Der Verkaufsautomat wird salonfähig

Thomas Stuber ist Experte für Verkaufsautomaten. 

24-Stunden-Shopping macht auch vor Hofläden nicht halt. Nicht nur deshalb arbeiten immer mehr Gemüsegärtner mit Verkaufsautomaten. Und: Es gibt ein Kundensegment, das anonymes Einkaufen auf dem Bauernhof durchaus schätzt.

Karotten gestohlen? Kasse geplündert? Klingeln an der Haustüre am Sonntagmorgen? Viele Betreiber von Hofläden können ein Lied davon singen. Auch deshalb schaffen sich immer mehr Gemüsegärtner einen Verkaufsautomaten an. Thomas Stuber verkauft solche Geräte seit bald zwanzig Jahren. Der Ackerbauer aus Gächliwil SO suchte einst selbst nach einer Lösung, wie er sein ab Hof vermarktetes Brot effizienter und mit weniger der genannten Begleiterscheinungen an die Kundschaft bringen konnte. Gestört hatte ihn zudem, dass die Leute die Ware mit ihren Händen mehrmals herumschoben. Die Lösung war der Automat. Heute verkauft er in seinem Hof-Laden zwar immer noch selbst gebackenes Brot. Doch in erster Linie dient er nun seiner Firma Agridee als Demo-Raum für den Verkauf der verschiedenen Gerätetypen. 

Bargeldlos-Funktion 

«Bitte gewünschtes Produkt wählen» sagt die Computerstimme. Nachdem Stuber die Kreditkarte kurz über das Terminal hält, macht es Klick und die Türe zum Fach mit dem Walliser Aprikosensaft öffnet sich. Der Bezahlapparat erfüllt alle Ansprüche des modernen Einkaufsverhaltens: Die Kunden können bargeldlos mit Bankkarten, mit Noten oder Münzen gegen Rückgeld sowie sogar mobil mit Twint bezahlen. «Es gibt Direktvermarkter, deren Umsätze nach der Installation der Bargeldlos-Funktion um einen Drittel anstiegen», sagt Stuber. Zudem entfalle das mulmige Gefühl beim Einkäufer, wenn der Kunde sein Geld durch den Schlitz der immer noch weitverbreiteten angeketteten Stahlkasse zwängt. Viele fragten sich in diesem Moment instinktiv: wie weiss denn der Bauer, ob ich nun wirklich alles bezahlt habe? Beim Automaten erhält er am Schluss eine Quittung und schafft so klare Verhältnisse. «Automatisches Bezahlen gibt Käufer und Verkäufer mehr Sicherheit,» sagt Stuber. 

System mit Fächern

Verkaufsautomaten mit Fächern haben sich für landwirtschaftliche Produkte bewährt, sagt Stuber. Diese lassen sich je nach Produktekategorie klimatisieren, kühlen oder sogar tiefgefrieren. Hersteller der von Stuber gehandelten Verkaufsautomaten ist die deutsche Firma Rösler. Sie sind massiv aus Stahl gebaut und deshalb gefeit gegen Vandalenakte. Ab 8000 Franken ist man dabei, inklusive Bezahleinheit. Natürlich sei der Automat nicht für alle eine wirtschaftliche Lösung. «Aber es gibt Hofläden mit 1500 Einkäufen pro Woche», sagt Stuber.

Es gebe in seiner Kundschaft ganz verschiedene Kategorien: Beispielsweise grosse Gemüseproduzenten ohne Hofladen, die im Automaten trotzdem Tomaten ab Hof anbieten wollen. Oder etablierte Hofladenbetreiber, die ihre persönliche Präsenzzeit und den Aufwand reduzieren und nach Feierabend schlicht ihre Ruhe wollen. Und dann gebe es noch die, welche das Gemüse immer noch offen und nicht in Fächern anbieten wollen – um das Marktfeeling zu wahren –, und deshalb nur von den Vorteilen der elektronischen Bezahleinheit profitierten. Diese kann man auch separat kaufen. Aus Sicht der Kundschaft werde zudem oft vergessen, dass diese nicht immer auf Gespräche mit «seinem» Gemüsegärtner aus seien und die Anonymität eines Automaten durchaus schätzten. 

Eine zukünftige Möglichkeit sieht Stuber in der externen Platzierung von Verkaufsautomaten mit landwirtschaftlichen Produkten in Stadtnähe. Dank der eingebauten Elektronik kann der Betreiber den Warenfluss jederzeit über sein Handy verfolgen. Stuber schmunzelt: «Nur auffüllen muss er den Automaten noch von Hand.»

www.agridee.ch

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