Büroner Bauer pflanzt in Rumänien Biogetreide an (Neue Luzerner Zeitung, 25.1.2008)

Ein junger Luzerner Bauer suchte neue landwirtschaftliche Perspektiven. Fündig geworden ist er in Rumänien.Christian Häni im Getreidefeld

«Hup-up-up»: Ein Wiedehopf präsentiert seinen prächtigen Kopfschmuck. Die Pferdekutsche fährt vorbei. Einfache Häuser, hinter den Mauern kleine Höfe mit paradiesischen Gärten. Der Standort: Firiteaz, ein typisches Dorf in Westrumänien. 300 Häuser, kein fliessendes Wasser. Mittendrin die Familie Häni aus Büron. Vor drei Jahren sind sie ausgewandert, um in Rumänien Biobauern zu werden. Ein Lebenstraum.

Ungläubige Dorfbewohner

«Viel Zeit zum Träumen habe ich nicht», sagt der 28-jährige Christian Häni. Seine Aufgabe ist gewaltig. 600 Hektaren Ackerland ­ heruntergewirtschaftet in den Zeiten des Sozialismus ­ macht er fit für den Anbau mit biologischem Getreide wie Weizen, Roggen oder Dinkel. Landwirtschaft ohne Spritzmittel und Kunstdünger? Dass so etwas funktioniert, glauben die Dorfbewohner nicht.

Die Leute im Dorf haben ohnehin ganz andere Sorgen. Rumänien ist im Umbruch. Die Zentren boomen. Die jungen Leute des Dorfes arbeiten in den Fabriken, die wie Pilze aus dem Boden wachsen. Viele jobben im Ausland. Geblieben sind die Eltern, die grosse Gemüse- und Obstgärten haben. Eine oder zwei Kühe, ein paar Hühner und Schweine. Das war ihre Lebensversicherung zu Zeiten Nicolae Ceausescus, und das ist sie heute wieder. Bauern verkaufen ihre Äcker, weil sie merken, dass die Hackerei auf den Feldern nichts mehr einbringt. Zu kleine Flächen, schwache Mechanisierung, fehlende Vermarktungsstrukturen.

Wo Verlierer sind, gibt es auch Gewinner. Zu diesen gehört Christian Häni mit Frau Natascha und Töchterchen Anne. Rumänien ist für sie ein Glücksfall. Denn in der Schweiz wäre es für Häni unmöglich gewesen, Bauer zu werden. Sein Vater Theo ist nicht Landwirt, sondern Vermögensberater. Also war kein Bauernhof zu übernehmen.

Theo Häni ist jedoch kein Fremder in der Biobranche: Mit der Firma ASI Natur Holding AG investiert er seit vielen Jahren in den biologischen Landbau in der ganzen Welt. Er stellte das Kapital für den Betrieb in Firiteaz zur Verfügung. Auch er lebt seit diesem Jahr mit seiner Frau Regula im gleichen Dorf. Im Herbst folgte die Tochter mit ihrem Partner.

Pausenlos Anrufe

Der erste Bioroggen nach der mehrjährigen Umstellungszeit steht stramm im Feld, an diesem Tag im Juni. Die Augen von Christian Häni leuchten. Es ist der Lohn für die harte Anfangszeit in der neuen Heimat, mit der fremden Sprache, der osteuropäischen Mentalität. Der junge Bauer hatte zwar an der Fachhochschule in Zollikofen Landwirtschaft studiert. Doch dieser Rucksack war nicht wirklich schwer und taugte wenig für die Praxis.

Firiteaz in Westrumänien

Die Herausforderungen sind gross: Häni muss die Böden auf Vordermann bringen, Maschinen reparieren und vor allem ­ Leute führen. Das Handy läutet fast pausenlos, meistens ist es einer seiner vier Mitarbeiter. Anweisungen gibt er in fliessendem Rumänisch. Die mangelnde Selbstständigkeit der Rumänen mache ihm zu schaffen, sagt er. Vorbei geht es an blühenden Wiesen. Der Betrieb wird von Bio Suisse zertifiziert. Diese verlangt 7 Prozent Ökoausgleichsflächen. Kein Problem bei diesen Dimensionen.

Biobauern sind Exoten

In Rumänien sind Biobauern noch Exoten. Das zeigt sich an diesem Tag: Die Leute von Doktor Mann sind im Dorf. So wird der reiche rumänische Industrielle Nikolaus Mann genannt, der in den letzten Jahren im ganzen Land über 35 000 Hektaren günstiges Agrarland zusammengekauft hat. Die Motoren des Tanklastwagens heulen auf. Traktoren mit kleineren Pumpfässern docken an, um neues Unkrautvertilgungsmittel zu laden. Die Feinverteilung erfolgt auf dem Feld: Zehn Traktoren in Reih und Glied spritzen das Herbizid über die Soja. Am Feldrand bilden sich grüne Wasserpfützen.Doktor Manns Leute sind im Dorf

Boden ohne Pflug bearbeiten

«Diese intensive Bewirtschaftung wird nicht lange funktionieren», meint Christian Häni gelassen. Er verfolgt ein anderes Ziel: gesunde und fruchtbare Böden, die im Einklang mit der Natur hochwertige Nahrungsmittel hervorbringen. Wenn aus Versehen ein Streifen des Kleefeldes mit Herbizid besprüht wird, dann darf das Häni nicht aus der Fassung bringen. «Das Hauptziel nicht aus den Augen verlieren, das ist die grosse Herausforderung», sagt er.

Der biologische Landbau, wie ihn Christian Häni betreibt, funktioniert so: Stickstoffspeichernde Pflanzen wachsen als Vorfrucht, beispielsweise Klee, und liefern die Nährstoffe für die nachfolgenden Kulturen. Der Pflug ist tabu, der Boden wird schonend bearbeitet.

Subventionen von der EU

Durch den zurückhaltenden Einsatz von Maschinen lassen sich Kosten sparen. «Effiziente Produktion ist auch im biologischen Landbau nötig», ist Christian Häni überzeugt. «Meine Bioprodukte kann ich langfristig günstiger anbauen als meine konventionell produzierenden Nachbarn.» Sein Schlüssel zum Erfolg: weniger Maschinen, keine teuren Kunstdünger oder Pflanzenschutzmittel, aneinanderliegende grosse Landparzellen, eigenes Saatgut.

Zudem gibt es seit dem letzten Jahr EU-Subventionen. Pro Hektar bewirtschaftete Fläche sind das 54 Euro Grundbeitrag (86 Franken), je nach Kultur auch mehr. Das Geld hilft, denn der Betrieb ist in der Aufbauphase und hat noch keine Erträge abgeworfen. Doch das wird sich bald ändern. Denn Biorohstoffe sind knapp, und die Preise gut.

Ein junger Luzerner Bauer suchte neue landwirtschaftliche Perspektiven. Fündig geworden ist er in Rumänien.Christian Häni im Getreidefeld

«Hup-up-up»: Ein Wiedehopf präsentiert seinen prächtigen Kopfschmuck. Die Pferdekutsche fährt vorbei. Einfache Häuser, hinter den Mauern kleine Höfe mit paradiesischen Gärten. Der Standort: Firiteaz, ein typisches Dorf in Westrumänien. 300 Häuser, kein fliessendes Wasser. Mittendrin die Familie Häni aus Büron. Vor drei Jahren sind sie ausgewandert, um in Rumänien Biobauern zu werden. Ein Lebenstraum.

Ungläubige Dorfbewohner

«Viel Zeit zum Träumen habe ich nicht», sagt der 28-jährige Christian Häni. Seine Aufgabe ist gewaltig. 600 Hektaren Ackerland ­ heruntergewirtschaftet in den Zeiten des Sozialismus ­ macht er fit für den Anbau mit biologischem Getreide wie Weizen, Roggen oder Dinkel. Landwirtschaft ohne Spritzmittel und Kunstdünger? Dass so etwas funktioniert, glauben die Dorfbewohner nicht.

Die Leute im Dorf haben ohnehin ganz andere Sorgen. Rumänien ist im Umbruch. Die Zentren boomen. Die jungen Leute des Dorfes arbeiten in den Fabriken, die wie Pilze aus dem Boden wachsen. Viele jobben im Ausland. Geblieben sind die Eltern, die grosse Gemüse- und Obstgärten haben. Eine oder zwei Kühe, ein paar Hühner und Schweine. Das war ihre Lebensversicherung zu Zeiten Nicolae Ceausescus, und das ist sie heute wieder. Bauern verkaufen ihre Äcker, weil sie merken, dass die Hackerei auf den Feldern nichts mehr einbringt. Zu kleine Flächen, schwache Mechanisierung, fehlende Vermarktungsstrukturen.

Wo Verlierer sind, gibt es auch Gewinner. Zu diesen gehört Christian Häni mit Frau Natascha und Töchterchen Anne. Rumänien ist für sie ein Glücksfall. Denn in der Schweiz wäre es für Häni unmöglich gewesen, Bauer zu werden. Sein Vater Theo ist nicht Landwirt, sondern Vermögensberater. Also war kein Bauernhof zu übernehmen.

Theo Häni ist jedoch kein Fremder in der Biobranche: Mit der Firma ASI Natur Holding AG investiert er seit vielen Jahren in den biologischen Landbau in der ganzen Welt. Er stellte das Kapital für den Betrieb in Firiteaz zur Verfügung. Auch er lebt seit diesem Jahr mit seiner Frau Regula im gleichen Dorf. Im Herbst folgte die Tochter mit ihrem Partner.

Pausenlos Anrufe

Der erste Bioroggen nach der mehrjährigen Umstellungszeit steht stramm im Feld, an diesem Tag im Juni. Die Augen von Christian Häni leuchten. Es ist der Lohn für die harte Anfangszeit in der neuen Heimat, mit der fremden Sprache, der osteuropäischen Mentalität. Der junge Bauer hatte zwar an der Fachhochschule in Zollikofen Landwirtschaft studiert. Doch dieser Rucksack war nicht wirklich schwer und taugte wenig für die Praxis.

Firiteaz in Westrumänien

Die Herausforderungen sind gross: Häni muss die Böden auf Vordermann bringen, Maschinen reparieren und vor allem ­ Leute führen. Das Handy läutet fast pausenlos, meistens ist es einer seiner vier Mitarbeiter. Anweisungen gibt er in fliessendem Rumänisch. Die mangelnde Selbstständigkeit der Rumänen mache ihm zu schaffen, sagt er. Vorbei geht es an blühenden Wiesen. Der Betrieb wird von Bio Suisse zertifiziert. Diese verlangt 7 Prozent Ökoausgleichsflächen. Kein Problem bei diesen Dimensionen.

Biobauern sind Exoten

In Rumänien sind Biobauern noch Exoten. Das zeigt sich an diesem Tag: Die Leute von Doktor Mann sind im Dorf. So wird der reiche rumänische Industrielle Nikolaus Mann genannt, der in den letzten Jahren im ganzen Land über 35 000 Hektaren günstiges Agrarland zusammengekauft hat. Die Motoren des Tanklastwagens heulen auf. Traktoren mit kleineren Pumpfässern docken an, um neues Unkrautvertilgungsmittel zu laden. Die Feinverteilung erfolgt auf dem Feld: Zehn Traktoren in Reih und Glied spritzen das Herbizid über die Soja. Am Feldrand bilden sich grüne Wasserpfützen.Doktor Manns Leute sind im Dorf

Boden ohne Pflug bearbeiten

«Diese intensive Bewirtschaftung wird nicht lange funktionieren», meint Christian Häni gelassen. Er verfolgt ein anderes Ziel: gesunde und fruchtbare Böden, die im Einklang mit der Natur hochwertige Nahrungsmittel hervorbringen. Wenn aus Versehen ein Streifen des Kleefeldes mit Herbizid besprüht wird, dann darf das Häni nicht aus der Fassung bringen. «Das Hauptziel nicht aus den Augen verlieren, das ist die grosse Herausforderung», sagt er.

Der biologische Landbau, wie ihn Christian Häni betreibt, funktioniert so: Stickstoffspeichernde Pflanzen wachsen als Vorfrucht, beispielsweise Klee, und liefern die Nährstoffe für die nachfolgenden Kulturen. Der Pflug ist tabu, der Boden wird schonend bearbeitet.

Subventionen von der EU

Durch den zurückhaltenden Einsatz von Maschinen lassen sich Kosten sparen. «Effiziente Produktion ist auch im biologischen Landbau nötig», ist Christian Häni überzeugt. «Meine Bioprodukte kann ich langfristig günstiger anbauen als meine konventionell produzierenden Nachbarn.» Sein Schlüssel zum Erfolg: weniger Maschinen, keine teuren Kunstdünger oder Pflanzenschutzmittel, aneinanderliegende grosse Landparzellen, eigenes Saatgut.

Zudem gibt es seit dem letzten Jahr EU-Subventionen. Pro Hektar bewirtschaftete Fläche sind das 54 Euro Grundbeitrag (86 Franken), je nach Kultur auch mehr. Das Geld hilft, denn der Betrieb ist in der Aufbauphase und hat noch keine Erträge abgeworfen. Doch das wird sich bald ändern. Denn Biorohstoffe sind knapp, und die Preise gut.

2 Gedanken zu „Büroner Bauer pflanzt in Rumänien Biogetreide an (Neue Luzerner Zeitung, 25.1.2008)“

  1. Gefällt mir sehr gut wie Ihr das macht !
    Herzlichen Glückwunsch!
    peter zehnder,mai 2013

  2. Gruezi Familie Haeni,
    mit Interesse habe ich den Bericht ueber Euere Arbeit gelesen,tolle Leistung!Meine Frau(Rumaenin)und ich leben seit meiner Pensionierung 2014 in Pitesti.Wir haben ein Haus im Gruenen und halten Huehner,Hund und Katzen.Bei unserem Umschwung gibt es immer etwas zu tun,somit wird es uns nie langweilig!
    Wir wuenschen Euch viel Erfolg und Freuede mit Euerer Arbeit und Leben in Rumaenien!
    Freundliche Gruesse Vio & Fritz Wenger

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