Blockchain: Maximale Transparenz als Ziel

Die Blockchain-Technologie bietet interessante Möglichkeiten bei der Rückverfolgbarkeit von Gemüse. Ideal wäre es, wenn möglichst viele Daten automatisch von Sensoren erfasst würden – beispielsweise in Kühlfahrzeugen.

Herr Lange*, können Sie in wenigen Worten erklären, was eine Blockchain ist?

Es handelt sich dabei um eine Datenbank, die man nachträglich nicht mehr verändern kann. Wie der Begriff schon sagt, handelt es sich um Blöcke, die aneinander gekettet sind. Jeder Block enthält in sich abgeschlossen ein Paket mit Informationen, kommen neue Daten dazu, wird ein zusätzlicher Block angehängt. Eigentlich ist es vergleichbar mit einer Excel-Liste, in die mehrere Leute Informationen reinschreiben. Bei der Blockchain-Technologie können diese aber nicht mehr verändert werden, wenn sie einmal erfasst sind. 

Die Blockchain-Technologie wird in der Lebensmittelbranche vor allem im Zusammenhang mit der Rückverfolgbarkeit von Produkten in Verbindung gebracht. Welchen Mehrwert bringt sie im Vergleich zu heute, wo die Rückverfolgbarkeit ja eigentlich auch schon ganz gut funktioniert? 

Der liegt darin, dass man die Informationen im Nachhinein nicht mehr verändern kann. Gemüseproduzent, Zwischenhändler und der Endabnehmer liefern alle Daten, die in einer Blockchain zusammengeführt werden. Ideal ist, wenn Sensoren beispielsweise automatisch Daten aus einem gekühlten Transportraum an die Blockchain übermitteln. Damit entsteht für alle Beteiligten eine maximale Transparenz. 

Blockchains gelten als sicher und zuverlässig. Doch wie kann sie garantieren, dass die Daten – beispielsweise ein Pflanzenschutzmittel – richtig eingetragen werden?

Manipulationen entfallen bei dieser Technologie natürlich nicht. Es liesse sich aber lösen, wenn die Erfassung der Daten automatisch geschehen würde. Aber ich denke im angesprochenen Fall von Pflanzenschutzmitteln oder auch beim Dünger ist das noch schwierig. Im Normalfall arbeiten Lieferant und Abnehmer aber ja zusammen und es besteht bereits ein gewisses Grundvertrauen. 

Nehmen wir eine Tomate: Startet die Blockchain bei der Aussaat beim Jungpflanzenhersteller?

Das wäre möglich. Bei unseren bisherigen Projekten beginnt das Ganze bei der Ernte, weil man das Ganze zurzeit ja hauptsächlich für den Endkunden macht. Dieser kann die Informationen beispielsweise über einen QR-Code abrufen. Untersuchungen zeigen übrigens, dass 80 Prozent der Konsumenten wissen wollen, woher ihre Lebensmittel kommen. Mit der Blockchain-Technologie ergibt sich für die Lebensmittelhändler eine Möglichkeit, sich hier von Mitbewerbern abzuheben. 

Rückverfolgbarkeit beginnt aber nicht erst bei der Ernte. Die richtige Anwendung von Pflanzenschutzmitteln ist ein grosses Thema – auch für die Konsumenten. Eigentlich würde es doch Sinn machen, dass man den Lebenslauf eines Gemüses genau nachverfolgen kann, auch den Wachstumsprozess. 

Falls man die Daten hat, könnte man das problemlos einführen. Man kann das auch so einrichten, dass nicht alle Informationen auf der Blockchain für jedermann sichtbar sind. Beispielsweise, dass nur ein Zwischenhändler über eine Verschlüsselung Einblick in bestimmte Daten hat. Mit Frachtbriefen und -abrechnungen ist das bereits heute der Fall. Der Vorteil der Blockchain: Alle Informationen sind vorhanden, die Zugangsberechtigungen können aber selektiv bestimmt werden. 

Mit welchem Aufwand müsste ein Gemüsegärtner rechnen, wenn sich die Blockchain-Technologie durchsetzen sollte?

Entscheidend ist, ob Daten bereits vorhanden sind. Wir machen die Erfahrung, dass bereits viele Zahlen gesammelt werden, sich der Zusatzaufwand also in Grenzen halten dürfte. 

Wie weit ist die Lebensmittelbranche?

Das Ganze steht noch am Anfang. Doch gerade im Lauf dieses Jahres hat das Interesse an der Technologie stark zugenommen. Viele starten nun mit ersten kleinen Projekten, um Erfahrungen zu sammeln. n

  www.b11s.io

* Guido Lange ist Geschäftsführer der Block Builders GmbH in Berlin.

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