Lidl und Aldi bald mit Knospe?

Bio Suisse-Präsident Urs Brändli will es auch anderen Marktteilnehmern ermöglichen, von der Knospe zu profitieren.

Bio Suisse will neu auch Discountern die Nutzung der Knospe erlauben. Wenig erfreut darüber zeigt man sich bei Coop.

2018 war ein gutes Jahr für Biogemüse. Dazu beigetragen hätten auch die Aktivitäten von Coop anlässlich des 25-Jahre-Jubiläums von Naturaplan, sagte Hans-Ueli Müller vorletzte Woche an der Mitgliederversammlung von Bio Gemüse Schweiz in Holziken. Der Präsident freute sich über die in einzelnen Bereichen stark gestiegenen Marktanteile von Bioprodukten, unter anderem auch bei der Direktvermarktung. «Unsere Hauptkunden sind aber immer noch Coop und Migros», sagte er den rund 30 Teilnehmern. Doch gerade diese sehr enge Beziehung zwischen Bio Suisse und Coop steht nun offenbar vor einer ernsthaften Belastungsprobe.

Angepasste Distributionspolitik

Bio Suisse-Präsident Urs Brändli kündigte an der Versammlung an, dass man zurzeit mit Discountern wie Lidl und Aldi verhandle. Diese wünschten, die Knospe künftig auch verwenden zu dürfen. Bio Suisse habe die Distributionspolitik im letzten Herbst konkretisiert, um anderen Marktteilnehmern die Möglichkeit zu geben, in diesen Markt einzusteigen. «Das Anliegen zu dieser Öffnung ist von Produzentenseite gekommen», sagt Brändli. Die Hürden seien aber hoch: Um die Knospe verwenden zu dürfen, müssen interessierte Unternehmen mindestens so viele Bioprodukte im Angebot haben, wie der aktuelle Anteil des Biomarktes am gesamten Markt beträgt. Im vorletzten Jahr waren das neun Prozent, im letzten Jahr dürfte aber die zehn Prozent-Grenze geknackt worden sein, die genauen Zahlen fehlen aber noch. In einem Discounter müssten also voraussichtlich zehn Prozent der Produkte die Bio-Richtlinien erfüllen, wenn sie mit Bio Suisse ins Geschäft kommen wollen. «Damit wollen wir verhindern, dass nur fünf Bioprodukte mit der Knospe angeboten werden, um die Kundschaft in die Läden zu holen», erklärt der Bio Suisse-Präsident. Zusätzlich verlange man ein ehrliches Engagement und Investitionen in den Biolandbau. So wie das Coop in den letzten 25 Jahren machte, beispielsweise mit der Unterstützung von Projekten des Forschungsinstitutes für biologischen Landbau (FiBL).

Drang nach Freiheit nachgegeben

Die Bio Suisse-Geschäftsleitung informierte Coop im Herbst über die geänderten Spielregeln. Natürlich sei man dort nicht sehr erfreut gewesen, sagt Brändli. Er zählt sich innerhalb von Bio Suisse eher zu den Skeptikern der neuen Regelung: Die Knospe habe sich ja vor allem dank Coop so erfolgreich entwickelt. «Doch wir spürten von der Basis einen zunehmenden Drang nach mehr Freiheit.» Diesem habe man nun entsprochen. Er hoffe einfach, dass sich die Öffnung langfristig auszahlen werde. Man habe mit den Produzenten auch das Worst-Case-Szenario angesprochen, wenn Coop künftig den Weg von M-Bio einschlagen und ganz auf die Knospe verzichten würde. «Ich habe aber kein Mitglied getroffen, des am Exklusivrecht von Coop für die Knospe festhalten wollte.» Coop teilt auf Anfrage mit, dass es derzeit kein Thema sei, ohne die Knospe weiterzufahren. Für Bio Suisse gehe es nun trotzdem darum, in Verhandlungen mit Coop Wege zu finden, wie die einmalige 25-jährige Partnerschaft weitergeführt werden kann, sagt Urs Brändli.

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