Hühnermobil Marke Eigenbau

Mobile Hühnerställe für die Eierproduktion boomen. Man kann eine fertige Lösung kaufen oder selbst zum Schweissapparat greifen. Auf dem Haldenhof in Rotkreuz stehen zwei umgebaute Lastwagenanhänger, in denen es den Hühnern bestimmt an nichts mangelt.

Der grössere der beiden zu Hühnermobilen umgebauten Lastwagenanhänger beherbergt bis zu 500 Hühner.en Lastwagenanhänger beherbergt bis zu 500 Hühner.

Es sind rosige Zeiten für Händler von Hühnermobilen. Mit dem Corona bedingten Direktvermarktungs-Boom kommen viele Landwirte auf den Geschmack. Denn freilaufende Hühner auf der Wiese und ihre Eier kommen bei der Kundschaft besonders gut an. Deshalb stehen immer mehr der verschiebbaren Ställe in der Landschaft. Kaum zu übersehen sind die beiden ehemaligen Sattelauflieger auf dem Haldenhof links und rechts von der dichtbefahrenen Strasse nach Rotkreuz ZG. Landwirt Ralph Buholzer baute sie eigenhändig zu mobilen Hühnerställen um. Einer der mittlerweile zahlreich angebotenen Mobilställe ab Stange kam für ihn nicht in Frage. Diese waren für ihn zu unpraktisch, mit zu viel Handarbeit verbunden oder schlicht nicht gut genug für seine Ansprüche an eine tierfreundliche Hühnerhaltung. Der Preis war dabei nicht ausschlaggebend: «Deshalb baut man kein solches Hühnermobil selbst», sagt er. Er schätzt die Kosten beim kleineren rund 300 Tiere fassenden im Jahr 2017 gebauten kleineren Stall auf 50’000 Franken, beim grösseren ein Jahr später hinzugekommenen mit 500 Tieren auf 100’000 Franken. Effizienz in den Abläufen steht bei ihm Vordergrund: «Tägliche Arbeiten müssen wenn möglich automatisch oder sehr einfach zu erledigen sein.» Bei genauerer Betrachtung der mobilen Ställe wird dann auch klar, wo das Geld steckt.

Eine Smarthome-Software regelt
Die Klimasteuerung kann über das Mobiltelefon gesteuert werden.

Für den Bau des ersten Stalls vor mittlerweile vier Jahren verwendete er einen ausgedienten ehemaligen fast 50-jährigen über 11 Meter langen Kühlwagen von Migros. Die von aussen nicht sichtbare Einrichtung ist auf modernstem Stand der Technik und kann mit jedem fixen Stall problemlos mithalten. Auf dem Dach sind Photovoltaik-Pannel mit einer Leistung von drei Kilowatt installiert, verbunden mit einem 1000 Ah-Batteriespeicher. Den Strom braucht es unter anderem für den Betrieb der gestaffelten Frischluftversorgung, für die Kettenfütterung, die Eierbänder, die Entmistung oder das LED-Licht. Beide Ställe werden mit einer sonst im Einfamilienhaus-Bereich eingesetzten Smarthome-Software gesteuert. Anstatt Rollläden gehen hier die Türchen zum Auslauf, respektive Wintergarten auf. Bei Störungen und Ausfällen von Geräten erfolgt sofort Meldung per SMS oder Telefon. Einrichtungen wie die Legenester, Nippeltränken oder die Kettenfütterung bezog er bei Clerici Gino SRL aus Como/IT. «Er ist einer der wenigen Hühnerstalleinrichter auf dem Schweizer Markt, der individuelle Lösungen und Anpassungen auch für kleinere Ställe anbietet», erklärt Buholzer. Die kleinere Version des Mobilstalls wiegt 8, das schwere Gefährt 14 Tonnen. Um sie ohne Bodenverdichtung und einfacher verschieben zu können, ersetzte der mit dem Schweissapparat bestens vertraute Landwirt jeweils die vorhandene eine Achse durch Doppelachsen mit Breitreifen. Denn alle vier bis sechs Wochen verschiebt er die Ställe mit dem Traktor.

Ralph Buholzer baute vor vier Jahren zuerst den kleineren ehemaligen Kühlwagen zu einem Hühnermobil um.
Offiziell zertifiziert

Insgesamt leben 750 Hühner – inklusive ein paar Hähne­ – auf den Wiesen rund um den Haldenhof. Das grössere Hühnermobil hat eine Länge von Deichselspitze bis Ende Balkon von rund 16 Metern. «Er ist mit der ersten Version nicht mehr vergleichbar», sagt Buholzer. Die Solaranlage hat hier eine Leistungskapazität von 5 Kilowatt, die Batterie speichert 2000 Ah Strom. Um den Energiebedarf des Hightech-Wagens auch im Winter einigermassen decken zu können, kommt zusätzlich zu den im Dach integrierten Modulen ein Anhänger mit Solarpanneln unterstützend dazu. Alleine die Energieversorgung kostete um die 20’000 Franken. Der ehemalige Auflieger ist vier Meter hoch und 2.55 m breit. Im Gegensatz zum alten Wagen hat er keinen integrierten Aussenklimabereich. Wie beim alten Wagen sind alle Anforderungen des Tierschutzes, die auch in einem fixen Hühnerstall gelten, mehr als erfüllt. Der grosse Stall ist sogar vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) offiziell zertifiziert. Obwohl er deshalb in die Serienproduktion gehen dürfte, ist das nicht geplant. Nicht nur weil ihm die Zeit fehlt, schliesslich muss er mit seinem Vater und einem langjährigen Angestellten noch die 26 Hektaren Landwirtschaftsflächen mit 200 Mastschweinen und 100 Jersey-Ochsen bewirtschaften. Es gebe zwar viele Interessenten für die beiden Hühnermobile, sagt Buholzer. Doch spätestens, wenn man über Preise spreche, hörten sie jeweils auf mit Fragen. «Jeder darf aber gerne vorbeikommen, und sich das Ganze ansehen».

Geduld mit Behörden verlangt
Die Inneneinrichtung kann es mit jedem herkömmlichen modernen Hühnerstall aufnehmen.

Dass die beiden Hühnermobile für die Haldenhof-Eier braun respektive grün bemalt sind, ist kein Zufall. Es war eine der Auflagen, die der Kanton ihm machte. Die Zulassungs-Behörden taten sich schwer mit der damals noch ungewohnten Art der professionellen Hühnerhaltung in verschiebbaren Ställen. «Es brauchte 16 Monate, bis die Leute begriffen hatten, dass das Vorschreiben einer Holzfassade in einem Hühnermobil aus hygienischen Gründen keinen Sinn macht», sagt Buholzer genervt. Zudem hätten sie zwischenzeitlich verlangt, dass bei jedem Verschieben eine Baubewilligung erforderlich ist. Übrig blieb bei ihm am Schluss die Vorschrift, dass die beiden Wagen braun respektive grün bemalt werden mussten. Zudem musste der Eierautomat, über den die meisten der täglich anfallenden 750 Eier vermarktet werden, von der Strasse etwas näher Richtung Betrieb verschoben werden. Dort hat es nun dafür aber mehr Parkplätze. Und die sind nötig. «Am Wochenende herrscht hier ein intensiver Stopp-and-Go-Betrieb», sagt Lebenspartnerin Michèle Bammert. Sie ist für das Marketing der Eier zuständig, die im Automaten für 60 Rappen pro Stück verkauft werden.

Ralph Buholzer und Lebenspartnerin Michèle Bammert beim Phototermin.
Neueinsteiger aufgepasst

Grundsätzlich gelten in mobilen Lösungen die gleichen Tierschutzvorschriften wie bei fixen Ställen. Das Aufstellen wird kantonal und je nach Ort aber rechtlich unterschiedlich gehandhabt, manchmal werden stattliche Gebühren erhoben. Mit der Zunahme der mobilen Hühnerhaltung scheinen die Behörden allgemein eher sensibler zu werden. Nicht selten braucht es wie im Kanton Zug eine Baubewilligung. Interessierte Landwirte sollten sich deshalb unbedingt vor dem Kauf oder Eigenbau eines Hühnermobils über die örtlichen Bedingungen informieren. Auch sonst sollte man sich die Sache gut überlegen. Zwar profitiert das System vom positiven Image bei der Kundschaft. Aber der Aufwand darf nicht unterschätzt werden: So fallen zusätzliche Arbeitsstunden für die Betreuung der Tiere, das Verschieben der Ställe oder das Umzäunen an. Zudem bestehen insbesondere bei Eigenkonstruktionen technische Hürden: Die Versorgung mit Wasser und Strom muss jederzeit gesichert sein, egal wie weit weg der Wagen steht. Die Gewährleistung des Stallklimas bei den äusseren Temperaturschwankungen ist zudem eine stete Herausforderung. Ausser, wenn eine automatische Lüftung installiert ist, wie in Rotkreuz.

Low-Budget: Ehemaliger Ladewagen
Ehemaliger Ladewagen als Hühnermobil auf dem Biohof von Hans Peter Schneider in Rubigen.

Dass es aber einfacher und günstiger geht, zeigt Biobauer Hans Peter Schneider aus Rubigen BE. Auch er stellte im letzten Jahr in der Direktvermarktung ein zunehmendes Interesse der Kundschaft an frischen Eiern fest, weshalb er seine Hühnerherde auf kleinem Niveau vergrössern wollte. Die fertigen mobilen Lösungen waren ihm aber zu teuer. Er baute deshalb einen alten Ladewagen für 50 Hühner um. «Es war eine Art Familienprojekt über den Winter», sagt er. Den Kratzboden benutzt er für die Entmistung. Die Hühnerklappe wird automatisch, über eine Zeitschaltuhr betrieben. Der Strom dazu wird von einem Solarpanel produziert. Auch für das Licht im Hühnerstall wurde ein Solarpanel auf das Dach montiert, das den Strom in eine Autobatterie abgibt. Den Wagen verschiebt er alle drei Wochen, der Aufwand halte sich so in Grenzen, sagt er. Die Eier verkauft er unter dem Label «Bio-Weide-Ei» für 80 Rappen. Das Beispiel zeigt: Die Vielfalt unter mobilen Hühnerställen ist so gross wie die der Bauernhöfe in diesem Land. Und: Es muss nicht immer Hightech sein wie in Rotkreuz.

Tipps für die Eierproduktion in Hühnermobilen   
Richten sie die Grösse des Stalles und der Herde an den Absatzmöglichkeiten aus. Überproduktion führt zu Foodwaste und finanziellen Verlusten.
Klären sie vorab bei den Behörden ab, ob es für mobile Ställe Auflagen zu beachten gibt oder ein Baugesuch gestellt werden muss.  
Selbstgebaute und im Handel angebotene mobile Hühnerställe müssen alle geltenden Vorschriften des Tierschutzgesetzes erfüllen.
Die Flächen auf dem Betrieb müssen sich für die Hühnerweide und das Stellen des Hühnermobils eignen. Steile oder windige Lagen sind ungeeignet.
Die Arbeitsressourcen müssen reichen für das regelmässige Verschieben des Mobilstalls, die Fütterung und Wasserversorgung, die Tierbetreuung sowie für das Einsammeln der Eier.
Neueinsteiger besuchen idealerweise das Weiterbildungs-Modul Eierproduktion am Aviforum.

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