Der Pöstler bringt das frische Gemüse

Ein Abo-Angebot für Gemüse ist eine Möglichkeit der Direktvermarktung. Die grosse Herausforderung dabei ist die Logistik. Die Post bietet hier seit drei Jahren einen Service zur Auslieferung regionaler Produkte an. 

Kathrin Wullschleger-Reinhard verpackt alle zwei Wochen Gemüsesäcke,
die von der Post ausgeliefert werden.

Gemüse-Abos sind seit ein paar Jahren im Kommen und bilden für immer mehr Direktvermarkter einen interessanten zusätzlichen Absatzkanal. Gemüsegärtner beliefern dabei die Kundschaft in regelmässigem Abstand mit frischem, saisonalem Gemüse, idealerweise aus eigener Produktion. Ein Knackpunkt ist dabei die Logistik: Wie kommen die Gemüsesäcke möglichst schnell und effizient zum Abonnenten? Mögliche Lösungen sind die Bewirtschaftung von Abholpunkten, das Abholen auf dem Hof oder die Auslieferung bis zum Endkunden. Für die Kundschaft ist die Auslieferung nach Hause sicher die bequemste Lösung. Sie liegt in Zeiten von Amazon und Zalando ganz im Trend. Den Gemüsegärtnern fehlen für solche Kurierfahrten aber oft die Ressourcen, ganz zu schweigen vom sonst noch anfallenden administrativen Aufwand. Deshalb dachte auch die Gemüsegärtnerin Kathrin Wullschleger bis zum letzten Frühling nie ernsthaft daran, in das Geschäft mit Gemüse-Abos einzusteigen. Schliesslich funktionierte der Verkauf des Gemüses von den 1,6 Hektaren Anbauflächen auf dem Wochenmarkt in Bolligen und im Hofladen in Bantigen seit Jahrzehnten gut. 

Unkomplizierte Angelegenheit

Dass sie nun trotzdem alle zwei Wochen rund 40 Säcke mit frischem Gemüse – mehrheitlich vom eigenen Hof – für den Versand bereitstellt, liegt daran, dass sie das Logistik-Problem elegant lösen konnte. Kathrin Wullschleger arbeitet im Auftrag der Organisation Bioabi, die seit bald neun Jahren in der Stadt Bern einen Lieferdienst für Gemüse und Obst aus Biobauernhöfen in der Region anbietet. «Als im letzten Jahr die Anfrage von dort kam, stellte ich zur Bedingung, dass ich nichts mit der Auslieferung zu tun habe», sagt sie. Gesagt, getan. Die vollen Gemüsetaschen deponiert sie nun am Dienstagabend im Kühlraum. Am nächsten Morgen fährt ein Lieferwagen der Post vor, holt die Ware ab und bringt sie nach Ostermundigen zur Zustellstelle. Dort übernehmen die Postboten die letzte Meile und liefern die Säcke auf ihrer üblichen Zustelltour am gleichen Tag bis an die Haustüre aus. Die Organisation Bioabi gibt Kathrin Wullschleger jeweils zwei Tage vorher per E-Mail durch, wie viele Taschen es braucht. Sie schickt im Gegenzug eine Liste mit dem für den Versand vorgesehenen Gemüse für die Veröffentlichung auf der Bioabi-Homepage. «Ende Monat stelle ich bei Bioabi Rechnung und das war es dann für mich», sagt sie. 

Gemüse zur Zustellstelle bringen

Seit drei Jahren bietet die Post den Zustelldienst für regionale Produkte an, indem sie ihr bereits bestehende Verteilnetz nutzt. Rund 40 Bauernbetriebe profitieren bereits vom Service. Die Mehrheit liefert die Taschen oder Boxen mit Adressen und Barcodes versehen selbst an einer der schweizweit 530 Zustellstellen der Post ab. Diese übernimmt dann mit ihren Postboten die Feinverteilung und verrechnet pro Einheit je nach Art von Gebinde um die Fünf Franken. Holt die Post wie bei Kathrin Wullschleger die Ware ab und fährt diese selbst zu den Zustellstellen, kostet das zusätzlich und wird nach Aufwand abgerechnet. Mit dem Angebot der Post bietet sich vielen Gemüsegärtnern eine neue Möglichkeit, Märkte zu erschliessen, die ihnen bisher verschlossen waren. 

www.post.ch/zustellung-regionaler-produkte

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