And the Winner is: Kabis

2020 wuchs die verkaufte Menge von Kabis um mehr als ein Viertel. Überhaupt erzielte die Gemüsebranche im Detailhandel ein Rekordergebnis und legte wertmässig um über 10 Prozent zu. Das allerdings bei tieferen Preisen am Verkaufspunkt.

Die Zuwachsraten sind schon fast traumhaft: 28 Prozent mehr Weiss­kabis, Rotkabis und Wirz wurden im letzten Jahr verkauft. Dies zeigen vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) in Auftrag gegebene Analysen von Nielsen Schweiz. Die Zunahme erfolgte, obwohl die Gastronomie wegen Corona kaum als Abnehmer in Erscheinung trat. Wohin die zusätzlichen Mengen genau gegangen sind, ist nicht bekannt. Es weist aber vieles darauf hin, dass ein grosser Teil wirklich in den Küchen der Haushalte landete, wo wegen der Lockdowns mehr Leute zum eigenen Kochgerät griffen. Zudem verzichtete ein grosser Teil der ausländische Bevölkerung auf einen Heimaturlaub, was sich ebenfalls positiv auf den Kabiskonsum ausgewirkt haben könnte.

Tiefere Preise

Die Hälfte der Verkaufsmengen gingen auf das Konto von Weisskabis. Rotkohl und Wirz kamen auf Anteile von 25,6 und 24,4 Prozent. Zwischen den Produkten gab es deutliche Preisunterschiede, Wirz lag mit CHF 4.29 pro Kilogramm obenauf. Der Durchschnittspreis aller Kabisarten lag mit CHF 2.67 pro Kilogramm 24 Prozent tiefer als im Vorjahr. Ein Grund dafür vermuten die Analysten im vermehrten Verkauf tieferpreisiger ausländischer Ware, da die Lagermengen aufgrund der starken Nachfrage rascher zur Neige gingen. Vor allem im April gab es deshalb deutlich mehr Importe als in den Vorjahren. Zudem wurde grosskalibrige Gastronomieware wegen Corona im Tiefpreissegment verkauft. 

Im Vergleich zum Durchschnitt der vier Vorjahre verzeichneten alle Quartale in 2020 bei Kabis höhere Verkaufsmengen. So wurden im ersten Quartal mit 1320 Tonnen rund 20 Prozent mehr und im vom Lockdown geprägten zweiten Quartal mit 876 t sogar 52 Prozent mehr von den drei Kabisarten abgesetzt. Im zweiten Quartal wird sonst aufgrund abnehmender Lagermengen und Nachfrage typischerweise weniger Kabis abgesetzt als im ersten Quartal. Die Pandemie sorgte 2020 aber trotzdem für eine verstärkte Nachfrage. 

Kaum Produktionsausweitung

Die grosse Frage ist, ob die zusätzlichen Abverkäufe von Kabis in erster Linie nur Corona geschuldet sind oder ob es sich tatsächlich um einen neuen Trend handeln könnte. Für letzteres spricht die in den letzten Jahren in der Schweiz auch vor der Pandemie bereits zunehmenden Anbauflächen. Dass die Gemüsegärtner nun aber zusätzlich mit einer markanten Ausweitung der Produktion reagieren, ist eher unwahrscheinlich. Obwohl die Lager Ende April schon fast leer waren – trotz deutlich mehr eingelagerter Ware im Vergleich zum Vorjahr –, hat sich die Situation nach Aussage von Kohlanbauern mittlerweile wieder normalisiert. Sorgen bereiten allerdings die Preise: Denn Kabis ist mittlerweile definitiv zu einem Tiefpreisprodukt geworden. 

Rekordabsatz im Schweizer Detailhandel

2020 war für die Früchte- und Gemüsebranche das Jahr der Extreme. Das zeigten auch die rekordhaften Verkaufszahlen des Detailhandels, schreibt das BLW. Im Frischesegment wurden mit einem Absatz von 469 Mio. kg bei Gemüse ein Höchstwert erzielt, der in keinem der zehn Vorjahre erreicht wurde. Frisches Gemüse (inkl. Kartoffeln, Kräuter und Pilze) überschritt 2019 erstmals die Umsatzmarke von 2 Mrd. CHF und legte 2020 nochmals stark auf 2,3 Mrd. CHF (+ 12,4 %) zu. Das Umsatzwachstum sei eindeutig mengengetrieben gewesen, denn der durchschnittliche Verkaufswert pro Kilogramm ist leicht gesunken. n

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