Brennerei: Old Midleton Distillery, eine der drei letzten Irish-Whiskey-Brennereien Kommt ohne rauchigen Flavour aus (Schweizer Bauer, 7. August 2002)

Ein Besuch in der Old Midleton Distillery in der Nähe von Cork, eine der drei letzten in ihrer Art, führt durch die Geschichte des irischen Whiskeys. Gleich hinter dem historischen Gelände dampft der Kamin der neuen Anlage.

Dass der irische Whiskey weltweit nur die dritte Geige spielt, hat weniger mit der Qualität, sondern mehr mit seiner schwierigen Geschichte zu tun. Noch streiten sich die Historiker darüber, ob das edle Getränk nicht sogar in Irland selbst erstmals gebrannt wurde. Sicher ist, dass der Begriff Whiskey aus dem Gälischen stammt und übersetzt «Lebenswasser» heisst.

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts belieferten noch rund 2000 irische Whiskey-Brennereien die ganze Welt mit dem edlen Tropfen. Anfang des vergangenen Jahrhunderts bedeuteten das Verbot in den USA und der Verlust des britischen Absatzmarktes nach dem Unabhängigkeitskrieg das Ende vieler irischer Brennereien. Übrig geblieben sind bis heute nur gerade drei Stück, die allesamt zum französischen Pernod-Ricard-Konzern gehören. Eine davon ist die Midleton Distillery in der Nähe von Cork. Die alte Brennerei mit ihrem Lernpfad über die Whiskey-Produktion bildet seit 1975 einen Magnet für Whiskey-Liebhaber aus der ganzen Welt. Gleich hinter dem aus industriegeschichtlicher Betrachtungsweise einzigartigen alten Gelände streckt sich der Kamin der neuen Anlage. Dort werden heute jährlich rund 20 Millionen Flaschen Whiskey produziert, darunter der bekannte Jameson Whiskey, und auf dem ganzen Globus verkauft.

Der Unterschied zu den bekannteren schottischen und amerikanischen Sorten liegt nicht nur in der anderen Schreibweise – der irische schreibt sich mit einem «e» vor dem «y».

Dreimal destilliert

Im Gegensatz zum Scotch fehlt dem irischen Whiskey der rauchige Geschmack, da zur Trocknung der Gerste ein rauchloses Verfahren angewendet wird. Wem also der Geschmack nach dem verbrannten Torf nicht liegt, der ist bei der irischen Version eindeutig besser aufgehoben. Vor allem bei jungen Leuten ist der milde Irish Whiskey deshalb beliebt. Die Grundzutaten für den Whiskey sind Gerste, Malz und sauberes Wasser. Dabei ist Malz nichts anderes als während vier Tagen gekeimte Gerste. In Midleton liefert der Dungay River das Wasser. Die Gerste stammt ausschliesslich aus Irland. Im Unterschied zu seinen «Brüdern» aus den USA und Schottland wird der Whiskey in Irland aber dreimal destilliert. In den anderen Ländern werden meistens nur zwei Brennvorgänge, in den USA in der Regel sogar nur einer durchgeführt. Dank der dreifachen Destillation ist die irische Version ausserordentlich «rein» und weist nach dem Brennen einen Alkoholgehalt von 80 Prozent auf. Die Farbe hat er nach dem dreimaligen Verdampfen verloren. Erst das Eichenholz der Fässer, in denen der Whiskey ein paar Jahre reift, gibt ihm die Farbe zurück.

Der Irish Whiskey Trail

Whiskey TrailDer Whisky wird nach den Jahren in den Fässern schliesslich verdünnt und in Flaschen abgefüllt. Das Prunkstück der Old Distillery ist die Kupfer-Brennblase mit einem Fassungsvermögen von sagenhaften 144 000 Liter aus dem Jahr 1827. Sie ist die grösste ihrer Art weltweit. Am Ende der Führung durch die historische Brennerei wird der heute in der neuen Produktionsanlagen hergestellte Whiskey dem Publikum zur Degustation aufgetischt. Wer dabei den irischen Whiskey vom schottischen Whisky unterscheiden kann, erhält ein Zertifikat.

Die Brennerei in Midleton gehört zum «Irish Whiskey Trail», der im Norden in der Old Bushmills Distillery in Antrim beginnt und über die Old Jameson Distillery in Dublin nach Midleton führt.

www.irish-whiskey-trail.com

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