Hofladen: Leere Gemüse-Regale sind tabu

Ein Hofladen ist kein Selbstläufer. Gefragt ist Professionalität und eine gehörige Portion Kreativität. Fühlt sich die Kundschaft nicht wohl, hat man verloren. Hier ein paar Tipps auf dem Weg zum langfristig erfolgreichen Direktverkauf.

Prall gefüllte Regale erzeugen einen professionellen Eindruck. 

Hofläden sind Gewinner der Corona-Pandemie. Viele waren in manchen Phasen schon fast ein Selbstläufer. Doch, was kommt danach? Die Kundschaft ist schneller verloren als gewonnen. Fehlt im falschen Moment ein Rüebli im Angebot, kann es das schon gewesen sein. Beraterin Manuela Isenschmid von der Liebegg plädiert deshalb für volle Regale. Falls das Angebot an eigenem Gemüse – beispielsweise im Winterhalbjahr – eingeschränkt ist, sei es besser, die Ladenfläche mit einem mobilen Raumteiler etwas zu verkleinern, als leere Regale zu präsentieren. Der Zukauf von Produkten zur Angebotserweiterung sei eine weitere Option. Beispielsweise von Betrieben, die weniger optimal für den Direktverkauf gelegen sind. Viel Potenzial sieht sie sowieso in von Bauern gemeinsam betriebenen Läden an gut frequentierten Orten beispielsweise in der Stadt.

Der erste Eindruck ist bei Hofläden extrem wichtig. Der Gast soll sich nicht nur willkommen fühlen und sich im Laden schnell zurechtfinden, sondern auch einen tadellosen Eindruck haben, dass professionell gearbeitet wird. Und darum geht es letztlich: Wer sich erst nach Feierabend, bereits total verausgabt, um den Hofladen kümmern kann, sollte das noch einmal überdenken. Respektive prüfen, ob und wie die notwendigen personellen Ressourcen organisiert werden können. Denn Direktvermarktung ist ein eigener Betriebszweig und darf im Alltag entsprechend Raum einnehmen. Das Ziel ist es ja letztlich, ein entsprechendes Zusatzeinkommen zu erzielen. «Auf einem Gemüse-baubetrieb gibt es auch ohne Hofladen schon sonst genug Arbeiten zu erledigen», sagt die Fachspezialistin.  

Beleuchtete Hoftafeln

Die Vielfalt unter den Hofläden ist gross. Vom freistehenden Bauwagen über den ehemaligen Kuhstall bis zum früheren Kartoffellagerraum. Diese Authentizität ist eine grosse Chance, um potentielle Kundschaft anzuziehen. Aber: nicht jeder Gemüsegärtnerin oder jedem Gemüsegärtner ist das Flair für Dekoration in die Wiege gelegt worden. Manuela Isenschmid empfiehlt deshalb, sich in anderen Hofläden inspirieren zu lassen oder auch einmal bei für attraktive Frischwarenabteilungen bekannten Detailhändlern wie Manor oder Globus «Betriebsspionage» zu betreiben. Zu mehr Sicherheit und einer angenehmen Atmosphäre trägt beispielsweise das passende Licht bei. Ein gut beleuchteter Laden ist zudem schon von weitem sichtbar, vor allem auch in der dunkleren Jahreszeit. Was allerdings oft fehle, sind beleuchtete Hofschilder an der Strasse, findet Manuela Isenschmid. Auch hinsichtlich der Tatsache, dass immer mehr Verkaufsautomaten mit einem 24 Stunden-Angebot die Hofläden ergänzen. Dieses Potential für Nachtschwärmer könnte auf diesem Weg noch besser genutzt werden. 

Glaubwürdigkeit nicht aufs Spiel setzen

Die korrekte Kennzeichnung der Produkte ist nicht nur gesetzliche Pflicht, sondern versorgt die Kundschaft mit nützlichen Informationen, die beim Kaufentscheid helfen. Kommt der Salat vom eigenen Betrieb oder ist er zugekauft? Ist letzteres der Fall, sollte idealerweise der Produzent angegeben werden. Die Beraterin stellt fest, dass es viele Direktvermarkter genau nehmen mit der Kennzeichnung. Da und dort findet man aber Produktbeispiele mit mangelnden Angaben: Der Preis wird nicht pro Kilogramm oder pro 100 Gramm angegeben oder Kennzeichnungen sind sonst fehlerhaft. Vorsicht auch vor der Bezeichnung mit «Bio», diese darf nur bei Ware verwendet werden, die wirklich aus kontrolliertem biologischem Anbau stammt. Solche mangelnde Sorgfalt mag in der Regel vor allem in der Hauptsaison vorkommen und ist dem Zeitmangel geschuldet. Trotzdem leidet darunter natürlich die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen in die Betreiberin oder den Betreiber des Hofladens. Und dieses ist in der Direktvermarktung ein sehr hohes Gut. 

Der erste Eindruck entscheidet, ob sich die Kundschaft in einem Hofladen wohlfühlt.

Mehr als Desinfektionsmittel

Dank der Pandemie ist die Sensibilität in Sachen Hygiene deutlich gestiegen. Die Covid19-Vorschriften mit den entsprechenden Massnahmen werden von Hofladenbetreibern gut eingehalten. Doch natürlich geht es noch viel weiter: Mit einem gut durchdachten Selbstkontrollkonzept erfüllt man nicht nur die Anforderungen der Lebensmittelgesetzgebung, sondern hat selber Gewissheit, dass Temperaturen im Kühlregal stimmen und die Produkte im Hofladen richtig gelagert sind. Doch Hygiene spielt sich vor allem auch im Kleinen ab: In bedienten Hofläden beobachtet Manuela Isenschmid manchmal, wie frische Ware und Münzgeld durch die gleiche Hand gehen. Solche Bakterien- und Virenhotspots sollten konsequent vermieden werden. Klar ist irgendwie auch, dass Tiere im Hofladen nichts verloren haben. Um Hundebesitzerinnen und -besitzer trotzdem bei Laune zu halten, hilft eine entsprechend markierte Anbindestelle vor dem Laden. Weshalb nicht noch gerade einen Hundenapf platzieren und ein paar kleine Leckereien für den Hund bereithalten? 

Der Umgang mit Zweitklass-Ware

Die Hofläden stehen letztlich in Konkurrenz zum üblichen Detailhandel. Und dort kommt bekanntlich vor allem erstklassige Ware in den Verkauf. Deshalb rät die Beraterin zu einem gut überlegten Umgang mit sogenannt zweitklassiger Ware im Hofladen. Sie sei auch schon erschrocken ab tiefen Preisen beispielsweise bei Sugo-Tomaten, sagt sie. «Da hat man dann fast schon ein schlechtes Gewissen beim Kauf.» Sie appelliert in solchen Fällen an Kreativität im Marketing. «Weshalb nicht neben der Kasse eine originell beschriftete Verpackung mit dreibeinigen Rüebli oder klein geratenen Randen platzieren?» Und das zu einem angemessenen Preis, versteht sich. Letztlich gehe es ja immer darum, dass man kostendeckende Preise erzielen könne. «Bei der Preiskalkulation für die Vermarktung sollte immer ein Stundenlohn von mindestens 25 Franken eingesetzt werden», sagt Manuela Isenschmid. 

Und noch einen Tipp hat sie auf Lager. Was die Grossverteiler mit der gleich vor der Kasse platzierten Schokolade und den Kaugummis an der Kasse machen, funktioniere auch im kleinen Hofladen. «Im Kassenbereich lässt sich der Kundenfranken noch einmal erhöhen.» Passend zum Hofladen beispielsweise mit Gemüsechips, Apfelringli, gesalzenen Baumnüssen oder 5dl-Mostfläschchen. n

  Preiskalkulation (Agridea): www.bit.ly/formular-direktvermarktung

  www.vomhof.ch/de/anbieter/wissenswertes/gut-zu-wissen/

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