Mehr Biozucker von Schweizer Äckern

Die Nachfrage nach Schweizer Biozucker übersteigt das aktuelle Angebot deutlich. Der Anbau von Biozuckerrüben ist sehr aufwändig. Werden sie als Jungpflanzen gesetzt anstatt gesät, kann der Jätaufwand aber reduziert und der Verdienst erhöht werden.

Trotz hohen Kosten für Personal und Jungpflanzen lohnte sich das Setzverfahren in den Versuchen.

Bis vor ein paar Jahren wagten sich nur ein paar Hartgesottene an den Anbau von Bio-Zuckerrüben. Vor allem der grosse Unkrautdruck, die Schädlingsbekämpfung sowie die unattraktiven Abnahmepreise wirken abschreckend. Doch nun hat sich das Umfeld geändert: Die Anbauflächen für Bio-Zuckerrüben stiegen in den letzten fünf Jahren deshalb von 11 auf rund 195 Hektaren in diesem Jahr. Damit liegt die Produktion im gesamten Schweizer Zuckermarkt zwar immer noch im Nischenbereich, doch die Mengen sollen weiter steigen. Denn die Nachfrage nach Schweizer Biozucker liegt deutlich über dem Angebot, weshalb die Zuckerfabrik den grössten Teil der Biorüben zurzeit noch aus Deutschland importieren muss. Die rund 700 Tonnen Bio-Zucker aus der Schweiz werden zurzeit direkt im Detailhandel verkauft. «Mit dem ansteigenden inländischen Angebot soll er künftig aber auch in die lebensmittelverarbeitende Industrie fliessen», sagt Raphael Wild von der Schweizer Zucker AG. Die Nachfrage nehme auch hier zu.

Konkurrenzvorsprung vor Unkraut

Um den inländischen Anbau anzukurbeln erhöhte die Schweizer Zucker AG die Abnahmepreise deutlich auf in diesem Jahr rund 158 Franken pro Tonne, das ist drei Mal mehr als bei den konventionellen Zuckerrüben. Darin eingeschlossen ist seit 2017 eine Prämie von 30 Franken pro Tonne auf den Basispreis. Zum anderen engagiert sich die Fabrik in einem Projekt mit weiteren Partnern aus der Branche wie beispielsweise Bio Suisse (siehe Kasten), um die Anbautechniken zu verbessern. Im Fokus steht dabei die Suche nach Lösungen, mit denen sich die im Biolandbau anfallenden teuren Jätstunden reduzieren lassen. In Versuchen stellte sich das bisher im Schweizer Zuckerrübenanbau noch kaum bekannte Setzverfahren als mögliche Schlüsseltechnologie für die Zukunft heraus. Die Kosten für die Setzlinge von rund 3000 Franken pro Hektare lassen sich mit dem hohen Abnahmepreis für Biozuckerrüben decken. Im Vergleich zur gesäten Zuckerrübe hat die gesetzte Jungpflanze einen sechswöchigen Wachstums-Vorsprung, wenn sie in den gelockerten Boden kommt. Damit trotzt sie dem Unkraut, Schnecken oder Drahtwürmern. Zudem lassen sich weitere Unkrautbearbeitungsschritte und damit Kosten einsparen.

Setzlinge aus der Schweiz

Nach anfänglicher Skepsis ist Biobauer Philippe Faivre aus dem jurassischen Montignez mittlerweile so überzeugt vom Zuckerrüben-Setzen, dass er im Winter eine eigene Setzmaschine kaufte. Neben seinem frisch geeggten Acker stehen an diesem Tag im April die biozertifizierten Zuckerrüben-Setzlinge bereit. Sie stammen mehrheitlich aus der Bretagne, da in Frankreich schon seit Längerem Futterrüben gesetzt werden und entsprechend Knowhow vorhanden ist. «In diesem Jahr sind versuchsweise aber erstmals ein paar Jungpflanzen aus der Schweiz dabei», sagt Bioberater Milo Stoecklin. Er arbeitet für die Fondation Rurale Interjurassienne (FRI) und ist für die Durchführung des Projektes verantwortlich. Man wolle prüfen, ob es auch möglich wäre, mit Schweizer Setzlingen zu arbeiten. Sieben Leute inklusive Fahrer sind mit Faivres Setzmaschine auf dem mittelschweren Boden unterwegs, pro Tag schaffen sie maximal 1.5 Hektaren. «Die Investitionen in Arbeitskräfte, Maschinen und Setzlinge sind hoch», sagt Stoecklin. Doch in den Versuchen erzielte das Verfahren im Vergleich zur sonst üblichen Aussaat trotzdem einen höheren Deckungsgrad. Das lag vor allem an den deutlich tieferen Jätstunden.

Biobauer Philippe Faivre hat sich eine Setzmaschine gekauft.

Grossflächiger Anbau in diesem Jahr

In diesem Jahr setzen Biobetriebe schweizweit nun bereits auf über 60 Hektaren auf Biozuckerrüben-Jungpflanzen. «Nach diesem Jahr werden wir deshalb definitiv sehen, wie praxistauglich das Ganze ist», sagt Bioberater Milo Stoecklin. Kritiker bemängeln vor allem das Risiko der hohen drohenden finanziellen Verluste bei einem Ausfall der Kultur. Stoecklin sieht das allerdings anders: «Mit dem teureren Setzverfahren kauft man sich viel eher Ertragssicherheit.» Mit Erträgen ab 38 Tonnen pro Hektare seien die Kosten nämlich gedeckt, was deutlich unter dem im letzten Jahr erzielten durchschnittlich geernteten 65 Tonnen liege. Obwohl eine gute Wasserverfügbarkeit natürlich ideal wäre, habe sich gezeigt, dass die Jungpflanzen beispielsweise auch längere, trockene Phasen gut überstehen würden. Zudem könne er sich vorstellen, dass die Zuckerrübe dank dem zeitlichen Vorsprung auch besser gegen den Befall von Blattläusen geschützt ist, die unter anderem für die Ausbreitung der virösen Vergilbung verantwortlich sind. Und das System lasse sich noch weiter optimieren. Versuche mit automatischen Hackgeräten zur Senkung der Arbeitskosten sind deshalb Teil des Projektes, erzielten allerdings noch keinen durchschlagenden Erfolg. Auch an den Setzlingen könne man noch arbeiten, findet Stoecklin. «Im Gegensatz zu den gesäten Kulturen entwickeln sich die Wurzeln im Setzlingskorsett noch zu fest in die Breite anstatt in die Länge.» Obwohl die gesetzten Zuckerrüben vielleicht auch deshalb eine Tendenz zu oberirdischem Wachstum hätten, habe sich das in den Erträgen aber nicht negativ ausgewirkt.

Die biozertifizierten Setzlinge kosten rund 3000 Franken pro Hektare.

Chance nutzen

Der Zuckerrübenanbau biete Biobetrieben eine interessante Zukunftsperspektive, da er sich an den meisten Orten gut in die Fruchtfolge einbauen lasse, findet Stoecklin. Es brauche eigentlich mit der Setzmethode keine zusätzlichen speziellen Geräte. Wenn ein Gemüsegärtner in der Nähe sei, könne man dessen Setzmaschine nutzen oder mit einem Lohnunternehmen arbeiten. Möglicherweise bieten sich für Tierhalter mit den Rübenschnitzeln als Nebenprodukt sogar eine zusätzliche Möglichkeit zur Erweiterung der Futterpalette. Für Stoecklin, der auf seiner Betriebsgemeinschaft in Séprais selbst Zuckerrüben setzt, ist klar: «Die Biobäuerinnen und -bauern sollten diese Chance nutzen.»

Unterschied zwischen gesäten und gesetzten Zuckerrüben

Durchschnitt 2019/2020Ertrag (t/ha)Handarbeit (h)Deckungsbeitrag (Fr./ha)Deckungsbeitrag (Fr./Stunde)
gesät52.01101.719703.0597.40
gesetzt65.3475.178576.25114.10
Resultate der Anbauversuche mit Biozuckerrüben (Quelle: Milo Stoecklin)

Die Schweizer Zucker AG unterstützt den Anbau von Schweizer Biozuckerrüben und fördert diese in Zusammenarbeit mit dem SVZ (Schweizerischer Verband der Zuckerrübenpflanzer), dem FiBL (Forschungsinstitut für biologische Landwirtschaft), Coop und Bio Suisse in einem gemeinsamen Projekt seit 2017. Es wird zusätzlich vom BLW mit dem Förderprogramm Qualität und Nachhaltigkeit (QuNaV) unterstützt.

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