Gemüse auf die Bahn verladen

Der Gotthard bildet das Nadelöhr im Nord-Süd-Verkehr. Im Rahmen der Unternehmertagung Gemüse zeigte die Firma Zingg Transporte AG, wie sie die Schwierigkeiten meistert. Ein Teil der Lösung ist das Verladen auf die Bahn.

Gemüse reist per Bahn durch den Gotthard. (Bild Zingg Transporte AG)

Unzuverlässig und unberechenbar. Die Nord-Süd-Verbindung durch den Gotthard ist für die Zingg Transporte AG oft Glücksache. Ihre temperaturgeführten Lastwagen fahren täglich mit Frischwaren wie Gemüse vom Tessin in die Deutschschweiz und umgekehrt. «Bei einem plötzlichen Wintereinbruch müssen wir uns mit ausländischen Transporteuren messen, die mit ihren nicht wintertauglichen Fahrzeugen im Schnee steckenbleiben», sagte Verkaufsleiter Franz Gräzer anlässlich der 5. Unternehmertagung Gemüse. Aber nicht nur solche schwer einkalkulierbaren Ereignisse, sondern das grundsätzlich zunehmende Verkehrsaufkommen auf den Schweizer Strassen bereitet ihm Sorgen. Vor allem, weil gleichzeitig die Zeitfenster bei den Abnehmern immer enger werden. Früher hätten die Chauffeure bei einer Abladestelle entstandene Verzögerungen noch aufholen können, was heute auf den überfüllten Hauptverkehrsachsen nicht mehr möglich sei, erklärte Gräzer. «Die Herausforderung besteht darin, jeweils das richtige Zeitfenster zu finden, um trotz allem unseren Auftrag erfüllen zu können.» 

Bahnverlad als Alternative

Eine Möglichkeit, um unter anderem Staus zu umgehen, bietet der Verlad auf die Bahn. Schon heute verlädt die Zingg Transporte AG auf der Nord-Süd-Route jährlich von Stabio aus 3000 Transporteinheiten in die Deutsch- und Westschweiz. Das entspricht rund 680 000 km, die nicht auf der Strasse gefahren werden. Damit wird CO2 eingespart und vor allem fällt für diese Kilometer die Leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA) weg. Unter dem Strich seien die Kosten für den kombinierten Verkehr aber etwa gleich hoch, wie im Strassenverkehr. Er sei aber weniger flexibel wie der Strassenverkehr. Die Zeitpläne sind fix und es gibt keine Ausweichmöglichkeit, wenn die Strecke einmal unterbrochen ist. Und leider könne die Transportbranche bisher nicht vom neuen Gotthard-Basis-Tunnel und dem Zeitgewinn profitieren, weil dort der Personenverkehr Priorität habe, erklärte Gräzer. Er hofft diesbezüglich aber auf bessere Zeiten, wenn im nächsten Jahr der Ceneri-Basistunnel eröffnet wird.  

Höhere Transportkosten sind absehbar

Wie andere Branchen kämpft auch die Transportbranche mit dem Fachkräftemangel. «Es ist immer schwieriger, Personal zu finden, das unsere Anforderungen erfüllt», sagte Gräzer an seinem Referat. Die Lohnkosten dürften in den nächsten Jahren deshalb ansteigen. Als zusätzliche Kostentreiber bezeichnete Gräzer neben den Treibstoffpreisen die LSVA. Er rechnet damit, dass ihre EURO6-Fahrzeuge nächstens herabgestuft und mit dem höheren Tarif belastet werden. Er geht auch deshalb davon aus, dass die Transportkosten in den nächsten Jahren ansteigen werden. 

Zudem warnte er vor der im Zusammenhang mit der im Rahmenabkommen mit der EU diskutieren Lockerung des Verbots von sogenannten Kabotagefahrten zwischen zwei Punkten innerhalb der Schweiz mit ausländischen Fahrzeugen. Die Transportbranche rechnet in diesem Fall mit einer massiven Zunahme von ausländischen Lastwagen auf Schweizer Strassen, welche die Unternehmen mittels Lohn- und Sozialdumpings in den Ruin treiben könnten.

www.zingg-transporte.ch

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