Tomaten gegen Viren impfen

Seit ein paar Jahren können Tomatenproduzenten ihre Kulturen gegen einen PepMV-Befall impfen, was in der Praxis offenbar gut funktioniert. Forschungen an einer Impfung gegen das Jordanvirus laufen. Bis es soweit ist, dürften aber noch Jahre vergehen.

Mit dem Jordanvirus befallene Tomaten: verschiedene Bekämpfungsmöglichkeiten werden erforscht.

Hat sich das Pepinomosaik-Virus (PepMV) erst einmal in den Tomatenkulturen eingenistet, sind Verluste von mehr als 25 Prozent möglich. Aus dem Gewächshaus bringt man die Krankheit dann fast nicht mehr heraus. In diesem Fall sichern sich betroffene Gemüsegärtner in der Schweiz deshalb seit der offiziellen Zulassung immer öfter mit dem Impfstoff PMV®-01 ab, der übrigens auch auf der Betriebsmitteliste für den biologischen Landbau steht. Entwickelt hat ihn die belgische Firma De Ceuster Meststoffen (DCM), eine Tochterfirma der Group de Ceuster, zusammen mit einem Netzwerk von verschiedenen Forschungspartnern. Samuel Stüssi von der in der Schweiz für den Vertrieb zuständigen Andermatt Biocontrol schätzt die so «geimpfte» Gewächshausfläche in der Schweiz auf rund 70 Hektaren. Die meisten davon befänden sich in vom Virus besonders betroffenen Regionen in der Westschweiz und im Tessin. Die Impfung funktioniere in der Praxis ganz gut, sei aber nicht ganz billig, sagt Stüssi. Für betroffenen Betriebe lohne sich das aber im Sinne einer Versicherung. Im Preis eingeschlossen sind PCR-Tests an den jungen Kulturen vor und ein paar Wochen nach der Applikation. «Die Impfung funktioniert nur, wenn das Pepinomosaikvirus nicht bereits in der Pflanze vorhanden ist», erklärt Stüssi. Der zweite Test nach sechs Wochen zeigt dann, ob genug Impfstoff in der Pflanze enthalten ist.

Suche nach Impfstoff gegen Jordanvirus

Seit Juni 2021 untersuchen Forschungsinstitute aus mehreren Ländern im Rahmen des Europäischen Projektes «Virtigation» auch verschiedene Bekämpfungsmöglichkeiten gegen das extrem bedrohliche Jordanvirus (ToBRFV), das im letzten Jahr erstmals in der Schweiz aufgetreten ist. Geforscht wird auch nach einem Impfstoff. Die Firma DCM ist Mitglied des «Virtigation» Konsortiums. Obwohl die Forschungsstrategie und die Methodik ähnlich seien, wie bei der Entwicklung des Impfstoffs gegen das Pepinomosaik-Virus, dürften die Arbeiten eher schwieriger werden, weil das Jordanvirus in Europa erst seit 2018 kursiere, erkärt Inge Hanssen von DCM. Die genetische Vielfalt scheint deshalb geringer zu sein, was die Suche nach natürlichen milden Varianten möglicherweise erschwere. Zudem gehöre das Virus zu einer anderen Gattung und bewirke im Vergleich  zu PepMV eine aggressivere Reaktion. Deshalb brauche es mehr Forschung. Die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs sowie die Zulassung dürften mehrere Jahre dauern. Zurzeit wäre der Einsatz eines Impfstoffes in der Schweiz rechtlich gar nicht möglich, weil das Jordanvirus als meldepflichtiger Quarantäne-Organismus gelistet ist. n

www.virtigation.eu

Bakteriophagen gegen Bakterien
Die belgische Firma DCM schloss sich mit der amerikanischen auf Bakteriophagen spezialisierten Unternehmen Omnilytics zusammen, um entsprechende Pflanzenschutzmittel auch für den europäischen Markt zu entwickeln. In Europa ist die Technologie in der Landwirtschaft noch weitgehend unbekannt. In den USA sind Bakteriophagen (griechisch: Bakterienfresser) schon seit längerem gegen Bakterienkrankheiten in landwirtschaftlichen Kulturen zugelassen. Dabei handelt es sich um komplexe, hochspezialisierte Viren, die sich an bestimmte Wirtsbakterien andocken und sich dort so lange vermehren, bis diese zerstört werden. Diese natürlichen Feinde von Bakterien sind überall dort, wo diese auch vorkommen. Bakteriophagen werden in der Medizin vor allem in östlichen Ländern schon seit längerem verwendet und gelten als hoffnungsvolle Alternative zu resistenten Antibiotika. Um wirkungsvolle Bakteriophagen-Mischungen herzustellen, müssen nun zuerst viele Proben in den Regionen gesammelt werden, um die dort im Gemüse oder Obst vorhandenen zu bekämpfenden Bakterien zu bestimmen. Die Mittel gelten als unbedenklich für Mensch und Umwelt und könnten gerade im Biolandbau dazu beitragen, den Einsatz des umstrittenen Kupfers als Pflanzenschutzmittel zu reduzieren. 

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