Direktsaat von Chicoréewurzeln

In der Westschweiz experimentiert ein Betrieb mit Chicoréewurzeln im Direktsaatverfahren. Der Besuch vor Ort zeigte, dass diese Parzelle bei Starkregenereignissen deutlich weniger litt. Was fehlt, sind aber geeignete Direktsaat-Geräte für Gemüsekulturen.

Gemüsegärtner Andi Bühler in direkt gesäten Chicoréewurzeln.

Das Gewitter in der Region um Oppens VD Ende Juni war einmal mehr heftig. Trotzdem läuft Gemüsegärtner Andreas Bühler am nächsten Tag entspannt und ohne Dreck an den Schuhen über die Parzelle in Hanglage. Dort hatte der Lohnunternehmer vor ein paar Wochen Chicorée-Wurzeln direkt zwischen die abgefrorene Gründüngung ausgesät. «So bleibt die Bodenstruktur erhalten und es entsteht kaum Erosion», erklärt Bühler. Ein bisschen weiter oben steht das Gegenbeispiel einer Parzelle, die wie üblich vor der Aussaat mit der Kreiselegge bearbeitet wurde. Zwischen den Reihen hat sich die feine Erde zu einem festen, schlammigen Deckel angehäuft: Zu Fuss ist kaum ein Durchkommen. Zum Glück ist die Parzelle flach. Optimal ist das trotzdem nicht. Andreas Bühler und Urs Ackermann bewirtschaften ihre Flächen in einer Betriebsgemeinschaft und gehören mit der Firma Légufrais SA zu den grössten Chicorée-Anbauern in der Schweiz. Um den Boden zu schonen, tüfteln sie schon seit ein paar Jahren an der Optimierung ihrer Anbautechnik. Eine Möglichkeit wäre eben die Direktsaat, mit der sie seit drei Jahren am Pröbeln sind.

Gründüngungen als Standard

Reduzierte Bodenbearbeitung ist auf dem Betrieb schon seit Längerem angesagt. Der Pflug kommt seit Jahren nur noch für den Umbruch von Grasflächen zum Einsatz. Gründüngungen spielen dafür mittlerweile eine zentrale Rolle. «Alle unsere Flächen sind über den Winter bedeckt», sagt Bühler. Zudem wurde in dieser Saison auf 80 Prozent der Chicoréeflächen bewusst bereits im Herbst gegrubbert und anschliessend mit der Kreiselegge die abfrierende Gründüngung aus der Phacelia-Klee-Mischung «OH-Nutrivert» ausgesät. «Im Frühling braucht es dann nur noch eine flache Bodenbearbeitung mit der Kreiselegge, welche die Bodenstruktur kaum noch verletzt.» Eigene Versuche hätten gezeigt, dass dieses Verfahren der reduzierten Bodenbearbeitung im Frühling beim Chicorée sehr gut funktioniere und eine gute Zwischenlösung im Vergleich zur Direktsaat ohne Bodenbearbeitung sei.

Die Chicoréewurzeln keimen im nur oberflächlich bearbeiteten Boden.

Diese Methode wird in diesem Jahr nur auf einem Bruchteil der Anbauflächen auf 1,2 Hektaren angewendet; auf der bereits erwähnten, besonders erosionsgefährdeten Parzelle. Dabei wurde vor der Aussaat die Resten der Gründüngung gehäckselt und eine Herbizidbehandlung durchgeführt. Die bisher beobachteten Effekte seien grundsätzlich positiv: der Samen laufe gut auf, der Feuchtigkeitshaushalt sei besser und es komme wirklich kaum zu Erosion. Wo liegt dann das Problem? Zum einen wird in Oppens normalerweise mit unterschiedlichen Reihenabständen von 33 und 42 cm gearbeitet, weshalb eine nicht optimale Anpassung der Sämaschine mit einem Zwischenelement nötig wurde. «Aber vor allem ist das normalerweise für Raps oder Mais verwendete Direktsaatgerät zu wenig präzis für unsere Zwecke», erklärt Bühler. Wenn die Abstände in den Reihen zu unregelmässig sind, werden die Wurzeln entweder zu klein oder zu gross, was in der Chicoréeproduktion sehr ungünstig ist. Das gleiche Problem mit der mangelnden Präzision bestand beim im letzten Jahr versuchsweise ebenfalls in Direktsaat ausgesätem Fenchel auf 1,4 Hektaren, wo man mit dem nicht pillierten unförmigen Saatgut definitiv an den Anschlag gekommen sei. 

In der Nachbarparzelle wurde nicht direkt gesägt, die Verschlämmung ist deutlich sichtbar.

Direktsaatmaschine für Gemüse fehlt

Trotzdem habe man die Methode im letzten Jahr bereits etwas optimiert, mit einer Reduktion der Fahrgeschwindigkeit sowie dem Arbeiten bei Windstille. Dabei habe der Vergleich gezeigt, dass die Direktsaat bei den Triebzahlen nicht im Nachteil im Vergleich mit dem üblichen Aussaatverfahren war. Er vermutet, dass dies daran liegen könnte, dass es ohne Bodenbearbeitung keine Sohle gebe und die Wurzel dadurch weniger Probleme für ihr Wachstum habe, weil die Phacelia dort ja schon in die Tiefe vorgearbeitet hat. 

Obwohl sich die Direktsaat bewährt habe, sei vorerst keine komplette Umstellung vorgesehen. Auch weil der Lohnunternehmer kostet und man lieber mit den vorhandenen Geräten arbeite. Und eine Direktsaatmaschine ist da noch nicht dabei. Auch weil es eine solche gar nicht gebe. Für Bühler ist deshalb klar: Für den Durchbruch der Technologie brauche es eine spezifische Gemüse- respektive Chicoréesämaschine mit mehr Präzision und tieferem Abwurfpunkt sowie der Option einer Scheibe und Abpressrad für die Direktsaat. Und natürlich müsse im Herbst wettermässig alles optimal laufen. «Deshalb wäre es gut, wenn es ein Gerät mit beiden Optionen der Direktsaat und mit normalen Aggregaten geben würde».

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