Eine Anlaufstelle für Arbeitsnehmende

Simone Steiner ist seit 2020 Präsidentin des Interessenvereins für Arbeitnehmer im Gemüsebau (IVAG). Sie will die Organisation nun vor allem bei jungen Gemüsegärtnerinnen und -gärtnern bekannt machen und diese von einer Mitgliedschaft überzeugen.

Die 25-jährige Simone Steiner setzt sich als IVAG-Präsidentin für die Angestellten in der Gemüsebranche ein.

Es funkte während einer Schnupperwoche beim Kürbiswaschen. Simone Steiner lacht: «Ausgerechnet bei dieser eigentlich ziemlich monotonen Arbeit wurde mir klar, dass ich Gemüsegärtnerin werden wollte.» Es war der Einstieg in eine neue Welt. Obwohl die Grosseltern Bauern waren, hatte die damals 14-Jährige aus Neuenkirch LU kaum Bezug zur Landwirtschaft. Es folgten die Lehrjahre in Malters auf dem Biohof Widacher und bei Bösiger Gemüsekulturen in Niederbipp. Nach dem erfolgreichen Lehrabschluss und einer kurzen Reisepause landete sie im Freiburger Seeland bei Gutknecht Gemüse in Ried bei Kerzers. «Eigentlich wollte ich nur kurz hierbleiben.» Daraus sind mittlerweile aber sechs Jahre geworden. Sie arbeitet als Vorarbeiterin und Stellvertreterin von Pascal Gutknecht. Grosskunden betreuen, Verkauf, Logistik, Ernte: Der Arbeitsalltag sei abwechslungsreich, findet sie. An die langen Arbeitstage hat sie sich längstens gewöhnt. 

Präsidentinnenamt als Herausforderung

Wie wir nun bereits wissen, ist Simone Steiner immer offen für Neues. Wohl auch deshalb liess sie sich im Januar 2020 zur Präsidentin des Interessenvereins für Arbeitnehmer im Gemüsebau (IVAG) wählen. An einem der traditionellen Arbeitnehmerseminare kam sie erstmals in Kontakt mit dem Verein. Der Verein leidet wie so viele andere in der Schweiz an Nachwuchsmangel. Der langjährige bisherige Präsident Philipp Brandt suchte eine Nachfolge und konnte die heute 25-Jährige schliesslich vom Amt überzeugen. Das Unbekannte und die Herausforderung habe sie gereizt, sagt Simone Steiner. « Und dem Verein drohte die Auflösung, was doch schade gewesen wäre.» 

Weil kurz nach der Wahl die Corona-Pandemie aufzog, war ihr Wirkungskreis bisher stark eingeschränkt. Untätig geblieben ist sie aber nicht. Vor allem will sie den IVAG bei den jungen Berufseinsteigerinnen und -einsteigern bekannter machen. «Viele kennen uns gar nicht.» Sie sollen wissen, dass sie beim IVAG wertvolle Informationen zu Löhnen, Arbeitszeiten oder Kündigungen erhalten. 

Die meisten angestellten Gemüsegärtnerinnen und -gärtner wünschen sich kürzere Arbeitszeiten und mehr Lohn. Dass diese Ansprüche schwierig zu erfüllen sind, spürte sie bereits in ihrem ersten Amtsjahr. Da sitze man als Vertreterin zusammen mit der ABLA (Schweizerische Arbeitsgemeinschaft der Berufsverbände landwirtschaftlicher Angestellter) gegenüber von zehn Arbeitgebern. «Wenn es um höhere Löhne und tiefere Arbeitszeiten geht, spürt man von dieser Seite schon viel Gegenwind». Doch immerhin gäbe es jedes Jahr ein paar Franken mehr Lohn und bei den Wochenarbeitsstunden peile der IVAG weiterhin eine nationale Lösung mit maximal 49.5 Wochenstunden an, wie er auch im Modellarbeitsvertrag des IVAG enthalten ist. 

Facebook und neuer Flyer

Zurzeit sind rund 100 Gemüsegärtnerinnen und -gärtner Mitglied beim IVAG, die meisten sind bereits im fortgeschrittenen Alter. Mit einem neuen Flyer und einer Facebook-Seite will Simone Steiner junge Mitglieder anwerben. Sie will künftig wieder mehr direkt in die Schulen gehen, um den jungen Stiften die Vorteile einer Mitgliedschaft beim IVAG aufzuzeigen. «Sie sollen wissen, dass es eine Anlaufstelle gibt, wenn es Probleme im Job gibt.» Und natürlich hofft sie, dass bald wieder ein Seminar stattfinden kann. Besonders hier sei man aber auf aktive Mithilfe von Mitgliedern angewiesen, die ihre Ideen einbringen würden, sagt sie. «Interessierte können sich gerne bei mir melden!»

www.ivag-swiss.ch

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