Planet of the humans: Meine Filmkritik

«Planet of the Humans» macht einen Rundumschlag gegen die Erneuerbaren Energien. Wer das macht, sollte es mit den Fakten genauer nehmen.

Der Film trifft ein paar wunde Punkte der sogenannten erneuerbaren Energien (EE). Doch grundsätzlich ist das Ganze sehr einseitig und dazu – was naheliegend ist – ziemlich auf die USA bezogen. Die Herstellung von Biodiesel (Ethanol) aus Pflanzen ist – was ich bis jetzt so gelesen habe – tatsächlich ökologisch unsinnig. Oft wird er aus intensiven Ackerkulturen (Mais, Soja) gewonnen und der Energie-Input, um ihn herzustellen, ist grösser, als das, was aus ihm herauskommt. Die Biodiesel-Geschichte würde ich also tatsächlich als Irrweg der EE-Bewegung bezeichnen. In der Schweiz wird übrigens nur aus Biomasse Energie produziert (zum Beispiel in Biogasanlagen) auf Basis von tierischen Exkrementen, Speise-, Rüst- oder Grünabfällen. Ist also mit den USA nicht vergleichbar, auch nicht mit Deutschland, wo grossflächig Mais nur für die Energieproduktion angebaut wird.

Gas ist weniger dreckig wie Kohle

Es wird auch gesagt, dass Kohlekraftwerke durch Gaskraftwerke ersetzt werden. Damit wird tatsächlich eine sehr dreckige durch eine etwas weniger dreckige Energie ersetzt. Aber: Gas hat einen 40 Prozent tieferen CO2-Ausstoss. Würden alle Kohlekraftwerke auf Gas umstellen, dann hätte man ja auch schon etwas erreicht. Und etwas in diese Richtung wird glaube ich im Film nicht gesagt. Dazu ein Beispiel aus der Schweiz: Um die Zielvorgaben zur CO2-Reduktion zu erreichen, ersetzten viele Gewächshausproduzenten ihre Ölheizungen durch Gasheizungen. Damit konnten sie den Ausstoss auf einen Schlag deutlich reduzieren. Aber natürlich ist das auch nicht wirklich eine tolle Lösung.

Solarmodule halten mindestens 30 Jahre

Die Solarenergie kommt im Film sehr schlecht weg. Einfach so viel: Module haben heute nach drei bis vier Jahren so viel Energie produziert, wie zu ihrer Herstellung benötigt wurde. Das heisst: Die restlichen 30 Jahre (und nicht nur zehn Jahre wie im Film gesagt) liefert das Modul saubere Sonnenenergie. Praktisch alle verwendeten Stoffe (auch die seltenen Erden) können zudem wiederverwertet werden. Etabliert ist das PV-Recycling allerdings noch nicht, wird aber in ein paar Jahren sicher der Fall sein. Und was Kohle damit zu tun haben soll, weiss ich nicht. Vielleicht um Strom zu produzieren für die Modulproduktion? Auch hier gibt es offenbar heute sogar in China bereits Fabriken, die Solarmodule mit erneuerbaren Energien herstellen. Und es ist klar, dass man irgendwo in den USA immer eine Solaranlage findet, die verlottert ist. Es gibt ja dort einige Regionen, die quasi sich selbst überlassen sind. Ich glaube, das sind aber Ausnahmen. Kann es aber nicht beweisen. In Kalifornien habe ich übrigens nichts dergleichen gesehen, und ich habe genau hingeschaut. In der Schweiz ist es übrigens nicht erlaubt, Solarmodule auf einem Feld aufzustellen. Die Politik will zuerst die vielen Dächer nutzen, die noch zur Verfügung stehen. Und übrigens muss es auch noch nichts heissen, wenn eine Gasleitung zu einer thermischen Solaranlage führt, wie im Film gezeigt wird. Ohne die Hintergründe zu kennen, wäre es ja auch möglich, dass diese nur als Backup dient und nur in extremen Mangelsituationen zum Einsatz kommt. Das sind die Stellen, wo ich den Film unsorgfältig und unkritisch finde.

Holzschnitzel nicht gleich Holzschnitzel

Die Holzschnitzel schneiden im Film auch sehr schlecht ab. Hier gilt: Wenn dafür Wälder grossflächig abgeholzt werden, dann macht es ökologisch tatsächlich keinen Sinn. In der Schweiz wächst zurzeit aber beispielsweise mehr Holz nach, als energetisch genutzt wird, deshalb gilt es bei uns als CO2-neutral. Wenn sich nun jemand den Film ansieht, dann besteht hier die Gefahr, dass dies unkritisch 1:1 auf die Schweiz übertragen wird. Aber: Natürlich ist es tatsächlich eine Illusion, in der Schweiz alle fossilen Energieträger mit Holz ersetzen zu wollen (das hat glaube ich auch niemand ernsthaft im Sinn). Auf alten Bildern vom vorletzten Jahrhundert kann man die kahlen Hügel in der Schweiz noch sehen, weil die Menschen damals alles abgeholzt haben. Damals lebte nur ein Drittel der heutigen Bevölkerung in der Schweiz; unschwer sich vorzustellen, wie das heute aussehen würde. Und da kommen wir vielleicht zum meines Erachtens ehrlichsten Punkt des Films. Ein Protagonist sagt: «Es hat zu viel Menschen auf der Welt, die zu viele Ressourcen verbrauchen». Das ist am Ende des Tages für mich der entscheidende Punkt bei jeglicher Energiepolitik. Es ist nichts zum Nulltarif zu haben und schon gar nicht bei gleichbleibendem Wohlstand. Weiter wie bisher wird direkt ins Disaster führen. Diesen Weg zeigt der Film ja zur Genüge auf. Aber Lösungen werden leider kaum gezeigt. Das macht den Film einseitig negativ. Aber vielleicht war das ja die Absicht des Autors?

Bleibt die Frage: Würde ich diesen Film empfehlen? Eher ja. Im Sinne einer Ohrfeige zum Aufwecken. In der Hoffnung allerdings, dass das Publikum den Inhalt nicht einfach so schluckt und das Ganze trotzdem noch kritisch einordnen kann. Denn natürlich befindet sich der Planet zurzeit an einem Wendepunkt, wo es allerdings weniger um die Zukunft von ihm selbst, sondern der Menschheit geht. Und das sagt – glaube ich – auch einer der befragten Experten.

www.planetofthehumans.ch

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