Vom Hofladen auf den Weltmarkt (St. Galler Tagblatt 25. Juli 2007)

Christof Schenk, Holderhof Produkte AGDie Ostschweizer Holderhof Produkte AG produziert Wein und Sirup aus Holunder. Angefangen hat es ganz klein im Hofladen des Bauernhofs. Heute beliefert das Unternehmen Grossverteiler. Jetzt folgt der Schritt auf den chinesischen Markt.

Mit Holunder Geld verdienen? Wie das geht, zeigt der heute 27-jährige Christof Schenk aus Niederwil bei Gossau mit seiner Firma Holderhof Produkte AG. Begonnen hatte alles während seiner Lehre als Landwirt in der Landwirtschaftlichen Schule in Flawil vor zehn Jahren. Dort merkte er bald, dass Kühe nicht sein Ding waren. Sein Herz verlor er an eine selten gepflegte Kultur: den Holunderstrauch. Noch während seiner Lehrzeit pflanzte er auf dem elterlichen Bauernhof die ersten Holunderkulturen und wurde zum Rohstofflieferanten für eine Sirup-Firma in Biel. Eigentlich wollte er den Holunder aber viel lieber zu eigenen Produkten verarbeiten. Die Diplomarbeit bot die Gelegenheit dazu. Mit der Entwicklung des Holunderblütenweins «Elderwood» – einem Gemisch aus Weisswein und Holunderblütenextrakt –, schloss Schenk seine Landwirtschaftslehre erfolgreich ab. Damit war die Basis geschaffen: Sein ehemaliger Lehrer aus der Realschule gestaltete die Etikette, als Lagerraum diente eine alte Scheune. Im Alter von 20 Jahren lieferte Christof Schenk seine ersten Flaschen mit Holunderblütenwein an Restaurants in der Region.

Zuhören und handeln

Damit war der Unternehmergeist in Christof Schenk endgültig erwacht. Er informierte sich bei den Fachleuten. «Ich hörte ihnen vor allem zu und redete wenig», sagt Schenk. Folgen liess er dann aber Taten. Sein betriebswirtschaftliches Rüstzeug holte er sich an der Handelsschule. Zu Hause vergrösserte er sukzessive die Anbauflächen auf dem Betrieb des Vaters und schloss Anbauverträge mit anderen Bauern ab. Nachdem ihm der Abnehmer seiner Holunderblütenernte kurzfristig den Abnahmevertrag kündigte, begann er selber mit dem Extrakt zu experimentieren. Die ersten Abnehmer für seine Spezialitäten fand er in Restaurants der Region und im eigenen Hofladen. Als der Engros-Markt CCA in Gossau seine Getränke ins Sortiment aufnahm, war das so etwas wie der Durchbruch.

Hartnäckigkeit zahlt sich aus

Christof Schenk verfolgte von Anfang an hartnäckig eine Vorwärtsstrategie: «Ich versuchte immer wieder einen Termin bei der Landi-Gruppe zu bekommen. Erst nach zwei Jahren klappte es.» Die Ausdauer hatte sich gelohnt: Das Treffen verlief erfolgreich. Bereits im ersten Jahr erzielte die Landi in ihren Läden mit den Holderhof-Produkten – neben dem Holunderblütenwein bald auch Erdbeerwein – einen Umsatz von mehreren hunderttausend Franken. Damit war die Zeit endgültig vorbei, als Christof Schenk die Kartons mit den Flaschen noch im Kofferraum seines Autos zu den Kunden transportierte. Von jetzt an fuhren die Sattelschlepper in Niederwil vor.

Als die Landi-Gruppe zusätzlich eine Sirup-Linie lancierte, war Christof Schenk schnell zur Stelle. Wieder kam zuerst seine Lieblingskultur Holunder zum Einsatz. Entwickelt hatte er das Rezept nach Feierabend in der eigenen Küche: «Ich fragte meine Grossmutter um Rat.» Die Ratschläge waren offenbar gut. Die Nachfrage stieg weiter an, neue Produkte HOlunderblütenwurden lanciert. Zum Beispiel das trendige Erfrischungsgetränk «Sambus», ein Gemisch aus Mineralwasser, Holunderblütenextrakt und Holunderbeersaft. «Über drei Millionen Franken werden wir in diesem Jahr umsetzen», sagt der Jungunternehmer stolz.

Neuer Markt in China

Seine Arbeitszeit verbringt Christof Schenk vor allem im Büro, in fremden Sitzungszimmern und im Auto. Oft ist er tagelang unterwegs auf der Suche nach Abnehmern von seinen Produkten und Partnern für neue Ideen. In diesem Jahr ist endlich ein Grossverteiler auf den Zug aufgesprungen. «Nach vielen vergeblichen Bemühungen, ist dieser jetzt sogar von selbst auf mich zugekommen», sagt er stolz.

Doch Schenk will mehr. In Deutschland und Österreich hat er bereits Kunden. Nun will er den chinesischen Markt erobern. Seit diesem Jahr hat er einen Verkäufer eingestellt – ein Deutsch sprechender Chinese –, der vor Ort den Markt bearbeitet. Erste Bestellungen sind bereits eingegangen. Schenk träumt von zweistelligen Millionenumsätzen und hat ein grosses Ziel: «Ich möchte in der Schweiz die Nummer eins im Handel mit Holunderprodukten werden.» Er sagts und braust mit dem Audi Quattro weiter zum nächsten Termin.

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