Mit Komposttee Bakterien in den Boden bringen

Was bringt Komposttee wirklich? Gemüsegärtner Peter Zurbuchen stellte extra einen Mikro-biologen an, der untersucht, wie die Prozesse ablaufen und welche Effekte sie haben. Dabei wird auch Wurmkot oder Waldboden beigemischt.

Peter Zurbuchen (links) arbeitet mit dem Lebensmitteltechnologen Peter Schnyder am optimalen Komposttee.

Komposttee passt ganz gut in das aktuelle landwirtschaftliche Umfeld. Der Pflanzenschutz befindet sich bekanntlich gerade in einem gröberen Transformationsprozess, in dem Alternativen zu herkömmlichen Methoden intensiv gesucht werden. Der Komposttee stösst wohl auch deshalb in den letzten Jahren in der Schweizer Landwirtschaft auf ein zunehmendes Interesse. Auch die Gemüseproduktion pröbelt fleissig mit dem in Wasser unter aeroben Bedingungen gelösten Kompost. Doch was steckt dahinter? Verhilft der Komposttee der Pflanze wirklich zu mehr Widerstandsfähigkeit? Lässt sich der chemische Pflanzenschutz damit echt reduzieren? Verbessert er die Verfügbarkeit der Nährstoffe tatsächlich? Noch gibt es mehr Fragen als Antworten. Gemüsegärtner und Bodenspezialist Peter Zurbuchen aus Lippoldswilen will aber mehr Klarheit in die Angelegenheit bringen. Er selbst setzt Komposttee unter anderem auch vor und während dem Setzen von Gemüsekulturen ein und vor allem, wenn er Böden rekultiviert. Appliziert wird mit der herkömmlichen Pflanzenschutzspritze. Zurbuchen ist überzeugt, dass die so verabreichten Bakterien dem Boden neues Leben einhauchen. Um deren Wirksamkeit mit Zahlen zu belegen, beauftragte er den Lebensmitteltechnologen Peter Schnyder, den Komposttee und dessen Eigenschaften bei sich auf dem Betrieb genauer zu untersuchen. 

Unter dem Mikroskop zeigt sich, wie sich «das Leben» in einem Komposttee entwickelt: Rechts sind kaum Organismen erkennbar, links hat sich bereits eine schöne Population von Mikroben gebildet.

Blick ins Mikroskop

Peter Schnyder untersucht dabei unterschiedlich zusammengesetzte Komposttees. Kompost verschiedener Herkunft reichert er für die Mischung beispielweise mit zusätzlichen Komponenten wie Wurmkot oder Walderde an, um für den Boden möglicherweise wertvolle Bakterien reinzubringen. «Der Ausgangskompost darf dabei nicht fertig durchgerottet sein, weil wir die biologische Leistung noch brauchen», erklärt der Experte. In Wasser und unter kräftigem Mischen und Zugabe von Sauerstoff reift das Gemisch während mindestens 24 Stunden heran. Unter dem Mikroskop kann er erkennen, dass sich die Bakterien und andere Mikroorganismen in dieser Zeit kräftig vermehren. «Da sieht man bereits, dass bei diesem Prozess viel passiert». Zusätzlich zentrifugiert er im Labor die Mikroben vorher und nachher und bestimmt so die Zunahme. Je nach Mischung sei diese unterschiedlich: «Wir hatten auch schon Mischungen, bei denen nach 24 Stunden noch kaum Mikroben sichtbar waren». Schon ein paar Stunden später könne das aber ganz anders aussehen, so Schnyder. Eigentlich müssten die Anwender deshalb jeweils selbst zum Mikroskop greifen, um den richtigen Zeitpunkt der Gabe zu bestimmen. 

Dazu fehlt allerdings gerade den Gemüsegärtnern die Zeit. Diese sollen sich deshalb künftig bei Peter Zurbuchens Komposttee-Tankstelle eindecken können. «Unser Ziel ist es, ein möglichst standardisiertes, gut funktionierendes Produkt anbieten zu können», erklärt Peter Zurbuchen. 

Hohes Potential

Peter Schnyder arbeitete viele Jahre in der Lebensmittelindustrie und ist überzeugt, dass im Komposttee viel Potenzial besteht. «Was die Pilze und Bakterien genau machen ist zu komplex, um es wissenschaftlich nachvollziehen zu können.» Er gehe aber davon aus, dass man die Wirksamkeit nachweisen könne. Versuche auf Gras, in einer Reben- sowie einer Obstanlage zeigten bereits gute Resultate. Bei Letzteren wurde der Komposttee auf die Blätter gespritzt. «Es scheint sich dadurch tatsächlich eine Schutzwirkung gegen Pilze zu ergeben», sagt er. Genau erklären könne er das nicht, er vermutet aber, dass sich ein Pilz nicht festsetzen kann, wenn der Ort bereits mit einer Bakterienflora besetzt sei. n

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