Gemüsebau im Kanton Jura: Wasserbeschaffung als Zukunftsprojekt

Andreas Stump bewirtschaftet in Courgenay einen kleinen Direktvermarkterbetrieb. In den letzten Jahren leidet sein Gemüse zunehmend am Regenmangel. Mit dem Bau von zwei Auffangbecken soll sich die Situation in Zukunft entspannen.

Gemüseanbau im Jura: Das hört sich nach einer steinigen Angelegenheit an. Doch dieses Problem hat Gemüsegärtner Andreas Stump auf seinen Flächen am Dorfende von Courgenay im Griff. Ein Spezialist fährt regelmässig mit dem Steinbrecher durch die Parzellen. Mehr beschäftigen ihn die Folgen der anhaltenden Trockenheit, die ihn seit über zwei Jahren plagen: «Uns fehlen auch in diesem Jahr 200 bis 300 Millimeter Regen.» In früheren Jahren war er immer ohne Bewässerung ausgekommen. Mittlerweile hat er einzelne Kulturen mit einer Tropfbewässerung ausgestattet. Doch das Wasser ist teuer, denn die Quellen der Gemeinde fliessen mittlerweile so schwach, dass sie Wasser aus Saint-Ursanne zukaufen muss. «Ich gehe davon aus, dass der Klimawandel stattfindet und diese trockenen Phasen zunehmen.» Deshalb baut Stump zurzeit ein Regenauffangbecken für das Dachwasser des Gebäudes. Zudem erhielt er von der Gemeinde die Bewilligung für den Bau eines weiteren 500 Kubikmeter grossen Bassins, in dem er Regenwasser von einem Landwirtschaftsweg auffangen kann. 

Gemüseabos und Hofladen

Andreas Stump vermarktet das Gemüse im Hofladen und über ein Abo-System.

Vor neun Jahren übernahm Andreas Stump den Betrieb von seinem Vater Jakob. Dieser wanderte vor 36 Jahren aus der Region Zürich in den Jura aus. Auf den 5,5 Hektaren Anbauflächen bauen die Stumps eine Vielfalt von saisonalem Gemüse an; Tomaten, Auberginen, Karotten, Kohlarten, Salate, Süsskartoffeln und einiges mehr. Das Gemüse verkauft er zu hundert Prozent direkt an seine Kundschaft. Er pflegt dafür über 200 Gemüseabos. Die Auslieferung der Kisten übernehmen drei Mal in der Woche zwei Fahrer im Stundenlohn. Sie beliefern von Mitte Mai bis Ende November Haushalte im ganzen Kanton Jura. Im Winter wird alle zwei Wochen ausgeliefert. Die andere Hälfte des Einkommens erzielen die Stumps im Hofladen, der ausser am Donnerstag und am Sonntag täglich geöffnet ist. Der hübsch eingerichtete Hofladen ist im ehemaligen Schweinestall untergebracht; sobald jemand eintritt, klingelt die Glocke im Haus. Seine Frau Elena, Vater Jakob oder er selbst übernehmen dann die Bedienung. Ist niemand abkömmlich, wird eine Tafel hingelegt, wo drauf steht, man solle sich Bitte selbst bedienen. 

Ehemalige Praktikantin als Ehefrau

In den Sommermonaten sind zwei Saisonniers aus Polen angestellt. Den ganzen Rest übernimmt die Familie. Andreas Stumps heutige Ehefrau Elena ist nach einem Praktikumsaufenthalt in Courgenay hängen geblieben. Zwei kleine Kinder sind inzwischen dazugekommen, die gebürtige Moldawierin managt unter anderem die Abos. Vater Jakob ist auch den ganzen Tag auf dem Betrieb unterwegs und hilft dort, wo Not besonders am Mann ist. Und das ist oft, denn immer wieder werden ihnen wortwörtlich Steine in den Weg gelegt. Die Baubewilligung für die zwei Foliengewächshäuser wurde ihnen nur unter der Auflage erteilt, dass sie einen Parkplatz neben dem Hofladen erstellen. Diesen muss Andreas Stump nun mit schwerem Gerät aus dem Jurakalk herausbrechen. 

Hier entsteht ein Parkplatz für den Hofladen.

Offen für Experimente

Der 31-Jährige ausgebildete Gemüsegärtner und Obstfachmann ist ein Querdenker und immer offen für neue Wege. Er informiert sich dazu viel im Internet. Dazu passen die neun Wollschweine, die er nach dem Ende einer Kultur jeweils über die Parzellen lässt. «Sie räumen sehr effizient ab und nehmen mir viel Arbeit ab», sagt er. Sie seien mittlerweile ein fester Bestandteil in der Kulturfolge. Ihr Fleisch verkauft er an die Kundschaft. Auf einer anderen Parzelle experimentiert er mit Agroforestry: Er setzte dazu Spargeln unter Obstbäumen. Der Erfolg ist zwar bisher mässig, doch Stump ist nicht dafür bekannt, dass er schnell aufgibt. Er ist es gewohnt, die Hürden zu nehmen

Hier entsteht ein Regenwasser-Auffangbecken.

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