Globuli gegen die Weisse Fliege

Die Heilmethoden der Homöopathie sind vor allem bekannt aus dem Humanbereich. Doch immer mehr Gemüsegärtner experimentieren damit auch bei Pflanzen. Gegen Krankheiten und Schädlinge oder bei Hagel- oder Hitzeschäden.

Von aussen nicht sichtbar: Die Globuli werden im Spritztank aufgelöst.

Die Schlinge zieht sich langsam, aber sicher zu. Den Gemüsegärtnern stehen immer weniger klassische Pflanzenschutzmittel zur Verfügung, weil diese ihre Zulassung verlieren. Seit ein paar Jahren sucht die Branche intensiv nach Alternativen. Mittlerweile wird deshalb sogar die Homöopathie zum Thema. Der online durchgeführten Erfahrungsaustausch Biogemüse des Forschungsinstitutes für biologischen Landbau (FiBL) widmete sich Anfang Dezember dem Thema. Eine Umfrage zu Beginn des Anlasses zeigte, dass sich doch schon einige Gemüsegärtnerinnen und Gärtner mit dem Thema beschäftigen. Die Deutsche Expertin Cornelia Maute lieferte eine Einführung in die Pflanzenhomöopathie. Vorab machte sie klar, dass das Prinzip nur in gesunden Böden mit einer hohen Pflanzenvielfalt funktioniere. Die Globuli werden in Wasser aufgelöst, gut geschüttelt und über den Spritztank oder über das Bewässerungssystem – nicht bei voller Sonne – meistens über die Wurzel verabreicht, bei Schädlingen auch über das Blattwerk. Cornelia Maute stellte fünf Mittel vor, die sich aufdrängen. Aconitum napellus (Blauer Eisenhut) wirke gut bei Witterungsschäden mit Kälte, sagte Maute. Arnica ist vielen mit der alternativen Heilmethode vertrauten Menschen bekannt als Mittel gegen kleine Alltagsverletzungen bei Menschen. Beim Gemüse wären das Verletzungen an Wurzeln oder Trieben, beispielsweise nach einem Hagelschlag. Belladonna (Tollkirsche) wirke gut nach Frost, langer Blattnässe und Feuchtigkeit. Gute Erfahrungen werden dabei bei Salaten gemacht. So etwas wie ein Allrounder unter den homöopathischen Mitteln sei Silicea (Kieselsäure). «Es fördert das Wachstum gegen oben», erklärte Maute. Deshalb sollte es aber besser nicht bei Knollengemüse eingesetzt werden. Sulphur (Schwefel) wird gegen die Weisse Fliege in Kohl eingesetzt. 

Praxiserfahrungen

Stefan Krähenbühl aus Greng am Murtensee setzt auf seinem Bauernbetrieb seit ein paar Jahren auf Homöopathie. Bei seinen Milchkühen kommt er seither ohne Antibiotika aus. Er fragte sich: Weshalb sollte das also nicht auch bei Pflanzen funktioniere? Bei der Krautfäule in Kartoffeln beispielsweise erzielte er gute Erfolge und kam meistens ohne Kupfergaben aus. Am besten sehe man den Erfolg aber bei der Bohnenlaus. Zwei bis vier Tage nach der Saat fährt er dazu mit aufgelösten Globuli von Silicea und Sulfur im Spritztank durch die Kulturen. Nach wiederum zwei bis vier Tagen werde der Vorgang wiederholt. «In diesem Jahr hatten wir so gute Bohnenbestände und keine Ausfälle», erklärte Krähenbühl den 43 am Webinar Teilnehmenden. 

Auch Stefan Herren von der Rathgeb BioProdukte AG experimentierte bereits mit Homöopathie. «Wir suchten vor allem nach etwas Wirksamen, bei dem keine Wartezeiten eingehalten werden müssen und das keine Nebenwirkungen auf die Umwelt hat», erklärt er seine Beweggründe. Die Wirksamkeit sei sehr unterschiedlich. Interessant sei der tiefe Preis für die Produkte, die Kosten seien schon fast vernachlässigbar. Nicht eingerechnet seien hier allerdings die Arbeitskosten, die dann doch beträchtlich seien. Er selbst sieht zurzeit noch mehr Potenzial bei Mikroorganismen-Präparaten, wünscht sich aber mehr Forschungsarbeiten dazu. Einschränkungen bei der Anwendung gibt es übrigens keine. Gemäss FiBL-Betriebsmittelliste dürfen alle homöopathischen Mittel in Potenzen von D6 oder höher verwendet werden mit Ausnahme von Aristolochia (Pfeifenblumen) und Colchicum (Herbstzeitlose). 

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