Holzschnitzel für Jungpflanzen

Abnehmer von Schweizer Gemüse wünschen sich, dass Gewächshäuser künftig nicht mehr mit fossilen Brennstoffen beheizt werden. Die Jungpflanzen-Firma SwissPlant Gmbh heizt seit diesem Winter mit Holz aus der Region.

Martin und Sandro Löffel benutzten für ihre Gewächshäuser künftig eine Holzschnitzelheizung

Migros gab Anfang Jahr bekannt, dass Sie ab 2025 nur noch Schweizer Gemüse aus fossilfrei beheizten Gewächshäusern verkaufen werde. Betroffene Gemüsegärtner machen sich seither intensiv Gedanken darüber, wie und mit welchen Technologien sie die hohen Anforderungen erfüllen können. Eine Option sind Holzschnitzelheizungen. Der Jungpflanzenproduzent SwissPlant Gmbh in Müntschemier beheizt seine Gewächshäuser seit diesem Herbst weitgehend CO2-neutral mit Holzschnitzeln. 

Entscheid zu Gunsten der Ökologie

Mit der Planung der Umstellung des Energieträgers von Öl auf Holzschnitzel begannen Firmenbesitzer Martin Löffel und sein Sohn Sandro vor zwei Jahren. Zusammen mit einem Planungsbüro und der DM Energieberatung AG, welche den Energiebedarf berechnete. Sandro Löffel nutzte die Gelegenheit und verfasste dazu im Rahmen seiner Weiterbildung zum Agro-Kaufmann  HF die Diplomarbeit über das Projekt. Die Aufgabe: Einer der drei Ölheizungen musste saniert werden. Theoretisch wäre es sogar erlaubt gewesen, diese durch eine neue Ölheizung zu ersetzen. Das kam für Martin Löffel aber nicht in Frage: «Aus ökologischen Gründen entschieden wir uns für die CO2-neutralen Holzschnitzel». Im Vergleich zur Ölheizung liegen die Anfangsinvestitionen etwa vier Mal höher. Doch mit den Jahren würden sich die Kosten im Vergleich zu Öl wieder ausgleichen, sagt er. Die jährlichen Kosten für die Rohstoffbeschaffung halbieren sich im Vergleich zu früher, weil die Holzschnitzel günstiger als Öl sind. 

Das (hier noch leere) Holzschnitzellager und die zwei 100 000 Liter Wärmespeicher mussten neu gebaut werden.

Bei der gleichen Heizleistung rechnet Sandro Löffel mit einer jährlichen Einsparung von rund 190 000 Liter Heizöl, respektive 123 Tonnen CO2. Für das eingesparte CO2 können sie als Kompensation Bescheinigungen handeln, die zurzeit etwa 100 Franken pro Tonne wert sind. Rund 85 Prozent des Wärmebedarfs der 3,2 Hektaren beheizten Gewächshausfläche werden künftig in Müntschemier aus Holzschnitzeln erzeugt. «Die ganze Energie mit Holzschnitzeln zu erzeugen, wäre nicht wirtschaftlich gewesen», erklärt Martin Löffel. Die zwei bisherigen Ölheizungen bleiben deshalb stehen und werden zur Abdeckung der Energiespitzen genutzt. 

Wärme wird zwischengespeichert

Grosse Heizungen brauchen entsprechende Expansionsgefässe .

Die Holzschnitzelheizung mit einer Leistungskapazität von 1200 Kilowatt wurde von der Firma Schmid Energy aus Eschlikon konzipiert und installiert. Dazu war der Bau eines neuen Gebäudes nötig, mit einem zusätzlichen Lager für 300 m3 Schnitzel und zwei über 11 Meter hohen 100 000-Liter-Wärmespeichern, in denen die als Grundlastenergie anfallende Holzwärme zwischengespeichert wird. Insgesamt kostete die Anlage inklusiv Neubauten rund 1,5 Millionen Franken. 

Mehrjähriger Liefervertrag

Die Holzschnitzel stammen aus der Region, das ist vertraglich geregelt. Dafür wurde ein mehrjähriger Liefervertrag einer auf den Handel mit Holzschnitzel spezialisierten Firma abgeschlossen, welche die Versorgung sicherstellt. Während der Volllastzeit in den Frühlingsmonaten braucht es täglich 40 m3 Holzschnitzel. Abgerechnet werde aber nur die tatsächlich geleistete Wärme, erklärt Sandro Löffel. Denn je nach Holz ist die Heizleistung sehr unterschiedlich. Die Preise sind auf fünf Jahre fixiert. 

Mit der umweltfreundlichen Heizung erfüllt die Jungpflanzen-Firma die von den Abnehmern bereits gestellten und in Zukunft zusätzlich absehbaren strengeren Anforderungen an die Energieträger bei der Beheizung von Gewächshäusern. «Migros-Lieferanten wissen nun, dass unsere Jungpflanzen bereits CO2-neutral produziert worden sind», sagt Martin Löffel. 

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