Gekommen, um zu gehen

Die Schweizer Gemüsebranche ist auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen. Viele kommen wie Ignac Gergely aus Rumänien. Nach vielen Jahren in der Fremde sieht er seine Zukunft nun in Rumänien. Die Rückkehr in die Schweiz ist nur noch temporär.

Ignac Gergely arbeitet auf dem Gemüsebaubetrieb Müller in Niederbuchsiten in einer leitenden Funktion.

Als Ignac Gergely im Alter von 20 Jahren erstmals als Praktikant zum Arbeiten auf den Gemüsebaubetrieb der Brüder Viktor und Paul Müller nach Niederbuchsiten kam, hatte er ein klares Ziel vor Augen: «Ich wollte Geld verdienen, um ein eigenes Haus in der Heimat in Siebenbürgen zu bauen.» 13 Jahre später ist das Haus in Oroszhegy gebaut. Er kündigte deshalb nach sieben Jahren seine Wohnung und den Job als Qualitätskontrolleur für Früchte und Gemüse bei Manor, den er nach fünf Jahren bei den Müllers angetreten hatte. Er kehrte im September mit seiner Frau und dem 4-jährigen Sohn zurück nach Rumänien. «Ich wollte unbedingt, dass mein Sohn dort eingeschult wird und in der ungarisch geprägten Umgebung aufwächst», erklärt er. Obwohl er es in der Schweiz «zu etwas» gebracht hatte – und inzwischen fliessend Deutsch spricht –, konnte er sich ein Leben in der Schweiz nie vorstellen. Die Bindung in die Heimat ist schlicht zu stark, das Leben dort sei einfach besser für ihn. Vielen seiner Landsleute ginge es ähnlich, sagt er. Während den Monaten auf den Gemüsebetrieben in der Schweiz blieben sie deshalb lieber unter sich, weil sie mit der Schweizer Mentalität wenig anfangen könnten. Ignac Gergely lacht: «Alle zwei Wochen Gulasch, das muss schon sein.» 

Zurück in der Schweiz

In diesem Jahr ist der ethnische Ungare aus Rumänien für ein paar Monate zu den Müllers zurückgekehrt. Immer noch ist der Lohn verlockend, bei einem Durchschnittsgehalt von umgerechnet rund 1200 Franken in Rumänien. Natürlich hatte sich Viktor Müller auch um ihn bemüht: «Es ist schwierig, so zuverlässiges und gut qualifiziertes Personal wie Ignac zu finden.» Er habe mehrere Anfragen von Schweizer Gemüsebetrieben gehabt, sagt Ignac. Er sei aber gerne nach Niederbuchsiten zurückgekehrt, weil man ihm hier mit Respekt begegne und seine Arbeit schätze. Im Winter will er nun sein Haus endgültig fertigstellen und im Frühling ist zusätzlicher Nachwuchs angekündigt. Deshalb ist für ihn klar: «Wenn ich nächstes Jahr wieder kommen sollte, dann höchstens noch für vier Monate von Mai bis Ende August.»  

Direkt in die Fabrik

Wie lange der Schweizer Gemüsebau noch vom Arbeitskräftereservoir in Rumänien profitieren kann, ist fraglich. Zum einen sinkt die Differenz beim Lohnniveau, und mittlerweile hat es im Karpatenstaat genug Jobs. Doch vor allem würden seine Landsleute die langen Arbeitszeiten auf den Schweizer Gemüsefeldern und in den Rüsträumen scheuen, wenn sie hier in der Industrie mit 8,5 Stunden dauernden Arbeitstagen mehr verdienen könnten, sagt Ignac Gergely. Und das passiert schnell: «Sobald jemand zwei Wörter Deutsch spricht, wird er abgeworben.» Das Baugewerbe und Logistikunternehmen rekrutieren die Arbeitskräfte mittlerweile sogar oft direkt, ohne den «bisher üblichen Umweg» über die Landwirtschaft. Viktor Müller beschäftigt während der Anbausaison 35 Arbeitskräfte – vornehmlich aus Rumänien. Die aktuelle Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt bereitet deshalb auch ihm Sorgen: «Da können wir lohnmässig schlicht nicht mehr mithalten.» 

Doch das ist nicht das Problem von Ignac Gergely. Der gelernte Schreiner sieht seine berufliche Zukunft in seiner Heimat, zum Beispiel in der Logistikbranche. Vielleicht eröffne er mit seinem Bruder ein Baugeschäft. Zudem habe er im Haus Gästezimmer eingerichtet, die er mit seiner Frau künftig an Touristen vermieten wolle. Möglichkeiten gäbe es also viele. Klar ist für ihn aber: Mit der Landwirtschaft will er dort ausser im eigenen Garten nichts mehr zu tun haben. 

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