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Demeter-Gemüseanbau im Grossformat

Der Gemüsebaubetrieb Imhof Bioprodukte baut in der Agglomeration von Zürich gross­flächig Demeter-Gemüse an. Die Düngung beispielsweise ist hier deutlich strenger geregelt als bei «normalem» Bio. Betriebsleiter René Sgier nimmt die Herausforderung an.

René Sgier ist Betriebsleiter bei Imhof Bioprodukte in Schwerzenbach.
René Sgier ist Betriebsleiter bei Imhof Bioprodukte in Schwerzenbach.

Nach Wanderjahren durch verschiedene Biobetriebe landete der Norddeutsche René Sgier vor zehn Jahren auf dem Biobetrieb Eichhof der Familie Imhof in Schwerzenbach. Neben der Kräuter- und Blumenproduktion fand er dort Gemüsefelder vor, die höchstens «extensiv» bewirtschaftet wurden. «Technologisch war der Anbau nicht auf dem aktuellen Stand, Handarbeit war in den wenigen Kulturen üblich», sagt Sgier heute. Doch er sah vor allem die Chance, seine Vision von einem biologischen, nachhaltigen Gemüseanbau in grösserem Rahmen zu verwirklichen. Konkret meinte der studierten Gartenbau- und Bodenfachmann: die Produktion nach den vermeintlich strengsten Biorichtlinien des biodynamischen Landbaus von Demeter. Für Sgier ist klar: «Demeter geht bei der Nachhaltigkeit und geschlossenen Kreisläufen einen Schritt konsequenter voran als die anderen Label.» Nach fünf Jahren und zahlreichen technischen und organisatorischen Anpassungen war der Betrieb im Jahr 2017 für die Umstellung bereit. Heute bewirtschaftet die Firma Imhof Bioprodukte mit sechs Festangestellten und rund 45 saisonalen Mitarbeitenden eine landwirtschaftliche Nutzfläche von 85 Hektaren. Davon sind je nach Fruchtfolge 40 bis 50 Hektaren mit Demeter-Gemüse belegt. Dazu gehört seit 2021 auch ein modernes Gewächshaus, in dem Tomaten und Gurken wachsen. Die Umstellung vom «normalen» Bio sei anspruchsvoll und bleibe ein laufender Prozess, sagt Sgier.

Herausforderung Düngung

Feld mit Biosalaten in Demeter Qualität in der Schweiz
Imhof Bio betreibt wenn immer möglich nur oberflächliche Bodenbearbeitung, wie hier vor den Salaten.

Demeterbetriebe müssen 50 Prozent des Stickstoffbedarfs mit eigenen «Mitteln» decken. Für den viehlosen Betrieb in der Agglomeration Zürich ist das besonders herausfordernd. Nach Jahren mit Versuchen und spezifisch angesetzten Semesterarbeiten steht man heute bei einem Mix aus Gründüngungen und Ackerbohnenschrot. Dazu kommt Mist von einem ins System integrierten benachbarten Tierhaltungsbetrieb und rund 30 Prozent zugekaufter pflanzliche Biorga-Dünger. «Um 100 Prozent Eigenversorgung zu schaffen, müssten wir etwa 100 Hektaren zusätzlich mit Ackerbohnen für Schrot bebauen, den wir als Dünger verwenden könnten», erklärt Sgier. Als Gedankenexperiment hat er einmal berechnet, dass der Anbau von Körnerleguminosen auf 3,5 Prozent der Schweizer Agrarfläche ausreichen würde, um den gesamten Gemüseanbau mit Stickstoff zu versorgen. In der Praxis stösst das System aber an seine Grenzen, auch wirtschaftlich: Im Vergleich zu Handels-Biodünger würde das etwa 2000 Franken pro Hektar zusätzlich kosten. Die Demeter-Richtlinien schränken zusätzlich die Palette von Pflanzenschutzmitteln ein. So sind beispielsweise Kupfer und Spinosad verboten. Umso bedeutender sind weite Fruchtfolgen mit einer grösseren Gemüsevielfalt als in früheren Jahren. Als Alternative stehen mikrobielle Präparate zur Verfügung. «Gegen die Gemüseeule wirken diese beispielsweise recht gut», findet Sgier. Aber es gebe Gemüsesorten, wie beispielsweise Kohl und Brokkoli, die mangels bei Demeter vorgeschriebenen CMS-freien Sorten nicht mehr oder nur sehr wenig angebaut würden. Sie sind zu krankheitsanfällig.  

Eingebuddelte Kuhhörner

Imhof Bioprodukte testet verschiedene Mulchmöglichkeiten, hier bei Zucchetti.
Imhof Bioprodukte testet verschiedene Mulchunterlagen: Folie, Hanfmatte und getrocknetes Gras.

Die Grossverteiler Migros und Coop bieten seit ein paar Jahren Demeter-Produkte an, was zu Beginn bei den eher kleinstrukturierten Demeter-Verbandsmitgliedern für rege Diskussionen sorgte. Vorstands-Mitglied René Sgier findet es aber wichtig, dass Demeter dort erhältlich ist, wo auch prozentual die meisten Leute einkaufen. Für die Mehrkosten bei Demeter seien 10 bis 15 Prozent höhere Preise lösbar. «Eine Goldgrube ist es nicht und der Markt ist weitgehend gesättigt.» Und wie hält er es mit den im biologisch-dynamischen Anbau vorgeschriebenen Anwendung von den speziellen oft als esoterisch angehauchten biodynamischen Präparaten? Auch bei Imhof Bioprodukte werden mit Hornmistpräparaten gefüllte Hörner in den Böden eingebuddelt. Sgier kann dem in der Praxis durchaus positives abgewinnen, obwohl es relativ wenig wissenschaftliche Untersuchungen dazu gebe. Dem Boden schade es sicher nicht: «Analysen von Bodenproben wiesen bei uns im Gewächshaus über 26 000 Arten von Tieren, Pilzen und Bakterien nach.»

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