVO JANIK, 1. PLATZ, SWISSSKILLS» steht da auf ein Leintuch aufgesprayt vor dem traditionellen Wohnhaus. Es geht um Janik Guggisberg, der im September an der Schweizer Berufsmeisterschaft SwissSkills den Titel als bester Gemüsegärtner holte. Seine Eltern brachten den Gemüsebaubetrieb Tägertschi in den vergangenen Jahrzehnten dahin, wo er heute ist. Obwohl ihr offizielles AHV-Alter noch ziemlich weit weg ist, macht sich die Familie bereits frühzeitig Gedanken über die Nachfolge. 

Vom Leistungssport in die Zweit­ausbildung als Gemüsegärtner

Erst seit ein paar Wochen arbeitet Janik Guggisberg offiziell auf dem elterlichen Betrieb als Angestellter mit. Obwohl hier aufgewachsen, war der heute 21-Jährige dort zuvor nur selten in Arbeitskleidern anzutreffen. Die erste Lehre als Fachmann für Betriebsunterhalt liess sich besser mit dem Leistungssport unter einen Hut bringen. Als der Traum vom Fussballprofi ausgeträumt war, nahm er die Zweitausbildung als Gemüsegärtner in Angriff. Mit der Perspektive im Hintergrund, dereinst einmal das Berufsleben auf dem eigenen Betrieb in vertrauter Umgebung zu verbringen. So lernt er den Betrieb und die Abläufe erst einmal richtig kennen. «So sehe ich, was auf mich mit einer Hofübernahme zukommen würde», sagt er. Zum Gespräch erscheint er allein. Das sei aber kein Problem: «Mein Vater geht sehr offen mit dem Thema um und vertraut mir.» Zeitlich gibt es wenig Druck für die Übergabe. Trotzdem spüre er beim Vater, dass diesem eine vorzeitige Hofübergabe wohl gar nicht so ungelegen kommen würde. «Es wird wohl darauf hinauslaufen, dass ich vorzu mehr Verantwortung übernehme.» Konkret geregelt oder in die Wege geleitet sei aber noch nichts. Klar sei aber, dass keines der zwei Geschwister den Betrieb übernehmen werde. Für den jüngeren Bruder und die jüngere Schwester sei dies nämlich kein Thema. Die Schwester hat Zierpflanzengärtnerin gelernt und könnte sich die Mitarbeit im Angestelltenverhältnis vorstellen. 

Motiviert an der Arbeit

Die Arbeitstage auf einem Gemüsebaubetrieb wie dem in Tägertschi sind lang. Aber, kein Problem für Janik Guggisberg. Im Gegenteil: «Ich geniesse es, wenn ich nach dem offiziellen Feierabend noch mit dem Traktor Feldarbeiten ausführen kann.» Trotzdem: Ist die Führung eines derart vielfältigen Selbstvermarktungs-Betriebs mit vielen Angestellten nicht eine gar grosse Kiste für einen so jungen Burschen? Er übernehme gerne Verantwortung, antwortet er mit Berner Gelassenheit. Schon in den Lehrbetrieben hat er in einzelnen Bereichen Verantwortung übernehmen können. In den ersten Wochen in Tägertschi sei es zwar schon anspruchsvoller geworden, weil er die verschiedenen Bereiche dauernd im Blick halten müsse. Doch das sei auch sehr spannend, findet er. 

Eher keine Umstellung auf Bio

Obwohl er an den Grundsätzen festhalten möchte, macht er sich auch Gedanken über mögliche Anpassungen auf dem Betrieb. Dazu gehört unter anderem die Aufschaltung einer Betriebs-Homepage, die nächstens erfolgen soll. «Diese sei wichtig für die immer anspruchsvoller werdende Rekrutierung von Personal», erklärt Janik Guggisberg.  Seine Ausbildung machte er auf zwei Biobetrieben. Auf Bio umstellen werde er voraussichtlich aber eher nicht. «Ich glaube nicht, dass unsere treue Kundschaft die dafür nötige Preiserhöhung gutheissen würde.» Da spricht doch schon ganz der zukünftige Betriebsleiter. In diesem Herbst startet er die Ausbildung zum «Betriebsleiter Gemüse». Er hofft, dass er dort zusätzliches Rüstzeug zu Buchhaltung oder zur Führung von Mitarbeitenden erhält.  

Eigentlich ist für ihn schon ziemlich klar, dass seine Zukunft in Tägertschi sein wird. Er glaubt auch nicht, dass seine Eltern ein Problem mit zukünftig möglichen neuen Rollen als Angestellte haben werden. Für diese sei zudem klar, dass sie in eine externe Wohnung ziehen und ihm im Haus Platz machen würden. Damit ziehe der Vater wohl seine Konsequenzen aus seinen eigenen gemachten Erfahrungen bei der Hofübergabe. 

Veröffentlicht in Blog

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